| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

The Lemonheads – Köln, 12.05.2012

„Oh, Dortmund führt 1:0.“ Einen Satz, den ich nicht hören wollte. Ich stieg gerade aus dem Zug aus, als ich im Vorbeilaufen auf dem Bahnsteig diesen Gesprächsfetzen unfreiwillig aufschnappte. So hatte ich mir das an diesem Abend nicht vorgestellt. Den ganzen Tag hatte ich mit mir gerungen, ob ich am Abend des Pokalendspiels, des spannendsten, ausgeglichendsten und herausragendsten der letzten Jahre, zum Lemonheads Konzert fahren solle oder nicht.

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Maps & Atlases – Köln, 24.04.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Odonis Odonis

Es ist viel los in der Stadt an diesem Dienstag. für Chuck Prophet spielt im Blue Shell, die Stranglers (ja genau, die „Always the sun“ Stranglers) im Luxor, Terry Hoax im MTC (ach je, die gibt’s noch!), Bernd Begemann im Gloria und Maps & Atlases im guten Gebäude 9. Letzteres ist das Konzert meiner Wahl und gleichsam eine berufliche Pflichtveranstaltung.
Als ausgebildeter Photogrammeter und fernstudierender Geoinformatiker sind räumliche Daten und deren Abbildungen mein tägliches Arbeitsbrot. Und wenn schon eine Band meine beruflichen Pflichten in ihrem Namen trägt (Bands mit Namen The Geodetics oder Projection: Ortho kenne ich nicht) muss ich sie natürlich unterstützen.
Vor 2 Jahren kaufte ich mir ihr Album „Perch Patchwork“ und war enttäuscht. Puhh, diese Platte klang auf das erste Hören folkig, für mich zu folkig und so landete sie kaum gehört im CD Regal und wurde nicht mehr angepackt. Als ich nun vor einigen Wochen die Konzertankündigung las, packte mich trotz allem das Gefühl, mir die Mannen aus Chicago ansehen zu wollen. Je näher der gestrige Tag rückte, umso intensiver suchte ich nach Videos und neuem Material, hörte und schaute mich um und entdeckte mal mehr mal weniger folkig aber interessante Melodien. Hatte ich mich etwa mit meiner Schnellschussmeinung über „Perch Patchwork“ geirrt? Sind Maps & Atlases gar nicht so folkig wie mir der Rasputinbart des Sängers Dave Davison vormachen wollte? Ich hörte „Perch Patchwork“ erneut und noch einmal und entdeckte vielschichtiges. Math-Rock, Math-Folk, das klang schon interessanter und ihr aktuelles Album, das letzte Woche veröffentlichte „Beware and be grateful“, bestätigte und ergänzte den durch Internet-Suchmaschinen gewonnen Eindruck.

Auf “Beware And Be Grateful” bewegen sich Maps & Atlases noch weiter weg vom Post- bzw. Mathrock, der ihre frühen Stücke prägte. Geblieben sind die technische Perfektion und die Spielfreude der vier Musiker. Dave Davison beschreibt den neuen Sound der Band so:
“Das klingt vielleicht ein bisschen schwammig aber ich würde unsere Musik als Experimentalpop oder Progressive Pop bezeichnen. Es gibt so viele Untergenres, aber es ist im wesentlichen Experimentalpop.”
Da verwundert es nicht, wenn man in Songs wie Remote And Dark Years Paul Simons Graceland zu hören meint oder sich mitunter an Peter Gabriel erinnert fühlt. (via detector.fm)

Na geht doch. Meine Neugierde stieg und die Freude auf den Abend wurde grösser.
Wir verabredeten uns für gegen halb zehn am Gebäude 9. Ein langer Arbeitstag und anderen Dinge ließen es nicht zu, dass ich es pünktlicher nach Köln schaffen sollte. So kam es, dass wir mindestens eine der beiden Vorbands (nämlich die Acedemies aus Köln) verpassen sollten. Als wir die Halle bestraten, spielte die zweite Band des Abends, Odonis Odonis aus Kanada. „Die Band spielt noch nicht lange“, ich habe die Worte der Kartenverkäuferin am Eingang noch im Ohr, als die drei Musiker 5 Minuten oder drei Songs später ihre Gitarren abschnallten und zusammenpackten.
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Mark Lanegan – Köln, 14.03.2012

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Vorband: Creature with the atom brain

Immer wenn ich Mark Lanegans Stimme höre, muss ich an die Screaming Trees denken. Die Erfinder des Grunge waren seine erste Band. Von Anfang der 80er bis zur Screaming Trees Auflösung 2000 war er ihr Sänger. Nebenbei hatte Mark Lanegan immer schon sein Soloding, und als das immer besser lief, war die Screaming Trees Auflösung nur eine Frage der Zeit. Vier Alben veröffentlichte er in diesen Jahren und arbeitete überdies bei dem ein oder anderen Projekt mit. Ein sehr umtriebiger Mensch, dieser Mark Lanegan. Im aktuellen Jahrtausend war bzw. ist er Gastsänger bei den Queens of the Stoneage und bildet mit Greg Dulli die Gutter Twins.
Die Screaming Trees habe ich live leider nie gesehen, Mark Lanegan kam mir jedoch sowohl mit QOTSA als auch den Gutter Twins unter die Augen. Und ich glaube, er war auch bei Melissa auf der Maur’s Debütalbum-Tour mit dabei. Da bin ich mir aber nicht mehr sicher. Sein in das Stollwerck geupgradetes Luxor Konzert sollte meine erste Lanegan Soloerfahrung sein. Vorneweg gesagt, es war eine gute, und nach längere Zeit eine mit schönen altbackenen Gitarren.
Als ich im Bürgerhaus Stollwerck ankam, war die Vorgruppe schon bei der Arbeit. Ich vermutete keinen ausverkauften Konzertsaal, im Gegenteil. Dadurch dass das Konzert vom halb so großen Luxor hierhin verlegt worden war, erwartete ich zwar ein gut besuchtes Haus, aber kein unentspanntes volles Haus. Nach den letzten beiden Konzerterfahrungen in den vergangenen Tagen war mir dies ganz recht. So langsam zehrte das Konzerttriple, eine Grundmüdigkeit war unverkennbar. Daher konnte ich mich auch erst knapp vor Konzertbeginn aufraffen, loszufahren. Mein Glück, das alles so kam, wie ich es erhofft hatte.
Die Band Creature with the atom brain spielte bereits. Ich freute mich tatsächlich, als ich durch die Saaltüren ihren angestaubten Rock vernahm. Ungewohnte, weil lange nicht mehr live gehörte Klänge. Das doch schon sehr zahlreich anwesende Publikum war sichtlich angetan. Verwunderlich ist das nicht, denn als Ergänzung zur Mark Lanegan Band waren die Belgier musikalisch wie optisch die Faust auf’s Auge. Ihr träger 90er Alternative Rock ist genauso zeitlos modern wie die dazu passende Bühnenperformance. Drei Gitarren, Schlagzeug, rotes Dauerlicht. Beim Fußball wären Creature with the atom brain ein Spielsystem mit Libero. Es würde funktionieren, nur macht es keiner mehr. Es waren aber genug der Generation 40+ vor Ort, um es gebührend wertschätzen zu können.
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Feist – Köln, 13.03.2012

Ort: E-Werk, Köln Vorband: Fionn Regan http://youtu.be/JMNL2RFOBLI Canadians do it better! Sehr schönes Neo-Hippie Konzert der Kanadierin Leslie Feist. Sie kam mit Band und Sängerinnen Chor, sie befragte das Publikum…

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Noel Gallagher’s High Flying Birds – Köln, 04.12.2011

Ort: Palladium, Köln
Vorband: The Electric Soft Parade

Noel Gallagher spielte gestern Abend im – nach wenigen Sekunden – ausverkauften Palladium und ich war dort. Was auf den ersten Blick toll klingt, war es in dem Moment des Ticketkaufs auch. Pünktlich zum Vorverkaufsstart saß ich am Rechner und legte mein Ticket in den Warenkorb. Ein Anflug von tiefer Oasis Nostalgie zwang mich förmlich dazu, schnellstmöglich ein Ticket für das Konzert zu kaufen. Noel Gallaghers Soloalbum war zu diesem Augenblick noch gar nicht veröffentlicht, aber das schien mir eine Nebensächlichkeit. Kennst du einen Gallagher Song, kennst du alle. Groß anders werden seine Solosachen nicht sein. Und überhaupt: Ein Gallagher kommt in die Stadt, das ist ein Pflichttermin. Genauso wie es Wochen zuvor ein Pflichttermin war, Bruder Liam und Beady Eye auf der anderen Straßenseite bei der Arbeit zuzusehen.
Einige Wochen später, also gestern Abend, war ich nicht mehr so ganz überzeugt, ob dieses Konzert das richtige an diesem Abend ist. Zeitgleich spielte Thurston Moore in einem Kölner Kino und lange überlegte ich, ob ich nicht dort besser aufgehoben sei. Aber ich hatte nun mal dieses Ticket und für das „Week-end Festival“, in dessen Rahmen das Moore Konzert fiel, gab es überdies in den letzten Tagen keine Karten mehr zu kaufen.
Also blieb es bei Noel in echt auf der Bühne und bei Thurston Moore als Konserve auf der Autofahrt zum Palladium. (Nebenbei bemerkt: das neue Thurston Moore Album „Demolished thoughts“ ist der Hammer!).
Wir hatten uns zeitig verabredet, war es doch zu befürchten, dass der Andrang bei Gallaghers erstem Deutschlandkonzert hoch sein wird. Als ich um kurz vor sieben am Palladium ankam, war vor dem alten Industriegebäude allerdings wenig los. Nicht die obligatorische Einlassschlange, kaum Kartenverkäufer oder Leergutsammler. Es schien, als seien deren Dropse gelutscht. Zu dieser Uhrzeit spielte drinnen bereits die Musik. Der Innenraum war eine Stunde vor Konzertbeginn bereits gut gefüllt, die ersten Reihen „dicht“. Da schien sich eine riesige Erwartungshaltung aufzubauen, die ich allerdings immer noch nicht teilen wollte.
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dEUS – Köln, 28.11.2011

#deus281111, so sollten wir unsere tweets, likes und +1 taggen, die wir an diesem Abend über die Smartphonetastaturen in die weite Welt jagen. Der Plan der belgischen Band ist es, ein Tourtagebuch aus allen Tweets zu erstellen. Ob das Projekt gelingt oder scheitert, kann jeder von uns hier nachschauen. Auf Twitter stehen unter diesem Tag Anmerkungen wie 'Der Typ, der mir beim WOM in Köln damals immer die CDs zum Reinhören aufgelegt hat, ist auch da' oder „Der Altersschnitt auf einem dEUS- Konzert war auch schon mal niedriger. So vor 15 oder so Jahren. Warum nur?“

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Sebadoh – Köln, 10.08.2011

Da steh ich nun, etwas verloren, weil ich ohne Begleitung ins Gebäude 9 gekommen war, und etwas müde, weil Sebadoh nach knappen 2 Stunden erst nach Mitternacht ihr Konzert beendet haben. Also ab nach Hause. Ich verließ zügig das Gelände und winkte im Vorbeigehen Lou Barlow und Jason Loewenstein zu, die beide an der Tür des Backstagebereiches standen und allen ein „Tschüss“, „Danke“ und „Bye“ zuriefen. Viel sympathischer konnte dieser Abend nicht zu Ende gehen.

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Buffalo Tom – Köln, 08.03.2011

Ort: Luxor, Köln
Vorband: Friedemann Weise (k)ein unbekannter Kölner Singersongwriter*

Buffalo Tom - Köln, 08.03.2011

Dieser Abend stand lange auf der Kippe, obwohl er ursprünglich seit Wochen feststand. Was paradox klingt, ist jedoch erklärbar.
Ein Konzert an einem Tag nach einem langen, erholsamen Wochenende bedarf eines besonders großen Trittes, um sich abends noch raffen zu können und wegzugehen. Erst recht, wenn das nächste Lernmodul tags zuvor ins Haus geflattert ist und man sich innerlich bereits allabendlich am Schreibtisch sitzen sieht um sich Entitäten und anderem Datenmodellunsinn hinzugeben.
Es reichte ein Satz, der mich aus der Schwerfälligkeit jagte. „Wenn man vernünftig wird, dann wird man alt.“ Gesprochen wurde er im ’perfekten Vox Diner’, das ich früher häufiger gesehen habe als jetzt.
Nicht, dass ich nicht alt werden möchte oder es gar schon bin, irgendwie möchte das doch jeder. Älter werden hat unbestrittene Vorteile, und auch Vernunft ist nicht das schlechteste.
Im Themengebiet Konzerte ist Unvernunft jedoch sehr vernünftig und als ich diesen Satz hörte hatte ich plötzlich große Lust, unvernünftig zu sein. Welch tolle Abende hätte ich nicht erlebt, wenn ich die Vernunft hinzugezogen hätte. Und da auch dieser Abend alles hatte, was nach einem guten Abend klingt, schloss sich der Argumentationskreis ganz schnell.

Also rein ins Getümmel, das keines war. Oder um es mit den Worten des Vorprogramms zu schreiben: „ Ich spiele gerne vor Leuten, die weit hinten stehen. Da steh ich sonst auch.“ (mehr …)

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Jamaica – Köln, 06.10.2010

Ort: Gebäude 9, Köln

Jamaica @ Gebäude 9, Köln

Foto: Kai Müller (stylespion- via flickr)

Auf der Rückfahrt las ich innehaltendes: Die Veranstaltungs- bzw. Konzertbranche in Deutschland verzeichnet auch 2010 ein negatives Wachstum, also Rückgang, ihrer Umsatzzahlen. Als Gründe werden u. a. gestiegene Kosten auf der einen und teure Ticketpreise auf der anderen Seite genannt. Eigentlich nur ein Grund, beides hängt unmittelbar vom anderen ab.
Ja, mittlerweile ist es so, dass unter 15 Euro kaum noch was geht (Ausnahme heute Abend), dass sich die Preise für kleine Bands so um die 22 Euro und nicht mehr ganz so kleine Bands so um die 32 Euro eingependelt haben. Ausreißer zu allen Seiten inbegriffen. Ich finde das okay; 19 Euro für die Stars ist nicht zu viel und 32 Euro für die Charlatans eher auch nicht. Und solange es nebenher noch für Brot und Käse reicht, bin ich immer dafür zu haben, dieses Geld für ein interessant klingendes Konzert auszugeben. Kultur sollte man erhalten und unterstützen! Und bevor der Konzertmarkt komplett zusammenbricht, zahle ich doch lieber einen oder zwei Euro mehr.
Dass dies dabei Musik- und Konzertinteressierte das Geld aus der Tasche zieht, und bei dem gewaltigen Touraufkommen von Bands nicht immer einfach ist, auszuwählen, gilt es hierbei in Kauf zu nehmen. Besser ein Überangebot als gar kein Angebot, sag ich mal aus Konsumentensicht. Und ein paar Maniacs, die redlich versuchen, alles, was ihnen lohnenswert und interessant erscheint, mitzunehmen, gibt es schließlich noch. So vier bis sechs, schätze ich mal.
Wie kam ich drauf?

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Stars – Köln, 09.09.2010

Oh Kanada. Geschätzte 34 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 9,9 mio km². Zum zweiten Mal in dieser Woche besuchte eine Delegation des größten nordamerikanischen Landes das kleine Kölner Luxor. Torquil Campbell, Amy Millan, Evan Cranley, Chris Seligman und Pat McGee sind die Stars. Sie kommen aus Montreal, und sie schauten sehr gerne in Köln vorbei, wie Torquil Campbell erwähnt.

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Wintersleep – Köln, 06.09.2010

Wintersleep sind meine mir unbekannteste Lieblingsband. Gerade mal ein Album besitze ich von ihnen, das 2007 erschienene „Welcome to the night sky“. Es ist ihr drittes Album, über die beiden Vorgänger kann ich rein gar nichts sagen, und auch ihr dieses Jahr veröffentlichte Album „New Inheritors“ ist mir ganzähnlich unbekannt.

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Band of Horses – Köln, 14.04.2010

Dieses Konzert war ein Glücksmoment. Ein ganz großer Glücksmoment! Selten spürte ich einen so feinfühligen Konzertbeginn, eine solche Ergriffenheit und innere Begeisterung. Die Band of Horses schaffte es, mit wenigen,…

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Brett Anderson – Köln, 25.01.2010

Kalt ist es draußen. Bitterkalt. Ich betrete die Regionalbahn über vereiste Bahnsteige. Was wird das heute Abend geben? Ex-Suede Mann Brett Anderson spielt im Luxor, und ich fahre hin. Angefixt durch die lange, konzertlose Zeit fiebere ich dem Abend entgegen. Oh Gott, Entzugserscheinungen. Ich werde, bzw. ich möchte mich überraschen lassen. Das scheint der Antrieb zu sein, bei diesem Mistwetter die warme Wohnung zu verlassen. Denn, ich muss gestehen, ich kenne keinen einzigen Song aus Brett Anderson’s Solo- Schaffenswerk. Was natürlich kein Grund ist, nicht hinzugehen.

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