Ungewöhnlicher Beginn. Punkt 21 Uhr.
Die Musik geht aus, das Saallicht verdunkelt sich, die Editors betreten die Bühne. Ohne Intro, ohne Ankündigung, ohne Showstartum. Instrumente schnappen, fertig, los. Sehr sympathisch! Mit trockener Nüchternheit und voller Wucht trifft der Opener „Lights“ das Publikum. Von null auf hundert ohne Startvorbereitung. Und weil es so schön war, noch ein, zwei Smasher hinterher. Eines war „Bones“, und schon bin ich mittendrin im Editors-Konzert. Mittendrin in der Live Music Hall ist dagegen nur, wer rechtzeitig vor Ort war. Es ist knüppelvoll – also ausverkauft-, wer später auflief hatte Mühe, hineinzukommen. Nur ein kleiner Spalt hinter dem Mischpult bleibt frei von Menschen. Warum? Weil der Betonpfeiler den direkten Blick zur Bühne versperrt.

Die Band wirkt angenehm unspektakulär normal. Ein weiterer Sympathiepunkt. Die Show leider auch. Tom Smith, in weissen Schuhen, Röhrenjeans und Hemd zeitgemäss gekleidet, erklimmt ab und an sein Klavier und nutzt es als erhöhte Plattform. Die anderen drei Bandmitglieder begnügen sich mit dem Bearbeiten ihrer Instrumente und halten sich sonst im Hintergrund. Die Lichtshow ist stimmig, aber nicht besonders erwähnenswert. Es geht eher in die ‚In-einem-dunklen-Raum-braucht-man-halt-Licht-um-die-Protagonisten-auf-der-Bühne- zu-sehen‘ Richtung.

Die Editors spielen das, was von ihnen erwartet wird. Zu Beginn des Abends einiges mehr von der neuen CD An end has a start. Nach guten 20 Minuten dann der Klavierpart, den ich irgendiwe erwartet hatte. Drei aufeinandervollgende Stücke mit einem am Klavier sitzenden Sänger lassen Coldplay-Assoziationen aufkommen. Fehlt nur noch das FairTrade Geschwafel. Aber mit diesem Makel muss wohl jede britische Band leben, die ein Klavier auf der Bühne stehen hat und es auch benutzt. Egal, denn das darüberhinaus die Editors mit Coldplay nichts gemeinsam haben, ist klar wie Klossbrühe. Interessanter und überraschender Punkt sind die eingebauten ein zwei Refrainstrophen von Peter Gabriels „Red Rain“ in eines der Stücke. (Ist auch dem Christoph nicht entgangen). Nach dem Coldplaypart ging es wieder gitarriger zu Werke, und, ach wie vorhersehbar, „Open your arms“ beendet nach einer guten Stunde das reguläre Set.
Als Zugabe noch die obligatorischen drei Stücke, und mit „Smokers outside the hospital doors“ und „Fingers in the factory“ war nach 80 Minuten dann Schicht.
Es war in diesem Jahr das zweite Mal, dass ich die Editors sehen durfte. Im Frühjahr in der Kulturkirche Nippes zum Kurzkonzert im Rahmen ihrer CD-Vorstellung war es das erste Mal. Der auffallendste Unterschied zu damals war, dass die zum Markenzeichen avancierte ausufernde Armgestik des Sängers verkümmert zu sein scheint. Wurde im Frühjahr noch jeder Song gestenreich untermalt, war dieses Armgefurchtel gestern kaum zu beobachten. Ein Tribut an den Tourneealltag? Ich weiss es nicht.
Damals wie gestern war es ein unterhaltsamer, wenn auch unspektakulärer Abend, leider ohne grosses aha-Erlebnis. Um die richtige Initialzündung zu geben, fehlte eine Winzigkeit. Vielleicht sind Editors-Songs – trotz ihrer Tanzbarkeit oder gerade wegen ihrer leichten Melancholieauswüchse – mehr als Kopfkinountermalung geeignet als live gespielt zu werden. Vielleicht sollte man die teils grossartigen Kompositionen mit Lichteffekten untermalen (siehe Coldplay oder um mal jemand anderes zu nennen: Interpol – doch auch hier gilt: die Editors haben songtechnisch nichts mit Interpol gemeinsam). Das vermisste ich ein wenig, denn die Lichtshow war doch sehr auf den Sänger abgestimmt und liess selbst die anderen drei Kollegen aussen vor.
Vielleicht wollen Tom Smith und Kollegen dies alles aber auch gar nicht, vielleicht wollen sie den Pathos lieber vor der Tür stehen lassen.
Am gestrigen Nachmittag / frühen Abend auf der Zugfahrt nach Hause war „Bones“ noch der perfekte Soundtrack zum trist trüben, angedunkelten, regnerischen Herbsttag. In der Live Music Hall war es nur ein Song.

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