Ort: Trix, Antwerpen
Vorband: La Sécurité

Im September 2011 veröffentlichten The Rapture ihr drittes Studioalbum In the grace of your love. Ich erwähne dies, weil ich seinerzeit bei einem Gewinnspiel oder einem Newsletterquiz eines Plattenvertriebs ein Überraschungspaket mit 10 CDs gewonnen hatte; und In the grace of your love war eine dieser 10 CDs. Es war das erste Studioalbum von The Rapture seit fünf Jahren. „Sail Away“, „Miss you“, „Blue bird“, „In the grace of your love“, „How deep is your love“. Dieses Album hat eigentlich nur Hits und diese fünf Songs sind wahre Electro-Dance-Indie-Pop Perlen und Evergreens
Im Sommer kündigten The Rapture wie aus dem Nichtseine Reuniontour an. Nach über 12 Jahren gab es endlich wieder die Gelegenheit, The Rapture in Europa live zu sehen. Was wie ein must-see Konzert klingt, war es dann allerdings nur für uns. Die Tour wurde zu einem Rohrkrepierer. Konzerte wurden in kleinere Venues gedowngradet und bis auf die Paradiso Show in Amsterdam war keines der sechs Kontinentalkonzert ausverkauft. Auch der große Saal im TRIX ist an diesem Freitagabend vielleicht nur zu knapp zweidrittel gefüllt. Das hatten sich The Rapture sicher anders vorgestellt. Auch ich hatte mir etwas anderes vorgestellt. Ich hatte mich auf alle Hits gefreut, auf „Sail away“, auf „Miss you“, auf „Blue bird“, auf „In the grace of your love“ und „How deep is your love“. Doch meine Vorstellungen gingen nicht mit den Ideen der Band überein. Soviel wurde schnell klar, als die ersten Setlisten public wurden.
Da von der letzten Bandbesetzung mit Gabriel Andruzzi, Vito Roccoforte und Luke Jenner auf dieser Tournur Luke Jenner übrigbleibt, fehlen wichtige Mitstreiter. Und es fehlt das Saxophon, das bis dahin Gabriel Andruzzi neben einigen anderen Instrumenten spielte. Sam Bey und Conor Kenahan am Schlagzeug und am Bass/ Keyboard sind die aktuellen Tourmusiker. Sicher ist das ein Grund mit, warum der Schwerpunkt der Reuniontour auf dem Debütalbum Echoes liegt. Echoes wurde 2002 veröffentlicht und ist gitarrenlastiger als die beiden späteren The Rapture Alben. Vielleicht passt das besser zur Tourbesetzung. Sechs Songs spielen sie auf dieser Tour von Echoes, und mit „Blue bird“ und „How deep is your love“ nur zwei von In the grace of your love. Schade. Auch ist die Spielzeit mit einer Stunde doch arg übersichtlich. Als ich die Setlisten der vorherigen Konzerte sah, war ich schon etwas enttäuscht. Einerseits. Andererseits, es standen noch genug Klopfer auf den Listen. Und gilt nicht ohnehin: Qualität vor Quantität? Vor Antwerpen spielten sie Konzerte in Berlin und Paris. In Paris ereigneten sich scheinbar unschöne Szenen, weil die Unzufriedenheit über die recht kurze Spielzeit wohl nicht für alle okay war. Ein Bierbecher traf den Roadie der Band und auch sonst gab es wohl lautstarken Unmut. Luke Jenner veröffentlichte daraufhin auf Facebook folgendes Statement:

Schade, dass es solche Idioten gibt.
Es ist kalt in Antwerpen. Es wird Winter und dies ist die erste frostige Nacht. Die 20 Minuten Fußweg vom Parkplatz bis hin zum schönen Konzertort Trix sind eisig. Der Wind pfeift, die Luft ist klar. Winterjackenwetter. Nun, nachher bin ich immer schlauer.
Im großen Saal des Trix ist es zwanzig Minuten vor Konzertbeginn erschreckend leer. Gerade mal 50 Leute verlaufen sich auf den in Stufen zur Bühne hinunterlaufenden Ebenen. Hoffentlich bleibt es nicht so. Das wäre ja erschreckend peinlich und für The Rapture demotivierend. Aber der belgische Konzertgänger ist dafür bekannt, dass er erst sehr zeitig zum Konzert erscheint. Und darauf ist Verlass. Ist es bei der Vorband La Sécurité noch ziemlich leer, wird es während der Umbaupause dann gut-besucht voll. Die kanadische Band um die Sängerin Éliane Viens-Synnott spielt eine Art Dance-Punk. Sie machen das gut, wie ich finde und passen mit ihrem Sound ideal zu The Rapture. Ich kannte die Band vorher nicht, finde aber die halbe Stunde sehr unterhaltsam.
„Tonight’s the night“, der Neil Young Song als Intro läuft bis zum Ende durch. Das nimmt schon mal Zeit von der Uhr, denke ich flapsig, die einstündige Konzertdauer im Hinterkopf habend. Ja, ich fand die kurze Spielzeit auch etwas strange, hatte ich doch den Internetpost erst später entdeckt und die Schwierigkeiten für Luke Jenner erst nach dem Konzert verstanden. Es bleibt also lange dunkel, bevor die drei Musiker mit „Confrontation“ den Abend starten. ‘Waren wir schon mal hier? Spielten wir schon mal in diesem Saal?’ Luke Jenner hatte anfangs ein paar Fragen; er würde sich zwar an Konzerte in Brüssel mit den 2manyDJs erinnern, aber nicht an Konzerte in Antwerpen. ‘Frag’ nicht, google doch einfach.’ Das habe ich vor 14-15 Jahren im rahmen meines Fernstudiums öfter zu hören bekomme, wenn ich eine scheinbar einfach nachzurecherchierende Fragen gestellt habe. Und googelt man ‘The Rapture Antwerpen‘, tauchen ganz schnell ein paar Videos aus dem Jahr 2011 auf. Also ja, ihr habt schon mal im Trix gespielt. Damit ist das geklärt.
„Sister Savior“ – und damit erstmals diese schönen zackigen Gitarren – folgt. Spätestens jetzt ist das Konzert für alle greifbar. Welcome back to the Electro-Dance-Indie-Pop Party der 2000er Jahre. Auch wenn die Discokugel nicht ganz so hell leuchtet und an diesem Abend und in dieser Bandbesetzung die rohen Gitarrensounds dominieren. Das Konzert nimmt Fahrt auf und das Publikum ist zu 100% Fanpublikum. Die Stimmung ist entsprechend gut. Wie erwähnt konzentriert sich die Songauswahl auf das erste Album Echoes. Die messerscharfen Gitarrensounds gefallen mir live von Song zu Song mehr und der Gesang von Luke Jenner ist relativ einzigartig. „Open up your heart“ schießt dabei den Vogel ab. Nur mit Schlagzeugbegleitung trägt seine hohe Quäk- und Kopfstimme den Song quasi alleine. Wow! Danach donnern die Songs Schlag auf Schlag auf uns ein. Es gibt keine Ruhepausen, es geht immer straight forward. Aber müssen sie unbedingt ein Cover spielen? Anstelle eines weiteren eigenen Songs covern sie ein Stück der Steve Miller Band, weil – so begründet Luke Jenner die Wahl – er als Jugendlicher ein Steve Miller Album – welches habe ich vergessen – gefühlte 1000-mal gehört hat. ‘Wie man das eben so mache als Teenager’. Kenn’ ich, weiß ich. Hab’ ich auch gemacht. Aber nicht die Steve Miller Band. „Swington“ ist nett, aber „In the grace of your love“ wäre netter gewesen. Egal.
Zu diesem Zeitpunkt ist das Konzert schon fast vorbei. Es folgen noch „No sex for Ben“ (eine wahre Geschichte) und „Killing“, bevor das Trio die Bühne verlässt. Gerade jetzt, wo man das Gefühl entwickelt, dass es erst so richtig losgeht und man sich so langsam warmgetanzt hat, wird der Stecker gezogen. Das Ende kommt abrupt und ohne Vorwarnung. Mir war das zwar bekannt, aber in diesem Augenblick bin ich doch perplex. Soll ich jetzt Enttäuschung sein oder doch vielmehr dankbar darüber, dass The Rapture mir eine Stunde lang diese tollen Songs gegeben haben? Nein, enttäuscht kann ich nicht sein. Dafür waren die vorherigen 50 Minuten einfach zu gut.
Als Zugabe spielen sie dann endlich „How deep is your love“. Das Keyboard ersetzt an diesem Abend das Saxophon. Kann man so machen. Klingt auch famos super! „House of jealous lover“, mit Éliane Viens-Synnott von La Sécurité an der Kuhglocke, schmeißt uns anschließend endgültig aus dem Saal. Besser geht es leider nicht, ein großartiges Finale. In diesem Moment vermisse ich „Sail away“ und all die anderen nicht gespielten Hits nicht mehr.
Was für ein verdammt gutes Konzert. I am super happy. Himmel, das war wirklich gut und vielleicht, vielleicht rafft sich Luke Jenner ja noch einmal auf, schnappt sich seine beiden Kollegen und sie spielen noch ein paar Festivalshows im Sommer. Das Primavera würde sich gut anbieten. An einem Sonntagabend im Apollo zum Beispiel. Überlegt es euch nochmal, ich würde mich freuen. Und ich wäre vor Ort.
Setlist:
01: Confrontation
02: Sister Saviour
03: Heaven
04: Echoes
05: Blue bird
06: Open up your heart
07: Whoo! Alright – yeah… uh huh
08: The chair that squeaks
09: Swingtown
10: No sex for Ben
11: Killing
Zugabe:
12: How deep is your love?
13: House of jealous lovers
Kontextkonzerte:
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