Chilly Gonzales & Jarvis Cocker – Hamburg, 17.03.2017


„I know it’s early Gonzo, but what do you think, could it be the time for some physical contact?“ Jarvis Cocker steht am rechten Bühnenrand, zeigt mit der Hand auf das im Hintergrund flimmernde Dia und stellt diese Frage seinem musikalischen Partner Chilly Gonzales. Gonzo, wie ihn Jarvis Cocker nennt, zuckt mit den Achseln. War das ein ‘ja‘? Für Jarvis Cocker schon. Er schreitet in Richtung Klavier, stellt sich hinter Chilly Gonzales und legt ihm die rechte Hand auf die Schulter, während er mit der Linken das Mikrofon hält.

Car Seat Headrest – Köln, 16.03.2017


‘You are listening to Caaar Seeeeat Headreeeesttttt‘. Eine quiekende Mädchenstimme läutet das aktuelle Album der Amerikaner ein, bevor mit “Fill the blanket” – der beste Pavement Song, der nicht von Pavement stammt – der erste Kracher aus den Löchern gekrochen kommt. Ich höre diese Sequenz sehr oft sehr genau. Mindestens einmal die Woche, wenn ich für meine Laufrunde Teens of denial als Soundtrack auswähle, ist „Fill in the blanket“ der Startschuss, der mich über die ersten Meter schweben lässt.

Thurston Moore – Paris, 11.03.2017


Thurston Moore. Der Mann, der das Ende von Sonic Youth zu verantworten hat. Das zumindest ist meine Meinung, nachdem ich die ersten Seiten von Kim Gordon’s Bioraphie Girl in a Band gelesen hatte. Es sind tieftraurige erste Abschnitte, die die Ex-Frau des Sängers dort aufführt. Thurston Moore. Der Mann, der so wunderbar melodiöse Gitarrensongs spielen kann wie vielleicht kein zweiter. Seit Jahrzehnten macht er das. Erst exklusiv für, in und mit Sonic South, später auf mehreren Soloalben und aktuell mit der Thurston Moore Group. Thurston Moore. Der Mann, der an diesem Samstagabend ein kleines Konzert in der Pariser La Maroquinerie spielen wird und mich damit zu einem Kurztrip nach Paris einlud.

The Orb – Köln, 04.03.2017


In meiner Disco hieß es Anfang der 1990er Jahre auch immer noch Rave-o-lution: Soup Dragons, Charlatans, Happy Mondays, Stone Roses. Die britische Gitarrenpopmusik bediente sich beim Acid House und für eine kurze Zeit waren die Genregrenzen sehr fließend. Wer sich einmal die extended Mixe der Soup Dragons angehört hat, oder das wunderbare Halleluja Album von den Happy Mondays bekommt eine Ahnung darüber, was ich versuche, zu sagen. Die britische Band The Orb gehörte nicht nur dazu, sie waren in dieser Zeit eine der ganz großen Bands im Rave-Geschäft. Als unnützes Wissen zu The Orb hätte ich folgende Information: Ihre 1992er Single „Blue Room“ war mit fast 40 Minuten die längste Single, die jemals an der Spitze der britischen Charts stand.

Loyle Carner – Köln, 02.03.2017


In England füllt er sechsmal so große Hallen, sehe ich auf YouTube. Ich rede von Loyle Carner und klicke mich durch ein paar seiner Livevideos. Vor ein paar Minuten hatte ich mich dazu entschlossen, sein Konzert im Club Bahnhof Ehrenfeld morgen zu besuchen. Die Stimmung in den Livevideos ist gut, es wird viel mitgerappt. Loyle Carner ist der mann des Stunde des britischen Hiphop. Die Lobeshymnen sind riesengross, die Kritiken überschwenglich. Vorgestern stolperte ich zufällig über den Namen Loyle Carner, gestern dann noch einmal etwas stärker, so dass ich mich entschied, mir sein Konzert anzuschauen. Manchmal steh‘ ich auf Hiphop.

Chris Brokaw – Düsseldorf, 19.02.2017


Codeine und Come sind ein Begriff, nehme ich an. Chris Brokaw spielte in beiden Bands, Schlagzeug bei Codeine, Gitarre bei Come. Derzeit spielt er ein paar Konzerte in Europa, eines davon in der Düsseldorfer Kassette. Kassette? Was ‘n das für ‘n Klub? Nun, die Kassette ist kein Club, es ist vielmehr ein Bar/Café, in der auch Konzerte stattfinden. Ohne Eintritt, aber mit wanderndem Hut, in den bitteschön jeder einen Obolus nach Belieben für den Musiker hineinlegen darf. Klingt nicht nur nach einem guten Konzept, es ist auch eines. Ich hoffe nur, dass sich die Sache für beide Seiten auch rentiert.

Die Sterne – Köln, 15.02.2017


Er hat immer Hunger – Er muss Immer essen – Er muss wohnen und schlafen – Und er muss vergessen – Dass Gestern wie Heute wird – Heute wie Morgen – Und dass in diesem Laden herzlich wenig passiert…
Dieser Song war in den 1990er Jahren ein Welthit, zumindest in meiner kleinen Indiewelt und die Band die Sterne für mich eine weitere dieser Hamburger Schule Bands, die alle damals so mochten und die es vielleicht lohnt, von mir genauer inspiziert zu werden. Das habe ich auch getan, merkte aber schnell, dass sie doch anders waren als die Blumfelds und Tocotronics. Und anders bedeutet für mich in diesem Fall: zu poppig und zu wenig gitarrig im Sinne von laut. Daher liefen die Sterne seinerzeit knapp unter meinem Radar. Bis auf die Single „Universal Tellerwäscher“ und das Album Posen – was ich wenig überraschend doch zu selten hörte – war nicht viel. das sollte eine ganze Zeit lang so bleiben.

Cymbals eat guitars – Köln, 12.02.2017


Der Abschluss des Wochenendes. Cymbals eat guitars entdeckte ich vor vielen Jahren mit ihrem Album Why there are mountains und ihren feinen Indiegitarren, die keine weitere Beschreibung benötigen. Das klang, gerade auch wegen der stoisch langweilig wirkenden Gesangsstimme von Joseph D’Agostino nach Pavement und anderen 1990er Jahre do-it-yourself Indierockbands. Also ohrenschmeichelnd. Also Cymbals eat guitars. Ich ging auf eines ihrer Konzerte, kaufte ihr zweites Album Lenses Alien und war von beidem sehr angetan. Doch dann wurde es ruhig.

dEUS – Antwerpen, 10.02.2017


Es ist kalt in Antwerpen, Schneeflocken treffen mein Gesicht. Die Fahrt nach Belgien war bis dahin angenehm, nur jetzt, kurz bevor ich den Autobahnring um die belgische Stadt erreiche, setzt Schneefall ein. Die Lotto Arena ist ein hässlicher Bau. Allerdings verkehrsgünstig gelegen direkt am Stadtring. Oder soll ich sagen, darunter. Wie hineingepfercht zwischen achtspuriger, sternenförmiger Kreuzungsanlage auf der einen, den Antwerpener Sportpalast auf der anderen und eben dem Autobahnstadtring quetscht sich die 8000 Leute fassende Betonarena in die Stadtrandlandschaft. Hier ist nichts schön, nichts, das zum Verweilen einlädt. Erst recht nicht bei nieseligem Schneefall. Das Grau des Tages wirkt so noch ein bisschen grauer.

The Flaming Lips – Utrecht, 28.01.2017


Es gab keinerlei Anzeichen, dass das Konzert der Flaming Lips im Utrechter TivoliVredenburg ausverkauft sein wird. Nicht vor Wochen, nicht am letzten Montag, nicht am letzten Freitag. Warum also nicht am Samstag einen Ausflug in die Niederlande unternehmen? Ja, warum eigentlich nicht. Mehrere Gründe sprachen dafür. In Utrecht ist es schön, die Tivoli Vredenburg ein imposantes Konzertgebäude. Das wären schon einmal zwei. Mein dritter Grund, bzw. die Notwendigkeit der Beantwortung einer Frage, ist aber der entscheidende Auslöser: Was macht ein Einhorn auf einer Konzertbühne und warum fliegt überall so viel Konfetti herum? Anfang der Woche sah ich in meinem Facebook Newsfeed ein Foto vom Berliner Flaming Lips Konzert. Darauf abgebildet war Wayne Coyne, wie er auf einem Einhorn sitzend durch den Konzertsaal ritt. Das machte mich so unendlich neugierig, dass ich mir das – wenn möglich – selbst anschauen wollte. Und die einzige Möglichkeit die Flaming Lips zu sehen bestand darin, nach Utrecht zu fahren. Also ging es nach Utrecht.

Mutter – Düsseldorf, 16.12.2016


‘Hoffentlich drückt mir niemand das Mikrofon in die Hand. Hoffentlich drückt mir niemand das Mikrofon in die Hand.‘ Mutter sind beim letzten Song des Konzertes angekommen, „Ein kleines Stück Papier“, gleichzeitig auch das letzte Song auf der Platte Hauptsache Musik, und Sänger Max Müller, der bis dahin schon viel erzählt hat, leitet den Song als poppiges sing-a-long Stück ein, bei dem jeder die Möglichkeit haben soll, mitzumachen. ‘Ich lasse einfach das Mikron rundgehen und jeder singt einmal den Refrain. Der ist ganz einfach und geht so: Ein kleines Stück Papier, lalala, ein kleines Stück Papier.

The Notwist – Düsseldorf, 12.12.2016


Neon Golden ist bis heute beste Indietronic-Album aus diesem Lande. Punkt. Diskussion zwecklos, weil es keine Gegenargumente bzw. ein besseres Album gibt.
Tja, so ist das und ich gestehe, dass ich The Notwist verehre. Seit vielen Jahren liebe ich ihre Musik, ihre Konzerte. Ein Jahr ohne ein The Notwist Konzert ist für mich ein vertanes richtiges Konzertjahr. Ich kann mich einfach nicht sattsehen an ihren Livedarbietungen. Waren und sind phänomenal, dass sich in den nächsten Jahren daran etwas ändert, ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Ash – Köln, 04.12.2016


Wenn ich meine letzten Konzertbesuche Revue passieren lasse, komme ich ins Nachdenken. Es waren doch ganz schön viele 1990er Jahre Erinnerungsveranstaltungen dabei: Pixies, L7, The Rifles. Eigentlich alles Bands, die mich vor 20 Jahren mehr faszinierten als sie es heute tun. Und nun kommt noch ein weiteres dazu: Ash. Oh Gott, wie lange habe ich diese Bands nicht mehr verfolgt, wie lange keinen einzigen Song von dieser Band bewusst gehört. Gibt es denn kein spannendes junges Gemüse, das mich vom Ofen hervorholen kann? Doch, das gibt es zu genüge. Aber irgendwie bleibe ich doch immer wieder an meinen frühen Lieblingen hängen,

Preoccupations – Köln, 28.11.2016


Viet Cong war aber auch ein scheußlicher Bandname. Dass man sich damit wenig Freunde und viel Ärger einhandeln kann, ist nicht nur fast vorprogrammiert, die Band aus Kanada hätte sich das an 5 Fingern abzählen können. Ein bisschen Rumoren hatten Matt Flegel, Mike Wallace, Scott Munro und Daniel Christiansen sicher beabsichtigt, als sie sich diesen Namen gaben. Dass dann aber wegen ihres Bandnamens Konzerte abgesagt wurden, hatten sie wohl nicht erwartet. Schlussendlich sah die Band ein, der Name ist doof und ein großes Hindernis.

Pixies – Köln, 24.11.2016


Und alle so: hahaha hahaha hahaha. („Tame“). Es ist immer gut, wenn Black Francis ins Mikrofon schreit. Keiner kann das so gut wie er.
Das Angebot kam überraschend und kurzfristig. Hast du Lust zu den Pixies zu gehen? So lautete tags zuvor die Anfrage. Ab und an schreibe ich Konzertberichte für ein Onlinemagazin, der ursprünglich angesetzte Schreiber schien kurzfristig ausgefallen zu sein. Ich zögerte nicht, obwohl ich diese Art von ‘Auftragsarbeiten‘ nur sehr ungern und nicht zu oft machen möchte. Der Zwang, ein paar Worte abliefern zu müssen, ist mir nicht geheuer. Aber in diesem Fall stimmte ich zu.

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pretty paracetamol

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Yachtrock ist der neue Indiepop.
Bestes Album bisher in diesem Jahr.
The DeSoto caucus. Kassette Düsseldorf. Staubtrockener Americana Rock.
Die Sterne. Fulminantes alle-Hits Konzert in der Kulturkirche. Im Vorprogramm die nicht weniger fulminanten Locas in love. Folglich, ein perfekter Abend!
Großartiger Kindergeburtstag bei den Flaming Lips.