Ort: M-Leuven, Leuven
Vorband:

Buffalo Tom - M-IDZOMER Festival, 29.07.2022

Das M-IDZOMER Festival des Museums Leuven kam irgendwann im Mai auf unsere Festivalkarte, als das Het Depot, Ausrichter und Organisator, neben den Tindersticks auch Buffalo Tom als weitere Festivalband bekannt gab, die im Innenhof des Museums spielen sollte.

Okay, Buffalo Tom am Freitag, Tindersticks am Samstag. Das klingt nicht nur nach einem Kurztrip, das wurde dann auch schnell zu einem Kurztrip. Nach einer Bahnrecherche stand das Programm. Dabei lernte ich, dass die belgische Bahn im Sommer das sogenannte Duo-Ticket anbietet. Ein Ticketangebot, mit dem man sämtliche IC- und Regionalzüge der belgischen Bahngesellschaft im Paket ‘zwei Personen zum Preis von einer Person‘ nutzen kann. Großartig. Das gefiel uns so gut, dass wir am Sonntag noch einen Kurztrip nach Gent dranhängten. Und da Züge in Belgien aus mehreren Doppelstockwagen bestehen, hat man keine Platzprobleme. Irgendwas machen wir bei uns mit dem ÖPNV definitiv falsch.
So lief denn auch die Anreise entspannt. Der ICE nach Lüttich ist pünktlich und ab Lüttich geht alle 30 Minuten ein Zug nach Leuven. Gegen 18 Uhr sind wir in Leuven, gegen 21 Uhr auf dem Museumsgelände mitten in der Stadt. Buffalo Tom sollen um 21.30 Uhr auf der Hauptbühne im M-Leuven stehen. Passt.

Mir war lange nicht klar (eigentlich bis kurz vor der Abreise), dass der Begriff M-Leuven für das Museum Leuven steht und das dieses gesamte M-IDZOMER Festival (es startete bereits Donnerstag und geht bis Sonntag) im Museumshof und in zwei weiteren Räumen im Museum stattfindet. Umso schöner, ein kleines Innenstadtfestival in einem Innenhof umringt von alten Backsteinbauten mit Giebelwänden und einem modernen Museumsgebäude. Mehr Belgien geht architektonisch nicht. Und wenn man jeden Festivaltag von Anfang bis Ende mitnimmt, geht auch mehr belgische Musik nicht. Denn in der Hauptsache spielen hier belgische und niederländische Bands, die Ausnahmen – wenn ich keine übersehen habe – sind Buffalo Tom, die Tindersticks und Son Lux. Letztere traten bereits am Donnerstag auf.

Wenn es um 1990er Jahre College- und Alternative Rock geht, gibt es an Buffalo Tom kein vorbeikommen. die Band der drei Musiker Bill Janovitz, Chris Colbourn und Tom Maginnis beackert dieses Feld erfolgreich seit Ende der 1980er Jahre und hat über die Jahre einige Alternative Rock Klassiker zu verantworten. Sleepy Eyed aus dem Jahr 1995 ist in dieser Hinsicht ihr bestes Album und vielleicht ein Alternative-Rock Masterpiece. „Tangerine“, „Kitchen door“, „Summer“ und „Clobbered“ heißen meine Anspieltipps. Obwohl ich hier eigentlich jeden Song nennen könnte. Spätestens nach dem dritten Lied ist jeder, der nur ein bisschen was für Gitarrenrock übrighat, ein Buffalo Tom Fan.

Oft spielen die drei aus Boston nicht in Europa. Daher gilt es, jede Möglichkeit zu nutzen. Nachdem das M-IDZOMER Festival Buffalo Tom bestätigt hatte, kündigte die Band zwei weitere Konzerte in den Niederlanden an, die sie aber ein paar Wochen später wieder zurücknahmen. Schade. Ich hätte sie gerne noch ein weiteres Mal gesehen. Eindhoven zwei Tage später bot sich an, liegt es doch fast auf dem Rückweg von Leuven. Aber daraus wurde dann nichts. Es blieb bei Leuven und für mich blieb es damit bei einem Buffalo Tom Konzert.

Buffalo Tom - M-IDZOMER Festival, 29.07.2022

Das zwischen Buffalo Tom und mir ist eine interessante Beziehung. Grundsätzlich würde ich mich nicht als Fan bezeichnen. Eher als Teilzeitsympathisanten, der die Musik gerne hört, sie aber dann auch wieder jahrelang verschmäht. Es ist komisch, und es ist mit keiner anderen Band so. Einerseits besitze ich nur zwei CDs von Buffalo Tom, andererseits sind viele ihrer Songs in meiner Lieblingsliederplaylist. Einerseits finde ich ihre Konzerte mitunter langatmig, um nicht zu sagen langweilig, andererseits gehe ich jedes Mal hin und kann es kaum abwarten, wenn sie in der Nähe spielen. Wie auch dieses Mal.
Nichtsdestotrotz, ich habe in den letzten Jahren Buffalo Tom komplett aus den Augen verloren. Ja, 2017 war da ein Konzert, aber das war mehr so ein ich-geh-da-hin-weil-man-da-hingeht Ding ohne große Erwartungen und ohne große Versprechungen, die Band wieder neu für mich zu entdecken. Die Hits waren natürlich immer noch Hits, die ich nach wie vor gerne höre, aber sie piekten mich nicht mehr. Das änderte sich ein bisschen, als ich 2019/2020 damit anfing, Bill Janovitz’s Virtual happy hour Konzerte zu schauen. Und damit wird das mit meiner Buffalo Tom Beziehung noch ein Stück merkwürdiger.
Genau wie einige andere Musiker streamte auch Bill Janovitz während der Lockdownphasen regelmäßig Heimkonzerte in die weite Welt. Soweit, so gut. Interessanterweise aber waren mir die Bill Janovitz Sessions nicht egal. Neben den Homestreaming Konzerten des Death Cab for Cutie Sängers wurden die Streamings des hauptberuflichen Immobilienmaklers Bill Janovitz meine musikalischen Begleiter durch die konzertfreie Lockdown Zeit. Ich freute mich regelmäßig über die Ankündigungen der nächsten Folge seiner Virtual happy hour. Müßig zu erwähnen, dass das Streaming jedes Mal viel länger als nur eine Stunde dauerte. Aber ich guckte das alles und wunderte mich dabei ein bisschen über mich selbst. Wenn ich mich richtig erinnere, streamte Bill Janovitz zu Spitzenzeiten zweimal pro Woche. Meist fingen die Sessions in der Küche mit einem Cocktail und einem kleinen Smalltalk mit Frau und Tochter an, bevor er dann in das Musikzimmer wechselte. Bill Janovitz spielte so ziemlich alles, was sich das Publikum wünschte; natürlich Buffalo Tom Zeugs, aber auch fremde Stücke. So entdeckte ich langsam die alten Lieblingslieder wieder und andere Sachen, die ich bis dahin nicht kannte. Songs der letzten beiden Alben Skins und Quiet and peace zum Beispiel. Dabei merke ich schnell, dass sich musikalisch in den letzten Jahren nichts geändert hat. Buffalo Tom spielen nach wie vor den bodenständigen Alternative Rock, den sie immer gespielt haben.

Das gilt auch für „Autumn letter“. Buffalo Tom spielen ihn an diesem Abend. Es ist ein neuer Song vom vielleicht bald neuen Album. „Autumn letter“ klingt nach “Autumn sweater”, den besten aller Songs mit ‘Autumn’ im Namen. Der ist bekanntermaßen von Yo la tengo.
„Autumn letter“, der Song ist ruhig, leicht folkig und weniger rockig. Gemein könnte ich sagen: klingt altersgerecht. An diesem Abend finde ich ihn nicht besonders gelungen, er gefällt mir nicht sonderlich. Der Reim der ersten Textzeile klingt mir zu erzwungen. Nachdem ich den Song jetzt ein paar Mal auf YouTube gehört habe – man findet ihn dort nur als Livemitschnitt aus Leuven, weiteres Material scheint es noch nicht zu geben -, kann ich über die ersten Sekunden hinweghören und der Song platziert sich bei mir immer besser.

„Autumn letter“ ist mit Abstand der aktuellste Song im Set; vom letzten Album Quiet and peace – immerhin schon vier Jahre auf dem Markt – spielen Buffalo Tom nichts. Stattdessen ist die Setlist eine Werkschau über ihre gesamte Schaffensperiode. Ein Festivalset eben, auf dem aber leider „Clobbered“ und „Mineral“ fehlen. Sonst wäre es die ultimative 1990er Jahre Show. Dafür rutscht „You’ll never catch him“ von Three easy pieces rein. Sicherlich ein Versehen. Definitiv nicht schlimm.

Nachtrag: Ich habe nicht richtig zugehört und unkonzentriert geschrieben. „All be gone“ ist natürlich auf dem Album Quiet and peace.

Setlist:
01: Velvet Roof
02: Summer
03: Tree house
04: Kitchen door
05: Birdbrain
06: Larry
07: I’m allowed
08: Rachael
09: Autumn letter
10: You’ll never catch him
11: All be gone
12: Sodajerk
13: Late at night
14: Tangerine
15: The Bus
16: Staples
17: Taillights fade
Zugabe:
18: Wiser
19: Crutch

Kontextkonzerte:
Buffalo Tom – Maastricht, 07.06.2017 / Muziekgieterij
Buffalo Tom – Köln, 08.03.2011 / Luxor
Buffalo Tom – Köln, 29.11.2007 / Prime Club