Ort: Cultuurcentrum Hasselt, Hasselt
Vorband: –

Starsailor - Hasselt, 10.10.2026

Architekturstil: Nachkriegsmoderne (aus Beton, Stahl und Glas). So wird das Cultuurcentrum in Hasselt im Internet beschrieben. Passt schon, belegt aber nicht die ganze Schönheit des Gebäudes, das sehr verkehrsgünstig am Stadtrand von Hasselt vorzufinden ist. Gerade für Auswärtige ist es mit dem Auto gut und einfach zu erreichen, inklusive kostenfreier Parkplätze auf dem theatereigenen Parkplatz. Also wie geschaffen für einen samstäglichen Konzertbesuch.
Wir sind zum ersten im CCHA – Kurzform für Cultuurcentrum Hasselt. Hasselt lag bisher nur bedingt auf unserer Konzertortlandkarte. Und bedingt heißt: zwei Konzertbesuche im kleinen Café Café in der Hasselter City und einem Taxi Wars Konzert auf einer Wiese an der Universität. Wer in Geografie nicht so gut bewandert ist, die mittelgroße belgische Stadt liegt ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Aachen und Leuven, gut 90 Minuten von Köln entfernt. Max Verstappen ist hier geboren und Marijke Amado (Menschen meines Alters werden sich erinnern) wohnt oder wohnte in Hasselt. habe. Ob die Informationen valide sind, frag nicht. Ich lese das bei Wikipedia, während ich auf den Konzertbeginn von Starsailor warte. Das Cultuurcentrum hat zwei Theatersäle, einen großen mit knapp 1000 Sitzplätzen und einen kleinen für etwa 300 Zuschauer. Starsailor sind im großen Theatersaal angesetzt, und Spoiler, er ist vielleicht knapp zur Hälfte gefüllt.

Jahrelang ließ ich die Band links liegen. Erst in den letzten Jahren nach der Corona Pandemie begann ich wieder, Starsailor und/oder James Walsh Konzerte zu sammeln. Angefangen hat es 2023 mit einem James Walsh Solokonzert im Café Café in – Zufall oder nicht – Hasselt. Das war damals so großartig, dass ich danach unbedingt ein zweites James Walsh Solokonzert sehen musste und kurze Zeit später einem Starsailorauftritt in Luxemburg nicht aus dem Wege gehen konnte. Das war im letzten Jahr zum 25jährigen Bandjubiläum. Damals spielten sie alle Hits und es war toll, die Songs nochmal live im Bandkostüm zu hören. Genauso wie 2020 in Manchester als special guest vor Embrace bei meinem letzten Pre-Corona Konzert. Als dann zu Jahresbeginn Tourdaten für die Geburtstagssause 25 Jahre Love is here auch für Europa angekündigt wurden, war klar, da muss man hin. Schon allein wegen des Zusatzes ‘Starsailor with strings‘. Aber auch, weil Love is here einfach ein verdammt gutes Album ist, das definitiv nur Hits enthält.

Starsailor with strings also. Das bedeutet, dass neben der Band, die sich nach wie vor aus den alten Kempen James Walsh, James Stelfox (Bass), Ben Byrne (Schlagzeug) und Barry Westhead am Keyboard besteht (plus Tony Foster, der seit kurzem die Band bei Konzerten an der Gitarre unterstützt), auch ein 10-köpfigen Ensemble inklusive Dirigent mit am Start ist. Das setzt sich im Europaslot der Tour aus niederländischen Musiker*innen zusammen. In Großbritannien, wo Starsailor zuvor und danach weitere Konzerte spielen, sind es britische Musiker*innen, die die Band begleiten. Budgettechnisch sicherlich nicht anders umsetzbar.

Ein kurzer Rückblick: Starsailor 2003 im Kölner E-Werk war mein erstes Starsailor Konzert überhaupt. Und ich fand es scheinbar nicht so schlimm wie befürchtet:

James Walsh ist ein guter Mann. Er covert REM und U2 mit seiner Akkustikgitarre. Riesen- Sonderbonus! Das E-Werk ist zur guten Hälfte gefüllt, … Ich sehe viele Pärchen und Menschen mittleren Alters im Publikum. Gerockt wird heute nicht wirklich, eher mitgewippt und der Sanftheit der Starsailor- Musik gelauscht. Und das geht gut. … bei Starsailor pendelt sich der Schmalzfaktor wieder auf ein korrektes Maß ein. Zu meiner Überraschung wird’s auch nicht langatmig, ….. Ach ja, eine interessante Variante der Konzerteröffnung: Zum Playback eines eigenen Stückes auf die Bühne schlendern und dann in das Playback live einsetzen. Fabelhaft!

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Das sind Snippets aus meinen damaligen Konzertbeobachtungen. 2003, das war das Jahr von Coldplay und A rush of blood to the head. „Clocks“, „God put a smile upon your face“, „Politiks“ waren die großen Songs dieser Zeit und Coldplay neben den immer noch wichtigen Travis das Nonplusultra. Auch ich war damals Fan und lernte über diese Gemengelage zwangsläufig auch Starsailor kennen. „Alcoholic“, „Good Souls“ oder „Lullaby“. Himmel, wie hymnisch und sanft, empathisch und sentimental können Songs klingen. Den Text zu „Alcoholic“ konnte ich auswendig, Love is here hörte regelmäßig. Die Platte, das Debütalbum von Starsailor, verkaufte sich Million Mal und Starsailor wurden direkt ein Riesending.

Warum erwähne ich das? Nun, mit meinem Konzertbericht von damals werde ich in Hasselt nochmal konfrontiert. ‘Das wird doch heute sicherlich genauso sein’, schallt es mir entgegen. Nun, so ganz falsch liegt meiner belgischer Konzertspezi damit nicht. Fast. Denn die Pärchen von damals gehen 2026 nicht mehr gemeinsam auf Konzerte, wie es scheint. Ich sehe eher kleine Männergruppen – gerne in Oasis Trainingsjacke oder Sweater – und Frauencliquen. Ausnahmen bestätigen natürlich diesen Eindruck. Im mittleren Alter ist das Publikum jedoch auch 2026.

Das Konzert ist zweigeteilt. In einem ersten Teil spielen Starsailor die Songs von Love is here, in einem zweiten Teil nach einer kleinen Pause dann weitere Hits. Die Albumsongs werden sie dabei nicht in Reihenfolge spielen, eine Sache, die ich bei Albumkonzerten eigentlich nicht mag. Allerdings ist ein Konzertbeginn mit „Alcoholic“ natürlich phänomenal gut. Als Opener kommt der Song 100%ig zur Geltung und erhält die Aufmerksamkeit, die er vielleicht als Song Nummer 3 nicht erhalten hätte. „Alcoholic“ startet ruhig mit Akustikgitarre und Streichern, die Band hat jetzt noch Pause. Sie setzt erst zu „Tie up my hands“ ins Konzert ein. Die Songfolge wird anschließend weiter durcheinandergewürfelt. Die Anordnung der Songs gefällt mir aber, ruhige und poppigere Songs wechseln sich mehr ab als auf dem Album. überraschenderweise begeistern ich an diesem Abend nicht die Riesenhits sondern die Hits. „Way to fall“ mit seinem enormen Streichereinsatz und nur von James Walsh an der Gitarre gespielt, hat eine so starke Strahlkraft, der ich mich nur schwer entziehen kann. Und „She just swept“, das ich endlich mal live höre, ist in meinen Ohren eine der Perlen des Abends.
Nach einer knappen Stunde ist das Album durch. Sie beenden es mit „Good souls“ und geben damit einen ersten geschmack auf den zweiten teil, der etwas spritziger und lauter sein wird. Von Love is here haben sie alles bis auf den hidden track gespielt, der 13 Minuten nach „Coming down“ auf der CD zu hören ist. Schade, das wäre witzig gewesen, die kurze Sequenz auch im Konzert zu hören. Sie hätten ihn zumindest vom Band laufen lassen können, vielleicht gegen Ende der viertelstündigen Pause und vor dem Beginn des zweiten Teils. Aber das machen sie nicht.

Im zweiten Programmteil spielen Starsailor eine Art Best-of of the rest. Jetzt rücken die Streicher ein bisschen in den Hintergrund, gehen oft in lauten und gitarrenlastigeren Songs unter. „Silence is easy“, „Four to the floor“, ein John Lennon Cover („Jealous guy“) und „Tell me it’s not over“ dominieren den zweiten Teil.

„Tell me it’s not over“ ist dabei der neueste Song, den wir an diesem Abend hören. Er stammt vom 2009er Album All the plans und ist sicherlich der letzte große Hit der Band. In den Jahren danach schoben Starsailor eine Ruhepause ein, bevor 2017 ihr fünftes und 2024 ihr bisher letztes Album Where the wild things grow erschien. Beide Alben werden an diesem Abend nicht mit Songs gewürdigt und ich verpasse damit erneut eine Gelegenheit, neue Starsailor Songs kennenzulernen.

Nach dem Konzert stellen wir unisono fest, dass Love is here als Album auch 2026 noch funktioniert. Es ist ein Evergreen, der unfassbar gut gealtert ist.
In zwei Jahren hat das zweite große Starsailor Album 25-jähriges Jubiläum. und wenn ich James Walsh Aussagen trauen darf, werden wir Starsailor dann wiedersehen. Silence is easy 25th anniversary tour, so wird es dann heißen, mutmaße ich mal. Und egal ob mit Streicher oder ohne, ich denke, ich werde mir auch das anschauen. Und dafür fahre ich gerne wieder nach Hasselt.

‘Don’t you know you’ve got your Daddy’s eyes.‘ Hartelijk bedankt, Starsailor.

Setlist:
01: Alcoholic
02: Tie up my hands
03: She just wept
04: Talk her down
05: Fever
06: Love is here
07: Coming down
08: Way to fall
09: Lullaby
10: Poor misguided fool
11: Good souls
12: Jeremiah
13: Telling them
14: Neon sky
15: Born again
16: Sunday best
17: Jealous Guy
18: Tell me it’s not over
19: This Time
20: Four to the floor
Zugabe:
21: Silence Is easy

Kontextkonzerte:
Starsailor – Dudelange, 13.10.2025 / Kulturzentrum Opderschmelz
James Walsh – Venlo, 01.02.2025 / Joriskerk
James Walsh – Hasselt, 14.04.2023 / Café Café
Starsailor – Manchester, 06.03.2020 / O2 Victoria Warehouse
Starsailor – Bochum, 24.10.2015 / Zeche
Starsailor – Köln, 18.11.2003 / E-Werk

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