Ort: Rockhal, Esch-Alzette
Vorband: Asobi Seksu, Rival Schools

... and you will know us by the trail of dead - Esch-Alzette, 13.04.2011

Was für ein Aufgebot! Normalerweise erlaubt es dieses Jahr meine Zeit überhaupt nicht, weite Tagesausflüge zu Konzertorten zu unternehmen. Aber diesen Abend durfte und konnte ich mir nicht entgehen lassen. Asobi Seksu, Rival Schools und … and you will know us by the trail of dead, viel besser geht es kaum.

Jede der drei Bands hatte eine eigene Vorfreudenstimmung bei mir ausgelöst.
Asobi Seksu, das New Yorker Trio um Yuki Chikudates hatte ich bisher zweimal gesehen. Einmal in Köln – vor einigen Jahren – und einmal in der Brüsseler Botanique, vor weniger als einigen Jahren. Beide Abende bleiben mir in guter Erinnerung, und das nicht nur wegen des lauten und wuchtigen Auftritts der Band. Ihre moderne Interpretation des Shoegaze / Dreampop finde ich einfach toll und die Eleganz, mit der sie Songs wie „Pink light“ oder „Trance out“ präsentieren, ist überwältigend. Dass das in Perfektion nur funktioniert, wenn die Dezibel stimmen, nun gut, dieses Musikgenre setzt das stillschweigend voraus.
Auch in Esch-Alzette war ihr Set das lauteste des Abends, allerdings war es diesmal nicht anstrengend laut (wie in Köln) oder überdimensioniert laut (wie in Brüssel) sondern fein ausgepegelt. Yuki Chikudates hochstimmiger Gesang klang trotz Keyboarddrucks klar und deutlich. Ein wichtiger Baustein für Asobi Seksu Songs, die durch die zerbrechliche Stimme ihrer Frontfrau erst bedeutsam werden.

Eine gute halbe Stunde hörten wir Songs des neuen Albums „Fluorescence“. Es ist ihre fünfte Veröffentlichung. Ich kannte sie vorher noch nicht und ergriff die Gelegenheit, für günstige acht Euro nach dem Konzert ein Exemplar von „Fluorescence“ zu kaufen. Dick in Cellophan eingeschweißt machte es mir die mehr als gut gemeinte Verpackung allerdings unmöglich, die CD ohne Spuren auf dem an alte 90er Jahre 4AD Platten erinnernden Cover zu hinterlassen, auszupacken. Ein vertiefender Höreindruck der neuen Asobi Seksu Songs musste daher auf den nächsten Tag verschoben werden. Die Rückfahrt aus Luxemburg gehörte somit anderen Damen: Coeur de Pirate und PJ Harvey.

„Qu’est-ce que c’est?“ „That’s a guitar, man!“ Nachdem sich Jason Reece zu Beginn des Konzertes mehrmals mit “Danke” über den Applaus gefreut hatte, schwenkte er nun ins französische um.
Ach je, es ist auch nicht einfach, sich über das Sprachenwirrwarr des kleinen Großherzogtums einig zu werden. Zwei Amtssprachen, luxemburgisch als Nationalsprache, wie kommuniziert man da am besten?

Bevor uns aber … and you will know by the trail of dead mit ihrem famosen Set nachhaltig beeindruckten, sollten die alten Rival Schools für 50 Minuten einen guten Job ablegen.

Wie habe ich ihr Debütalbum geliebt. „United by Fate“ war bzw. ist ein herausragendes Emo- Album. Walter Schreifels, früher Quicksand, Youth of today, und einer der wichtigeren Hardcore Leute, danach lange solo, hatte 2001 mit den Rival Schools einen großen Wurf hingelegt. „United by Fate“ hätte es verdient gehabt, stärkere Beachtung zu finden. Hey, das hat doch nur Hits und ist nach Nevermind eines der besten Rockalben der letzten 20 Jahre. Leider wurde es nichts mit dem Durchbruch, und leider schaffte ich es in dieser Zeit nicht, die Band live zu sehen.
Aus mir unbekannten Gründen wurde es in den Jahren drauf ruhig um die Band, ich las von einigen Schreifels Solokonzerten, seinem Umzug nach Berlin, von einem neuen Rival Schools Album jedoch las ich nichts. Umso überraschender dann die Nachricht, dass die Band als Vorprogramm für die Trail of dead tour vorgesehn war. Also nicht für die ganze Tour, ausgerechnet das Konzert in meiner nächsten Nähe bestritten trail of dead ohne Rival Schools im Vorprogramm. (Von Asobi Seksu war da noch nicht die Rede).
Also noch ein Grund mehr für diesen Ausflug in die schöne Rockhal nach Luxemburg.

Viel Altes und weniger Neues hatten die vier in ihren Auftritt gelegt. Nach anfänglicher Zurückhaltung wurde es ein richtig gutes Alternative-Emo-Rock Konzert. Der schlaksige Walter verstand es, den nicht wirklich vollen Club auf Touren zu bringen. Grundsätzlich war dafür nicht viel nötig, „Travel by telephone“, „Used for glove“ oder „Good things“ sind einfach so herausragend, dass das fast von alleine funktioniert. Nichtsdestotrotz hüpfte und sprang er wie ein Zwanzigjähriger umher. Das steigerte den Unterhaltungswert noch ein wenig und ließ endgültig keinen Zweifel an der Richtigkeit unseres hier seins. Die Stimmung war entsprechend, viele waren wohl auch wegen den Rival Schools hier. Na, kann ich verstehen.

Oh ja, Walter Schreifels ist ein Entertainer, ein sehr sympathischer obendrein.
Wir hätten was verpasst; schon jetzt, noch bevor Trail of Dead die Bühne betraten und noch bevor Rival School anfangen, Bon Jovi’s „Wanted dead or alive“ zu covern.

Genau wie für Asobi Seksu war es für die Rival Schools der erste Auftritt in Luxemburg. „Your airport is nice.“, den kannten sie bereits. Gilt das eigentlich ein Kompliment? Dem netten Herrn Schreifels jedenfalls nimmt es als Kompliment ab.

… and you will know us by the trail of dead waren besser als in Düsseldorf. Das mal vorneweg.
Nicht nur, dass es diesmal mit dem Intro (“Ode to Isis“) klappte, auch darüber hinaus schienen die vier in exzellenter Spiellaune zu sein. Ob es an den beiden Groupies lag, die Jason vor Beginn des Konzertabends in den Backstagebereich schleuste, ich weiß es nicht. Anfänglich hatte ich bedenken, ob es ein guter Abend werden würde, der Besucherandrang in der Rockhal hielt sich doch stark in Grenzen. Im Laufe des Abends füllte es sich dann aber doch noch einigermaßen, sodass Konzertstimmung aufkam. Unbeeindruckt davon zeigten sich aber, wie zuvor schon die Rival Schools, auch Trail of dead. Sie ließen es krachen.

Ähnlich wie in Düsseldorf spielten sie ein gut durchgemischtes Konzert. Die ersten drei Songs vom neuen Album, danach ein guter Mix aus den früheren Veröffentlichungen.
Nach einer halben Stunde wurde ich erneut überzeugt und mein bisheriger Trail of dead Liveeindruck bestätigt. Conrad Keely und Jason Reece sind große Künstler. Mal abgesehen von den Kugelschreiber- und Bleistiftstrichzeichnungen, die mir nicht gefallen, und ihren interessanten Plattencovern machen sie alles richtig. Live gelingt ihnen die Umsetzung ihrer komplexen Songs grandios, Sieben- und Achtminüter („Strange news from another planet“ zu Beginn des Sets) entwickeln ihre Dynamik, ohne langatmig zu wirken. Und zwischendurch immer mal wieder kleine Punk- und knüppeldicke Rockhappen („Fake fake eyes“). Oh ja, eine Trail of dead Show ist kurzweilig und abwechslungsreich. Wahnwitzig und musikalisch einwandfrei vorgetragen. Egal ob Conrad am Schlagzeug sitzt, Drummer Jamie Miller Gitarre spielt oder Jason singt, am Schlagzeug sitzt oder Gitarre spielt. Bis auf Bassist Autry Fulbright kann hier jeder alles, und es wirkt immer handwerklich einwandfrei.

…and you will know us by the trail of dead haben mal wieder eine halsbrecherische Show abgeliefert. Sehr schön!

Multimedia:
Fotos: … and you will know us by the trail of dead, Rival Schools, Asobi Seksu

Kontextkonzerte:
… and you will know us by the trail of dead – Düsseldorf, 27.03.2011
… and you will know us – New York, 12.11.2006
Trail of dead – Köln, 14.05.2009
aywkubttof – Bochum, 11.07.2009
Asobi Seksu – Brüssel, 22.02.2009

frank

Hallo, ich heiße Frank und blogge unter pretty-paracetamol seit 2006. Ich schreibe hier über meine Konzertbeobachtungen und über Musik, die mich umtreibt. Vieles davon kommt aus dem sogenannten Indiebereich, manchmal aber auch darüber hinaus.

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