Ort: Helios37, Köln
Vorband: The altered hours

Just Mustard - Köln, 13.04.2026

Die ersten Takte von „Endless deathless“ machen dann doch Vorfreude auf den Abend. Dummerweise quält mich schon wieder der Schienenersatzverkehr, und so richtig aufraffen um nach Köln zu fahren kann ich mich eigentlich nicht. Aber als ich am Nachmittag in den song hineinhöre, ist das alles weg. Jetzt habe ich plötzlich große Lust, mir Just Mustard live anzusehen. Die sägenden Gitarren, das treibende Schlagzeug, der zarte, hintergründige Gesang. Das ist Shoegaze. My bloody Valentine-esk bis zum Abdrehen. Großartig, ein toller Song vom letzten und immer noch aktuellen Album We were just here. Dass der Song dann Stunden später stark untergeht, ist eine andere, nun folgende Geschichte.

Als ich um 7:45 Uhr im Helios ankomme, spielt bereits die Vorband. Das ist mir jetzt hier schon zum zweiten Mal passiert, dass der Konzertbeginn still und leise vorverlegt wird. Oder bin ich wieder zu dumm, Informationen zufinden und auszuwerten? Nach meiner letzten Erfahrung und um sicherzugehen, dass die Anfangszeiten nach wie vor stimmen, hatte ich nachmittags noch auf der Webseite des Clubs und der des Konzertveranstalter recherchiert, ob die Startzeit auf dem Ticket noch valide besteht. Ich fand keine anderen Einträge, bekam auch keine Hinweismail vom Veranstalter (ach nee, die bekommt man ja nur von belgischen und niederländischen und luxemburgischen Konzertausrichtern) und sah auch sonst keine Hinweise, dass das Konzert nicht um 20 Uhr losgeht.
Nun gut, egal. Die Vorband The altered hours steht zumindest noch auf der Bühne, und das macht sie auch noch weitere 20 Minuten. Zeit genug, einen Eindruck zu gewinnen und Zeit genug, das Gefühl zu haben, nichts verpasst zu haben. Aber ich bin wohl nicht der Einzige, der den frühen Beginn nicht mitbekommen hat. Es ist noch sehr leer, was für die Vorband wiederum sehr schade ist. The altered hours kommen wie Just Mustard aus Irland und sind wie Just Mustard beim Label Pizza Pizza Records unter Vertrag. So sagt man doch noch, oder? Musikalisch sind sie sich ähnlich, und tatsächlich sind The altered hours schon länger unterwegs als Just Mustard. Ihr aktuelles Album ist ihr viertes, die Band gibt es bereits seit 10,15 Jahren. Den Gesang teilen sich Elaine Howley und der Gitarrist Cathal MacGabhann. Mit drei weiteren Musikern bilden sie The altered hours. Ihr Indierock gefällt mir, sie spielen ihn sehr klassisch und ohne Schnickschnack. Gegen Ende ihres Sets füllt sich das Helios. Der Laden ist am Ende des Tages ausverkauft.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Ein Beitrag geteilt von Frank (@spiralstairs100)

Warum rennen bloß alle zu Konzerten dieser Band? Was ist denn so besonders an Just Mustard? Gut, ich bin auch hier, aber ich sehe viele Konzerte. Natürlich sind auch die üblichen Verdächtigen da, die immer auf Brit-/Shoegaze-/Dream-Pop Konzerten rumhängen und die auch schon die Eltern von Just Mustard, My bloody Valentine und Slowdive live gesehen haben. Und das nicht erst bei einer der Reuniontour in den 2000er Jahren, sondern z. B. 1992  im Kölner E-Werk und in der Zeche Bochum. So wie ich. Das wir hier hin pilgern, ergibt Sinn. Warum aber auch sehr viele Teenager und Twentysomethings den Dreampop/Shoegaze/Darkwave wiederentdecken, habe ich noch nicht so ganz verstanden. Shoegaze ist doch stinklangweilig. Oder gibt es auf Netflix aktuell eine hippe Serie, die diese Musik als Soundtrack verwendet? Ich weiß es nicht, ich habe kein Netflix-Abo. 
Just Mustard haben mittlerweile drei Alben veröffentlicht, so richtig kenne ich keins. Irgendwie bin ich bei der EP Live Sessions hängengeblieben. Aber Shoegaze bleibt Shoegaze, und da sich Just Mustard im Laufe der Alben und Jahre nicht grundsätzlich neu erfunden haben, reichen auch die jeweiligen Singles, um einigermaßen auf Stand zu bleiben. Als die Band um Sängerin Katie Ball auf die Bühne kommt, ist das Helios voll. Just Mustard starten direkt mit „Endless deathless“. Ich könnte freudig überrascht sein, bin es aber nicht. Setlisten der aktuellen Tour weisen es bei jedem Konzert als Opener aus. Das ist mir bekannt, ich bin vorbereitet. Worüber ich nicht freudig überrascht bin, ist der Sound im Helios. Der ist nicht so dolle. Die Gitarren klingen breiig und überhaupt nicht wuchtig. Was vielleicht neu ist, oder ich nicht mehr so 100% auf dem Schirm habe, ist, dass neben Katie Ball vermehrt auch Gitarrist David Noonan zum Mikrofon greift. Sein Gesang bzw. die Songs, bei denen er mitsingt, erinnern mich an King Krule. An Phillip Boa & The Voodoclub muss ich ab und an denken, wenn Katie Ball singt. Sie klingt nämlich öfter nach deren Co-Sängerin Pia Lund.
Das sind dann aber alle die Gedanken, die mir während des Konzertes in den Kopf kommen. Musikalisch komme ich nicht so richtig in den Abend. Dieser Soundbrei macht mir zu schaffen. Leider kriegt der Tontechniker das im Laufe des Konzertes nicht hin, ein komplett großes Wall of Sound Erlebnis findet so nicht statt. Überdies ist der Sound gar nicht mal so laut. Schade.

‘Hätte auch durchaus 10 Minuten kürzer sein können.’ Mein Fazit nach dem Konzert fällt nicht ganz so radikal aus, aber ja, ich hätte auch 70 Konzertminuten gekauft. Es war aufgrund des mäßigen Sounds ein durchwachsenes Konzert und wahrscheinlich habe ich Just Mustard soundtechnisch nie besser gehört als vor vielen Jahren in der Muziekgieterij in Maastricht. Positiv bleibt festzuhalten, dass die beiden irischen Bands an diesem Abend nicht durch merkwürdige politische Statements irritierten.
Auf dem Rückweg regnet es. Shoegaze Wetter.

Setlist:
01: Endless deathless
02: Silver
03: Out of heaven
04: Seven
05: I am you
06: Somewhere
07: Dreamer
08: Deaf
09: Frank
10: Dandelion
11: That I might not see
12: Pigs
13: Tainted
14: Pollyanna
15: Still
16: We were just here
17: Seed

Kontextkonzerte:
Just Mustard – Köln, 16.10.2022 / Artheater
Just Mustard – Luxemburg, 09.04.2022 / Den Atelier
Just Mustard – Maastricht, 18.01.2020 / Muziekgieterij

Schreibe einen Kommentar