| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Den Atelier, Luxemburg
Vorband: Chaos Chaos

Eels

Lange Zeit war der Besuch des Eels Konzert in Luxemburg eine Option, aber kein muss. Verstehen konnte ich meine Gedanken diesbezüglich nicht so richtig. Ich bin schließlich Eels Fan! Im letzten Jahr hatte ich ihre Auftritte in Köln und beim Sirene’s Call Festival verpasst, und mich darüber geärgert. Einmal machte das Wetter einen Strich durch Rechnung, das andere Mal kam mir ein wichtiger Termin dazwischen. Pech gehabt also, dachte ich und rechnete keine Sekunde lang damit, dass mir in 12 Monaten die nächste Gelegenheit geboten wurde, die Eels doch noch auf ihrer The Deconstruction Tour zu sehen. Dem war dann aber so und ich stand der Konzertankündigung sehr gelassen entgegen. Kein Ticketkaufreflex, keine allzu starke Vorfreude. Erst als das den Atelier vermeldete, der Ticketverkauf sei ‘running fast‘, schlug ich zu.
Nun denn. Also wieder Luxemburg. Also doch noch die Eels. Drei Tage vor dem Konzert schaute ich mir die Setlisten der letzten Eels Konzerte an und urplötzlich stellte sich nicht nur Vorfreude ein, nein, ich war ziemlich aus dem Häuschen ob des Programms. Von den letzten Touren und meinen Konzertbesuchen kannte ich, dass Mark O. Everett und Kollegen die Setlisten kaum verändern. Und so freute ich mich diebisch auf die anfänglichen Coverversionen und die doch sehr lange Songliste. Wow, in meinem Kopf stand es völlig außer Frage, dass sich die Fahrt mehr als lohnen würde.
Und um es vorwegzunehmen, die Realität übertrumpfte meine Erwartungen. Dass die Eels große Entertainer sind und das ihre Konzerte eigentlich immer etwas besonderes darstellen, ich wußte darüber Bescheid. Dass sie aber nochmal, die Tour dauert ja nun schon ein paar Monate, zu solch‘ einer Höchstform auflaufen können, wer konnte das ahnen. Ich, ehrlich gesagt, nicht.

Als das Konzert zur Intromusic Rockys („Fanfare for Rocky“) beginnt, muss ich direkt an das unvergessliche Eels Konzert vor vielen Jahren in der Synagoge in Washington denken. Auch die  Konzerteröffnung der damals als Duo auftretenden Eels Protagonisten Chet und Mark Oliver Everett hatte Boxkampfanleihen. Ich meine gar, dass damals als Einlaufmusik „The eye of the tiger“ gespielt wurde. Sicher bin ich aber nicht.

This is fun.

Nach dem ersten Song ist die Sachlage für Mark O. Everett klar. Und dass das Konzert Spaß ist, merkt man den Eels, wie eigentlich immer, an. Hier stehen Musiker auf der Bühne, die sichtlich Spaß daran haben, ihre Konzertbesucher zu unterhalten. Mürrische Gesichter, Fehlanzeige. Stattdessen viel lachen, Situationskomik und gute Laune.

This is fun.

In der Tat! Es ist ein großes Eels Konzert, was sich im den Atelier abspielt. Zuerst kommen Coverversionen (Prince, The Who, Bobbie Gentry), dann halten „Bone dry“, „Flyswatter“, „Dog faced boy“ die Geschwindigkeit und den Bluesrock aufrecht. Es war jetzt schon ein großartiges Konzert.
Die Band trägt unisono rote Hosen und schwarze Hemden; Mark Oliver Everett bevorzugt ein Jeansoutfit aus Jacke und Hose. Aus seiner linken Gesäßtasche lugt ein weißer Damenschlüpfer. Sonnenbrille tragen alle.

Yeah, this is fun.

Nach den ersten sechs Rocksongs braucht es eine Pause. ‘Dies waren jetzt 6 aufeinanderfolgende Rocksongs, ich brauche etwas Ruhe.‘ In der nächsten Sekunde erklingen die ersten Töne von „I need some sleep“. Mark Oliver Everetts Humor muss man mögen. Von jetzt an spielen sie, bis auf das Stones Cover „She said yeah” eigene Sachen. Auch wenn der ein oder andere diese erst sehr spät erkennt, weil die Eels live ihre Songs immer wieder neu arrangieren und interpretieren. Das hat Tradition. An diesem Abend geht vieles über Softrock. Das fängt mit der Rocky Fanfare an und hört bei einer wirklich obskuren Softrockversion von „Novocaine for your soul“ auf. Mhh, denke ich. Die Originalfassung wäre auch gut gewesen.
Softrock war also irgendwie das Thema der Eels. Es gab ein paar Gitarrensoli, wo normalerweise keine hingehören („Souljacker, part I“) und es gab einige weichgespülte Varianten. Nun, kann man so machen.
In der Folge sehen wir ein typisches Eels Konzert. Aber was ist ein typisches Eels Konzert? Im faq Bereich ihrer Homepage erklären sie es folgendermaßen:

Q: If I go to an EELS concert what should I expect?
A: Hard to say. Based on history, you may get a 4 piece garage rock band. Or you may get a bunch of horn and string players. Or synthesizers and distorted electric pianos. Or just E and his acoustic guitar or piano. Please don’t get mad if it’s not what you expected. Wouldn’t it be boring if it was always what you expected?

Alles geht, nichts muß. Immer jedoch gilt: Der Spaß steht absolut im Vordergrund und ich mag es sehr, wenn sich Bands auf der Bühne nicht ganz so ernst nehmen.
Natürlich bekommen wir unser Fett weg, aber auch die Musiker untereinander sind sich nicht zu schade, über schlechte Witze der Kollegen zu lachen. Zu „Dog faced boy“ mimt E. mehr als einmal die Hundeschnauze.

Die Eels sind große Entertainer. Spätestens bei der Vorstellung der Band muß dies auch dem letzten bewusst werden. Wenn es denn überhaupt jemanden im ausverkauften Atelier gibt, der die hervorragenden Livequalitäten der Eels noch nicht kennt. Es wird extra ein roter Teppich ausgerollt, auf dem nacheinander Chet, Big-Al und Little Joe ausgiebig vorgestellt werden. Da Little Joe auf dieser Tour erstmals dabei ist, der langjährige Eels Schlagzeuger Knuckles verließ im letzten Jahr die Band, bekommt er gar seinen eigenen Song. „Little Joe“. Bei welcher anderen Band gibt’s denn sowas bitteschön?!
Der Abend entwickelt sich schnell zu einer wilden Entertainment Show. Es wird viel gelacht, ein Späßchen mit dem Publikum hier, eine Geschichte aus dem Mexikaner nebenan von vor ein paar Stunden dort. Mark Oliver Everett, Chet, Little Joe und Big-Al sind in Form, das ausverkaufte Atelier steht ihnen in nichts nach. Es ist ein geben und nehmen.

Aufgrund der Vielfalt des Backkataloges der Eels (12 Alben) und der Menge an Hits, kann ich gar nicht sagen, ob ich irgendetwas vermisst habe.
Die Setlist ist lang und als nach zwei Stunden die Band erstmals von der Bühne geht, beginnt das Zugabenszenario. Erst kommen sie für einen Song zurück, danach noch für vier weitere, inklusive eines Medleys aus „Love and Mercy“, „Blinking lights (for me)“ und „Wonderful, Glorious“. Um kurz nach elf ist das Konzert vorbei. Als Rausschmeisser erklingt vom Band ein Kinderchor mit „Blinking lights (for me)“. Hier stimmt alles von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Ja, es war ein großartiges Eels Konzert. Die Rocky Fanfare als Intro, das tolle „Raspberry beret“ und überhaupt die positive Konzertstimmung, die die Eels von der ersten Sekunde an verbreiten. Das war erste Sahne!

Chaos Chaos im Vorprogramm wollte ich unbedingt mitnehmen. Die beiden Mädchen machen schönen Indiepop, der ohne Gitarren, dafür aber mit tollen Syntiesounds daherkommt. Das erinnert an Beach House oder diese andere New Yorker Indie-Syntieband. Interessantes zu Chaos Chaos lese ich im Stuttgarter Gig Blog, der das Stuttgarter Eels Konzert beschreibt:

… Denn musikalisch scheint das New Yorker Synth-Pop Duo Chaos Chaos nicht allzu viel mit den Eels gemein zu haben. Doch auf den zweiten Blick passt es sehr gut. Denn es gibt eine vielleicht etwas obskure, aber doch eindeutige Verbindung, und zwar über den Vater von Mark Everett. Kurz durchhalten werte Leserïnnen, es geht gleich weiter mit Musik, nach diesem kurzen Ausflug in die Welt der Quantenphysik und des Zeichentrickfilms: Der Physiker Hugh Everett III hat Ende der 1950er Jahre mit der sogenannten Viele-Welten-Interpretation eine grundlegend andere Interpretation der Quantenmechanik aufgestellt als die bis dahin gängige „Kopenhagener Deutung“ von Bohr & Heisenberg. Auf jeden Fall besagt diese, sehr vereinfacht ausgedrückt, dass es unendlich viele parallele Welten gibt. Die sehr gute Adult-Swim-Serie Rick & Morty zum Beispiel basiert komplett auf der Idee des sogenannten Multiverse. Wissenschaftler Rick reist mit seinem Enkel Morty durch die parallelen Universen und erlebt, sehr vereinfacht ausgedrückt, aufregende Abenteuer. Und für den Soundtrack von Rick & Morty wurde nicht nur ein Song von Chaos Chaos verwendet, die Band hat einen weiteren Song extra für die Serie komponiert.

gig-blog.net

Natürlich wusste ich all das nicht. Chaos Chaos machten mir Spass. Ich bleibe am Ball!

Setlist:
01: Out in the street
02: Mississippi Delta
03. Raspberry Beret
04: Bone dry
05: Flyswatter
06: Dog faced boy
07: I need some sleep
08: Dirty girl
09: That look you give that guy
10: Prizefighter
11: She said yeah
12: Tremendous dynamite
13: Open my present
14: You are the shining light
15: My beloved Monster
16: I like the way this is going
17: Little Joe!
18: Today is the day
19: Novocaine for the soul
20: Souljacker, Part I
21: I like birds
22: P.S. You rock my world
Zugabe:
23: Fresh feeling
Zugabe II:
24: Mr. E’s Beautiful Blues
25: Fresh Blood
26: Love and Mercy / Blinking Lights (For Me) / Wonderful, Glorious
27: The End

Multimedia:

Eels den Atelier 12.09.2019

Gepostet von Anna Radozda am Sonntag, 22. September 2019

Kontextkonzerte:
Eels – Luxemburg, 08.07.2014 / Grand Théâtre
Eels – Heerlen, 04.04.2013  / Parkstad Limburg Theaters
Els – Heerlen, 20.06.2011 / Parkstad Limburg Theaters
Eels – Köln, 20.02.200 / Theater am Tanzbrunnen
Eels – Washington DC, 29.03.2008 / Synagoge Sixth and I

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."