| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband:

Wir möchten der Soundtrack zu eurem Leben sein, immer und überall. Auch auf dem Weg zur Beerdigung deiner Mutter. We’re Stars from Montreal, you are stars from Germany.

Mit dieser Ansage beendete Sänger Torquil Campbell gestern Abend das wundervolle Stars Konzert in Köln. Und man erkennt, ein gut gewählter Bandname ist die halbe Miete beim Publikums- Einschmeichelversuch. Nötig war das jedoch nicht, denn gegen Ende des Konzerts um kurz vor Mitternacht hatte bereits jeder im ausverkauften Gebäude 9 das berühmte Lächeln auf den Lippen und das Strahlen in den – diesmal nicht nikotinrauchgereizten – Augen.
Die Stars baten darum, im Konzertraum nicht zu rauchen und bis auf die obligatorischen drei- bis vier Ausnahmen hielt sich jeder an diese Bitte. Man will es sich ja mit seiner neu gewonnenen Lieblingsband nicht verscherzen. So war es ein angenehmer Vorgeschmack (aha!) auf kommende Konzerte in rauchfreien Clubs in NRW und sonstwo. Da nun für das äussere Wohlfühlklima gesorgt war, stand auch in dieser Hinsicht einem schönen Abend nichts mehr im Wege. Eingefleischte Gebäude 9 Besucher wissen, dass es damit manchmal ein wenig hakt, in diesem viel zu niedrigen und sich viel zu schnell aufheizenden Konzertraum.
Die Stars aus Montreal. Schon wieder Kanada, könnte man sagen. Und was macht eigentlich Bryan Adams, könnte man fragen. Nun, der besitzt ein Aufnahmestudio in Vancouver, in dem Stars ihre neue CD produziert haben. Einiges davon hörte man gestern, und, um das sofort klarzustellen, es war allerbeste Unterhaltung und Laura Veirs ist ihren Spitzenplatz in der Liste Konzert des Jahres los.
Die Kombination von Sänger und Sängerin ist eine gute. Sind Amy Millan und Torquil Campbell gesangstechnisch im Duett unterwegs, erinnert Torquil Campbells ‚ich sing mit dir zusammen und schau dich dabei an‘-gestikulieren ein wenig an Al Bano (von Al Bano und Romina Power) oder an Bert (von Cindy). Singt nur einer der beiden, dann greift der andere zur Automatica, Trompete oder Querflöte. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass das, was Amy Millan im Zugabenblock beim leicht bluesigen Lied, dessen Titel ich nicht weiss (weil ich mir Songtitel einfach nicht merken kann), abliefert, das Beste war, was ich dieses Jahr gesehen habe. Elfengleich, sehr bezaubernd und stimmig bis in die kleinste Fingerbewegung! Grosses Kino!
Überhaupt sind die Stars eine natürlich nett wirkende Band, die angenehm unpathentiös daherkommt. Stylisch im gesunden Mittelfeld angesiedelt, stehen 6 junge Menschen auf der Bühne und machen einfach Tanzmusik. Mal mehr disko-, mal mehr blues-, mal mehr pop- und mal mehr rocklastig. Drummer, Keyboarder und Gitarrist verrichten unscheinbar aber gekonnt ihren Job, der Bassist wippt im Bass-Takt genau so, wie ein Bassist mit dem Oberkörper wippen muss, und das Frontduo sucht und findet immer wieder die Augenpaare im Publikum. Und alles in einem harmonischen Gesamtbild, dass harmonischer nicht sein könnte. Hier und da rotes Grabkerzenlicht, auf die Bühnenrückwand projeziert zwei sich drehende Sterne, alles wunderbar anzuschauen. Da passt sogar das Umbaupausen- Discokugellicht des Gebäude 9 ins Konzept. Und zu laut (wie manchmal im Gebäude 9 der Fall) war es diesmal auch nicht.
Aber auch an diesem Abend ist es, wie es immer ist: nach guten 80 Minuten und drei Zugaben ist alles vorbei. Das Discokugellicht geht an und die, sich durchschnittlich in den mitt- und endzwanzigern befindlichen Menschen suchen den Weg nach draussen, um das Gesehene zu verarbeiten.
‚Sie haben keine Angst vor grossen Gefühlen‘, höre ich beim Herausgehen jemanden sagen. Genau! „The night starts here“. Demnächst dann in der Live Music Hall oder an zwei Abenden hintereinander im Gebäude 9.
Bleibt eigentlich nur eine offene Frage, die mich seit gestern Abend beschäftigt: An wen erinnern mich die beiden Stimmen, einige Stücke und das ganze Stars-Thema an diesem Abend? Mir fällt es nicht ein…B52’s, denke ich manchmal in purer Verzweifelung. So sicher bin ich mir da aber nicht.

PS: Sehr lesenswert: meinzuhausemeinblog. Ein absolut gegenteiliger Konzertbericht.

Kontextkonzerte:

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."