Ort: PSD Bank Dome, Düsseldorf
Vorband: Alex Cameron, Fat White Family

The Strokes - Düsseldorf, 13.10.2026

Zurück ins Jahr 2001. The Strokes haben gerade den Rock’n’Roll gerettet. So die einhellige Meinung über deren Debütalbum Is this it. Songs wie „The modern age“,“Hard to explain“, „New York City Cops“, „Take it or leave it“, „Someday“, „Alone, together“ hat man in den Zeiten, in denen Britpop und Slackergitarren die alternative Musik dominierten, lange nicht mehr gehört. The Strokes spielten anders und setzten neue Maßstäbe. ‘God gave Rock’n’Roll to you’ -hafte Maßstäbe, gepaart mit der Gleichgültigkeit eines neu aufkommenden urbanen twentysomething Lebensgefühls. Ja, nach all dem Britpopgequengel und dem endgültig durchgequetschten Alternative Rock (Silverchair, Nickelback, Live) klangen The Strokes frisch und unverbraucht, neu und anders gut. 

Meine Vorfreude auf das The Strokes Konzert stellte sich so richtig ein paar Tage vor dem Konzert ein. Ich hörte nochmal This is it und erinnerte mich nochmal daran zurück, wie toll ich das Album zum Veröffentlichungstermin fand. Damals – 2002 – sah ich die The Strokes live im Kölner E-Werk. Himmel war das voll. (Und die Vorband eher unpassend.) Ich schrieb damals folgendes:

An einem tristen Februarabend spielte die so genannte neue Rockhoffnung ein bemerkenswertes Konzert in Köln. … Zu den Klängen von „girls just wanna have fun“ betraten die Strokes die Bühne. New Yorker halten eben zusammen. Die Strokes präsentierten sich mit typischer New Yorker Coolness. Keine unnötigen Effekte oder Lichtspielereien, keine großen Ankündigungen. … Ein ‚Hello my friends‘ zum Anfang und ein ‚Thanks‘ und ‚Goodbye‘ zum Schluss des Konzertes waren die einzigen Ansprachen an das Publikum. Dazwischen lag das, was man erwarten durfte, Rock vom Feinsten. …. Mit „Take it or leave it“ wurde das Konzert nach guten 45 Minuten beendet. Das Licht ging an, Ende. Keine Zugabe. Natürlich nicht. Es war ein gutes Rockkonzert.

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2006 spielten sie im Palladium, natürlich war ich auch da vor Ort. Daran habe ich aber keine Erinnerungen mehr und auch die Notizenlage ist verdammt dünn. Sprich: es gibt keine. Im Nachhinein schade, heute würde ich schon gerne wissen, wie mir seinerzeit das Konzert gefallen hat. Die beiden weiterhin möglichen The Strokes Auftritte zu sehen nahm ich nicht (beim Primavera Sound Barcelona 2015 interessierte mich ein Health Konzert mehr als The Strokes) oder nur irgendwie sehr kurz wahr (das Primavera Sound Barcelona 2022 war der über-, über-, übervolle Primavera Doppelweekender, als The Strokes für Wochenende 1 absagten und dann am 2. Wochenende auftraten. Mit der Konsequenz, dass Ticketinhaber vom Freitag des Wochenendes 1 auch Zugang am darauffolgenden Freitag hatten. Also ein bereits ausverkauftes Gelände noch voller machten). Damals empfand ich scheinbar verpassten Gelegenheiten als verschmerzbar, denn der Output der The Strokes in den 2010er und frühen 2020er Jahren war doch eher so na ja und für mich schon sehr irrelevant zu dieser Zeit.

I missed the last bus, I’ll take the next train
I’ll try, but you see, it’s hard to explain

Hard to explain – The Strokes

Dieses sollte also mein drittes ‘richtiges’ The Strokes Konzert werden. Und irgendwie hatte ich Anfang 2026 große Lust, die Band erneut live zu sehen. Als die Konzertankündigungen der Tour raus waren, kaufte ich umgehend ein Ticket. Das Gefühl, dass das Ding sehr schnell ausverkauft sein würde, stimmte zwar nicht, ausverkauft aber war der PSD Bank Dome dann doch irgendwann in den Tagen vor Konzertstart.

Es ist tausendmal angenehmer für mich, nach Maastricht, Hasselt oder Luxemburg zu fahren, als zur Rush Hour nach Düsseldorf. Zwei Stunden 15 Minuten sind schon mal ‘ne Ansage für eine Strecke von knapp 100 Kilometern. Aber Dank eines vorgebuchten Tiefgaragenstellplatzes unter der Halle (filed under: im Alter mal was gönnen bzw. bequem werden) konnten wir entspannt der Fahrt zum PSD Bank Dome entgegensehen. Einen möglichen Parkplatzsuchstress sollte es trotz ausverkaufter Halle nicht geben. Und tatsächlich ist die Sache mit dem Tiefgaragenstellplatz enorm entspannt.

Alex Cameron hat gerade seinen halbstündigen Gig beendet, als ich die Halle betreten. Sein Set ist von 19 Uhr bis 19.30 Uhr angesetzt und ich bin um halb acht immer noch so früh, dass ich ein Zugangsbändchen für den vorderen Innenraum ergattere. Dass der Innenraum zweigeteilt sein würde, war mir vorher nicht klar. Sonst wäre ich definitiv auf Nummer sicher gegangen und eher angereist. So habe ich nochmal Glück, das Bändchenbündel der Securityfrau war nämlich schon relativ dünn. Teil eins für ein gutes Konzert ist damit sichergestellt: entspanntes Stehen in Bühnennähe. Denn es ist allgemein bekannt, dass das Personenaufkommen im vorderen Bereich aus Sicherheitsgründen bewusst geringgehalten wird. So habe ich Bühnennähe und eine ausreichend große Komfortzone um mich herum. Perfekt.
15 Minuten später steht die Fat White Family auf der Bühne und macht 35 Minuten lang ordentlich Post Punk Krach. Es bleibt nicht viel hängen; der Auftritt der acht Musiker verpufft früh im weiten Hallenrund. In einem kleinen Club macht diese Band sicherlich großen Spaß, im PSD Bank Dome ist es eher ein so ‘na gut die spielen vor den Strokes, da ich kann noch mal schnell was zu trinken holen’. Der Geräuschpegel ist entsprechend hoch und das Hin und her lenkt mich dann doch ab. Ich kriege kaum was bewusst mit, auf die Fat White Family kann ich mich einfach nicht konzentrieren. Aber vielleicht will ich das auch gar nicht und gebe mir so nicht alle Mühe.

Im Anschluss dann The Strokes. Die Bühnenbeleuchtung schwach. Einzig Lichtstelen an den Bühnenseiten und diffuse Lichtstrahlen von der Decke geben Helligkeit. Perfekt ausgeleuchtet ist hier nichts, die Lichtinstallation aber durchaus beeindruckend. Gerade die Lichtstelen und Scheinwerfertürmchen am Bühnenrand bringen eine Art von 1990er Jahre Deko-Romantik, die gut zu dem – ich sag mal – altbackenen Rock der Strokes passt.
Was mir erst in den letzten Tagen so richtig bewusst wurde, Is this it erschien vor 25 Jahren. Himmel, das ist sehr lange her. Und ehrlich gesagt, danach klingt die Platte nicht. Vielleicht ist das auch ein Grund mit, dass viele junge Leute im Publikum stehen. nach meinen Beobachtungen würde ich sogar sagen, dass die Mehrzahl ist im twentysomethings Alter ist. Was wiederum bedeutet, dass viele der Besucher*innen zur Veröffentlichung der Platte noch nicht geboren waren. Sie müssen die Platte also über einen zweiten Weg kennengelernt haben. Und der, so meine starke Vermutung, lautet Geese. Also durch diese andere New Yorker Rockband, die in diesem Jahr bei uns so richtig durchstarten und deren Sänger Cameron Winter als der neue Rocksuperstar angesehen wird. Schon während des Geese Konzertes im Frühjahr im Kölner Palladium fiel mir eine bestimmte Ähnlichkeit zu früheren The Strokes Konzerten auf. Und ich denke, im Spotify-Algorithmus Universum ‘wer das hört, mag auch das’. (Heißt das so? Ich bin nicht bei Spotify.) passen The Strokes gut zu Geese. Getting killed ist meiner Meinung nach nicht so weit weg von Is this it. Musikalisch geht das locker in eine Schublade. Dass grundsätzlich der The Strokes Hype und Einfluss auf die Musikszenen ungleich größer war als der von Geese, ist jedoch unbestritten. Oder?

Die Halle ist also voll und harrt erwartungsvoll aus. Und dann schlendern um halb zehn The Strokes auf die Bühne und spielen die ersten beiden Songs fast im Halbdunkel. Die band beginnt unspektakulär mit neuen Songs: „Going shopping“, „Dine‘n’dash“. Okay, ganz nett aber erst „Hard to explain“ rüttelt mich so richtig wach. Ab da bin ich drin im Konzert und empfinde es von Song zu Song großartiger. Das Autotune in den aktuellen Songs hält sich live angenehm zurück und die Songauswahl ist mehr oder weniger eine schöne Werkschau. The Strokes setzen dabei den Focus auf die neuen Platte und die ersten beiden Alben. Und nach wie vor machen The Strokes The Strokes Dinge. Julian Casablancas steht unendlich cool in seinem langen schwarzen Mantel am Mikrofon und nuschelt seine Texte hinein, Bassist Nikolai Fraiture steht unendlich cool mit überkreuzten Beinen am Bühnenrand und spielt so teilnahmslos aussehend wie möglich sein Instrument, Albert Hammond Jr. hat seine Gitarre unendlich cool umgehängt und Fabrizio Moretti am Schlagzeug trommelt so unendlich cool, dass er dabei sicherlich nicht einmal schwitzt. Nicht mit dabei auf dieser Tour ist der Gitarrist Nick Valensi. Das Internet berichtet von Spannungen zwischen ihm und Julian Casablancas. Steve Schiltz – der aushelfende Tourgitarrist – ist aber sicherlich auch cool. Ich beobachte ihn nicht ganz so genau wie die anderen vier.
Laut und rotzig können The Strokes immer noch. Das fällt mir sofort auf. Und Julian Casablancas ist nach wie vor der große Mann der verleiert-verpeilt klingenden Gesangsstimme. Die wichtigen Dinge haben sich bei The Strokes nicht geändert. Gut so. Das aktuelle Album Reality awaits kenne ich noch nicht, live klingen die Songs unspektakulär und bleiben nicht bewusst hängen. Einzig „Lonely in the future“ bleibt mir im Gedächtnis. Ja, sie tun sich schwer mit guten neuen Songideen. Vielleicht ist es als Rock-Dino auch nicht einfach, spannend zu bleiben. Spontan kenne ich keine Band, die das geschafft hat. Einen Konzertabend lang ist mir das jedoch völlig wurscht, das preise ich bei dieser Art Konzertbesuch sogar mit ein. Für einen Plattenkauf reicht es mir dann aber nicht. Da müsste schon mehr kommen als ein „Lonely in the future“.
Irgendwo las ich, The Strokes gibt es jetzt länger als es Queen gab. Das sind Vergleiche, mit denen kann ich arbeiten. Und stelle fest, dass es früher nach meinen Teenagervorstellungen Queen schon immer und ewig gab. Das fand ich gruselig und ich habe es nie so richtig verstanden, wenn Klassenkameraden zu großen Queen Fans wurden. ‘Es gibt doch genug zeitgenössische Musik’ sagte ich dann meist. Aber von Franky goes to Hollywood zu Queen ist der Weg eben auch kurz. Wie kam ich drauf? Egal.

Das Konzert beenden The Strokes lokalpatriotisch mit „New York City Cops“ und „Ode to the Mets“. Es war ein guter Abend, aber jedes Jahr brauche ich kein The Strokes Konzert.

Setlist:
01: Going shopping
02: Soma
03: Dine‘n’dash
04: Hard to explain
05: Lonely in the future
06: Selfless
07: Reptilia
08: The adults are talking
09: Juicebox
10: Call it fate, call it karma
11: Heart in a cage
12: Going to babble on
13: Under control
14: One way trigger
15: You only live once
16: Meet me in the bathroom
17: Someday
18: Tyrants of the mellow moon
19: Take it or leave it
20: Last nite
Zugabe:
21: New York City Cops
22: Threat of joy
23: Ode to the Mets

Kontextkonzerte:
The Strokes – Köln, 27.02.2002 / E-Werk
The Strokes – Köln, 26.06.2006 / Palladium
The Strokes – Primavera Sound Festival Barcelona, 30.05.2015
The Strokes – Primavera Sound Festival Barcelona, 10.06.2022

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