Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Vorband: Body Type

Warum dieses Konzert in Köln im Bürgerhaus Stollwerck angesetzt wurde, habe ich nie verstanden. Da ist es nur logisch, dass das Konzert längst ausverkauft ist. Und wie blöd ausverkaufte Konzerte im Bürgerhaus Stollwerck sein können, ist mir hinlänglich bekannt. Auch, dass direkt nebenan das teuerste Parkhaus der Stadt lauert. Gegen ersteres konnte ich etwas unternehmen, nämlich einfach früher vor Ort sein (denn vorne ist es bekanntlich immer etwas leerer als weiter hinten), das zweite musste ich allerdings in Kauf nehmen, weil ich im Vorfeld einfach zu faul war, mir eine Alternativparkgelegenheit zu googeln. Mal wieder! Die Anfahrt mit der Bahn scheidet leider aus, ich komme zu schlecht und nur umständlich wieder an einen der Bahnhöfe zurück und verliere daher zu viel Zeit.
Habe ich Courtney Barnett schon mal live gesehen?* Ich kann mich spontan nicht erinnern. So oft ist die Australierin auch nicht in Europa, kann also durchaus sein, dass dies mein erstes Courtney Barnett Konzert ist. „Avant Gardener“, wer mag diesen Song nicht, war mein Dosenöffner. Der Song stammt von der ersten Platte, der The Double EP: A Sea of Split Peas aus dem Jahr 2013. Bzw. von einer der beiden EPs davor, die auf dieser EP zusammengefasst werden. Ein Riesenhit und auch das erste reguläre Album mit dem sagenhaften Titel Sometimes I sit and think, and sometimes I just sit ist enorm empfehlenswert.
Vor vier Jahren bespielte sie das Gloria. Vier weitere Jahre davor die Live Music Hall. Die Säle werden also kleiner. Aber muss das so sein? Ist Courtney Barnett nicht mehr so ‘groß’? Ich habe da Zweifel, denn qualitativ sind ihre Platten nicht schlechter geworden und der grundsolide Rock’n’Roll stirbt doch nie. Festzuhalten bleibt, das Bürgerhaus Stollwerck ist seit langem ausverkauft, einen Markt für Courtney Barnett Konzerte scheint es also weiterhin zu geben.
Courtney Barnett kommt mit Band, zu dritt stehen sie auf der Bühne. Mit Bassist Bones Sloane, und am Schlagzeug sitzt die ehemalige oder aktuelle Warpaint Schlagzeugerin Stella Mozgawa. Ich weiß gerade nicht, wie der Warpaint Status zu bezeichnen ist. Gibt es die Band noch offiziell? Wahrscheinlich haben Courtney Barnett und Stella Mozgawa sich in Los Angeles kennengelernt, wie ich gelesen habe wohnt jetzt die Australierin dort. Oder hat dort zumindest ihre aktuelle Platte aufgenommen.
Musikalisch ist der Abend purer Rock’n’Roll. Es ist laut, das Schlagzeug treibt und Courtney Barnett schreddert ihre Gitarre, als gebe es kein Morgen. Immer wieder macht sie drei Schritte vom Mikrofon zurück, dreht sich um 180 Grad und steht breitbeinig, den Oberkörper leicht nach hinten durchgebeugt vor ihren Boxen und spielt ein Solo nach dem anderen. Selbst ruhigere Songs wie „Avant Gardener“ werden zu wilden Monstern. Ein bisschen zumindest. Das Set ist eine kleine Werkschau mit Songs aus allen bisher veröffentlichten Alben. Und das sind immerhin vier Stück, wie ich nachrecherchieren muss. Ich kenne nur das erste und das dritte Album. Aber auch ohne Grundkenntnisse aller Alben fühle ich mich im Konzert nicht unwohl.
Der Sound ist traditioneller klassisch, die Konzerteröffnung ist es auch. Courtney Barnett beginnt mit dem ersten Song vom aktuellen Album, „Stay in your lane“. Der Rest geht durch wie geschnitten Brot. Egal ob „City looks pretty“ vom zweiten Album, „Turning green“ vom dritten Album, das passt alles sehr gut in das Gesamtkonzept mit Namen Indierock. Das neue Album steht jedoch klar im Fokus. Courtney Barnett spielt alle Songs von Creature of habit. Nur einmal wird es etwas ruhiger. Zur Zugabe kommt die Sängerin erst allein auf die Bühne und spielt „Mostly patient“ electric-solo.
Also Opener spielt die australische Girls-Rock-Band Body Type. Kenne ich nicht. Ich kenne aber einige Leute, die mit ihrem Power-Rock mehr anfangen können als ich. Mir war das für diesen Abend okay; ich weiß aber auch, dass ich die Band nicht weiterverfolgen werde.
*Natürlich, und das bereits zweimal.
Setlist:
01: Stay in your lane
02: City looks pretty
03: Avant gardener
04: Small poppies
05: Mantis
06: Same
07: History eraser
08: Turning green
09: Another beautiful day
10: Depreston
11: Site unseen
12: Great advice
13: Elevator operator
14: Sugar plum
15: Wonder
16: Before you gotta go
17: Write a list of things to look forward to
18: One thing at a time
Zugabe:
19: Mostly patient
20: Two circles reflecting
21: Pedestrian at best
22: Nobody really cares if you don’t go to the party
Kontextkonzerte:
Courtney Barnett – Köln, 17.11.2014 / Studio 672
Courtney Barnett – Primavera Sound Festival Barcelona, 31.05.2014