Ort: Schauspielhaus, Bochum
Vorfilm: Zidane: a 21st Century Portrait

Mogwai - Bochum, 30.06.2009

Eine Bekannte bemerkte neulich, sie könne sich kaum was Langweiligeres vorstellen als einen Film zu schauen, der 90 Minuten lang die Bewegungsabläufe eines Fußballers während eines Fußballspiels dokumentiert. Und sei dies nicht schon genug, sich anschließend auch noch die schottische Band Mogwai live zu anzusehen. Das sei ja wohl die Krönung von Langeweile. (Ich muss ergänzen, dass sie Mogwai nicht ganz so doll findet.)
Da gehen doch nur Jungs hin, war ihr kopfschüttelndes Schlusswort.
Na ja.
Ich möchte aber entgegnen, dass es sich bei dem Fußballer nicht um irgendeinen Kicker handelt, sondern um das schwitzende Genie und aktuell weltbesten Mittelfeldspieler Zinedine Zidane (genau, der mit dem unrühmlichen Abgang im WM Finale 2006), und das Mogwai hochspannende Musik machen.
Im Rahmen des Theaterfestivals Bochum schafft es das Schauspielhaus, die Band zu einem Konzert im Anschluß an die Vorführung des Films Zidane: a 21st Century Portrait zu ermutigen. Es ist bekannt denke ich, dass Mogwai den herausragenden Soundtrack geliefert zu dieser Dokumentation geliefert haben.

Durch diverse Staus auf diversen Autobahnen komme ich zum ersten Gong auf dem Vorplatz des Schauspielhauses an. Von wegen nur Jungs, ich habe definitiv mehr als 10 Mädchen ausmachen können. Tendenziell glaube ich zwar auch, dass Mogwai eher eine Jungs- als Mädchenband ist, aber heute ist davon nicht allzu viel zu merken. Auch der Fußballfilm scheint sie nicht abzuschrecken, wenn ich mal unterstellen darf, dass Mädchen weniger mit dieser Ballsportart anfangen können als Jungs. Pauschalurteile, ich weiß. Ich bitte um Entschukldigung.

Also, erst Herr Zidane, dann Mogwai. Von der Platzanweiserin erfahre ich, dass Mogwai nach einer halbstündigen Aufbaupause ein volles Konzert spielen werden. Oh ha. Ich hatte gedacht, dass sie höchstens eine Stunde Musik machen, mehr als Ergänzung zum Film und nicht ein komplettes Konzert spielen. Aber da habe ich die Rechnung ohne die Schotten gemacht.
Während der Film läuft, saßen die fünf Glasgower noch beim Barbecue, wie Stuart Braithwaite später erzählt. Was vielleicht eine Vielzahl der Besucher auch vorgezogen hätten. Ich hatte den Eindruck, dass Viele nicht wissen, was sie hier erwartet. Nach guten 20 Minuten liegt ein gewisses, ‚oh ist das zähh‘ in der Luft und noch vor der Halbzeit verlassen die ersten Jungs (!!) den Saal. Hätten sie sich doch vorher mal das filmische Vorbild Fussball wie noch nie angeschaut.
Zu diesem Zeitpunkt führt der FC Villarreal mit 1:0 und Zinedine Zidane läuft viel ohne Ball, hat aber keine richtige Bindung zum Spiel. Nach einer guten Stunde, gerade fiel der Ausgleich, verabschieden sich erneut einige Jungs und Mädchen aus dem Schauspielhaus.
Im Pausengespräch vor dem Mogwai Auftritt höre ich, dass viele doch sehr an der eindimensionalen 90 Minuten Dokumentation zu knabbern hatten. Kann ich verstehen, ist halt nicht Jedermanns Sache 80 Minuten einem Paar Beine beim Laufen zuzuschauen. Meine irgendwie schon.

Aber nun war es ja um, und der laute Teil des Abends kann beginnen.
Und laut war es!! Nach fünf Minuten habe ich das Verlangen, mir Taschentücher in die Ohren zu stopfen. Dabei sitze ich in der vorletzten Reihe und somit schon einige Meter von der Bühne entfernt. Mogwai starten mit „I am Jim Morrison, i‘am dead“ und „May nothing but happiness come through your door“ vom 99er Album Come on die young. Es schliessen sich weitere zehn Songs an, die alle das Prädikat herausragend verdienen. Das Set ist dem Veranstaltungsort würdig, der Rahmen passt maßgeschneidert. Gemütlich und entspannt drücken wir uns in die Theatersitze, können so der leicht drückenden Luft trotzen und uns voll auf Mogwai einlassen. Es ist wundervoll und die Zeit vergeht schnell. Mogwai reden nicht viel, abgesehen von ein paar ‚Thanks‘ und der Barbecue Danksagung an die Organisatoren. Das machen sie immer so und mir fällt es schwer, etwas über Mogwai zu schreiben.
Also lasse ich es. Es war ein toller Abend mit einer tollen Band!
Ach ja, Madrid gewinnt noch 2:1, Zinedine Zidane sieht kurz vor Schluss die rote Karte.

Setlist:
01: I’m Jim Morrison, I’m dead
02: May nothing but happiness come through your door
03: Scotland’s shame
04: Hunted by a Freak
05: Christmas steps
06: Cody
07: Friend of night
08: Autorock
09: Small children in the background
10: Thank you Space Expert
11: Helicon Pt. 1
12: Two Rights make one Wrong
Zugabe:
13: Like Herod
14: Batcat

Kontextkonzerte:
Mogwai – Essen, 11.09.2006 / Weststadthalle
Mogwai – Köln, 29.10.2008 / Live Music Hall