J Mascis im Kölner Radstation

Konzerte 2021.
Setlist.fm teilt mit, dass ich 33 Musiker*innen bei insgesamt 17 Konzertveranstaltungen gesehen habe. Köln, Brüssel, Luxemburg, die üblichen Verdächtigen waren auch 2021 dabei; aber es gab mit Eupen, Monheim und Leuven auch seltener besuchte Konzertstädte. Meinen Antrittsbesuch gab ich bei der Monheimer Triennale, das Crossing Border Festival in Den Haag sah mich nach länger Zeit wieder. Gefühlt sah ich im letzten Jahr mehr Konzerte im Ausland, setlist.fm bestätigt dies knapp: 8 der 17 Konzerte fanden in Benelux statt. Soweit die Fakten.

Emotional war es auch in 2021 nicht einfach, einen guten Zugang zu den Konzerten zu bekommen. Clubkonzerte waren schwierig, ich weiß noch, wie ich mich im Spätherbst in Eupen bei den Whispering Sons und Tage später im Gebäude 9 bei Squid erst einmal wieder an viele Menschen auf kleinem Raum gewöhnen musste. Drängelei und eine fremde Person dicht hinter einem stehend, über ein Jahr lang gab es das nicht. Ich musste mich in der Situation erst einmal akklimatisieren.
Aufgrund des Lockdowns lief bis April nichts und erst gegen Sommer wagten sich die Veranstalter, Konzerte – dann meist open air – durchzuführen. Mein erstes Konzert 2021 fand dann auch einer ungewohnten Umgebung statt. J. Mascis spielte solo elektrisch im Kölner Radstadion. Im Kölner Radstadion! Eine unwirklicher, aber interessanter Ort für ein Konzert. Immerhin, die Abstandsregeln konnten gut beachtet werden (vor allem zum Musiker) und die Tribüne dämmte den Bewegungsspielraum ein.
Überhaupt, meine Deutschlandkonzerte waren in diesem Sommer allesamt bestuhlt. Die Sterne im Ehrenhof in Düsseldorf, das Jazz Ding in Monheim. Die neue Freiheit bedeutete, Konzerte im Sitzen zu genießen.

In Luxemburg und Belgien war das anders. Man konnte, nein durfte vor der Bühne stehen. Einfach so. Das dEUS Konzert in Leuven bot uns erstmals seit März 2019 ein richtiges Konzertfeeling. Im strömenden Regen auf durchnässter Wiese kamen direkt die Richtigen open air Gefühle auf (‘muahh, der Regen läuft mir in den Nacken und meine Socken sind nass’) sowie die Erkenntnis, dass belgische Pommes auch durchnässt ganz lecker schmecken.

dEUS – Leuven, 21.08.2021 / Festivalgelände Leuven-Air

Die Sache mit den Zertifikatskontrollen spielte sich ein. Zu Beginn musste sich erst jeder dran gewöhnen, im Spätsommer war es dann quasi Routine, neben seinem Ticket gleich den Ausweis und das Impfzertifikat bereitzuhalten. Grundsätzlich waren die Kontrollen null störend. Anfangs waren wir uns noch unsicher, ob der deutsche CovidApp QR-Code wirklich überall lesbar ist. Aber nachdem das beim ersten Auslandskonzert in Luxemburg (Gruff Rhys) problemlos klappte, wichen diese Bedenken. Ganz abgesehen davon, dass ich mich bei allen Konzertbesuchen nie unsicher oder ängstlich fühlte, was eine mögliche Infektion angeht. Ich war geimpft, alle anderen waren geimpft, die Risikominimierung war bestmöglich gegeben. Nach vielen Monaten Pandemie wich die leicht panische Angst einer gewissen Entspanntheit und einem Realismus, dass ich auch bei einer möglichen Covid Infektion keinen schweren Verlauf zu befürchten habe.

Als es dann im November wieder ernster wurde und sich die neue Regierung gebildet hatte, kamen wieder Beschränkungen. Omikron und eine nicht wirklich optimale Impfquote sorgten dafür, dass ab Mitte November fast nichts mehr ging. Die Ausnahme blieb das Lieblingsplatte Festival im zakk in Düsseldorf. Und mir blieb für 2021 ein letztes Konzert: The Notwist und ihr Neon Golden Set. Nach dem Dortmunder Konzert mein zweites The Notwist Konzert in diesem Jahr. Damit ist die Band auf Platz 1 meiner Liste der ‘meist gesehen Band 2021’. Und da Christoph Beck und Markus Acher auch Teil von Spirit Fest sind, landen beide Musiker in der Kategorie ‘meist gesehen Musiker 2021’ gleichauf auf Platz 1.

Gefreut habe ich mich, dass das noch im August abgesagte Black Country, New Road Konzert in der Rotonde im September nachgeholt werden konnte. Aus jetziger Sicht gleich doppelt gut, war es doch eines der letzten Konzerte von Black Country, New Road in Originalbesetzung. Es ist bekannt, dass Isaac Wood vor ein paar Wochen die Band verließ.

Black Country, New Road – Luxemburg, 22.10.202 / Rotondes

Squid sind noch so eine Lieblingsband (neben Black Country, New Road), die ich 2021 erneut sehen durfte. Himmel, es war ganz schön ungewohnt und leicht gewöhnungsbedürftig, wieder in einem ausverkauften Gebäude 9 zu stehen. Erstaunlich, wie schnell ich mich an Abstand, Komfortzonen und all das in den letzten Monaten gewöhnt habe. Das Whispering Sons Konzert in Eupen war da ein paar Tage zuvor ein sanfter Einstieg. Im Alten Schlachthof war es nicht ganz so voll. Ganz zu schweigen vom bdrmm Konzert in Maastricht. Ich glaube, wir waren insgesamt 30 Leute. Also mit Band. Aber der Shoegaze der fünf Jungs war viel besser als erwartet.
Schön und bestuhlt an gleicher Stelle ein paar drei Wochen zuvor Justin Sullivan. Das war ein gemütlicher Abend mit Solo Sachen und ein paar ausgewählten New Model Army Songs. Man konnte das so in etwa erwarten, aber als es dann so kam, war es trotzdem überraschend und einfach wunderbar. Vielleicht das Überraschungskonzert des Jahres.
Oder kam das dann doch von Gruff Rhys? Die Super Furry Animals fand ich ja immer zu abgedreht. Aber ich wusste gar nicht, was für schöne Musik der Waliser macht und wie toll seine Solokonzerte sind.
Oder war die Überraschung doch Scott Matthews im Stadtgarten? Traumhaft schön war auch dieser Abend.

Squid – Köln, 11.10.2021 / Gebäude 9
Whispering Sons – Eupen, 15.09.2021 / Alter Schlachthof
bdrmm – Maastricht, 14.10.2021 / Muziekgieterij
Justin Sullivan – Maastricht, 21.09.2021 / Muziekgieterij
Gruff Rhys – Luxemburg, 11.08.2021 / Rotondes
Scott Matthew – Köln, 15.10.2021 / Stadtgarten

Mit vier Konzertbesuchen im Oktober erreichte ich fast schon meine vor-Pandemiezeiten Frequenz. Neben den drei genannten Konzerten gab es noch das Kurzkonzert von Blaine L. Reininger im UFA Filmpalast im Rahmen des Filmfestivals Cologne. Es waren nur vier Songs, die er zusammen mit Jürgen Dahmen nach dem Kinofilm Freispiel spielte, aber auch vier Songs sind ein Konzert.

Die Konzerte von Thurston Moore (im AB in Brüssel) und das Neon Golden Set von The Notwist in Düsseldorf möchte ich noch erwähnen. Beides grundsolide und tolle Abende, die meine Erwartungen erfüllt haben.

Thurston Moore – Brüssel, 15.11.2021 / AB
The Notwist – Düsseldorf, 13.12.2021

Zu den beiden Festivals: Jazz und Indie.
Das Prequel zur Monheim Triennale war der durchaus gelungene Versuch, einen Abend auf einem Ausflugsdampfer mit schöner Musik zu verbringen. Colin Stetson und Sam Amidon waren unsere Hauptmotivation, an einem Freitag nach Monheim zu fahren. Es war der erste Versuch in 2021, ein Konzert mit Mundschutz zu besuchen. Das klappte überraschend gut.

Später im Jahr dann das zweite Indoorfestival. Das Crossing Border in Den Haag. Auch am Wasser, aber nicht auf einem Schiff. Crossing Border, endlich mal wieder. Mein letzter Besuch liegt Jahre zurück. Damals spielten Warpaint und Savage nacheinander im gleichen Saal, am Abend zuvor Ghostpoet und noch jemand.

Ghostpoet war auch bei dieser Auflage mit dabei, neben Sophie Hunger und Stewart Staples war Obaro Ejimiwe einer der drei großen Namen des musikalischen teils des Crossing Border. So weit, so gut. Allein das reicht aus, um den Ausflug kurz vor dem niederländischen Lockdown totaal zu rechtfertigen. Dumm nur, dass es dann aufgrund der ungeschicktesten Zeitplankonstellation des Jahres nicht möglich war, alle drei Konzerte in voller Länge und in aller Ruhe zu sehen. Aber egal, Cassandra Jenkins und Big Joanie brachten frischen Wind in meinen Zeitplan. Genauso wie der Nachmittagsspaziergang in Scheveningen am Strand. Zur Erinnerung und als Memo für die nächsten 10 Jahre: Konzertausflüge an Küstenorte sind einfach toll. Erst recht im Herbst.

Monheim Triennale The Prequel – Monheim, 01.07.2021
Crossing Border Festival – Den Haag, 05.11.-06.11.2021

Zum Schluss noch mein Konzertärgernis 2021: Arlo Parks in der Rotonde in Luxemburg. Ich hatte ein Ticket, ich hatte getankt. Ich fuhr nicht hin, weil am Tag Winterwetter aufzog, es in der Eifel heftig schneite und für die Nacht Minusgrade und damit verbunden sicherlich glatte Straßen angesagt waren. Ärgerlich. Heißt es nicht irgendwo, pure Vernunft darf niemals siegen? Für mich galt das an diesem Dezembertag nicht.

Es wäre bestimmt das Konzert des Jahres geworden.

Spirit Fest – Außenbühne Schauspielhaus Düsseldorf