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Ort: Muziekgieterij, Maastricht
Vorband: The Whims of the Great Magnet

Es ist ein Kreuz mit mir und diesem Maastricht. Bisher habe ich mich jedes Mal verfahren, wenn ich mich auf den Weg in die Muziekgieterij gemacht habe. An diesem Samstag hatte ich mir fest vorgenommen, gegen die Straßenführung der Stadt zu gewinnen und ohne Stadtrundfahrt an der Boschstraat anzukommen. Das ohne Stadtrundfahrt ist mir gelungen, aber dummerweise anders als geplant: Denn stattdessen sah ich mich urplötzlich in Belgien wieder. Wie konnte das passieren? Nun, ich hatte mich ein wenig im Wirrwarr der Baustellenführung rund um die Nordbrücke verfranzte. Uii, nach Belgien wollte ich doch erst am folgenden Tag. Ein bisschen drehen und wenden und hin und her und schnell war der faux pas wettgemacht und die Muziekgieterij geriet in mein Blickfeld. Immerhin – ich verbuche das als Erfolg – bin ich nicht wieder durch den neuen Autobahntunnel bis nach Maastricht Süd gefahren.

Die Muziekgieterij ist nicht voll, als ich dort ankam. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig, bevor alle Kekse weg sind. Sander Haagmans, der als opening act ein paar Songs spielte, hatte sie mitgebracht. Der Singer Songwriter loopte sich schön durch seine Songs. Neben den Keksen hatte er einen Flachmann und 5-bis 10 Freunde mitgebracht, die zu diesem Zeitpunkt ca. ein Drittel des Publikums ausmachten. Als etwas verspätet noch ein weiterer Kumpel auftauchte und laut aufs herzlichste begrüßt wurde, war der The Whims of the Great Magnet Fanclub in der Überzahl. Ja, es war ein entspanntes Kommen und Gehen, und wären des Sets gingen viele nochmal kurz raus. Mir gefiel das Set, ich hatte keine Lust, nochmal kurz rauszugehen. The Whims of the Great Magnet waren früher mal eine Band, wie ich auf Facebook lese. Mittlerweile ist es nur noch das Soloprojekt von Sander Haagmans, einem jungen Kerl aus Gronsveld. Sein Akustik Lo-Fi Indie hatte Charme. Sorgsam und nicht verschwenderisch setzte er die Loopmaschine und den Voice Rekorder ein. Immer gerade so viel, dass die technischen Hilfsmittel die Melodien unterstützen, sie aber nicht zerstören. Nach einer knappen dreiviertel Stunde waren zwar noch Kekse auf dem Teller, das kleine Konzert aber vorbei. Es hat Spaß gemacht.

Michael Nau, kennt den überhaupt jemand? Ich frage für einen Freund.
Mir lief der Sänger, der aussieht wie eine Mischung aus John Grant, Doug Martsch und Truckerfahrer im mittleren Westen, vor einigen Wochen über den Weg. Also musikalisch, nicht persönlich. Zufällig hörte ich einen Song von ihm. An den Titel erinnere ich mich nicht, jedoch an diese feine Plinkergitarre, die ich auch von den Ducktails kenne. Die klang toll und so las ich mich etwas in die Thematik ein. Michael Nau ist der neue große Underdog der Singersongwriter Szene, steht da geschrieben. Trotz drei veröffentlichter Alben voller Hits will ihn niemand kennenlernen. Mowing (2016) und Some Twist (2017), dazwischen noch eine EP und jetzt Michael Nau & The Mighty Thread. Das Gesamtwerk des Musikers aus Maryland ist noch nicht zu groß, um es sich nicht in endlicher Zeit erschließen zu können. Ich werde dies alsbald tun, denn das Konzert hat mir gezeigt, dass es die Sache lohnt. Nicht nur „Funny in real life“ oder „Less than positive“ sind feine Popsongs. The mighty thread, die Band an seiner Seite, schüttelt eine schöne Melodie nach der nächsten aus dem Ärmel. Neben dem Bassisten Will Brown, den ich verdammt nochmal von irgendwo her kenne – Google weiß aufgrund des Allerweltsnamens aber keine Antwort -, spielen Gitarrist Benny Yurco und Schlagzeuger Graeme Gibson. Erst auf Zuruf rückt Michael Nau mit den Namen raus.

„Ahh yeah, the band.“

Ha ha! Das Reden ist scheinbar nicht so ganz Seins. Auch sonst ist er wortkarg. Ein sympathischer Kerl!

Die Band spielt akkurat und vortrefflich. Wie gesagt, ich mag Benny Yurcos Plinkergitarre, sie erinnert mich an Josh Rouse Songs und an die Ducktails. Aber Michael Nau kann auch Country, oder, das klingt nicht so fies, Americana und Folk. Ab und an kommt mir auch Evan Dando in den Sinn, allerdings nur dunstig am Horizont.
30 Mann, mehr interessieren sich nicht für den Musiker und seine Band. Und einige sind auch noch abgelenkt. Die Clique um den opening act unterhält sich hörbar und auch von der Bar klingt es ab und hörbar herüber. Es sind Lacher im falschen Augenblick, die das Konzert pieken. Der Hintergrundgeräuschpegel ist da im kleinen Nebenraum, in dem das Konzert stattfindet. Der eigentliche Konzertsaal der Muziekgieterij bleibt heute geschlossen. Die Band stört das nur in einem einzigen Augenblick: Es ist während eines ruhigen Solostück, das aber zum Glück schnell so wunderbar wird, dass auch die Lautesten verstummen. Sicher entwickelt man eine gewisse Lärmresistenz, wenn man tagtäglich durch Kleinstklubs und Spelunken tourt.

Gute 75 Minuten spielt die Band. Für schlappe 11 Euro Eintritt kann ich nicht mehr verlangen. Im Gegenteil, ich hatte einen kürzeren Zeitplan im Sinn. So ist es noch nicht allzu spät, als ich die Muziekgieterij verlasse und noch ein wenig am Binnengewässer entlanglaufe. Es ist schön hier in Maastricht, es war schön, das Konzert besucht zu haben.

„Better stay at home“ die ersten Textzeilen von The Whims of the Great Magnet, die ich an diesem Abend in der Muziekgieterij gehört habe, hatte ich Gott sei Dank nicht beherzigt. Ich hätte einen tollen und schönen Abend verpasst.

Kontextkonzerte:

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."