| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Es gibt Bands, da verwischt blinde Begeisterung jede objektive Sichtweise auf das musikalische Schaffen. Sonic Youth sind so eine Band, Oasis eine andere. Sie können tun und lassen was sie wollen, einen Kern grandioses finde ich immer.
Im Fall von Oasis, und um die geht’s hier, sind es in der Phase der schwächeren Alben „Standing on the shoulder of Giants“ and „Heathen chemistry“ mit Peinlichkeiten wie „Little James“ oder „Hindu times“ kleine all-time-favourites wie Songbird oder „She is love“. Seinerzeit musste man Befürchtungen haben, dass die große Oasis Ära vorbei ist, dass Hallen wie die Philipshalle eine Nummer zu groß sind.
Nun ja, mittlerweile sind Oasis wieder für alle gut, die Philipshalle folglich rasch ausverkauft. (Das galt für den ersten angesetzten Termin, gestern gab es wohl noch 10 Restkarten).
Auch ich hatte mir zügig eine Karte gesichert, um dann, nach der Absage des Januartermins, vor einem kleinen Dilemma zu stehen. Ausgerechnet der 4. Februar. Spielen dann nicht auch Travis? Habe ich nicht auch für die Live Music Hall eine Karte? Keine Frage, Oasis lasse ich nicht sausen. Also schnell noch die Travis Karte verkaufen. Trugschluss. Weder über lastfm, noch über Fansale wurde ich das Ticket los. Auch hanebüchene Offerten von Auge-zu-Auge (10 Euro) brachten keinen Verkaufserfolg. Selbst als ich gestern die Karte verschenken wollte, keine Chance. „Ach, alleine hab ich keine Lust“, „ich muss zum Tanzkurs“ oder „wir haben heute Spieleabend“. Nee, ist klar! Musikignoranten!
Wer Oasis zum ersten Mal live sieht, ist vielleicht enttäuscht. Der Begriff „unspektakulär“ ist für ihre Bühnenshow noch übertrieben. Es passiert nichts.
Noel Gallagher gehört die rechte Bühnenhälfte. Der ältere der Gallagher-Bros verlässt den 2 Meter Raum um sein Mikro ebenso wenig wie Gem Archer und Andy Bell ihre Plätze am linken Bühnenrand. Vor den Boxen dudeln sie ihre Parts runter, als ob sie mit dem Ganzen nur bedingt etwas zu tun haben. Einzig Liam, der alte Rocker, verspürt einen Hauch von Bewegungsdrang, er läuft zwischen Schlagzeug und Mikro hin und her. Zwischendurch immer mal wieder Lad-Posen (die erwartet man, also bekommt man sie auch), und ein bisschen Schellenkranzgefurchtel. Das muss reichen.
Es hat sich nichts geändert bei Oasis. So war es schon immer, so wird es wahrscheinlich immer bleiben.
Mehr als bei anderen Bands ist es am Publikum, für ein gutes Konzert zu sorgen. Lässt sich die Meute von der Trägheit der Band anstecken, lässt sich wiederum die Band davon anstecken und es wird ein gruseliger Abend.
Akzeptiert das Publikum das arrogant und desinteressiert wirkende Gehabe der vier und feiert fröhlich ab, wird es ein guter Abend. Und wenn dann noch eine ausgeglichene Grundstimmung bei Noel und Liam vorhanden ist, wird es ein sehr guter Abend.
Gestern schien den beiden nichts quer gekommen zu sein. Auch die kleineren Soundprobleme bei Liam, die er nach seiner ersten Rückkehr zu „Songbird“ augenscheinlich hatte, konnten ihn nicht aus der Bahn werfen. Ein durchaus gutes Zeichen. Ich habe schon erlebt, dass Liam wegen einer solchen Kleinigkeit komplett die Lust verliert, das jedem ungefragt mitteilt und der Abend gelaufen ist.
Aber gestern: zwei Gespräche nach „Songbird“ und „Slide away“ mit dem Tonmann am rechten Bühnenrand, Daumen hoch nach „Morning Glory“ und alles war in bester Ordnung.

Die Zeiten scheinen sich zu ändern.
Was sich allerdings nicht ändert, sind große Teile die Setlist. Einige Sequenzen spielen Oasis bereits seit Jahren. So gibt es den Eröffnungsdreier des gestrigen Abends schon seit der „Standing of…“ Tour. Und überhaupt scheinen Oasis für diese Tour nur eine einzige Setlist parat zu haben. Gestern war wie Berlin, Berlin wie Dresden und Dresden wie Göteborg und Oslo. Wird das nicht auf Dauer dröge, Jungs?
Irgendwo habe ich gelesen, dass Liam keinen Bock drauf hat, viele Texte bzw. Songs einzuüben, so dass man bei Auftritten lieber auf bekanntes Material zurückgreift. So gab es vom neuen Album fünf Songs, das Hauptgerüst bildeten aber Stücke der ersten beiden Alben „Definitely maybe“ und „What’s the story…“
Von den großen Brechern fehlte einzig „Live forever“. Songs der „Be here now“ und „Standing on the shoulders…“ Alben wurden gänzlich unberücksichtigt gelassen (vom „Fuckin’ in the Bushes“ Intro mal abgesehen).
Noch ein Wort zu Andy Bell. Jedes Mal, wenn ich ihn Bass spielen sehen muss ich mit einem großen Stück Wehmut an Ride denken. Was war das doch für eine großartige Band. Können die nicht mal wieder was zusammen machen? Aber das bleibt wohl ein Traum, denn zu groß scheinen die Spannungen zwischen Andy Bell und Mark Gardener zu sein. Und dann fallen mir die nicht minder schlechten Hurricane #1 ein. Was für ein Schreibertalent sich doch in der zweiten Oasis- Reihe rumtreibt. Unglaublich!

Na Jungs, es war ein perfekter Abend mit dem wahrscheinlich besten Oasiskonzert, das ich gesehen habe. Und erlebt habe ich einige in den letzten 14 Jahren.
Ach ja, und wie waren Travis? Diese Frage stelle ich mir eher, als mich mit der Vorband zu beschäftigen. Everlaunch nennt sie sich. Wer sie engagiert hat, ich weiß es nicht. Wir sind uns aber darüber einig, dass sie vollkommen fehl am Platz waren. Die Philipshalle machte auch keinen Hehl daraus, und ließ sie gnadenlos auflaufen. Naja, nach knappen 35 Endlosminuten war der Everdingens-Drops auch gelutscht.
„I need a little time to wake up, i need a little time to wake up wake up!“

Setlist:
01. Fuckin’ in the Bushes
02. Roch’n’Roll Star
03. Lyla
04. The shock of the lightning
05. Cigarettes and Alcohol
06. The meaning of soul
07. To be where there’s life
08. Waiting for the rapture
09. The Masterplan
10. Songbird
11. slide away
12. Morning Glory
13. Ain’t got nothin’
14. The importance of being idle
15. I’m outta time
16. Wonderwall
17. Supersonic
Zugabe:
18. Don’t look back in anger
19. Falling down
20. Champagne Supernova
21. I am the Walrus

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."