Ort: Carlswerk Victoria, Köln
Vorband: A happy return

The Notwist die wievielte eigentlich? Gefühlt habe ich sie in den letzten 10 Jahren jedes Jahr gesehen. Tatsächlich waren es dann bloß sechs Konzerte, aber immerhin. Nachdem sie vor 2 Jahren bereits im Carlswerk gastieren, ist dies nun das zweite Kölner Konzert der Band in Folge, das sie im doch recht großen Carlswerk spielen und erneut ausverkaufen. Ja, in Köln sind The Notwist eine große Nummer.
Ich bin zeitig vor Ort, so dass ich noch einen guten Platz vor der Bühne bekomme. Als ich a so stehe und warte sehe ich, dass Teile der Notwister und ein paar andere Personen entspannt im Halbdunkel des hinteren Randbereiches auf der Bühne sitzen. Scheinbar warten sie – genau wie ich und viele andere – auch nur darauf, dass es endlich losgehen kann. Um zehn vor acht ist das Carlswerk gut halb gefüllt. Das reicht scheinbar, um den Geduldsfaden reißen zu lassen. Zwei Männer stehen auf, verabschieden sich aus dem Grüppchen und gehen nach vorne an den Bühnenrand zu ihren Instrumenten. Das Konzert von A happy return beginnt. Leise und kaum wahrnehmbar. Ich vermute, in den ersten Minuten hat sich dieser Konzertbeginn nicht bis ganz hinten im schlauchförmigen Carlswerk rumgesprochen, denn die Geräuschkulisse, die bei mir ankommt, übertönt so manche leise Note.
Bei meiner Internetsuche nach Happy return bringt Google einiges durcheinander. Ich hatte beim Konzert nur Happy return ohne einen Artikel davor als Bandnamen verstanden, daher verläuft meine Suchanfrage nicht genau genug. Denn gefühlt wahllos und teilweise falsch werden auf der ersten Suchseite mehrere Bands verwurschtelt. Da wäre zum einen die Emo-/ Indierockgruppe The happy return aus San Diego, eine The happy return Band, die von 1967 bis 1970 aktiv war, zu der allerdings ein Foto der San Diego-er The happy return visualisiert wird und die Band A happy return aus UK, der Musik als Minimalisten-Folk bezeichnete wird. Letztere ist die Band, die ich suche.
A happy return sind eine schottisch/ englische Musikerkombination. Mat und Martin heißen die beiden, Gitarre auf der einen und Blasinstrumente wie Altsaxophon, Flöte, Klarinette auf er anderen Seite sind ihre Instrumente. Damit machen sie schöne, ruhige, teils sphärisch klingende Instrumentalmusik. So ein bisschen wie Savoy Grande, nur ohne Gesang. Ihr Sound ist also eine hochkomplexe Angelegenheit, den leider nicht alle im Carlswerk mitbekommen. Auch nach den ersten beiden Songs, oder 25 Minuten Konzertzeit ist die Geräuschkulisse abseits der ersten Reihen nach wie vor hoch. Gegen Ende des Sets legt sich das ein bisschen, aber die volle Aufmerksamkeit genießen A happy return nicht. Mir gefallen sie und ich überlege, sie bei meiner nächsten nächtlichen Fahrt durch die Eifel als Soundtrack mitzunehmen. Das könnte gut passen. Ihre Visuals, die auf einer kleinen Leinwand im hinteren Bereich der Bühne zu den Songs gezeigt werden und die von Aimee Henderson erstellt wurden, gehen leider komplett unter. Zu kleine Leinwand, zu viel Instrumentenaufbau davor.
Denn das The Notwist Setup steht schon bereit. So bedeutet Umbaupause nur das Wegbringen eines Stuhles und zweier Mikrofonständer. Um 21 Uhr und nach einer überschaubaren Umbaupause von einer knappe halbe Stunde beginnen dann The Notwist.
Ich glaube, ich schrieb das schon einmal: The Notwist können keine schlechten Konzerte spielen. Auch nicht an diesem Abend. Und wieder stelle ich mir die Frage, was soll ich über ein The Notwist Konzert schreiben? Wie soll ich diesen erneut wunderbaren Abend in Worte fassen, die der ganzen Sache zu 100% gerecht werden? Mir fehlt so ein bisschen der Ansatz, mir fehlen ein bisschen die Adjektive, die nicht zu abgedroschen klingen und gleichzeitig das Konzert treffend beschreiben. Denn auch die Songs des neuen Albums und die erweiterte The Notwist Liveformation schaffen es mühelos, eine schöne, tanzbare und entspannte Konzertatmosphäre zu zaubern, die keine Schwächen kennt. Es war ein berauschender Abend! Und damit ist eigentlich schon alles gesagt und beschrieben. Ach ja, fast vergessen: drei Zugabenblöcke spielen The Notwist an diesem Abend, was mich sehr überrascht hat. Und zwei neue Musikerinnen haben sie dabei, was mich auch sehr überrascht hat, aber nicht hätte überraschen müssen. Denn sowohl Enid Valu als auch Haruka Yoshizawa (von Spirit Fest) haben stark an den Songs des neuen Albums News from Planet Zombie mitgewirkt. Die beiden jungen Frauen ergänzen die üblichen The Notwist Verdächtigen Markus Acher, Micha Acher, Andreas Haberl, Max Punktezahl, Karl Ivar Refseth, Christoph Beck und Theresa Loibl bei den neuen Songs.
Der Geräteaufbau ist sehr nah beieinander und vorne am Bühnenrand. Die Rückseite Bühnenhälfte bleibt nahezu leer. Es bildet sich eine gemütliche Enge, in der sich die The Notwist Musiker*innen bewegen und aufhalten. Denn immerhin stehen gegen Ende des Konzertes 11 Musiker*innen auf der Buehne. Gut, zwischendurch sind es auch mal nur drei. Das zeigt wieder das Variabelsein der Band: beim rüpelhaften Noisekracher „Agenda“ steht die Notwist Pocketband Formation für drei Minuten auf der Bühne, im zweiten Zugabeblock bei den neuen Songs „Projectors“ und „Like a rivers“ neben The Notwist auch die beiden Musiker Matt und Martin von A happy return. Apropos „Agenda“. Es ist immer wieder schön mit anzusehen und anzuhören, wie sie mühelos von Noise zum melancholisch-ruhigen „Who we used to be“ switchen können. Und wenn bei „One this the freaks“ die Gitarre einsetzt, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut und spüre ein freudiges Kribbeln an den Unterarmen. Und die Melodienschleife (?) in „This room“ könnten sie wegen meiner ewig spielen. Es würde nie langweilig. Schön, auch mal wieder „Gravity“ live zu hören. Ich glaube, bei den letzten Touren stand der Song nicht im Programm. Oder ich verwechsle das mit „Gloomy planets“. Oder gar mit irgendeinem anderen Song. Und “Kong” und „Gravity“ passen nach wie vor gut zusammen. Sie spielen beide als erste Zugaben, denen noch zwei weitere Blöcke folgen sollen. Ob die beide noch geplant waren, ich bin mir zumindest bei der letzten Zugabe unsicher. Ärgerlich ist die dritte Zugabe auf keinen Fall, „Pilot“, „Consequence“ und „0-4“ ist dann ein klassisches The Notwist Konzertende.
Ein saustarker Konzertabend, der nach dreieinhalb Stunden um viertel nach elf ein Ende findet. Ich hatte im Vorfeld kurz überlegt, mit dem Zug zu fahren. Gut, dass ich das nicht gemacht habe. Ich hätte große Teile des Konzertes dadurch verpasst. Und das wäre mehr als sehr ärgerlich gewesen.
Setlist:
01: Teeth
02: X-ray
03: Where you find me
04: Ship
05: The turning
06: Pick up the phone
07: Propeller
08: Gloomy planets
09: One with the freaks
10: How the story ends
11: This room
12: Agenda
13: Who we used to be
14: Snow
15: Silver lines
16: 12
Zugabe I:
17: Kong
18: Gravity
Zugabe II:
19: Projectors
20: Like this river
Zugabe III:
21: Pilot
22: Consequence
23: 0-4
Kontextkonzerte:
The Notwist Pocketband – Köln, 14.10.2025
The Notwist – Köln, 23.04.2024 / Victoria Carlswerk
The Notwist – Le Guess Who? Festival Utrecht, 10.11.2022
The Notwist – Düsseldorf, 13.12.2021 / zakk
The Notwist – Dortmund, 31.07.2021 / Westfalenpark
The Notwist – Düsseldorf, 12.12.2016 / zakk
The Notwist – Le Guess Who? Utrecht, 19.11.2015
The Notwist – Bochum, 15.08.2015 / Jahrhunderthalle
The Notwist – Köln, 25.03.2014 / E-Werk
The Notwist – Lüften! Festival Frankfurt, 22.06.2012
The Notwist – Nijmegen, 22.01.2012 / Doornroosje
The Notwist – Rolling Stone Weekender Weissenhäuser Strand, 11.11.2011
The Notwist – Juicy Beats Dortmund, 30.07.2011
The Notwist & Andromeda Mega Express – Köln, 14.08.2009 / Philharmonie
The Notwist – Köln, 14.04.2009 / E-Werk
The Notwist – Melt! Festival, 19.07.2008