Ort: Theater Heerlen, Heerlen
Vorband: The Pale White

Pixies - Heerlen, 19.07.2026

Mein letztes Pixies Konzert war einfach zu gut, als dass ich nicht sofort nach der Bekanntgabe der Tourdaten ein Ticket für das Heerlener Konzert klarmachte. Heerlen, das ist nicht weit entfernt. Der Theatersaal Limburg, das ist einer der angenehmsten Konzertsäle, die ich kenne. (Okay, die Bühne liegt auf Schulterhöhe und ist damit etwas hoch, aber egal). Auch das Wetter sollte etwas egal sein, denn der Saal ist klimatisiert. Anders als im den Atelier, wo ich die Pixies vor vier Jahren letztmals sah. Damals musste ich eher rausgehen, weil die Luft zu stickig wurde und ich verpasste u. a. „Debaser“. ‘An dem Tag ist doch das WM-Finale‘, schrieb mir mein belgischer Konzertkumpel später. Das war mir jedoch irgendwie wurscht, und meine Prognose, dass weder Deutschland noch Belgien oder die Niederlande das Finale erreichen würden, bestätigte sich ja einigermaßen schnell.

Meine ersten Pixies Konzerte sah ich vor 36 Jahren. Klingt total abstrus: vor 36 Jahren.  Himmel, Konzertbesucher an diesem Sonntagabend sind bei weitem nicht so alt. In den Jahren 1990 und 1991 waren die Pixies meine meist gesehene Liveband. 1991 sah ich sie als Headliner am Samstagabend im Waldstadion in Gießen beim zweitägigen 5. Bizarre Festival. (Am Sonntag war das Iggy Pop). Ein Jahr zuvor spielten sie als special guest beim Schüttorf Open Air, das David Bowie und Midnight Oil anführten. An einen Bach, der quer durch die Festivalwiese verlief, erinnere ich mich noch ganz gut. Und das Wetter war nicht so dolle. Seit damals bin ich Fan. Ihr Doppelalbum Surfer Rosa/Come on Pigrims und Doolittle hörte ich in diesen Jahren rauf und runter. „Gigantic“, „Monkey gone to heaven“, „Debaser“ gehörten in jede Indiedisco und auf jeden Kassettensampler.
Irgendwann, als der Grunge dann wichtiger wurde, lösten sich die Pixies auf. Erst kurz, und ab 1993 für eine längere Zeit. Kim Deal formte die The Amps und die Breeders, Black Francis spielte Solokonzerte und veröffentlichte unter dem Namen Frank Black eine Menge Alben. Erst in den 2000er Jahren wurden die Pixies wieder aktiv.

The Pixies‘ popularity grew after their breakup, leading to a 2004 reunion and sold-out world tours. Deal left in 2012, and was replaced with Kim Shattuck for their 2013 tour. She was later replaced with Paz Lenchantin, who became a full member in 2016. With Lenchantin, the Pixies recorded the albums Head Carrier (2016), Beneath the Eyrie (2019) and Doggerel (2022). In 2024, Lenchantin was replaced by Emma Richardson, formerly of Band of Skulls. The ninth Pixies album, The Night the Zombies Came

Wikipedia – Musikfanzine

Okay, das ist der Stand. Die Band ist weiterhin aktiv und besteht derzeit aus den drei Ur-Pixies Black Francis, Joey Santiago und David Lovering sowie der Bassistin Emma Richardson. Ihre aktuelle Tour klingt dabei wie ein großer Rundumschlag. P40 – Celebrating 40 Years. O ha, die Pixies spielen also alles; nix eine Tour zum neuen Album oder so. Interessanterweise sind die letzten beiden Tourstops ihres Europa-Legs der Tour kleinere Städte und Konzertorte. Heerlen und der LimburgZaal im Theater Heerlen mit einer Kapazität von etwas um die 1500 Besuchern, tags zuvor Enschede und das Muziekcentrum Enschede mit einer annähernd identischen Größe. Die Pixies mögen es zum Abschluss kuschelig, nachdem sie zuvor große Festivals in Belgien, Frankreich und Spanien bespielten. Das Konzert in Heerlen bildet den Abschluss ihrer Europareise. Das Ding ist seit langem ausverkauft. Klaro, bei der Aussicht auf Hits, Hits, Hits, wie es der Tourname P40 – Celebrating 40 Years erwartungsvoll verspricht, macht das mit dem ausverkauft Sinn.
Bin ich eigentlich der Einzige, der die 2010er Alber der Pixies nicht kennt? Nun, wenn ich mich während des Konzertes umgucke, denke ich, eher nicht. Gut, Indie Cindy (TOP5 der besten Plattennamen) haben vielleicht noch einige auf dem Schirm, aber Head Carrier (2016), Beneath the Eyrie (2019) oder Doggerel (2022)? Ich weiß nicht…

Erst 2014 folgte mit „Indie Cindy“ ein neues Album, das aus drei zuvor veröffentlichten EPs bestand. Und seitdem, so scheint es, besitzen die Pixies kein Gefühl mehr dafür, wie zum Zeitgeist passende Musik klingen könnte. Ein Blick in die Kritiken unterstreicht: Pixies-Alben, die zwischen besagtem Comeback und nun „The Night The Zombies Came“ erschienen sind, schmerzen kaum, dümpeln jedoch in der Belanglosigkeit umher. Und das aktuelle Werk wird hier keine Ausnahme sein.

laut.de

In der Setlist werden diese Alben denn auch mit null Songs berücksichtigt. Aber vom aktuellen Album The night the Zombies came spielen sie zwei Songs: „Chicken“ und „Motorroller“, die sehr poppig klingen, werden gut aufgenommen.

Es sind aber die einzigen Songs aus diesem Jahrtausend. Das Volk schreit nach Hits und es bekommt Hits. Und Surfer Rosa und Doolittle sind unbestritten die wichtigsten Alben der band, und wichtige Alben für den amerikanischen Indie-Alternative-Rock. Nehmen sie doch viel von dem vorweg, was in den 1990er Jahren musikalisch noch so alles passiert. Gut, dass sie von diesen Alben einiges spielen. Auch auf der Setlist: Der schönsten Basslauf der Indie-Rock-Geschichte – wie es der MusikExpress nennt -, leider aber nicht „Gigantic“, „Velouria“ und „Cecilia Ann“. Egal, das ist Jammern auf hohem Niveau. Dafür höre ich “All over the world” vom Bossanova Album, dass sie erst in den letzten beiden Jahren wieder ins Liveprogramm genommen haben. Na, die Setlist passt schon. Es ist ein schönes Abbild der letzten 40 Jahre Pixies.

Der Konzert beginnt um 19:30 Uhr. Es ist also noch früh, als The Pale White aus Newcastle die Buehne betreten. Das Jungstrio spielt flotte britische Rockmusik a la frühe Arctic Monkeys, die Single „That dress“ könnte man vielleicht schon mal gehört haben. Eine gute halbe Stunde spielen sie vor einem sich immer mehr füllenden Saal.
Um zwanzig nach acht bringt der Chefroadie achtsam eine Tasse heiße Zitrone auf die Buehne. Er stellt sie auf das Schlagzeugpodest. Aus der Tasse dampft es noch. 10 Minuten später kommen die Pixies. Sie winken kurz in den Saal winken, dann geht es auch schon los.
Während des Abends bleibt Black Francis wortkarg. Wenn ich mich richtig erinnere, sagen sie den ganzen über nichts. Kein ‘hello’, kein ‘dasüblichezeugswasbandleadersosagen’. Sie reihen Song an Song, spielen in den nächsten 90 Minuten 25 Hits. Nur einmal zeigt Black Francis auf die Bassistin Emma Richardson, als diese einen längeren Gesangspart zu Beginn eines Songs hat. Den Curfew von 22 Uhr halten sie ein. Eine Zugabe spielen sie sich. Die Pixies haben auch alles gesagt. Denn bis auf die oben erwähnten Songs war alles dabei, was man sich für ein wir-spielen-unseren-Katalog Konzert wünschen kann. Für die Ortsansässigen bleibt somit  Zeit, die zweite Hälfte des WM-Finals gemütlich zuhause zu schauen. Obwohl, ich erblickte doch sehr viele Kölner Konzertgesichter im Publikum und vermute daher, dass die Mehrheit es nicht pünktlich zur zweiten Halbzeit nach Hause schafft.

Pixies 1, WM-Finale 0.
With your feet in the air and your head on the ground.

Setlist:
01: River Euphrates
02: Wave of mutilation
03: Head on
04: Isla de Encanta
05: Monkey gone to heaven
06: In heaven
07: Here comes your man
08: Vamos
09: Blown away
10: Motorway to Roswell
11: Motoroller
12: Chicken
13: Gouge away
14: Hey
15: Mr. Grieves
16: Cactus
17: Bone machine
18: Debaser
19: Caribou
20: All over the world
21: Planet of sound
22: Wave of mutilation (UK Surf)
23: Where Is My Mind?
24: Winterlong
25: Into the white

Kontextkonzerte:
Pixies – Luxemburg, 23.08.2022 / den Atelier
Pixies – Köln, 24.11.2016 / Palladium
Pixies – Brüssel, 02.10.2013 / AB
Pixies – Frankfurt, 11.10.2009 / Jahrhunderthalle

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