Ort: Parklife XL, Hasselt
Vorband:

TaxiWars - Hasselt, 04.09.2020

Mein erstes Corona-Konzert.
Als die belgische Band TaxiWars kurz nach ihrer Tourabsage für 2020, geplant war von mir unter anderem ein Besuch ihres Konzertes im belgischen Spa, überraschend vier Konzerttermine in Benelux ankündigte, war irgendwie klar, wenn möglich eines der vier Konzerte zu besuchen. Belgien und die Niederlande sind zwar immer mal wieder Risikogebiete, aber unser favorisiertes Konzert in Hasselt fällt nicht in die Region um Antwerpen, Brüssel oder Amsterdam, die zeitweise als Risikohotspots vom RKI und Auswärtigem Amt definiert wurden. Nichtsdestotrotz, ich habe Respekt vor dem Virus und es blieb ein schummriges Gefühl. Ist es richtig, ein Konzert zu besuchen? Ist das vernünftig? Die Konzertbesuche im August am Kölner Tanzbrunnen habe ich abgelehnt als ich sah, dass ein Mindestabstand nach links und rechts bei der Bestuhlung nicht eingeplant war.

Der Blick auf das Veranstaltungsgelände vor Ort (später) und im Internet (beim Ticketkauf) brachte mir weitere Sicherheit. Während des Ticketkaufs stellte sich heraus, dass man nur in Blöcken Tickets kaufen kann; angeboten werden 2er und 4er Tickets. Diese werden entsprechend einem der 82 Tische (2er oder 4er Tische) zugewiesen. Es war also nicht möglich, mit fremden Leuten an einem Tisch zu sitzen. Ein Abstand zwischen den Tischen war aus dem lageplan ersichtlich. Wir ergatterten den vorletzten verfügbaren Zweiertisch, hinterließen beim Kauf unsere Kontaktdaten und machten uns eine Woche später auf den Weg in das nicht allzu ferne Hasselt.
Veranstaltet wurde das Konzert vom Hasselter Club Café Café, das für seine Sommerkonzerte eine Pop-up-Location im Hasselter Norden auf dem Campus der Hogeschool PXL, eine Universität für angewandte Wissenschaften und Künste, errichtete. Parklife XL nennt sich das Pop-up im Hasselter Norden. Nur so und hier ist es möglich, die strengen Auflagen und Hygienevorschriften für ein Konzert zu erfüllen. Ein Indoorstehkonzert in einem normalen Club ist ja derzeit vollkommen undenkbar und wird es wohl auch im Winter 2020/2021 nicht geben. Ich kann es mir zumindest nicht vorstellen.

Vor Ort ist alles klar geregelt. Der Türsteher gibt uns die Kurzeinweisung: Bitte den Mund-Nasenschutz aufsetzen, dann als erstes die Hände desinfizieren, ‘Bitte nur entlang den markierten Wegen laufen‘, Getränke über eine App bestellen, am zugewiesenen Platz sitzen bleiben und wenn möglich, nicht auf die Toilette gehen. Soweit ist alles klar und umsetzbar. Das Konzept ist mir schlüssig und ich habe keinerlei Bedenken. Vorbildlich halten sich alle Besucher an alle Vorgaben. Nur bei der Getränkebestellung per App haben wir kleinere Schwierigkeiten. Das Windows Phone versteht den QR Code nicht auf Anhieb und wir müssen die Umleitung über die zusätzlich eingerichtete Webanwendung nehmen.
Zwischen den einzelnen Tischen ist der empfohlene 2 Meter Abstand. Ein Zelt im vorderen Zuschauerbereich und Sonnenschirme weiter hinten sorgen für den Wetterschutz. Auch bei Regen könnte man es hier gut aushalten. Das Wetter ist an diesem Abend aber gut, es ist ein schöner spätsommerlicher Abend. Das Pop-up ist perfekt organisiert und coronakonform arrangiert.

Getränkebestellung per App
Getränkebestellung per App

Wie erwähnt, wäre 2020 normal verlaufen, hätten TaxiWars diesen Sommer eine ausgiebige Tour gespielt. Ich mag die Jazzband um den dEUS Sänger Tom Barmann und den Jazzmusiker Robin Verheyen (Experten sagen, einer der besten Jazzmusiker Belgiens) sehr, mehrmals sah ich sie in den letzten drei Jahren live. Da es in diesem Jahr keine neue Platte gibt, ist das Konzert für mich musikalisch kein Neuland. Ich wusste, was mich erwartet. Allerdings glaube ich, zwei, drei neue Songs herausgehört zu haben. Vielleicht waren es aber auch nur alte Kamellen, die ich bis dato nicht kannte. 

Neben Tom Barman und Robin Verheyen vervollständigen Antoine Pierre und Nicolas Thys am Kontrabass und Schlagzeug die Band. Als Nebenprojekt von Tom Barman (obwohl es richtigerweise ein Projekt von Tom Barman und Robin Verheyen heißen muss) bin ich auf TaxiWars aufmerksam geworden. Das nervig flirrende Saxophon gefiel mir sofort und war mein Antrieb, die Band in Heerlen live zu sehen. Im Konzert bemerkte ich, dass auch ein bisschen dEUS in den Songs steckt: diese permanente Unruhe, dieses treibende und nervöse Hibbeligkeit sind mir nicht neu. So wurde TaxiWars in den letzten beiden Jahren eine gern gehörte Band. „Fever“, dass das Konzert eröffnet, und „Death ride through wet snow“, welches wiederum das Konzert beendet, sind an diesem Abend meine musikalischen Höhepunkte. Beide Songs spiegeln genau das wieder, was ich in Heerlen beobachtete: Unruhe und dEUS-eske Songstrukturen. Die jazztypischen Soli der Musiker verwässern den letzten Song zwar ein bisschen, aber es gelingt TaxiWars, nicht vom schmalen Grat herabzustürzen.
A pro pos Solo. Zurecht großen Applaus auf offener Bühne erhält Robin Verheyen für sein famoses Saxophonsolo zu Beginn von „Who that“. Die Tonleiter scheint grenzenlos, der Atem unendlich. Großes Kino, großes musikalisches Können. Da macht es Spaß, zuzuhören und mit der Fußspitze mitzuwippen. (Mehr geht im Sitzen nicht). Soli müssen nicht immer ekelig sein.  

Unser Tisch ist weit hinten, in der vorletzten Reihe. Logisch, dass von der Bühne nicht allzu viel rüberkommt. Leider ist es auch logisch, dass das Stimmengewirr um uns herum zeitweise die ruhigen Musikpassagen übertönt. Die Instrumentalballade „On day three“ kommt so nur spärlich bei uns an. Überdies versperrt ein Laubbaum die uneingeschränkte Sicht auf die Bühne. Klingt schlimm, ist es aber in Wirklichkeit gar nicht. Es nervt zwar ab und an, das Gesamtambiente des Veranstaltungsortes macht jedoch vieles mit seinem Charme wieder wett. Lichterketten, Strandsand, bequeme Sitzgelegenheiten; das Parklife XL Pop-up ist gut geworden. Und es fühlt sich toll an, nach 186 Tagen endlich mal wieder Livemusik zu erleben.

TaxiWars

Was auffällt: In Belgien sind TaxiWars eine feste Größe. Trotz Coronarestriktionen, sprich maximale Besuchermenge von irgendwas um 400 Personen schätze ich, sind hier mehr Besucher als bei meinem letzten TaxiWars Konzert im Kölner Luxor. Seinerzeit war die Band auf Artificial Horizon Tour und mit ihrem dritten Album erstmals in Deutschland zu sehen.

Setlist:
01: Fever
02: Taxiwars
03: Drop shot
04: Artificial Horizon
05: The Glare
06: They’ll tell you you’ve changed
07: Irritated love
08: Rosco Paje
09: Different or not
10: Bridges
11: Who that
12: Sharp practice
13: Infinity cove
14: Death ride through wet snow
Zugabe:
15: On day three
16: Safety in numbers
17: Coliseum

Multimedia:

TaxiWars Parklife XL Hasselt 04.09.2020

Gepostet von Anna Radozda am Samstag, 5. September 2020

Kontextkonzerte:
TaxiWars – Köln, 28.10.2019 / Luxor
TaxiWars – Heerlen, 12.12.2017 / Nieuwe Nor