| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Gloria, Köln
Vorband: Pascal Finkenauer

Motorama. Vorgestern habe ich die russische Band endgültig für mich entdeckt. Nachdem ich schon in den Wochen davor von mehreren Leuten gutes über das Rostower gehört und gelesen hatte, habe ich mir endlich selbst ein Urteil gebildet und mir ihr 2010er Album „Alps“ in voller Länge angehört. (kostenfreier Download auf ihrer Homepage). Was soll ich sagen: toll!
Aber was haben Motorama mit Paul Banks zu tun?
Nun, Motorama klingen wie Interpol in den Momenten, in denen sie nach Joy Division klingen. Und Paul Banks ist / war der Sänger von Interpol, (musste ich das erwähnen, wohl nicht). Fertig ist das Beziehungsgeflecht und ich verspürte nach erneuter Nachfrage, wie es denn nun um meinen Gemütszustand bestellt sei hinsichtlich des Banks-Konzertes im Kölner Gloria, wieder große Lust und Neugierde.
Paul Banks veröffentlicht seit einigen Jahren Soloalben, „Banks“ ist sein zweites innerhalb der vergangenen drei Jahre. „Julian Plenti is… Skyscraper“ veröffentlichte er noch unter dem Namen Julian Plenti (dazwischen liegt die EP Julian Plenti Lives…) und es war noch der große Interpolschatten, der ihn bei seinem ersten Kölner Solokonzert in der Kulturkirche „als Sänger von Interpol“ ankündigen ließ. Nun lagen sowohl das Debütalbum als auch die letzte Interpol Scheibe länger zurück und es überraschte mich nicht wirklich, dass das Gloria nicht sonderlich voll war. gerade einmal „gut besucht“, würde ich schätzen.
Julian Plenti. Gott sei Dank viel mir der Name im Laufe des gestrigen Nachmittags noch ein. Ich hatte ernsthaft Mühe, mich daran zu erinnern und ich wollte doch nach langer Zeit wenigstens auf der Hinfahrt in seine Platte reinhören. Ein wenig Konzertvorbereitung sollte schon sein. „Only if you run“, „Fun that we have“ sind Riesenhits, mein Gott, wie konnte ich sie nur so vergessen. Und wie konnte ich vergessen, wie toll dieses Album ist. Im Auto riefen gerade die ersten Songs Interpol-flashbacks hervor.
Zwei Stunden später im Gloria allerdings nicht mehr. Live spielte die Banks-Band beide Stücke langsamer und rumpeliger als auf Platte. Das war schade, denn so fehlte den Stücken etwas der Schmiss und leider sollte sich das auch das gesamte Konzert über nicht ändern. Vielen Songs tat dies meiner Meinung nach nicht gut, was wiederum meine Begleitung ganz und gar anders sah. Hach wie schön, dass Musik so unterschiedlich aufgenommen werden kann. „Only if you run“ und „Fun that we have“ kamen in er ersten halben Stunde und ich fragte mich, ob ich damit schon die Höhepunkte des Konzertes hinter mir hatte.
Die Stücke vom neuen Album kannte ich nicht. Ich durfte mich also die nächsten 40 Minuten überraschen lassen, was da noch so kommen möge. „Sie könnten jetzt mal einen Hit spielen.“ sagte ich nach einer guten dreiviertel Stunde und bekam ein zustimmendes Kopfnicken. Doch leider scheint das aktuelle Album keine Hits zu haben, ich zumindest entdeckte im Konzert keinen Spontan-Hit, und mit der Erwartung alte Interpol Sachen zu hören, war ich nicht ins Gloria gekommen.
Darüber waren wir uns vorher einig, „Stella was a diver…“ (mein Allzeit Interpolfavorit) oder andere Songs aus besseren Tagen wird Paul Banks nicht spielen. Das hat er schon in der Kulturkirche nicht getan, als er sein dünnes Solomaterial mit anderen Coverversionen aufhübschte. Oh nein, die Interpol Kiste wird nicht geöffnet.
So kamen noch einige „.. is skyscraper“ Sachen, die für kleine aha Momente sorgten. Das neue Album bekommt gute Rezensionen und ist sicherlich nicht so eindimensional, wie es sich gestern Abend phasenweise anfühlte aber ehrlich gesagt war ich nicht sonderlich traurig, als die vier Musiker nach guten 70 Minuten die Bühne verließen. In der Zugabe kam dann das, was ich den ganzen Abend über vermisst hatte. „Games for days“ spielten sie laut und rasant und mit lärmenden Gitarren. So, wie ich es mir vorher bei dem ein oder anderen Song gewünscht hätte.
„Zu Revoluzzer-Gesang darf man keine Soli spielen.“ Noch ein Abendzitat und ein gutes Fazit über die Vorband. Pascal Finkenauer beschallte uns eine gute halbe Stunde lang und wir fragten uns andauernd, in welcher Band er früher gesungen hat. Das er dies tat, da waren wir uns irgendwie sicher.
Seinen Auftritt zerredeten wir jedoch mehr als wir ihm zuschauten. Wenn man sich länger nicht gesehen hat und die Musik einen nach drei Songs nicht wirklich überzeugt, kann das manchmal eine verdammt unglückliche Konstellation sein.

Was vom Tage übrig blieb war ein gutes und solides Konzert von Paul Julian Plenti Banks.

Kontextkonzerte:
Julian Plenti – Köln, 08.12.2009
Interpol – Dortmund, 22.11.2010

Multimedia:
flickr-Fotos

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."