Ort: zakk, Düsseldorf
Vorband:

The Notwist

Neon Golden ist bis heute das beste Indietronic-Album aus diesem Lande. Punkt. Diskussion zwecklos, weil es keine Gegenargumente bzw. ein besseres Album gibt.
Tja, so ist das und ich gestehe, dass ich The Notwist verehre. Seit vielen Jahren liebe ich ihre Musik, ihre Konzerte. Ein Jahr ohne ein The Notwist Konzert ist für mich ein vertanes richtiges Konzertjahr. Ich kann mich einfach nicht sattsehen an ihren Livedarbietungen. Sie waren und sie sind phänomenal, dass sich in den nächsten Jahren daran etwas ändert, ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Als im Düsseldorfer zakk die Konzertreihe Lieblingsplatte angekündigt wurde, und in diesem Zusammenhang auch das Konzert The Notwist spielen Neon Golden, war das wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Eine Lieblingsband spielt ihr bestes Album, kaum etwas auf der Welt kann mich daran hindern, dieses Konzert zu sehen. Direkt nach der Bekanntgabe kaufte ich ein Ticket und ich freute mich seit Wochen auf diesen Abend.

‘Guten Abend. Wir sind Notwist. Aber das wisst ihr ja sicherlich schon. Und ihr wisst auch, welche Songs wir heute Abend spielen. – Aber wir spielen sie in leicht veränderter Reihenfolge.‘ Markus Acher eröffnete stilsicher den Abend und mit diesen drei Sätze war eigentlich alles Wichtige gesagt. „One step inside doesn’t mean you understand“, The Notwist starteten Albumkonform. „Pick up the phone“ als zweites Stück passte dann nicht mehr in die Albumreihung. Dass anschließende „One with the freaks“ ebenso wenig. Wer also 15 Minuten zu spät dran war, hatte schon drei Riesenhits verpasst.

Lieblingsplatte heißt das Format, dass das zakk in dieser Woche auf seine Konzertbühne bringt. Wichtige deutsche Bands spielen ihre wichtigsten Platten. Folglich spielen The Notwist (wichtige deutsche Band) Neon Golden (wichtigstes Album). Neon Golden ist ein Meilenstein, nicht das wichtigste sondern auch das beste Album einer deutschen Band in den letzten 22 Jahren, das zweitwichtigste in den letzten 30. Wichtiger, so denke ich, ist nur Blumfelds Ich-Maschine oder L’etat et moi. Darüber lasse ich mit mir diskutieren, über Neon Golden -siehe oben – nicht.
Neon Golden brachte endgültig den Elektro in den Indierock. The Notwist mit Console a.k.a. Martin Gretschmann, der für diesen Abend leider nicht kurz zurückkam, um mit seinen remote controls die Knöpfchenmaschine zu bedienen, schafften mit diesem Album etwas sehr besonderes. Mit dem Vorgänger Shrink öffneten sie dem Elektro die Tür, mit Neon Golden traten sie in den Raum. Lob und Ruhm gab es für Neon Golden weltweit. Keine andere deutsche Band verstand und versteht es dermaßen stilsicher, Gitarren und Electronic-Elemente zu verbinden. On/Off The Record, eine Dokumentation über den Entstehungsprozess der platte, zeigt dies ganz wunderbar.
Der Film werde im Rahmen der Lieblingsplatte-Konzertreihe auch gezeigt, hieß es in der Ankündigung des zakk und ich hatte zugegebenermaßen ein bisschen Angst, dass er im Vorprogramm des Konzertes visualisiert werden würde. Das würde langatmig werden, so meine Befürchtung. Sehr oft habe ich den Film schon gesehen und 90 Minuten Film vor einem Konzert durchzustehen, sind ein Brett.
Glück für mich, dass es nicht so kam. Keine Vorband, kein anderes Gezeter. ‘Guten Abend, wir sind Notwist.‘

Die ersten Songs gehen runter wie Öl. Und das nicht nur bei mir. Der Saal ist von der ersten Minute an voll dabei. „One step inside doesn’t mean you understand“ ist schon einer meiner Lieblinge, insgeheim fieberte ich aber „One with the freaks“ entgegen. Auf der Hinfahrt hatte ich den Welthit fünfmal hintereinander gehört. Zu gut ist die Melodie, zu schön die schrammelige Indiegitarre. Dass sie ihn dann früher im Programm hatten als gedacht, mir war es sehr recht. Mein Herz war schön am Hüpfen, und es hüpfte weiter, als der Liebling weg war. Bahn frei für die anderen tollen Songs. „Pilots“, wie immer in Kombination mit dem albumfremden „Different cars and different trains“, „Off the rail“, „Consequence“, „This room“.
Bilde ich es mir nur ein, oder packten The Notwist im Vergleich zum letzten Jahr noch eine Schüppe mehr EDM in ihre Songs. Ich glaube, so houselastig wie an diesem Abend habe ich sie noch nie gehört.
Nach einer guten Stunde sind die Songs des Albums durch. ‘Wir spielen noch ein paar Stücke, wenn wir dürfen.‘ Aber bitte doch! Ich wartete ja auch noch auf „Gravity“, meinen zweiten all time Notwist Favoriten. Der kam dann als letztes Stück vor der Zugabe, zum Weinen schön. Zuvor noch die nicht weniger tollen „Kong“ und „One dark love poem“. Jaja, es war ein runder Abend, eine gut sortierte Setlist.  Zu meinem vollkommenen Glück fehlte nur „Gloomy planets“, doch es war verschmerzbar, dass sie es nicht spielten. Sie hatten ja schon alles andere wichtige herausgehauen. Ich zufrieden mit der Welt nach dem Konzert, ach was, ich war mehr als das! Mit einem breiten Grinsen machte ich mich auf den Heimweg.

Is my body too slow i don’t know i don’t know. Don’t wanna be somewhere else

Kontextkonzerte:
The Notwist – Le Guess Who? Utrecht, 19.11.2015
The Notwist – Bochum, 15.08.2015 / Jahrhunderthalle
The Notwist – Köln, 25.03.2014 E-Werk
The Notwist – Lüften! Festival Frankfurt, 22.06.2012
The Notwist – Nijmegen, 22.01.2012 Doornroosje
The Notwist – Rolling Stone Weekender Weissenhäuser Strand, 11.11.2011
The Notwist – Juicy Beats Dortmund, 30.07.2011
The Notwist & Andromeda Mega Express – Köln, 14.08.2009 Philharmonie
The Notwist – Köln, 14.04.2009 E-Werk
The Notwist – Melt!, 19.07.2008

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