Ort: Stadtgarten, Köln
Vorband: MOONRIIVR

The Rural Alberta Advantage sind eine dieser Bands, die live vom ersten Ton an mitreißen. Das Folk-Rock-Trio aus Toronto – bestehend aus Nils Edenloff, Amy Cole und Paul Banwatt – verbindet rohe Energie mit berührenden Melodien und erzählt dabei Geschichten von Sehnsucht, Verlust und der Suche nach Zugehörigkeit.
So schreibt der Stadtgarten auf seiner Programmseite über das Konzert von The Rural Alberta Advantage. Und damit versprechen sie nicht zu viel. Genau so habe ich es auch empfunden. Mitreißend, Freude verbreiten, begeisternd, oder: einfach wunderschön.
The Rural Alberta Advantage sind für mich eine reine Liveband. CDs besitze ich keine, und als ich das nach dem Konzert nachholen möchte, um mir wenigstens ihr Smash Album Hometown zuzulegen, ist das Erste, was mir Amazon bei der Suche nach The rural Alberta advantage vorschlägt, ein Buch: The Rural Alberta Advantage for Investor Immigrants: A guidebook about Alberta Immigration and the historical opportunity to own real estate property, … prosper in rural. Platten der Band The Rural Alberta Advantage folgen erst nach ein paar Mausrad scrolls weiter unten. Okay. Hometown ist das Debütalbum der Kanadier*innen und vielleicht ihr indiepoppigstes Album. Zumindest ist ein guter Start in eine vielleicht folgende Sammlung an The Rural Alberta Advantage Platten. „Edmintion“, „Frank, AB“, „Don’t haunt this place“ und „The Dethbridge in Lethbridge“ sind auf dem Album zu finden. Live alles Hits, auf Platte sicherlich auch. Ich habe die CD noch nicht gehört, kann das also noch nicht beurteilen.
Vor genau einem Jahr sah ich die Band im Artheater. Das war ein feines Konzert, das mich irgendwie völlig auf dem falschen Bein erwischt hat und das dafür verantwortlich ist, dass ich The Rural Alberta Advantage live unbedingt bei Gelegenheit nochmal sehen wollte. Vor einem Jahr bin ich zufällig in ihr Konzert geraten, ich gewann irgendwo im Internet Tickets. beim Durchhören einiger Songs dachte ich noch, ‘oh, schöner Indiepop’. am Abend selbst war ich dann etwas überrascht, denn ihre ersten zwei, drei Songs klangen eher nach Folk anstatt nach Indiepop. Doch das relativierte sich während des Konzertes jedoch. Und nun kommt diese Gelegenheit früher als gedacht.
Im Vorfeld war mir nicht so ganz klar, was The Rural Alberta Advantage schon wieder nach Europa verschlägt und was sie auf ihrer Tour spielen werden. Ein neues Album ist seit dem letzten Jahr nicht erschienen. Und auch das Internet wusste nichts über neue Musik zu berichten. Und eine Jubiläumstour stand auch nicht an, zumindest deutete nichts darauf hin, dass irgendein Album in irgendeiner Art und Weise zelebriert wird. Nun gut. Im Laufe des Abends erfahre ich dann, dass für das nächste Jahr ein neues Album geplant sei, mit „Falling Apart“ steht dieser auch auf der Setlist.
Folgt man der Band auf Instagram, so weiß man, dass sie ein Faible für Weihnachtsmarktbesuche und Glühweintassen haben. In jedem ihrer Konzertorte besuchten die drei einen Weihnachtsmarkt und kauften die dazugehörige Glühwein-/Weihnachtsmarkttasse. So muss es The Rural Alberta Advantage zum Abschluss ihrer Tour – das Kölner Konzert ist das letzte der Tour – wie ein Geschenk vorkommen, dass das Kölner Venue der Stadtgarten ist. Bekanntermaßen ist direkt neben dem Stadtgarten, oder um den Stadtgarten drumherum, der vielleicht schönste Weihnachtsmarkt Kölns angesiedelt. Auf der Bühne wird das natürlich gleich thematisiert, und wir sehen eine glückliche und zufriedene Band, die sichtlich Spaß an ihrem aktuellen Tourleben zu haben scheint.
Das Konzert vor einem Jahr im Artheater war verdammt gut besucht, vielleicht sogar knapp am ausverkauft. An diesem Abend ist deutlich mehr Luft zwischen den Reihen. Ich merke allerdings an, dass der Saal im Stadtgarten ein bisschen größer ist als das Artheater. Ihre Fanbase, so würde ich mal sagen, ist in den letzten 12 Monaten stabil geblieben, vielleicht hat sie sich ein bisschen vergrößert. Der ganz große Wurf ist den Kanadiern in Europa noch nicht geglückt. In Kanada, so interpretiere ich Internetberichte, spielen sie in einer deutlich höheren Liga. Vielleicht ändert sich das bei uns ja mit dem nächsten Album, ich würde es den Dreien gönnen.
MOONRIIVR eröffnen den Abend. Ich bin nicht ganz pünktlich, bekomme noch die letzten drei Songs des Duos James Robertson und Gavin Gardiner mit. Ein Song ist ein Weihnachtsliedcover und ich denke noch, ‘gut, dass ich nicht früher im Stadtgarten war’. Den abgesehen vom Cover gefielen mir auch die anderen beiden folklastigen und auf Akustikgitarren gespielten Songs eher so lala. Dass die beiden Musiker mit The Rural Alberta Advantage verbunden sind, zeigt sich jedoch daran, dass zum letzten Song Paul Banwatt auf die Bühne kommt und am Schlagzeug begleitet. Auch erfahre ich, dass Sänger Gavin Gardiner das im nächsten Jahr erscheinende Album von The Rural Alberta Advantage produziert hat. So ist es wenig verwunderlich, dass die beiden im Laufe des Abends noch einmal auf der Bühne erscheinen (Spoiler).
Ein Konzert der The Rural Alberta Advantage macht einfach unendlich viel Spaß. Erwähnte ich das schon?! Auch im Stadtgarten ist vom zweiten Song an, der erste fällt noch in die Rubrik Warmmachen, Stimmung im Saal. Die eingänglichen und catchy Melodien der Songs vom Album Hometowns sorgen für ein wohliges Gefühl. Es fällt erneut nicht schwer, direkt im Konzert zu sein. Magst du – wie ich – zum Beispiel die Weakerthans oder Death Cab for Cutie, magst du auch The Rural Alberta Advantage. Der Duettgesang von Nils Edenloff und Amy Cole klingt bezaubernd, die Keyboards einigermaßen poppig. “Don’t haunt this place” ist ein Paradebeispiel für diese Beschreibung. Dazwischen kommt aber auch manchmal etwas mehr Folk ins Spiel. Dann singt Nils Edenloff und seine Musikerkollegin steht entweder am Bühnenrand oder unterstützt mit einer Rassel oder ähnlichem. Dadurch wird das Konzert abwechslungsreich, uninteressant ist es nie.
Viele ihrer Songs haben einen Geobezug, wie man bei uns im Büro sagen würde. Sie handeln von Städten oder Orten in der Provinz Alberta. „Frank, AB“, „Vulcan, AB“, „Edmonton“. Tja, was für die Weakerthans Winnipeg, ist für The Rural Alberta Advantage eben Alberta. Zu „Brother“ kommen MOONRIIVR nochmal zurück. Sie bleiben bis zum letzten Song, bevor sich alle fünf von der Bühne verabschieden. Es folgen noch drei Zugaben (darunter das sehnlichst erwartete „The Dethbridge in Lethbridge“). Ist das Konzert damit vorbei? Nein, denn einen allerletzten Song spielen sie im Publikum, stehend und ohne jegliche technische Unterstützung. „Good night“ ist nicht nur ein Rausschmeissersong, es ist das Ende eines sehr schönen Konzertes. Es war mal wieder ein famoser Abend mit den The Rural Alberta Advantage, ich kann nur jedem empfehlen, sich die drei live anzusehen. Die Band macht unheimlich viel Spaß. Ich hoffe, all die Weihnachtsmarkttassen schaffen es unfallfrei über den großen Teich.
Setlist:
01: Beacon Hill
02: Muscle Relaxants
03: Tornado ’87
04: Vulcan, AB
05: 3 Sisters
06: CANDU
07: Barnes‘ Yard
08: Don’t haunt this place
09: Bad Luck again
10: Falling apart
11: Drain the blood
12: Stamp
13: The cold side of holding on
14: Don’t wake up
15: White lights
16: Plague dogs
17: Edmonton
18: Frank, AB
19: Brother
20: Terrified
Zugabe 1:
21: In the summertime
22: Alright
23: The Dethbridge in Lethbridge
Zugabe 2:
24 Good night
Kontextkonzerte:
The Rural Alberta Advantage – Köln, 10.12.2023 / Artheater