Ort: Prime Club, Köln
Vorband: Tiny Vipers

21 Uhr Prime Club: Buffalo Tom, College Rock stand am Morgen im Kölner Stadtanzeiger. Nun gut, das Collegealter liegt mittlerweile einige Jahre hinter den drei Buffalos Bill Janovitz, Tom Maginnis und Chris Colburne, dem guten alten Genre des College Rock, in dieser Spielart in den 80er Jahren des letzten Jahrtausends geboren und in den 1990ern zum Mainstream gewachsen, sind sie aber immer noch zuzuordnen.
Doch was bewegt einen, ein Konzert einer Band zu besuchen, von der gut 10 Jahre lang nichts zu hören war (und deren CD’s zugegebenermassen im Regal Staub angesetzt haben)? Nostalgie? Studentenerinnerungen? Oder das gute Wissen darum, dass hier und heute eine Band aufspielt, die über die Jahre ihrem Stil und ihren Qualitäten treu geblieben ist? Ach egal, was auch immer die Antworten sein mögen, ich geh da hin. Fertig.
So dachten auch andere, der Prime Club war gut zur Hälfte gefüllt. Im lastfm Eventkalender gab es 10 Da-geh-ich-hin Einträge, der ermittelte Durchschnittsbesucher ist männlich und Mitte 30. Also eine Altherrenveranstaltung?
Nicht ganz. Tatsächlich ist das Publikum deutlich in männlicher Mehrzahl, das Besucherdurchschnittsalter liegt dagegen wohl eher bei Anfang 30. Haarspaltereien, ich weiss.

Buffalo Tom geben eine schnörkellose Indie-College-Rock Show zum besten. Ohne grosse Lichteffekte und ohne grosses Gehabe spielen sie ihr Set. So wie man das in den 90ern öfter sah, so wie man es heute kaum noch sieht.
Und alles immer schön straight nach vorn. Gut garniert und angerichtet mit Höhepunkten aus 20 Jahren Bandgeschichte. Folglich sehe ich immer wieder ein leichtes bis starkes Grinsen bei dem einen oder anderen, wenn die alten Hits, heissen sie nun „Tangerine“ oder „Kitchen door“, nach wenigen Takten erkannt werden. Als ob der Prime Club kollektiv sprachlos sagen will: ‚zauberhaft, wunderbar, deswegen bin ich hier, das will ich hören.‘ Allein „Summer“, dieser famose Smasher aus der Kategorie TOP10 Songs des Lebens, ist die 19 Euro Eintritt wert. Und so dauert es auch gar nicht lange, und der Konzertabend entwickelt sich ganz langsam zu einer kleinen Zeitreise.
Vor gut 11 oder 12 Jahren habe ich Buffalo Tom das erste Mal in Köln live gesehen. Im Theater am Rudolfplatz, im genialen Konzertdoppelpack zusammen mit Teenage Fanclub. Gefühlt ist es an diesem Abend wie damals (soweit ich mich erinnern kann). Es scheint, als bleibe die Buffalo Tom Sounduhr stehen. Hier ist das gut und zeigt, dass alte Stile nicht unbedingt über den Haufen geworfen werden müssen und man sich als Band nicht mit jeder Platte neu erfinden muß. Der riesige Medienhype bleibt dann zwar aus – oder in welcher Musikzeitschrift wurde schon grossartig vom neuen Buffalo Tom Album Three easy pieces Notiz genommen -, aber den braucht eine Band wie Buffalo Tom auch nicht. Sie muss sich nichts mehr beweisen. Sie gibt stattdessen lieber gute Konzerte!

Der geplante Ausflug in den Normal Plattenladen am frühen Abend fiel leider aus. Hier sollten Buffalo Tom ein kleines Akkustikset spielen. Die wöchentliche Heuschnupfendesensibilisierungsdosis verhinderte dies.

Noch ein Wort zur Vorband. Die Tiny Vipers kannte ich bis dato noch nicht. Aber ich werde sie im Auge behalten. Sie klingen spannend, und ich als alter Cat Power Verehrer sehe mich in der Pflicht, hier am Ball zu bleiben. Richtig, die Tiny Vipers erinnerten mich gestern Abend mit ihrem Akkustikset stark an Cat Power.

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