Ort: Parc del Fòrum, Barcelona
Band: Einstürzende Neubauten, Rilo Kiley, Water from your eyes, Addison Rae, The Cure

Friday I’m in love. Dieser Tag ist The Cure Tag. Und damit ist der Abend geblockt. Zwar spielt die Band nicht vier Stunden, wie sie es vor Jahren hier gemacht haben, aber die angesetzten knapp drei Stunden sind ja auch eine Hausnummer. Wir sind alle älter geworden und drei Konzertstunden fühlen sich mittlerweile wie fünf Stunden an. Will sagen, mal gucken, ob ich die drei Stunden schaffe. Denn vorher passiert ja auch noch etwas: Die Einstürzenden Neubauten zum Beispiel, die ich das erste Mal live sehe, oder Water from your eyes und Addison Rae, die direkt vor The Cure auf der Nachbarbühne spielt.
Um es gleich zu sagen: Dummerweise ist die Erkältung mittlerweile so hartnäckig geworden, dass ich später The Cure die letzten Songs alleine spielen lassen muss. Aber das ist nicht das Ende der Welt, nur etwas ärgerlich.
Nachmittags auf dem Weg in den Parc del Fòrum studiere ich die sozialen Medien. Sie sind immer noch voll von Anmerkungen zum gestrigen Abend und dem Ausfall des Massive Attack Konzerts. Jedes Posting von Primavera Sound ist voll mit kritischen Kommentaren und sarkastisch-ironischen Anmerkungen. Aber es ist auch schon ärgerlich. Die massivste Kritik richtet sich dabei gegen die mangelnde Informationspolitik. Der Tenor: Nutzt doch die vielen Monitore und Leinwände für eine Weitergabe von Informationen und nicht für Werbung in Dauerschleife. Ein berechtigter Einwand, denke ich.

Erster Stopp: Auditori.
Heute klappt es entspannt mit dem Einlass. Aber Blixa Bargeld ist auch nicht Cameron Winter. Der Hype hält sich bei den Einstürzenden Neubauten aktuell in Grenzen. Vielleicht war das vor 40 Jahren anders.
Wir kommen pünktlich zu „Wedding“ in den Saal. Bis auf die Plätze in der 2. Etage ist der große Saal voll. Parallel läuft zu dieser Zeit – die Einstürzenden Neubauten belegen den Slot zwischen halb acht und halb neun – nicht so viel auf dem Gelände. Okay, da wären noch Slowdive, aber ob die auf einer der beiden großen Bühnen richtig funktionieren, ich habe Zweifel. Die Neubauten funktionieren im Auditori dagegen sehr gut. Der Sound ist perfekt und keine Außengeräusche stören die mal fragilen, mal lauten Melodien. Bewusst kenne ich nichts von den Einstürzenden Neubauten, fühle mich aber direkt heimisch. Schon mit dem ersten Song “Wedding” bin ich angekommen. Warum habe ich diese Band eigentlich bisher noch nicht live gesehen? Ich kann das in dem Moment nicht wirklich nachvollziehen. Das Konzert gefällt mir sehr, ich beschließe, auch die restlichen 45 Konzertminuten noch hier zu sitzen. Da sie sich ein bisschen mit der Zeit verhaspeln, bleibt sogar noch Zeit für eine Zugabe. Finde ich gut.
Setlist Einstürzende Neubauten:
01: Ten Grand Goldie
02: Ist ist
03: Wedding
04: Grazer Damm
05: Die Befindlichkeit des Landes
06: Sonnenbarke
07: Sabrina
08: Gesundbrunnen
09: How did I die?
Zugabe:
10: Let’s do it a Dada
Was ist die Befindlichkeit des Landes? Melancholie.
Einstürzende Neubauten

Bedingt durch meine Entscheidung, die Einstürzenden Neubauten bis zum Ende zu sehen, bleiben mir nur noch die Schlusssequenzen von Rilo Kiley, die blöderweise zeitgleich mit den Neubauten auftreten. Also husche ich kurz vorbei, höre anderthalb Songs und mavhe mich dann weiter auf den Weg in Richtung Sonnensegel. Unten am Hafen spielen auf einer der kleineren Bühnen Water from your eyes. Alte bekannte, die ich hier und beim Primavera Sound Weekender vor ein paar Jahren bereits live sehen durfte. Aber auch hier kann ich nicht bis zum Ende bleiben. The Cure warten und ich muss rüber auf die andere Seite des Festivalgeländes – Primavera Sound gibt die Laufzeit mit 15 Minuten an -, um noch einigermaßen weit nach vorne zu kommen und um das Konzert nicht nur auf der Leinwand verfolgen zu müssen. The Cure spielen 25 Minuten nach dem letzten Gitarrenton von Water from your eyes, erst dann loszugehen, das wäre mir zu knapp.

Als ich auf dem großen Gelände ankomme, laufen die letzten Songs von Addison Rae. Na, das ist ja mal ein Opener für The Cure, denke ich im Spaß. Addison Rae spielt auf der zweiten großen Bühne, während nebenan noch letzte Installationsarbeiten für das folgende The Cure Konzert vorgenommen werden. Natürlich stehen hier schon alle und warten auf The Cure, und langweilen sich beim Auftritt der amerikanische Influencerin, Tänzerin, Schauspielerin und Sängerin. Der „Diet Pepsi“ Song versus „The walk“. Unterschiedlicher geht es nicht. Aber mir gefällt sowas. Ich habe mir auch letztes Jahr ein bisschen Sabrina Carpenter angeschaut. Die Choreographie ist ganz nett anzuschauen, musikalisch ist es dagegen etwas dürftig. Ihre Musik klingt nach 2002, bemerke ich, aber die ganz großen, spontan eingängig klingenden Songs gibt es nicht. Warten wir mal auf ein zweites Album…
The Cure. Die muss ich mir natürlich angucken. Vielleicht sieht man sie nie wieder live. Es ist zumindest die letzte Welttournee der Band, so die Ankündigung.
Vor 50 Jahren beschloss Robert Smith, zusammen mit Lol Tolhurst, Martin Creasy und Porl Thompson eine Band zu gründen. Sie nannten sich Easy Cure, 1978 wurde daraus das Trio The Cure, nachdem der Gitarrist Porl Thompson die Band verlassen hat und zuvor schon Michael Dempsey Martin Creasy ersetzt hatte. „Killing an Arab“, „Boys don’t cry“ und „Jumping someone else’s train“ sind die 1970er Jahre Singles der Band. Das ist ein irgendwie ungreifbarer Zeitraum. 2025 erschien ein neues Album, Songs of a lost world. Es ist ihr 14. Studioalbum. 2026 geht die Band nochmal auf Tour, Startpunkt ist dabei an diesem Freitag in Barcelona. „Alone“, „Pictures of you“, „High“, „A night like this“, „Lovesong“. Es ist ein guter Start. Die Stimmung auf dem riesengroßen Platz ist euphorisch. „2 late“, die B-Seite der „Lovesong“ Single kennt dagegen nicht jeder und es wird etwas ruhiger um mich herum. “The last day of summer” (Bloodflowers) und „Burn“ vom The Crow Soundtrack lassen den Begeisterungslevel erstmal nicht steigen. Klar, wir stehen nicht in der Hardcore The Cure Fanfraktion, die seit Stunden vor der Bühne ausharrt. Wir stehen da, wo die Musikinteressierten stehen, die sich nicht voll und ganz im Backkatalog der Band auskennen. Bei einem Festival ist das allerdings die schwierigste Position, die man einnehmen kann. Man ist nicht so enthusiastisch, um ganz früh vor einer Bühne zu stehen; man ist aber auch nicht so stark partymäßig unterwegs, dass es einem egal ist, welcher Song gerade läuft und man nur kurz bei den Hits aufschaut. Und den richtigen Platz zwischen diesen beiden Lagern zu finden, ist oft nicht immer leicht. Für ganz vorne ist man zu spät dran, und wenn man Pech hat, schafft man es auch nicht mehr, die Laberzone der semi-Interessierten hinter sich zu lassen. Festivalluxusprobleme eben. Die wir aber ganz gut gelöst haben. Ach ja, „Burn“ ist ein verdammt guter Song, den Basslauf zu Beginn finde ich großartig.
Im Lineup der Band gab es über die Jahre immer mal wieder Veränderungen. Aktuell stehen neben Robert Smith, Simon Gallup, Jason Cooper, Roger O’Donnell, Reeves Gabrels und nach längerer Zeit auch wieder Eden Gallup, der Sohn von Simon Gallup, im The Cure Kader. Das Konzert hält nicht allen Erwartungen stand. Mein The Cure Lieblingslied „Jumping someone else’s train“ spielen sie nämlich nicht. Und auch nicht „One hundred years“. Aber ansonsten war es ganz okay. Und ein nicht enden wollender „Endsong“ und ein wunderschönes „From the edge of the deep green sea“ als letzte Songs vor der 9-Song-Zugabe entschädigt dann schon ein Stück weit.

Setlist The Cure:
01: Alone
02: Pictures of you
03: High
04: A night like this
05: Lovesong
06: 2 Late
07: The last day of summer
08: Burn
09: Fascination Street
10: alt.end
11: The walk
12: Mint car
13: In between days
14: Just like heaven
15: Trust
16: Push
17: Play for today
18: A Forest
19: From the edge of the deep green sea
20: Endsong
Zugabe:
21: Lullaby
22: Hot Hot Hot!!!
23: Wrong number
24: Let’s go to bed
25: The Lovecats
26: Friday I’m in love
27: Close to me
28: Why can’t I be you?
29: Boys don’t cry
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