| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Reflektor, Lüttich
Vorband: Karl Larsson

Evan DandoEin Sprichwort sagt, auf einem Bein könne man nicht stehen, und man bestellt die zweite Runde Bier. Getreu diesem Motto handelte ich bei den anstehenden The Lemonheads Konzerten. Der Besuch in Luxemburg vor ein paar Wochen war nur die halbe Sache, komplett wurde sie erst durch einen zweiten Konzertbesuch in Lüttich. Denn im Gegensatz zum Bier – da steht es sich gut auf einem Bein – kann ich die Lemonheads nicht oft genug sehen. Also Lüttich; also erneut Karl Larsson und The Lemonheads.

Lüttich, das hört sich weit an, ist es aber nicht. Knappe 90 Minuten dauert die Autofahrt, das ist nicht weiter als nach Dortmund, wenn ich die derzeitige Straßen- und Verkehrslage der A1 hinzuziehe. Trotzdem war ich noch nicht oft in der belgischen Arbeiterstadt,  Lüttich ist mir weitestgehend unbekannt. So bot diese Konzertfahrt auch die Gelegenheit, mir die Stadt ein bisschen bekannter zu machen. Zwei Fliegen mit einer Klappe und so.
Das Reflektor liegt in Wurfweite zur alten Oper zentral im Stadtzentrum Lüttichs. Das Gebäude scheint neu und der Innenraum wirkt modern und zeitgemäß. Ist das ein neuer Klub? Ich hatte zuvor noch nie etwas vom Reflektor gehört. Im vorderen Bereich gibt es eine Bar/ Café, im hinteren Raum liegt der Konzertsaal mittlerer Größe. Vielleicht 500 Leute passen hinein, ich bin aber nicht gut im Schätzen von Personenmengen. Die Wände sind holzvertäfelt, die Technik befindet sich oberhalb der Bühne. Praktischerweise sind nebenan zwei Parkhäuser, die auch an einem Samstag die Parkplatzsuche entspannt machen. Die Preise belgischen Parkhäuser sollte man jedoch genausowenig hinterfragen wie die Rangiermöglichkeiten größerer Fahrzeuge. Aber nur Dumme fahren SUV oder ähnliches. Leider gibt es davon zu viele.

Überpünktlich betritt Karl Larsson die Bühne. Ich hatte die Solosachen des Last days of April Sängers in Luxemburg das erste Mal gehört und war direkt begeistert. Mir gefielen seine klaren, einfach und überschaubar gehaltenen Akustiksongs sehr gut. Es passiert mir nicht oft, dass ich mich auf Konzerten in unbekannte Songs verliebe, bei Karl Larsson war das gleich zweimal der Fall. So freute ich mich auch darauf, ihn noch einmal live sehen zu können. Und was soll ich sagen, sein Konzert war genauso schön und unterhaltsam wie in Luxemburg.
Karl Larsson

Die Umbaupausenmusik ist identisch. Ich merke das aber nur durch einen Blick auf mein Smartphone, als ich das gleiche Lied wie in Luxemburg shazame: „Hells bells“ von den Dandy Warhols. Sachen gibt’s.

Minuten später sehen wir ein ganz anderes The Lemonheads Konzert als vor einigen Tagen.
Für uns überraschend kommt Karl Larsson mit den Lemonheads auf die Bühne. ‘Man würde erst ein paar Songs gemeinsam spielen‘, klärt Evan Dando auf, nachdem er einen kräftiger Schluck aus der Jack Daniels Pulle genommen hatte. Es folgte ein akustisch gespieltes Last day of April Cover von „All the same“. Zum zweiten Song „Down about it“ stieg dann die Band ein, und nach dem Stück verließ Karl Larsson die Bühne. Es folgte „Hospital“, der Song, mit dem die Lemonheads standardmäßig ihre Konzerte auf dieser Tour eröffnen.
Nun sind Evan Dando, Chris Brokaw und Kollegen unter sich. Wie in Luxemburg starten The Lemonheads als Band, bevor die Setlist mit einem Strich den Duopart Evan Dandos und Chris Brokaws ausweist. Doch auch in Lüttich gilt, die ausgelegt Setlist ist mehr Optionsliste als Programmablauf. So fehlen z. B. die ersten beiden Songs mit Karl Larsson und auch der Zugabeteil sollte sich 90 Minuten später anders gestalten als ihn die Liste ausgibt.

Normalerweise greift Evan Dando im Duoteil zur Akustikgitarre. Das jedoch lief in Lüttich aber völlig daneben. Die Gitarre funktionierte nicht richtig und so griff Dando nach einigen Versuchen zur elektrischen. Nichtsdestotrotz und egal ob akustisch oder elektrisch, die Coverversion „Outdoor type“ eröffnete das DandoBrokaw Intermezzo. „Hard drive“ (das ich sehr lange unterschätzt habe) und „Hannah & Gabi” folgten. „Into your arms” (stand auf den Zetteln) kam aber nicht. Überhaupt war dieser Konzertteil kürzer als in Luxemburg. Vielleicht 5 Songs spielen die beiden, bevor die Band wieder auf die Bühne kommt.
Mein Liebling „Stove“ fehlt im lauten teil. Schade. Dafür spielen sie in der Zugabe unter anderem „Confetti“ und „It’s about time“, die sie in Luxemburg nicht spielten.Evan Dando

Es ist mal wieder ein tolles The Lemonheads Konzert! Ich mag die Band, ich mag Evan Dandos Stimme. Von der Erkältung ist nichts mehr zu hören. Wir hören und sehen eher die Spuren des zurückliegenden Tourmarathons. Die Musiker wirken müde und ausgelaugt. Kein Wunder, wenn man am Vorabend noch in Hamburg war und in den Tagen zuvor von Skandinavien bis zum Mittelmeer Konzert an Konzert abgerissen hat.
Aber wie gesagt, ein tolles Konzert. Und Lüttich sollte ich in Zukunft stärker auf meiner Konzertlandkarte haben. Jetzt kenne ich die richtigen Anfahrtswege von der Autobahn in die Stadt, das muss ich doch ausnutzen.

Kontextkonzerte:
The Lemonheads – Luxemburg, 22.02.2019 / Rotonde
Evan Dando – Berlin, 17.03.2015 / Bang Bang Club
The Lemonheads – Köln, 12.05.2012 / Luxor
The Lemonheads – Esch-Alzette, 27.04.2012 / Rockhal
The Lemonheads – Köln, 03.10.2008 / Gebäude 9
The Lemonheads – Köln, 27.10.2006 / Bürgerhaus Stollwerck

Multimedia:

Karl Larsson Reflektor Liège 09.03.2019

Gepostet von Anna Radozda am Sonntag, 10. März 2019

The Lemonheads Reflektor Liège 09.03.2019

Gepostet von Anna Radozda am Sonntag, 10. März 2019

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."