Ort: Rockhal, Esch-Alzette
Vorband: Irnini Mons

Franz Ferdinand sind neben den Arctic Monkeys, Bloc Party, Maximo Park, Editors und The Libertines eine der wichtigsten Bands der sogenannten New Britisch Invasion, die in den frühen 2000er Jahren im Indierock für einige Furore sorgten.
– Ihr sechstes Studioalbum The human fear erschien im letzten Jahr.
– 2006 fand ich Franz Ferdinand gut und sie waren mir sehr bedeutsam.
– 2014 sah ich Franz Ferdinand das letzte Mal live.
– Von den Ursprungsmitgliedern sind 2026 noch Alex Kapranos und Bob Hardy Teil von Franz Ferdinand.
Wenn meine elektrische Zahnbürste durch einen kurzen Rhythmuswechsel in der Bürstenkopfdrehgeschwindigkeit andeutet, dass die empfohlene Putzzeit abgelaufen ist, erinnert mich das seit einigen Tagen an die Songstelle in „Take me out“, in der die Gitarren in stakkatohaftes Zwischenspiel wechseln. Nein, ich bin beileibe kein wirklicher Franz Ferdinand Fan, allerhöchstens ein Sympathisant ihrer frühen Musik. Ihre ersten drei Alben fand und finde ich toll – auch wenn sich ihre großen Hits im Laufe der Jahre etwas abgenutzt haben. Aber alles ab den 2010er Jahren kenne ich nicht oder interessierte mich nicht mehr.
Meine Schmerzgrenze lag bei 30 Euro. 30 Euro für ein Franz Ferdinand Ticket in der Rockhal in Luxemburg, und die Sache ist geritzt. Ich wollte eh’ zum Tanken ins Nachbarland, die paar Kilometer nach Esch-Alzette in den Westen Luxemburgs sind mehr als okay, wenn der Ticketpreis stimmt. Und für mich stimmte er bei 30 Euro. Mittags wurde Ticketswap mein Freund und ich beobachtete den Zweitmarkt. Es gab genug Kartenverkäufe und so musste ich nicht lange warten, bis der Preis bei 30 Euro ankam. Das erste Angebot nahm ich an. Und ich freute mich auf den Abend. Das mit der Vorfreude fand ich etwas merkwürdig und befremdlich, denn fand’ ich nicht das letzte Konzert schon nur so naja? Schrieb ich nicht bereits 2014
…in diesem Sinn also ein gutes Konzert, trotzdem sind sie für mich irgendwie durch.
Ja, es waren gemischte Gefühle nach dem Konzertbesuch im Palladium. Aber hey, vielleicht ist es 12 Jahre später ja ganz anders und überhaupt, ich habe an diesem Freitagabend nichts vor und extreme Lust, mir Franz Ferdinand anzugucken.
Das Konzert in der Rockhal war lange Zeit nicht ausverkauft. Am Abend aber meine ich später gelesen zu haben, dass es dann doch ausverkauft war. Aufgrund meiner Vorerfahrungen vom letzten Konzert hatte ich keinerlei Erwartungen an den Abend. Und so schlimm, dass ich mich super ärgern würde, kann es nicht werden. Denn das kann kein Konzert liefern.
Ein Blick auf die Setlisten der vergangenen Konzerte zeigte mir, dass Franz Ferdinand schon auch bereit sind, ihre großen Hits zu spielen. Vom aktuellen Album The human fear stehen meist nur 4-5 Songs auf den Setlisten, vom 2018er Vorgängeralbum Always ascending gar nur der Titelsong „Always Ascending“. Eine Standard Setlist haben Franz Ferdinand fuer die Tour jedoch nicht. Je nachdem spielen sie mal die einen Hits, mal die anderen. Leider spielten sie nie alle auf einmal. So fehlten in Luxemburg tatsächlich „Darts of pleasure“ und „Lucid dreams“. Die schöne „Eleanor put your boots on“ spielen sie wohl gar nicht mehr. Aber das ist ein bisschen Jammern auf hohem Niveau.
Die Vorband Irnini Mons kommt aus Frankreich. Der französische Noiserock oder Rock Français des Quartetts geht allerdings ein bisschen unter. Zum einen ist die Halle vielleicht erst zu einem Drittel gefüllt, zum anderen vermögen sie nicht wirklich, größeres Interesse zu wecken. Um mich herum werden Irnini Mons gnadenlos weggequatscht. Und so bin auch ich abgelenkt und kann mich nicht voll auf die Band konzentrieren. Dabei haben sie den ein oder anderen wirklich guten Song im Repertoire. Auf Strecke ist es dann aber leider nicht ausreichend, um die volle Aufmerksamkeit zu erlangen.
Um 21 Uhr kommen Franz Ferdinand auf die Bühne. Alex Kapranos, Audrey Tait, Bob Hardy, Dino Bardot und Julian Corrie a.k.a. Miaoux Miaoux sind seit einigen Jahren die Band Franz Ferdinand. Das hatte ich ja mittlerweile gelernt. „The dark of the matinée“, „Night or Day“ und „Michael“ sind die ersten drei Songs. Während ich bei „The dark of the matinée“ noch die Einspielphase berücksichtige, denke ich bei „Michael“ schon etwas konkreter, dass das Konzert irgendwie komisch verläuft. Schaue ich in die Gesichter der beiden Gitarristen und von Alex Kapranos, wirken ihre Augen müde. Das folgt meinem Eindruck, dass der Band ein bisschen die Spritzigkeit fehlt. Zumindest bis zu diesem Moment. ‘Aber vielleicht ändert sich das ja im Laufe des Konzerts’, denke ich.
Das Bühnenbild ist klar designt. Ein scheinbar angesägter Betonrahmen steht hinter der Band – die eine Seite kürzer als die andere, neigt er sich im plusminus 45 Grad Winkel. Das Licht strahlt abwechselnd entweder komplett rot oder grün. Zur Vorband baute der Lichttechniker einige Strobo-effekte ein, ich hatte Befürchtungen, dass dies bei den Post-Punk Gitarren von Franz Ferdinand ein ebenso oft verwendetes lichttechnisches Stilmittel sein wird. Doch Gott sei Dank – ich mag und vertrage dieses gleißend weiße Flackerlicht überhaupt nicht – ist das nicht der Fall. Der Techniker beschränkt sich hiermit auf ein paar einige und erträgliche Momente.
Okay, der Konzertstart ist schwach. Bei meinem letzten Franz Ferdinand Konzert wurde ich während des Konzerts noch positiv überrascht, vielleicht ist es heute Abend genauso. Die Hoffnung verfliegt rasch, denn an diesem Abend bleibt diese Entwicklung leider aus.
Was ist hier los? Sollte heute Abend tatsächlich eher Tanken und Kaffeepads sein anstatt Schampus und Lachsfisch? (Mal ganz abgesehen davon, dass sie „Darts of pleasure“ nicht spielen). Der Gedanke setzt sich in meinem Kopf fest. Und er wird weiter befüttert. Die Posen und Animations-Tricks von Alex Kapranos wirken lieblos, das auffordernde Mitklatschen von Julian Corrie eher als Pflichtgeste denn als Wunschaufforderung. Und der Bassist spielt seinen Stiefel herunter, als hätte er mit alldem nichts zu tun. Nun gut, mag der ein oder andere sagen, das ist halt die Bassspieler-DNA. Ja vielleicht, auch ich könnte Beispiele nennen, aber an diesem Abend ist es mir enorm auffällig. In Summe wirken Franz Ferdinand an diesem Abend auf mich überspielt. Und entsprechend schwappt auch die Stimmung nicht so richtig rüber. Klar, bei „Take me out“ springen alle und die Animations-Tricks werden auch aufgenommen, aber eher so halbherzig. So zumindest um mich herum. Da hätte ich mir schon mehr erhofft. Auch scheint es mir, als ob Franz Ferdinand etwas Tempo aus ihren Songs genommen hätten. „Michael“ oder „Do you want to“ klingen irgendwie ‘ruhiger’ als ich es in Erinnerung habe. Es ist ein bisschen verständlich, die Leute sind über 50, da kriegt man nicht mehr an jedem Abend so viel Wucht und Elan in die Songs wie noch vor 20 Jahren. Aber das kommt dem Konzert nicht zugute.
‘Vor 20 Jahren waren sie besser’. Das ist zwar ein abgedroschener Spruch und würde im Doppelpass 3 Euro kosten, aber er trifft fuer diesen Auftritt leider zu. Ich fand den Auftritt fad und wenig Energie geladen. Dienst nach Vorschrift, so sagt man doch. Der letzte Pfiff fehlte.
Ein Trommelinferno zum Ausklang von „Outsiders“ (alle Bandmitglieder versammelten sich um das Schlagzeug und kloppen ordentlich drauf) war vor 5 Jahren noch schön – weil rasanter – und bemerkenswert. An diesem Abend fand ich es eher unnötig und langweilig.
Das schrieb ich vor knapp 16 Jahren zu meinem – jetzt – vorletzten Franz Ferdinand Konzert. An diesem Abend ist es eins-zu-eins genau so. „Outsiders“ beendete den regulären Teil des Konzertes nach einer guten Stunde und das wir-hämmern-alle-auf-das-Schlagzeug Ding wirkt 2026 noch merkwürdiger.
Sicherlich mein schwächstes Konzert des Jahres.
Setlist:
01: The dark of the matinée
02: Night or Day
03: Michael
04: Walk away
05: Audacious
06: No you girls
07: Bar lonely
08: Right action
09: Do you want to
10: Build it up
11: 40′
12: Black eyelashes
13: Love illumination
14: Take me out
15: Outsiders
Zugabe:
16: Hooked
17: Always ascending
18: Evil and a heathen
19: Jacqueline
20: This fire
Kontextkonzerte:
Franz Ferdinand – Köln, 12.03.2014 / Palladium
Primavera Sound Festval – Barcelona, 31.05.2012
Rock a Field – Luxemburg, 28.06.2009
Franz Ferdinand – Köln, 14.03.2009 / Palladium
Franz Ferdinand – Rock am Ring Nürburgring, 04.05.2006