Ort: Helios37, Köln
Vorband: –

15.04. – Ok die Tickets werden langsam knapp für nächste Woche Montag. Noch 50 Stk im VVK!
08.04. – Nur noch 65 Tickets online!
Die Informationen im Diskussionsfeed der Facebook Veranstaltungsseite klingen dramatisch. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick kommt aber keine weitere Nachricht mehr dazu, was bedeutet, das Konzert wird im Vorfeld nicht ausverkauft sein. Und richtig, es gibt noch eine Abendkasse und das Helios37 sieht mir dann bei Konzertbeginn auch nicht ausverkauft aus. Oder es ist ein sehr angenehmes ausverkauft.
Die beiden Swans Urgesteine Michael Gira und Kristof Hahn bitten an diesem Abend zum Konzert. Und da die Swans keine Unbekannten sind und eine starke Fanbase haben, ist die Nachfrage wenig verwunderlich. und wann sah man schon Michael Gira und Kristof Hahn im Duett? Ich habe darauf gerade keine Antwort. Im nächsten Monat werden die Swans ein neues Album veröffentlichen. Ob es das letzte sein wird, scheint noch nicht ganz klar, klarer scheint aber – mag ich den Internetberichten trauen – dass sich daran eine allerletzte Swans Tour anschließt. Dieses Konzert ist also auch eine der letzteren Möglichkeiten, die Musiker Michael Gira und Kristof Hahn live zu sehen.
Das Helios37 ist bereits gut gefüllt, als wir ankommen. Also nichts mit vorderen Plätzen an diesem Abend. Okay, viel Bühnenspektakel erwarte ich sowieso nicht. Auf der Bühne stehen zwei Stühle, ein Mikrofonständer, eine Box und eine Lap-Steel-Gitarre. Die ist für Kristof Hahn, der seit 15 Jahren dieses Instrument bei den Swans spielt. Genauer gesagt ist es eine 10-saitige Rickenbacker Lap Steel Gitarre.
Das Konzert startet mit einer Kristof Hahn Solo-Performance. Gute 25 Minuten lang spielt er auf seiner Steel Gitarre die „Cologne Overture“. So nennt sich der Track, und ich frage mich, ob sich die „Cologne Overture“ von der „Milano Overture“, der „Tilburg Overture“ oder der „London Overture“ unterscheidet. In den Setlisten der vergangenen Konzerte sehe ich nämlich immer eine an den Konzertort angepasst Ouvertüre.
Nach 25 Minuten steigt Michael Gira auf die Bühne und setzt sich auf seinen Stuhl neben der Lautsprecherbox. Mit seiner verstärkten akustischen Gitarre steigt er in die Ouvertüre ein und gemeinsam ziehen sie den Lärm in Richtung des nächsten Songs. Nahtlos folgen „The healers“ und im Anschluss „I am the tower“, beides Stücke vom neuen Swans Album Birthing.
Für mich unterscheidet sich das Konzert gefühlt nicht von einem Swans Konzert. Es ist laut und Michael Gira und Kristof Hahn gelingt es mit ihren Gitarren, den Sound dicht und vielschichtig klingen zu lassen. Ich kann mich gerade auch nicht daran erinnern, ob ich bei meinem letzten Swans Konzert bewusst das Schlagzeug gehört hätte. Was ich jedoch bei meinem letzten Swans Konzert verspürte, verspüre ich auch in diesen ersten Konzertmomenten: Hunger. Die dröhnenden und tiefen Sounds scheinen bei mir Appetit auszulösen. Im Laufe des Sets pendelt sich das Hungergefühl allerdings wieder ein. Michael Gira und Kristof Hahn haben noch einen dritten Song vom kommenden Album im Programm („Guardian spirit”), die übrigen vier Stücke sind drei alte Swans Sachen und die Michael Gira Soloperformance „You will pay”, an deren Ende er von einem Blatt ablesend mit erhobenen Händen einen Text zitierte. Das wirkt auf mich zeternd und anklagend, gleichzeitig ist es der luftigste Song des Abends.
Nach einer Stunde oder vier Songs passiert die einzige Bühnenaktion des Abends: Michael Gira zieht eine Packung Kaugummis aus der Tasche, packt sie aus, steckt sich einen in den Mund und legt die offene Packung auf die Box neben ihm.
Um viertel vor zehn ist das Konzert vorbei. Ein fairer Zeitansatz, die Spielzeit betrug 1 Stunde 40 Minuten. Damit ist auch mein Bedarf an Noise gedeckt. ‘Thank you for not being riotism.’ Mit diesen Worten beendet Michael Gira das Konzert. Kristof Hahn hält noch ein paar Augenblicke die Setlist hoch, die eifrig abfotografiert wird. Ist dies doch der einzig unschuldige Augenblick des Abends, ein Fotoandenken vom Konzert zu erstellen. Die beiden hatten sich nämlich zuvor die Nutzung von Handys für Foto- und Filmaufnahmen verbeten und während des Konzertes durch Handbewegungen energisch eingefordert. Die Mehrheit hat sich auch darangehalten.
Like church. Cathartic, brutal and hypnotically sublime.
a redditor
Setlist:
01: Cologne Overture
02: The healers
03: I am a tower
04: Guardian spirit
05: It’s coming it’s real
06: God damn the sun
07: You will pay
08: Failure
Kontextkonzerte:
Swans – Maastricht, 08.03.2024 / Muziekgieterij
Swans – Primavera Sound Festival Barcelona 03.06.2017
Swans – Dortmund, 15.05.2015 / FZW
Swans – Primavera Sound Festival Barcelona, 24.05.2013