Ein Vormittag in Babelsberg.
Hier riecht es förmlich aus jeder Ecke nach Film und Kino. Bereits die Vorhalle der S-Bahn-Station empfängt uns mit alten Filmplakaten und Postern. Wir laufen durch Zarah Leander, Emil Jannings, Marlene Dietrich und Joe May-Straßen und suchen den Filmpark und die Babelsberger Filmstudios. Es sind ein paar Meter entlang der Hauptstraße, bis wir die Metropolis Halle sehen. Allerdings auch nur die. Der Filmpark liegt leicht abseits der Straße und ist Corona bedingt geschlossen. In der Metropolis-Halle ist eine COVID-19 Teststation untergebracht. Nicht viel los hier an diesem Wintertag. Das Gelände sieht sehr verlassen aus, hinter der Halle stocken wohl schon seit ein paar Wochen Baumaßnahmen.
Alles wirkt wenig gepflegt. Ist das eigentlich in Hollywood auch so? frage ich mich oder ist es nur wieder eines unserer Phänomene, wenig bis gar kein staatliches Geld für historisch interessante Orte und Kulturgüter auszugeben? Warum gibt es kein Museum, keinen Merch-Shop? oder zumindest eine Infobude, in der Besucher Auskunft erhalten können? Es gibt noch nicht einmal eine Hinweistafel mit Angaben. Oder liegt das alles nur im geschlossenen Filmpark? Oder finden wir die Punkte einfach nur nicht? (Dann mangelt es an Wegweisern.) Eine ‘Studio Babelsberg’ Tasche kaufen wir nicht hier, sondern im Filmmuseum in Potsdam. Ich finde das erschreckend!

Unterwegs: Potsdam & Babelsberg

Die alten UFA-Studios sind doch nicht nichts! Wie stark war doch in den 1920er Jahren die Anziehungskraft dieser Filmstudios. Hier war Hollywood lange bevor es Hollywood gab. Alle Filmgrößen der damaligen Zeit waren und arbeiteten hier.

‚Alles was ich über das Filmemachen wissen musste, habe ich in Babelsberg gelernt‘, sagte einmal Alfred Hitchcock. Ja, die großen künstlerischen Produktionen der frühen 20er Jahre waren wegweisend für die Entwicklung des Kinos. Hier und nirgends anders wurden mit Henny Porten, Lilian Harvey, Asta Nielsen, Pola Negri und Paul Wegener die weltweit ersten Filmstars geboren. (Anmerkung: Ich kenne sie alle nicht, habe ihre Filme nicht gesehen. Das ist Wissen, was ich nachher ergoogelt habe. – https://www.studiobabelsberg.com/unternehmen/geschichte/)
1921 geht das Gelände in den Besitz der 1917 gegründeten Universum Film AG (UFA) über. Diese errichtet 1926 für die Großfilmproduktion Metropolis von Fritz Lang das Großatelier, die damals größte Atelierhalle Europas. Auf den ersten Science-Fiction-Langfilm (heute im UNESCO-Weltdokumentenerbe) folgt kurze Zeit später Frau im Mond, für den Regisseur Fritz Lang den Countdown erfindet.

Auch in der Jetztzeit wird hier noch ordentlich abgeliefert: Babylon Berlin, Homeland, oder der vierte Matrix Film werden bzw. wurden hier gedreht.
Aber bitte, liebe Stadt, liebes Land: Denkt an die Touristen. Auch im Winter. Auch in Corona-Zeiten. Ihr habt hier ein so tolles Kulturgut, präsentiert es! Bewerbt es! Macht es bekannter!

Unterwegs: Potsdam & Babelsberg

Ein Tag in Potsdam.
Nicht weiter beworben werden müssen das Schloss Sanssouci und der historische Stadtkern von Potsdam. Da weiß jeder, was es da so gibt. Holländisches Viertel, Luisenplatz, das Stadtschloss, die Breite Strasse. Einen Tag lang wanderten wir erst entlang des Templiner Sees und der Havel in Richtung Altstadt, schauten hier und da, aßen neben dem Filmmuseum zu mittag, bogen später in die Gärten von Sanssouci ab, um am Ende des Tages durch die Brandenburger Vorstadt zurück zum Olympiastützpunkt Potsdam und zu unserem Hotel zu kehren. Das war eine große Runde, die wir da abrissen.

Insgesamt verbrachten wir im Januar 2022 drei Tage in Potsdam und Babelsberg. Eine kurze Stippvisite, die viele interessante und neue Eindrücke bei uns hinterließ. Ich empfehle zum Beispiel das Restaurant neben dem Filmmuseum Potsdam und das Kongreßhotel als schöne Unterkunft direkt am See. Im Frühstücksraum trifft man manchmal Spielerin von Turbine Potsdam und andere Sportler*innen, die nebenan im Leistungszentrum trainieren, oder – und so erging es mir – Deutschlands Bundesligaschiedsrichter, die just in den Tagen unseres Aufenthaltes hier ihr Winterseminar abhielten.

Auf dem Rückweg stoppten wir noch kurz in Berlin. Warum? Ach, ein Konzert und der ICE nach Köln.

Kontextkonzerte:
Fehler Kuti und die Polizei – 06.01.2022 / Hebbel Theater

Über Stock und Stein: