Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Andrew Collberg

Ben Kweller - Köln, 26.05.2026

Die beiden Ben Kweller Alben On my way (2004) und Ben Kweller (2006) besitze ich. Aus meiner Erinnerung glaube ich, ich habe sie seinerzeit irrtümlich gekauft. Hartnäckig hält sich in meiner Erinnerung der Gedanke, dass ich seinerzeit Ben Kweller mit Ben Lee verwechselt habe und ich in einer Art CD-Kaufrausch einfach danebengegriffen habe. „Cigarettes will kill you“ und „Nothing much happens“ fand ich seinerzeit großartig und ich suchte nach weiteren Platten. Es gab damals aber auch einige Bens, denn auch Ben Folds Rockin‘ the Suburbs erschien in diesen Jahren und ließ mich zu einem Fan von dem Mann am Klavier werden. Lustig: Jahre später entdeckte ich zufällig die The Bens EP, eine einmalige Zusammenarbeit der drei Bens. Ich muss die EP mal wieder hören…

Kweller described how the trio formed, „Well actually our fans noticed that we all had the same first name and had said for a long time wouldn’t it be great if we all played together. So we thought, maybe we should do that. It would be fun and we were all friends going into it. It was just a cool spontaneous thing, you know.“

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Bereut hatte ich den Fehlgriff nicht. „On my way“, „Hospital bed“, „I need you back“ entpuppten sich schnell als Hits und wurden Lieblingslieder. Sein letztes Konzert in Köln, 2008 im Luxor im Dezember, hatte ich jedoch verpasst. Aus Lustlosigkeit, wie ich nachgelesen habe. (Interessanterweise schrieb ich vor 20 Jahren auch über Konzerte, die ich trotz Tickets nicht besucht habe. Das habe ich mir im Laufe der Zeit abgewöhnt, eigentlich schade, eine Aufzählung an Lustlosigkeiten und Trägheit wäre ich im Nachgang bestimmt spaßig zu lesen). Ich schrieb:

Als ich aber abends in der Wohnung saß, der Nebel draußen immer mehr waberte und die nasse Kälte an den Fensterscheiben pappte wie kalter Reis am Kochtopfboden, da wollte ich nicht mehr. Nicht mehr raus zum Bahnhof laufen, nicht mehr nachts auf den Zug warten müssen. Da wollte ich lieber CSI und Criminal Intent gucken. Und so verstrichen die Minuten des hin und hers, bis es letztendlich so spät war, dass ich den Zug nicht mehr erreicht hätte. Und da habe ich mich ein bisschen über mich selbst geärgert…

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Das sollte mir 2026 nicht passieren. Neblig ist es an diesem Abend nicht, kalt auch nicht. Also gibt es keine Gründe, nicht ins Gebäude 9 zu fahren, um endlich Ben Kweller live zu sehen. Okay, es sind draußen über 30 Grad und die Hitze macht mich etwas müde, aber das lasse ich an diesem Tag als Ausrede nicht gelten.
Andere vielleicht schon. Das Gebäude 9 ist leer, sehr leer. Als Andrew Collberg und Bandkollegen die Bühne betreten, ist der Saal gerade mal im vorderen Drittel befüllt. Im Laufe des Abends ändert sich das etwas, aber mehr als halbvoll wird das Gebäude 9 nicht. Ich hatte vorher keine Ahnung und konnte es null einschätzen, wie viele Leute ein Ben Kweller Konzert interessiert. Andererseits, einige Standorte der Tour melden bereits ein ausverkauft. Nun, in Köln erinnert man sich scheinbar nicht so stark an Ben Kweller. Ein bisschen verständlich ist das, immerhin lag seine Hochphase mit vier Albenveröffentlichungen in den 2010er Jahren, bevor 2021 eine fast zehnjährige musikalische Veröffentlichungspause endete. Cover the mirrors, seine aktuelle Scheibe, erschien im letzten Herbst. Und die ist gut! Im Vorfeld des Konzerts hatte ich mir ein paar Sachen angehört.

Andrew Collberg ist bis zu diesem Abend mein meistgesehener Musiker des Jahres. Bereits im Vorprogramm zu dEUS im Bürgerhaus Stollwerck vor einigen Wochen liefen er und seine Bandkollegen mir über den Weg. ‘Damals fand’ ich seinen Auftritt besser’, denke ich so, nachdem ich mir das Konzert ein paar Minuten angeschaut habe. Im Bürgerhaus klang es doch yachtrockiger und weniger singersongwriter-haft. Oder? Vielleicht vertue ich mich aber auch.

‘Any wishes, requests?’ fragt Ben Kweller in die Runde und einer ruft laut „On my way“. Okay, das wird gespielt. Und was für ein Zufall, dass genau dieser Song als nächster Song auf der Setlist aufgeführt ist. Sekundenbruchteile lang wittern wir schmunzelnd ein abgekartetes Spiel zwischen Zuschauer und Künstler. „On my way“ ist einer der größeren Ben Kweller Hits, er endet in einem allgemeinen sing-a-long… wunderschön.

Da Köln der Tourauftakt ist, fehlt eine Referenz bezüglich der Setlist. Keine Chance, vor dem Konzert an Informationen heranzukommen. Komisch, früher war das überhaupt keinen Gedanken wert, mittlerweile bin ich schon fast etwas enttäuscht, wenn ich nachmittags vor einem Konzert nicht wenigstens kurz einen Blick auf die Setlisten der vorherigen Konzerte werfen kann.
Der erste Blick auf die ausgelegten Setlisten erzeugt Irritationen. Mhh, 11 Zeilen, also 11 Songs, also ein kurzes Konzert. Der Blocksatz der Zeilen sorgt dabei für das größte Stirnrunzeln. Warum sieht das so merkwürdig aus? Ist der Setlistenschreiber nicht gut in Word? Erst als vor uns ein weiterer Zettel ausgelegt wird, kommen die Antworten. Ach so, eine zweispaltige Setlist. Jetzt ergibt es Sinn. Von wegen 11 Songs. Es sind dann doch 19 Songs und eine Konzertdauer von gut 80 Minuten. ‘Ich möchte lösen’ (Markus Lanz Zitat): Die einzelnen Unterteilungen auf dem Zettel stehen für die Art der Ben Kweller Performance: akustische Gitarre bzw. Keyboard spielend oder mit E-Gitarre. Das Konzert ist also in musikalische Blöcke unterteilt. Denn auch das war mir vorher nicht so ganz klar: wie wird das Ben Kweller Konzert aussehen? Kommt Ben Kweller mit Band oder wird es ein Akustik-Singersongwriterabend?
Nun, er kommt mit Band, ab dem dritten Song sind am Schlagzeug Ryan Dean, am Bass Christopher Mintz-Plasse und an der Gitarre/Keyboard Jim Campo mit auf der Bühne dabei.

„On my way“ läutet den zweiten Akustikgitarrenpart des Abends ein. Der erste Part besteht aus den ersten drei Songs. Mit „On my way“ ist auch ungefähr die Hälfte des Konzerts um und ich bin sehr überrascht darüber, wie toll der Abend bisher läuft. Einige Songs – obwohl ewig nicht gehört – erkenne ich direkt wieder und zu dem schon oft erwähntem „On my way“ fallen mir sogar einzelne Textsequenzen ein.
Sieben Songs vom aktuellen Album stehen auf der Setlist. Schön aufgeteilt in die Akustik- und E-Gitarren Parts. ‘Unfortunately The Flaming Lips couldn’t be here’ moderiert Ben Kweller “Killer bee” an, den ersten neuen Song an diesem Abend. „Killer bee“ entstand in Zusammenarbeit mit den Flaming Lips, daher die Ansage. Es ist nicht die einzige Zusammenarbeit auf Covers the mirrors, die später gespielten „Oh Dorian“ mit MJ Lenderman und „Dollar store“ mit Waxahatchee sind weitere Songs. Natürlich sind weder MJ Lenderman noch Katie Crutchfield in Köln. Mir reicht auch die Ben Kweller Band. Wenn alle vier richtig loslegen, dann wird es sehr schön indierockig und laut. Den Indierockblock mit „Starz“, „Tylenol“, „Commerce,TX“ und „Optimystic“ reißen sie in kürzester Zeit herunter. Keine 10 Minuten brauchen sie für die vier Songs. „Optimystic“ klingt dabei sehr stark nach Weezer. Vor „Penny on the train track“, das diesen Block komplettiert, gönnen sie sich jedoch eine kleine Durchschnauf- und Applauspause. „Penny on the train track“ bildet auch den Abschluss des Konzerts. Wow, was für ein gnadenloses Kontrastprogramm zu den Singer-Songwritersongs Minuten davor.

Zur Zugabe kommt Ben Kweller erst alleine auf die Bühne und spielt „Words“ am Keyboard, bevor die letzten beiden Songs nochmal rockig im Bandkonstrukt vorgetragen werden. „Waste & ready“, den vermeintlich größten Hit von Ben Kweller, spielen sie zum Abschluss des Konzerts. Es ist nicht der beste Song des Abends.

Ui, das hat Spaß gemacht und war gar nicht so anstrengend wie gedacht. Denn ehrlicherweise hatte ich an diesem warmen Abend eher wenig Lust auf einen Konzertbesuch. Gut, dass ich mir gegenüber nicht klein beigegeben habe. Ein schönes Indierockkonzert war das!

Setlist:
01: Thirteen
02: Falling
03: Full circle
04: Family tree
05: Make it up
06: Killer bee
07: Trapped
08: Sundress
09: On my way
10: Park harvey fire drill
11: Oh Dorian
12: Starz
13: Tylenol
14: Commerce, TX
15: Optimystic
16: Penny on the train track
Zugabe:
17: In other words
18: Dollar Store
19: Wasted & ready

Kontextkonzerte:
Ben Kweller – Köln, 15.12.2008 / Luxor

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