Ort: Luxor, Köln
Vorband: No Joy
Ich mag die Stimme von Walter Schreifels, so schrieb ich es letzte Woche unter einen Facebookpost, nachdem ich die aktuelle Single aus Interiors geteilt hatte. Das war just der Momente, als ich mich entschied, dass Konzert von Quicksand zu besuchen. Quicksand, vielleicht muss ich das erwähnen, nachdem ich vor einigen Tagen schon mal danach gefragt worden bin, haben eigentlich das Post-Punk-Post-Hardcore Genre Emo miterfunden. Eigentlich, weil die Band, die sich Anfang der 1900er Jahre gründete hatte, zu dem Zeitpunkt, als der Begriff Emo entstanden ist, schon nicht mehr existierte. Bis zu ihrer Auflösung 1995 veröffentlichten Quicksand genau zwei Alben. Slip (1993) und Manic Compression (1995) bildeten das Gesamtwerk der Band, bis in diesem November tatsächlich ein drittes Album nachgelegt wurde. Interiors, so der Name. Musikalisch haben sich Quicksand nicht geändert. Für mich waren vor 25 Jahren Quicksand hauptsächlich „Thorn in my side“. Im Gegensatz zu diesem Song habe ich ihr Debütalbum kaum gehört. Damals mochte ich an den Amis, dass sie ein bisschen nach Fugazi klangen, allerdings in melodiöser und weniger ruppig. So richtig warm wurde ich mit dem Hardcore oder DC Core nie, die Dinge, die aber daraus in den 1990er Jahren entstanden, fand ich ganz gut: Quicksand, Seaweed, Sugar.

Walter Schreifels sah ich zuletzt in Luxemburg. Im Vorprogramm von Trail of dead spielte er mit seinen Rival Schools. Ach, die Rival Schools, die mag ich auch sehr. United by fate ist ein super Album mit einem wunderbaren Plattencover, ich höre es oft und besonders gerne beim Laufen. United by fate hat diesen schönen Punch, der sich über seine gesamte halbe Stunde Spielzeit hindurchzieht. Von diesem Album zähle ich uneingeschränkt „Used for glue“ und „Undercovers on“ zu meinen Lebenslieblingssongs. Rival Schools war sowas wie die Nachfolgeband von Quicksand und eine von vielen Walter Schreifels Projekten. Vor Quicksand waren das zum Beispiel Youth of Today, Gorilla Biscuits oder Moondog, nach dem Aus von Quickband eben Rival Schools und Solosachen.

Konzerte im Luxor. Ich mag sie nicht besonders. Eigentlich ist es dort nur angenehm und aushaltbar, wenn es nicht rappelvoll ist und wenn man früh genug da ist, um im vorderen Bereich einen Platz zu ergattern. Im Umkehrschluss heißt das:  Ich hasse ein volles Luxor. Und ich hasse es noch mehr, erst kurz vor knapp in ein volles Luxor zu kommen. Denn dann heißt es, sich hinten anstellen und vom Konzert quasi nichts mitzubekommen. Denn hinten bedeutet im Luxor an der Ausgangstür, im Gang und direkt neben der langgezogenen Theke. Besser im Weg stehen kann man nicht. Und auf’s Klo kommt man auch nicht oder nur sehr mühevoll, weil es sich neben der Bühne befindet und es nahezu unmöglich ist, sich bis nach vorne und an der Bühne vorbei, durchzudrängeln. Will sagen, es waren nicht die besten Bedingungen als ich das Luxor betrat und mich, nun ja, hinten anstellte.

Auf der Bühne spielt bereits die Vorband. Oder besser, sie lärmte, als ob sie vor 5 Minuten noch Nirvana oder eine best-of Grunge Platte gehört hätten, und nun versuchten, einzelne Songs nachzuspielen. ‘Ihr müßt so klingen wie Nirvana.‘ In den 1990er Jahren war das sicherlich ein beliebter Musikproduzenten und -verleger Spruch. Hätten die drei in dieser Zeit ihre Band gegründet, sie hätten ohne Ende Plattenverträge bekommen und ihre Videos wären bei MTV in Dauerrotation. So jedoch, und vor allem 2017, laufen die Kanadier ein wenig unter dem Radar. No Joy nennt sich die Teenieband, ich erblicke zwei Gitarristinnen bzw. ihre Haare und einen Schlagzeuger. Aufgrund der genannten Referenzen klingt die Band gut und mir gefallen die restlichen Minuten ihres Auftrittes. Allerdings kann ich mich nicht vollständig auf ihr Set konzentrieren, da um mich herum, ich stand knapp zwei Meter von der Bar entfernt, einiges Gewusel war und ich mehrmals meinen Platz wechselte. No Joy, so lese ich in der Umbaupause, existieren seit 2009 und haben bereits drei Alben veröffentlicht. Das überrascht mich, rein optisch hätte ich sie mehr als Newcomerband eingeschätzt. Aber mit bereits drei Alben gehören die Kanadier eher zu den etablierten. Wikipedia nennt die Genres Shoegaze, Indierock, Dream-Pop und Noise-Pop als Referenzen. Ehrlich gesagt, ich höre eigentlich nur zwei Bands heraus: Nirvana und Silverchair. Aber vielleicht spiegelt mein kurzes Liveerlebnis von drei, vier Songs nicht das gesamte Spektrum der Band wider, was durchaus logisch wäre.

Umbaupause. Die Setlist am Mischpult weist fünf, sechs neue Songs aus, aber auch „Omission“ von der ersten EP. Ich bleibe hier hinten stehen, die Idee, ein paar Meter weiter nach vorne zu gehen werfe ich von einem Augenblick zum anderen. Es ist einfach zu voll, und irgendwie habe ich auch keine Lust, zwar näher, aber schlechter vor der Bühne zu stehen.
Aus der Ferne sehen Quicksand wie eine All Star Band aus: Walter Schreifels erinnert mit seinen längeren Haaren an Evan Dando, der Schlagzeuger an Murph und Bassist Sergio Vega an Buzz Osborne. Mehrmals muss ich an diese drei denken, wenn ich zur Bühne blicke. Egal. Gitarre, Schlagzeug, Bass; es ist die klassische Rockanordnung, die ich auf der Bühne erblicke. „Fazer“ zu Beginn bleibt mir in Erinnerung, weil der Song ein paar Helmet Anleihen hat. Danach wechseln alte mit neuen Sachen.  Die vor ihnen stehende Ü40 Fanschaft dankt es mit seligen Blicken und großer Empathie. Der Applaus hält sich zeitweise in Grenzen, ich führe das auf eine Art Schockstarre zurück. Nicht wenige sehen hier die Helden ihrer Jugend, da kann man schon apathisch werden. Das Konzert fluppt so durch. Jeder findet irgendwann im Laufe des Abends seinen Lieblingssong. Es fühlt sich an wie ein typisches Reunionkonzert. Dabei begehen Quicksand aktuell gar keine Reunion, die fand bereits 2013 statt. 2017 ist es lediglich die Albumtour, die die Band nach Europa bringt. ‘Dies sei erst das zweite Konzert mit dem neuen Material‘, so Walter Schreifels, ‘man möge doch bitte die leichten Unstimmigkeiten verzeihen.‘ Heraushören tue ich die allerdings nicht. Es müssen nur Kleinigkeiten sein.

Kontextkonzerte:

frank

Hallo, ich heiße Frank und blogge unter pretty-paracetamol seit 2006. Ich schreibe hier über meine Konzertbeobachtungen und über Musik, die mich umtreibt. Vieles davon kommt aus dem sogenannten Indiebereich, manchmal aber auch darüber hinaus.

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