Ort: Kantine, Köln
Vorband: Dateline

„Wilhelm, das war nichts”, so heißt ein Song der Band Tomte. Würde ich mir den Songtitel leihen, und ihn auf dieses Konzert umschreiben, müsste er leider wie folgt lauten: The Beths, das war nichts. Also nicht für mich. Also nicht zu 100%. Natürlich hat jedes Konzert seine guten Momente und seine tollen Seiten, es geht ja gar nicht, dass ein Konzertbesuch von a-z schlecht ist. Und ist es auch an diesem Abend. Es war nicht alles nichts, aber in der Nachbetrachtung überwiegt bei mir nun mal der Eindruck, dass ich nicht vollkommen begeistert bin.
Doch der Reihe nach.
‘Der Saal scheint etwas zu groß für die neuseeländische Indieband’, denke ich. Gerade mal halb gefüllt präsentiert sich die Kantine, als die Vorband Dateline die Bühne betritt. Und leider wird es später nicht viel voller. Feiertag, langes Wochenende, usseliges Wetter. Es sind ungünstige Voraussetzungen für The Beths, Leute in die Kantine zu locken. Dateline stammen auch aus Neuseeland, und irgendwie sind die beiden Bands miteinander verbunden. Richtig verstehe ich es nicht, aber eine*r der Musiker*innen war wohl kurzzeitig Mitglied der anderen Band. Egal, ich habe ein ganz anderes Problem mit ihrem Auftritt. Die Basslinie ihres ersten Songs klingt eins-zu-eins nach Franz Ferdinands „Take me out“, so dass ich den gesamten Dateline Auftritt über nur „Take me out“ im Kopf habe. Wir wissen ja, das ist ein gnadenloser Ohrwurm, der nur sehr schwer verschwindet. Dabei sind die Dateline Songs verdammt gut. Krachig und melodiös, schön anzuhören. Sie erinnern mich mit ihrem Sound ein bisschen an Garageland, die lange Zeit einzige neuseeländische Band, die ich kannte. Es ist ein kurzweiliger Auftritt. Dateline sollte man auf dem Schirm haben.
Dann The Beths. Ich sah die Band vor ein paar Jahren auf dem Primavera, wusste also, was ich bekam. Damals überzeugten sie mich auch mit ihrem selbstgemalten Bühnenbild, das einen blauen Fisch zeigte. Lustig, dass mir das in Erinnerung geblieben ist. Auch an diesem Abend gibt es ein großes, selbst erstelltes Bühnenbild. Doch leider ist die Becke zu niedrig, um das gesamte Bild ausrollen zu können. Gute anderthalb Meter – so erzählt uns der Schlagzeuger – müssen aufgerollt auf dem Boden liegen bleiben. Seit jeher, also seit dem ersten Album Future me hates me 2018 sind The Beths die Musiker*innen Elizabeth Stokes, Jonathan Pearce, Benjamin Sinclair und Tristan Deck. Gerade ist ihr viertes Album veröffentlicht worden, Straight line was a lie, die jetzige Tour die Tour zum Album. Logisch, dass sie da viele Songs vom neuen Album spielen, dass es dann bis auf eine oder zwei Ausnahmen alle Songs sind, finde ich dann doch überraschend.
Es geht gut los. „Silence is golden“, „Future me hates me“, „No joy“, das Konzert startet indierockig und gut. Dass ihnen die Instrumente in Paris abhandengekommen sind und sie nun auf Leihequipment zurückgreifen müssen, merkt man kaum. Die Songs klingen nach The Beths, wie ich sie kennengelernt hatte. Im Laufe des Konzertes ändert sich das ein bisschen. Die neuen Songs von Straight line was a lie kommen mir ruhiger und poppiger und nicht mehr ganz so schrammelig vor. Und werden für mich dadurch nicht ganz so spannend. Irgendwann fällt mir das auf. Ich schaue auf die Uhr, es ist kurz vor 22 Uhr. Seit ungefähr 10 Minuten spielen The Beths ein paar ruhigere und nicht ganz so wilde Songs und ich beginne, mich etwas zu langweilen. Die Songs des neuen Albums, die sie jetzt spielen, holen mich irgendwie nicht ab. Und für mich an diesem Abend viel tragischer: In der Folgezeit werde ich diesen Gedanken nicht mehr los. So schweife ich gedanklich ab und komme für den Rest des Konzertes auch nicht mehr zurück. In dem Augenblick, in dem ich das realisiere, wird es das Konzert fuer mich zäh. Ich hangle mich von Song zu Song und warte auf einen Moment, der mich wieder aufmerksamer werden lässt. Doch der kommt nicht und so laufen die letzten Konzertminuten komplett an mir vorbei. Bei einem Festival wäre ich längst zur nächsten Bühne weitergegangen, hier bleibe ich natürlich stehen und harre bis zum Ende aus. Draußen regnet es, alles andere wäre auch Unsinn gewesen.
‘Das hatte ein paar Längen’, sage ich nach dem Konzert und stehe mit dieser Meinung – wie ich ganz schnell feststellen muss – ziemlich alleine dar. Schön, wenn andere durchgängig Spaß an diesem Konzert hatten. Ich hatte ihn an diesem Abend leider nicht. The Beths, das war nichts. Vielleicht beim nächsten Mal wieder.
Setlist:
01: Straight line was a lie
02: No joy
03: Silence is golden
04: Future me hates me
05: Metal
06: Til my heart stops
07: Mother, pray for me
08: When you know you know
09: Uptown girl
10: Mosquitoes
11: Roundabout
12: Mars, the God of war
13: Jump rope gazers
14: Best laid plans
15: Little death
16: I’m not getting excited
17: Expert in a dying field
Zugabe:
18: Take
Kontextkonzerte:
The Beths – Primavera Sound Festival Barcelona, 02.06.2023