Ort: Philharmonie Luxembourg, Luxemburg
Vorband:

The Divine Comedy - Luxemburg, 28.02.2026

Mit Kammerpop Konzerten tue ich mich nach wie vor schwer. Irgendwann werden sie für mich langweilig. Das geht mir bei den Tindersticks so, das ging mir bei meinen bisherigen drei The Divine Comedy Konzerten so. Und an diesem Abend ist es nicht anders. Nach einer guten Stunde habe ich eigentlich genug. Es reicht mir, auch wenn die Setlist bis dahin nahezu tadellos war und noch ein paar der großen The Divine Comedy Hits wie „National Express“ oder „Absent friends“ kommen.

Wir haben Sitzplätze auf dem Balkon der Philharmonie, aber mittlerweile sitzt niemand mehr. Überraschend schnell war das Konzert ausverkauft, bereits wenige Tage nach Vorverkaufsbeginn gab es nur noch Restposten. Wir hatten also Glück, noch zusammenhängende Plätze mit einer guten Sicht auf die Bühne zu erhaschen. Auch wenn die dann etwas weiter hinten im Saal sind. Die sechsköpfige Band um Neil Hannon ist aktuell auf Albumtour. Rainy sunday afternoon heißt die aktuelle und mittlerweile 13. Platte der Band. Musikalisch, so mein Eindruck, ist es keine Neuerfindung, The Divine Comedy bleiben sich und ihrem Sound treu. Und der ist eine Mischung aus Baroque Pop, Indie-Chamber-Pop und theatralischem Pop. So sagt es das Internet. Dazu passt perfekt die tiefe und manchmal sehr lakonisch klingende Stimme von Neil Hannon. Große Pop-Hymnen wie „National Express“ und sehr melancholische und schwermütige Songs bilden die Intervallgrenzen, zwischen denen sich The Divine Comedy bewegen. Und ein bisschen british humor in den Texten darf natürlich nicht fehlen.
Dieses Konzert stand schnell auf unserer Agenda. Die Philharmonie auf dem Kirchberg in Luxemburg-Stadt ist ein feiner Konzertsaal, die Umgebung schön und die Anfahrt unkritisch bequem. Wenn schon The Divine Comedy, dann hier und nicht in irgendeiner Stadthalle. Den Stil, den Neil Hannon und Band auf die Bühne zaubern, sollte auch der Konzertort haben.

Der Abend beginnt früh und er beginnt mit drei Songs vom aktuellen Album. Der Start des Konzertes ist auf 19.30 Uhr festgelegt, womit Neil Hannon zur Begrüßung der ausverkauften Philharmonie gleich die Frage ‘Did you finish your dinner?‘ in den Saal stellt. Die Antwort darauf ist gemischt, sag ich mal.Es beginnt eine gute Fahrt durch den The Divine Comedy Backkatalog. Sieben Songs vom aktuellen Album, aber auch eben 16 ältere Sachen. Die Philharmonie freut es. Das Konzert ist bestuhlt, aber nach gut der Hälfte des Konzerts hält es die ersten nicht mehr auf den Sitzen. Hier und da stehen ein paar Leute auf und tanzen. Bis zum Konzertende werden es immer mehr, auch weil vor den letzten vier Songs Neil Hannon inständig darum bittet, noch mehr Stimmung in die Bude zu bringen. Die ist zwar zu diesem Zeitpunkt schon sehr gut, aber noch besser geht ja immer.

Die cocktail-hour liegt zu diesem Zeitpunkt schon hinter der Band. Irgendwann zur Hälfte des Konzerts wird ein Teewagen mit Getränken hineingeschoben und der Sänger mixt seinen Kollegen auf Anfrage ein paar Drinks. Bloody Mary ist dabei die bevorzugte Wahl. Eine kurze Auflockerung im Kammerpop Konzert, das bis dahin mit britischer Unaufgeregtheit geführt wird. 
Gegen Ende wird es etwas wilder. Also wilder im Rahmen der The Divine Comedy Möglichkeiten. „Absent friends“, „Generation sex“, „Becoming more like Alfie“ und „National Express“ sind gute und intensive Rausschmeißer, die den Stimmungspeak nochmals in die Höhe treiben. Wie gesagt, jetzt sitzt keiner mehr in den sehr bequemen Philharmoniesitzen.
Ziemlich schnell und nach drei kurzen Zugaben ist das Konzert bereits um viertel nach neun vorbei. Das ist schon fast zu altersgerecht. Da hätten sie eigentlich noch das schöne „Something for the weekend“ nachschieben können. Immerhin ist ja Samstag. A pro pos, zufällig habe ich letztens gelesen, dass die walische Band Super Fury Animals annähernd zeitgleich einen Song gleichen Namens veröffentlichen wollte, ihn dann aber kurzfristig in „Something 4 the weekend“ umbenannte.

The „Something for the Weekend“ single release in the UK came two weeks before Welsh band Super Furry Animals released their own single with the same title, from the album Fuzzy Logic. The latter band changed their title to „Something 4 the Weekend„.

Wikipedia

Passenderweise bedruckten sie dann das Cover der Single mit folgender Aussage: ‚Bydded Ara deg mae dal iâr‘.
Eine schöne Geschichte. Auch schon wieder fast 30 Jahre her.

Slip on your Barbour jacket,…

Setlist:
01: Achilles
02: The last time I saw the old man
03: Rainy sunday afternoon
04: Assume the perpendicular
05: Norman and Norma
06: Bang goes the knighthood
07: I want you
08: Our mutual friend
09: Bad ambassador
10: Songs of love
11: At the Indie Disco
12: Neapolitan girl
13: Mar-a-Lago by the sea
14: A lady of a certain age
15: The heart is a lonely hunter
16: Other people
17: Absent friends
18: Generation sex
19: Becoming more like Alfie
20: National Express
Zugabe:
21: In pursuit of happiness
22: Invisible thread
23: Tonight we fly

Kontextkonzerte:
The Divine Comedy – London, 03./04.09.2022 / Barbican Hall
The Divine Comedy – Luxemburg, 26.03.2022 / Philharmonie Luxembourg

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