Ort: Live Music Hall, Köln
Vorband: –

Band of Horses - Köln, 01.10.2026

Wenn ich in Hotels nach dem einchecken auf den Aufzug warte (und ich mache das zu oft), kommen mir sehr oft diese Textzeilen der Band of Horses in den Sinn:

The elevator in the hotel lobby has a lazy door
The man inside is going to a hotel room
He jumped out right after seein‘ just the very sight of me
Decided he better hike it to the second floor

„The factory“, aus diesem Song sind die Zeilen, haben Band of Horses an diesem Abend nicht gespielt. Schade, der Song ist einer meiner liebsten Band of Horses Songs und ich hätte ihn gerne live gehört und leise die ersten Zeilen mitgesungen. Im Nachhinein, und soviel kann ich verraten, ist das ein jammern auf hohem Niveau, denn darüberhinaus gab es an diesem Gig nichts auszusetzen. Er war großartig, es war ein tolles Konzert und der Abend ist ein starker Kandidat für die Jahres TOP 5.

Eigentlich wollte ich nach meinem letzten Konzert nicht mehr die Live Music Hall besuchen. Die Bedingungen beim American Football Konzert waren einfach zu nervig. Und eigentlich wollte ich auch keine Band of Horses Konzerte besuchen, nachdem sie vor einigen Jahren in der Kölner Kulturkirche das vielleicht beste Konzert meines Lebens gespielt haben. Eigentlich, aber eigentlich könnte es ja vielleicht auch immer noch besser gehen. Bei ihrem Konzert in der Kantine hat die Band of Horses das nicht geschafft, und auch heute traue ich ihr das nicht wirklich zu. Denn was ich seinerzeit in der Kulturkirche erleben und durchleben durfte, war schon sehr besonders. Da passte einfach alles, Ambiente, Stimmung, Emotionen. Nicht nur ich hatte ein paar Tränchen in den Augen und war nach Konzertende völlig paralysiert.

An Evening With Band of Horses – Celebrating 20 Years of Everything all the time, so das Motto des Abends. Aus den vorhergegangenen Konzerten der Tour wusste ich, wie der Abend abläuft. Er ist zweigeteilt und besteht aus zwei Sets, die durch eine kurze Pause unterbrochen werden. Eine Vorband wird es nicht geben. Setzt sich dieses Konzept etwa langsam durch, nachdem Cake es Tage zuvor ähnlich gemacht haben und ich in letzter Zeit ein, zwei andere Konzerte, die mir gerade namentlich nicht einfallen, besucht habe, bei denen das Prozedere auch so ablief? Mir soll es recht sein.

Und wie ist es jetzt bei Band of Horses? Das ist schnell und einfach erklärt: Im ersten Teil des Abends spielt die Band das Album Everything all the time komplett und die Songs in Reihenfolge, bevor dann im zweiten Teil ein alle-Hits-Potpourri folgt. Da hoffte ich sehr auf „Detlef Schrempf“ (den Song, nicht den Basketballer), den sie aber nicht jeden Abend im Programm haben. Vielleicht sitzt der Song live noch nicht so richtig, denn zum Ende hin freut sich Ben Bridwell wie ein kleines Kind und applaudiert seinem Schlagzeugkollegen begeistert zu. Genau, an diesem Abend haben sie „Detlef Schrempf“ gespielt und ich freue mich sehr darüber. Denn damit ist der Best-of Teil für mich rund.

In der Live Music Hall ist es nicht sehr voll, als ich eintreffe. Im Laufe des Abends füllt es sich dann aber ganz gut und es bleiben nur wenig Lücken im Saal. Ausverkauft es nicht, aber durchaus ein Schritt in die richtige Richtung zum Vergleich zum letzten Kölner Band of Horses Konzert in der Kantine. Damals war es überschaubar voll und der Zuspruch viel geringer, denn die Kantine ist um einiges kleiner als die Live Music Hall. Vor Konzertbeginn vermuten wir, dass es an der Albumpräsentation liegen könnte, die dann doch den ein oder anderen dazu animierte, sich auf den Weg zu machen. Immerhin ist Everything all the time ein gutes Album mit sehr vielen sehr guten Songs. Und es ist immer etwas besonderes, ein Albumkonzert zu sehen als nur ein ‚gewöhnliches‘ Konzert zu einem neuen Album, das einen unter Umständen gar nicht so stark interessiert. Ehrlich gesagt, auch ich kenne nur bewusst die ersten drei Alben der Band of Horses, Songs von Why are you OK oder Things are great fallen mir spontan nicht ein. Das sind die letzten beiden Alben der Band of Horses und mein Interesse, sie kennenzulernen, hält sich in Grenzen. Schon beim letzten Konzert in der Kantine war ich nur, um nochmal ein paar alte Sachen live zu hören. Wäre dies hier nicht An Evening With Band of Horses – Celebrating 20 Years of Everything all the time, vielleicht wäre ich auch nicht hier. Vielleicht aber trotzdem. Ach bestimmt. Wie dem auch sei, gut, dass ein Zuspruch da ist.
Mittlerweile hat auch der langjährige Keyboarder Ryan Monroe die Band verlassen, neben Tyler Ramsey und Bill Reynolds langjähriges Mitglied und maßgebender Teil der Konzert meines Lebens Bandbesetzung der Band of Horses. Von dieser sind nur noch Sänger und Band of Horses Gründer Ben Bridwell und Schlagzeuger Creighton Barrett übrig. Vielleicht ist auch der in den letzten Jahren starke Personalwechsel ein Grund mit dafür, dass die Band of Horses ihre Songs jetzt viel rockiger und leicht schneller spielt als zu früheren Zeiten. Vielleicht aber auch nicht und sie haben bewusst ihre Herangehensweise geändert.

Die Band scheint guter Laune. Ben Bridwell versprüht von Beginn an den Eindruck, dass er Bock hat, dieses Konzert zu spielen. Und irgendwie springt das sofort auch mich über. Die Musik tut dann ihr Übriges. Ich habe Everything all the time in letzter Zeit des Öfteren beim joggen gehört und bemerkte dabei, dass das Album sehr stark beginnt. „The first time” mit den schönen, unaufgeregten Slidegitarren öffnet für mich dann auch die Konzerttür sehr weit und ich fühle mich sofort sehr wohl. Nein, das kann kein schlechter Abend werden. „The funeral“, „The Great Salt Lake“, „Wicked Gil“, check. das sind Selbstläufer. Aber auch das country-eske “Part one” und das diesen Block abschließende „St. Augustine“ wissen zu überzeugen. Letzteres spielt Ben Bridwell solo, während seine Bandkollegen schon in der Zigarettenpause sind. Teil eins ist also top gelaufen, Teil zwei mit den großen Hits kann nicht schlechter werden.

„Is there a ghost“, „No one’s gonna love you“, „Infinite Arms“. Bessere Band of Horses Songs gehen kaum. Es ist ein guter Start in den zweiten Block, der dieses hohe Niveau nahezu durchgängig hält. Mittlerweile haben Band of Horses den ganzen Saal restlos überzeugt. Die Stimmung ist verdammt gut. Selbst der neue und bisher unveröffentlichte Song „Little suspect“ ist da keine Bremse. Ein neues Band of Horses Album scheint für das nächste Jahr geplant. ‘We have a handful more songs’ kündigt Ben Bridwell das sich langsam anschleichende Ende des Konzertes an. Na dann mal los, Songs wie „Laredo“, „Detlef Schrempf“, „Ode to LRC“ und „The General Specific“ müssen ja noch gespielt werden. „Factory“ vermisse ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich.

Wow, was für ein tolles Konzert. Irgendwie hatte ich die Band of Horses live immer auf dem Schirm, aber dass sie mich nochmal so stark überzeugen würden, hätte ich nach dem letzten Konzert eher nicht gedacht. Großartiger Abend! Wenn sie die ganze Chose nächstes Jahr mit ihrem zweiten Album Cease to begin wiederholen, bin ich wieder da. Definitiv!

Setlist:
01: The first song
02: Our swords
03: Wicked Gil
04: The Funeral
05: Part one
06: The Great Salt Lake
07: Weed party
08: I go to the barn because I like the
09: Monsters
10: St. Augustine
11: Is there a ghost
12: NW Apt.
132: No one’s gonna love you
14: Infinite Arms
15: For Annabelle
16: Dilly
17: Little suspect
18: Laredo
19: Crutch
20: Detlef Schrempf
21: Cigarettes, wedding bands
22: Ode to LRC
23: The General Specific

Kontextkonzerte:
Band of Horses – Köln, 03.11.2022 / Kantine
Band of Horses – Köln, 06.09.2017 / Gloria
Band of Horses – Köln, 20.06.2016 / Gloria
Band of Horses – Köln, 14.04.2010 / Kulturkirche

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