| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Terminal 5, New York
Vorband: Wild nothing

Das Terminal 5 liegt in keinem der studentischen oder hippen Stadtbezirke New Yorks. Midtown und Klubs wie die Webster Hall oder Irving Plaza sind einige Metrostationen entfernt. Das stylische Terminal 5, clean und modern eingerichtet, liegt auf Höhe des Central Parks in unmittelbarer Nähe zum Hudson River. Autohäuser gibt es hier zuhauf. Lexus, BMW, VW, Audi. Die gehobene New Yorker Käuferschicht darf und kann sich hier ihren Unsinns-SUV aussuchen.
Über drei Etagen erstreckt sich unser Klub. Der Grundriß scheint Platz für ungefähr 2000 Leute zu geben, die beiden Balustraden nochmals für ein paar Dutzend. Höhe statt Tiefe ist das architektonische Motto des Terminal 5. Ausgestattet ist es mit modernem Interieur. Klare und einfache Formen prägen die Thekenbereiche und Sitzecken auf den Balkonen.

Die Digitaluhr auf der Bühne zeigt 10.16, als die Stars aus dem Backstagebereich nach vorn auf die Bühne kommen.
Zuvor sahen wir von 9.00 bis 9.46 Wild nothing. Vier junge, hippe Musiker mit sehr urbanem Aussehen und Kleidungsstil spielen Bass wie The Cure oder New Order, singen wie Morrissey und zaubern Melodien wie Kitchens of Distinction.

Cute, you are so cute!

Den Mädchen, und davon gibt es heute Abend sehr viele, gefällt das. Sie kreischen und tanzen, wenn sie nicht gerade ihre Facebook Feeds abrufen, mit Freunden telefonieren oder sich mit der anwesenden Freundin über Mode und Justin Bieber unterhalten. Konzerte in den USA. Da ist die Musik zeitweise nur Beiwerk.
Nun denn, im Falle der Wild nothing ist das auch nachzuvollziehen. Die Songs sind toll, keine Frage, aber ihre Halbwertzeit ist sehr gering. Nach kurzer Zeit wird das Set belanglos, die Songs und vor allem Basslinienaustauschbar und etwas langweilig. ‚Fox 5 Serien Indiemusik‘, das scheint mir eine sehr passende Umschreibung.
Das Terminal 5 ist mittlerweile gut gefüllt. Vorhin, vor uns in der will-call Ticketmasterschlange unterhielten sich zwei Mädchen in einer uns sehr vertrauten Sprache. Wir sind nicht die einzigen weit gereisten.

Die Stars scheinen hier also grösser zu sein als in Europa. Ihre Bühnenshow ist es auch. Zwei große Bilder hängen am Bühnenende, irgendwann während des Sets regnet es Seifenblasen und zu „Ageless beauty“ wird eine Bank auf die Bühne getragen, auf der Amy Millan und der Stars Bassist Platz nehmen, um den Song zu interpretieren. In einer Akustikversion.
Generell scheint Amy Millan hier die Hosen anzuhaben. Im Gegensatz zum Kölner Konzert spielt Torquil Campbell im Terminal 5 nicht ganz so groß auf. Seine Kollegin hat die längeren Gesangparts und ist für die Showelemente verantwortlich.
Und noch etwas fällt mir auf: Die Setlist ist stärker auf das neue Album abgestimmt. Die ganz hohe Hitdichte des Kölner Konzerts mit all den guten Songs aus dem Vorgänger- und Vor-Vorgängeralbum haben die Stars hier nicht. Das scheint es in den USA auch nicht nötig zu haben, denn alle neuen Songs werden groß abgefeiert. Dafür braucht es die großen Hits nicht, es reichen die weniger großen.
Die Stimmung ist toll und die Stars scheinen so angetan zu sein vom New Yorker Publikum, dass sie für Sonntag eine weitere Show in Brooklyn ankündigen. 10 Minuten nach Konzerte stand es dann auch auf ihrer Facebookseite. 10 Dollar für eine Nachmittagsshow in Lillyfield. Da kennen sie scheinbar nix. 300 Leute haben die Möglichkeit, hinzugehen. Mehr scheint der Laden oder das Areal nicht herzugeben. Ich wette, das Ding war ruck zuck voll.

Aber noch einen Satz zu diesem wunderbaren Abend. Es war das bisher stimmungsvollste Stars Konzert, das ich gesehen habe. Es war ein sehr lohnenswerter Ausflug ins Terminal 5. Tolle Band, toller Klub, tolles Konzert.

Kontextkonzerte:
Stars – Köln, 11.02.2008
Stars – Köln, 27.09.2007
Stars – Köln, 09.09.2010

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."