| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Luxor, Köln
Vorband: Fog

PoliçaÜber die Band aus Minnesota vermag ich gerade gar nicht so viel sagen zu können. 2014 sah ich die Band in der Kölner Kulturkirche, eine detailliertere Erinnerung an das Konzert will mir aber gerade nicht in den Sinn kommen. Poliça wurde 2011 von Ryan Olson und Channy Leaneagh gegründet. Beide sind auch 2016 Bestandteil von Poliça, sie als Sängerin, er als Schlagzeuger und Macbookbediener im Hintergrund. Drew Christopherson und Chris Bierden vervollständigen am zweiten Schlagzeug und am Bass seit jeher die Band.

Ein Freund der Band bestreitet das Vorprogramm. Andrew, so sein Name, Fog nennt er sein Bühnenprojekt. (Wenn ich das richtig verstanden habe). Was er macht, ist interessant. Am Keyboard das Klavier-Programm aktiviert unterbricht er damit immer wieder seine Elektro-Soul-Dance-Blubber Sounds, die das Macbook und andere elektronische Soundgeräte produzieren. In der Summe klingt das dann wie Elton John trifft auf DJ Shadow trifft auf Perfume Genius.
Das ist höchst interessant und enorm unterhaltsam. Das Luxor sieht das auch so. Während des Sets füllt sich die bis dahin gähnend leere Fläche vor der Bühne zügig, so dass ein bisschen Konzertatmosphäre aufkommt. Das Konzert wurde bereits aus der größeren Kantine ins Luxor herunterverlegt, aber auch der kleinere Laden ist nur dünn besucht. Poliça scheinen auf dieser Tour vollkommen unter dem Radar der Konzertgänger zu laufen. Eigentlich unverständlich, denn die Band ist großartig. Oder anders gesagt. Poliça geht eigentlich immer!

Poliça spricht man übrigens wie das amerikanische ‚police‘ aus, mit einem ‚a‘ am Ende. Das wusste ich nicht, meine Betonung lag immer auf der ersten Silbe, und war somit völlig falsch. Poliça in richtiger Intonation klingt viel weicher und damit schöner und so viel passender zu der Musik, die die Band macht.

Channy Leaneagh hat Husten. War das der Grund für das relativ kurze Konzert? Die Band spielt gerademal gute 75 Minuten. Oder sind es doch die Rahmenbedingungen? Der Barkeeper nervte, mehr als einmal schaut sie in Richtung des Geklimpers und sagt in einer Songpause ein paar passende Worte dazu; die Leute machen zu viele Fotos und werden aufgefordert, zur Zugabe doch einfach mal nur zuzuhören. Ich glaube, sie hat einen schlechten Tag erwischt. Konsequenterweise lassen Poliça die zweite Zugabe, die auf der Setlist notiert ist, aus.

„Berlin“ und „Wedding“ sind die gängigen Opener auf dieser Tour. Daran ändert sich auch im Luxor nichts. Die beiden Berliner Songs vom neuen Album United Crushers stimmen beruhigend auf das Konzert ein. Die Effektgerätlichtleiste tickert in warmen orange Tönen beruhigend vor sich hin, die beiden Schlagzeuger spielen von Beginn an mit akkuratem, parallelem Einsatz. Poliça sind die Band, die mit zwei Schlagzeugern aber ohne Gitarristen Musik macht. Chris Bierden am Bass und Channy Leaneagh am Effektpult sind für den Gesang zuständig.
Wenn ich vergessen habe sollte, wie Poliça klingen, hier wird es mir wieder bewusst: Poliça machen so Elektroindie, eine Mischung aus Indietronica, R’n’B und Pop, die mir durchaus sehr gefällt. Von Anfang an macht sei leichte Schunkelstimmung breit. Da vor der Bühne ausreichend Platz ist, ist es eine gute Gelegenheit, um ungestört vom Nachbarn zu tanzen. Übrigens das Beste, was man zu Poliça Musik machen kann. Es entwickelt sich rasch ein Tanzkonzert und mit „Deams go“ und „Lay your cards out“ wird es das endgültig. „Dark Star“ spielen sie etwas flotter als auf Platte, tanzbarer erscheint mir diese Interpretation mit einem leichten Discobeat und ohne Saxophoneinspielung. Um den Hit herum ist es die schönste Phase des Konzertes. Das Publikum nimmt dankbar jeden Beat an, die Band scheint warmgespielt und auch die kleine Hustenattacke, die sich zu „Warrior Lord“ eingestellt hatte und die Channy Leaneagh dazu zwang, den Song abzubrechen und neu zu starten  (‘You deserve the whole song with lyrics‘), ist Vergangenheit.

„Violent game“, „Kind“ und „Lose you“ runden das Konzert zum Ende hin ab. Schade, dass es schon so früh zu Ende ging. Es war ein gutes, ein schönes Konzert.

Kontextkonzert:
Poliça – Köln, 28.01.2014 / Kulturkirche Nippes