Ort: De Roma, Antwerpen
Vorband: –

Last stop Brüssel. Beziehungsweise Antwerpen.
Es ist ja nicht so, dass es mit ein paar Konzertbesuchen während des Urlaubs getan wäre. Im Idealfall plant man die An- und Abreißen so, dass man in möglichen Zwischenstopporten auch noch fix ein Konzert mitnehmen kann. Cake boten uns diesen Idealfall quasi auf dem Serviertablett an, und wir konnten da natürlich nicht ‚Nein‘ sagen. Von London aus ist es ein Leichtes, den Rückweg über Brüssel umzusetzen. Und von Brüssel aus ist es nur ein Katzensprung mit dem Zug nach Antwerpen. Als Cake ihre Europatour An evening with Cake bekanntgaben, merkte ich schnell, dass es mit den Terminen in Köln und Luxemburg nicht klappt, da wir dann unterwegs sein wollten. Aber der de Roma Termin in Antwerpen an einem Sonntag nach dem Public Service Broadcasting Abend im Ally Pally wäre eine Option, die machbar zu sein schien. Und so kauften 50% der Reisegruppe ein Ticket Wochen vorher und kurz bevor das de Roma ein ‘ausverkauft’ meldete und die anderen 50% Tage vor dem Konzert auf dem offiziellen Zweitmarkt Ticketswap. In Benelux ist es mittlerweile so, dass viele Konzertveranstalter mit Ticketswap kooperieren und offiziell auf diese Ticketbörse verweisen, wenn ein Konzert ausverkauft ist. Sowas wie Eventims Fansale mit umständlichen Bedingungen und oft überteuerten Preisen gibt es da nicht. Auf Ticketswap dürfen Tickets maximal mit 10% oder 15% höherem Preis angeboten werden.
Cake sieht man nicht allzu oft in Europa. Daher wollten wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen. 2011 spielten sie das letzte Mal in Deutschland; 2019 gab es einen kurzen Abstecher nach Antwerpen und Luxemburg. Ja, die Band Cake machte sich rar in Mitteleuropa. Aber warum sollten sie auch rumkommen, neue Platten sind seit 2011 Fehlanzeige und die Hochzeit der Band lag in den 1990er Jahren. Aber just in diesem Jahr feiert ihr vielleicht größtes Album Fashion Nugget 30-jähriges Jubiläum. Für andere Bands Grund genug, so ein Ereignis groß zu be-touren. Cake machen das nicht, spielen aber immerhin 5 Songs aus dem Album. Und mit „Billionaire in Space“ einen neuen Song. Wie ich lese, ist ein neues Album, es wäre das siebte, angekündigt. Das war mir so nicht bekannt und ich bin mir auch nicht sicher, ob es im Konzert thematisiert wurde.
John McCrea und Vince DiFiore sind die Kernmitglieder von Cake. Sie sind seit der Bandgründung dabei. Ansonsten variiert das Personal, im Laufe der Jahre spielten 12 weitere Musiker bei Cake. In Antwerpen stehen neben den beiden genannten noch Todd Roper, Xan McCurdy und Daniel McCallum auf der Bühne. Ehrlich gesagt habe ich längere Zeit keine Cake Musik mehr gehört. Was, wie ich an diesem Abend merke, sehr schade ist. Denn die Skurrilität der Sounds – meist sehr spröde und anstrengend zum Zuhören – und die oft sehr lakonischen Texte sind schon toll und in gewisser Art und Weise einzigartig. Ich merke aber auch, dass ich die alten Hits wie „Never there“, „Short skirt/long jacket“, „The distance“ oder „Perhaps, Perhaps, Perhaps“ noch sehr gut im Ohr habe. Von ihrem famosen Gloria Gaynor Cover „I will survive“ mal ganz zu schweigen, aber das kennt ja jeder. Zumindest im Original. Die Songs stammen alle von Fashion Nugget und sind über die letzten 30 Jahre wirklich gut gealtert.
Das Konzert ist in zwei Teile unterteilt, oder, wenn man die drei Songs umfassende Zugabe hinzunimmt, in drei kleine Sets gegliedert. Eine Vorband gibt es nicht. Um halb acht öffnet der Saal, um kurz nach 20 Uhr startet das Konzert. So ist es optimal: kurze Wartezeiten vor der Bühne finde ich enorm altersgerecht und angenehm zu ertragen. Denn nicht nur ich bin an diesem Abend alt. Die größten Teil des Publikums durchlebte seine Jugend in den 1990er Jahren.
An evening with Cake (so nennt sich Sause) beginnt mit Vince Di Colas „War (Theme From Rocky IV)“. Ein Intro, was eher einem Prolog gleicht, denn die fünfminütige Spielzeit wird komplett ausgeschöpft und die Band kommt nicht zu dem Song, sondern erst nach dem Song auf die Bühne. Also kein triumphaler Einmarsch a la Rocky Balboa, obwohl, triumphal empfangen werden Cake sehr wohl. Es ist so diese lang-nicht-mehr-gesehen Freude, die sich Saal breitmacht. Und Cake genießen das sichtlich. Dieser sehr launige Beginn steht dann auch symptomatisch für den gesamten Abend. Cake oder besser gesagt Sänger John McCrea, der sich als großer Entertainer entpuppt, sind sehr unterhaltsam und musikalisch top. Es gibt launige Ansagen, einige song-a-long Momente („Sick of you“, „Mr. Mastodon Farm“) und zwischendurch auch etwas Musik. Die läuft meistens im Midtempo wie bei “Frank Sinatra“ oder dem Osvaldo Farrés Cover „Perhaps, Perhaps, Perhaps“. Acht Songs bilden den ersten Block, bevor es in eine halbstündige Pause geht.
Aus Erzählungen vorangegangener Konzerte wusste ich, dass in dieser Pause ein Baum verlost wird. Äh, einen Baum? Ja, das Cake Give-away der aktuellen Tour ist ein Obstbaum, den der zukünftige Besitzer dann ins einen Garten pflanzen muss. (Bedingung!). Dies muss dann mit einem Foto belegt werden und anschließend wird der Baum in die Cake Online Baumdatenbank eingepflegt. Kein Scherz. So wird dann der Cake Forest, wie John McCrea es nennt, monitort. In Antwerpen wurde allerdings die falsche Baumsorte angeliefert – nicht heimisch, kein Obstbaum -, so dass die Band sich entschied, die Verlosung nicht durchzuführen.
Nach der Pause wechselt John McCreas Getränk von dampfendem Tee hin zu Bier. Ah ha, so schlimm kann es dann mit der Erkältung nicht mehr sein, die Cake zur Absage ihres Konzertes in Luxemburg Tage zuvor zwangen. Teil zwei beginnt mit „I bombed Korea“, gefolgt von „Billionaire in Space“. Das ist die erste Single aus dem lang erwarteten neuen Album. Und es kommen auch die großen Hits „Never there“ und „I will survive“. Es sind nochmal acht Songs, die Cake präsentieren. Aber gefühlt und real vergeht der zweite Teil schneller, auch weil die längeren Ansagen und sing-a-long Momente fehlen.
Als Zugabe liefern Cake noch drei Songs: die Beziehungshymne „Short skirt/Long jacket“, eine irre Coverversion von Black Sabbath „War Pigs“ von und den Song, der noch fehlte: „The distance“. Punkt. Ende. Aus. Was für ein tolles, unterhaltsames Konzert!
Setlist:
01: Frank Sinatra
02: Sheep go to heaven
03: Mr. Mastodon Farm
04: Long time
05: Perhaps, Perhaps, Perhaps
06: Mexico
07: Rock ’n‘ Roll lifestyle
08: Sick of you
09: I bombed Korea
10: Billionaire in space
11: Love you madly
12: Stickshifts and safetybelts
13: Walk on by
14: Meanwhile, Rick James…
15: Never there
16: I will survive
Zugabe:
17: Short skirt/Long jacket
18: War Pigs
19: The distance
Kontextkonzert:
Cake – Rolling Stone Weekender Weissenhäuser Strand, 12.11.2011