Ort: Rotondes, Luxemburg
Vorband: Lunar Boy from Salem

The Besnard Lakes - Luxemburg, 06.02.2025

Vor vielen Jahren sah ich The Besnard Lakes in einem Café in Utrecht. Es war Le Guess Who Zeit und auch wenn die Konkurrenz durch Kaffee und Kuchen groß war, blieb irgendetwas von der Musik der Kanadier bei mir hängen. Was genau habe ich über die Jahre vergessen, nicht aber das Gefühl, dass The Besnard Lakes eine gute Band sind.

Als ich jetzt die Konzertankündigungen unter anderem für die Rotondes in Luxemburg sah, spielte ich sehr frühzeitig mit dem Gedanken, mir die Combo erneut live anzusehen. Allerdings wollte ich die Konzertfahrt von den Wetterbedingungen abhängig machen; im Januar quer durch die Eifel, das kann schon auch ungemütlich sein. So verfolgte ich aufmerksam die Wetterberichte und entschied tags zuvor, endlich mal wieder in die Rotondes zu fahren. Es war auch schon zu lange her, dass ich dem Club am Luxemburger Hauptbahnhof einen Besuch abstattete.
Erwartungen hatte ich an den Abend nicht viele, das Utrechter Konzert gab keine großen Erinnerungen preis. Doch ich hörte Tage zuvor hier (Fiehe 1live) und da (Deutschlandfunk Kultur) ein paar Songs, die mich neugierig machten. ‘Das wird schon’, dachte ich bei mir. Dass ich damit nicht falsch liege, ist nach dem ersten Song klar. Gitarrenschicht um Gitarrenschicht türmen The Besnard Lakes auf. „Like the Ocean, like the innocent“ ist ein langsam wachsendes Monster, das, irgendwo zwischen Shoegaze und Krautrock changierend, mich direkt gefangen nimmt. Der für mich überraschend hohe Gesang von Jace Lasek irritiert mich zwar anfangs, aber er stört mich nicht. Ja, es war die richtige Idee, dieses Konzert zu besuchen.

Das dachten auch viele andere. Der Club der Rotunde ist angenehm gefüllt. Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung, wie stark The Besnard Lakes ziehen würden, sie tun es in einem soliden Maß. 150 Leute sind sicherlich da. Es sei ihr erstes Konzert überhaupt in Luxemburg, wie sie gleich zweimal während des Konzertes feststellen und auch zweimal überrascht darüber sind, wie viele Leute an diesem Freitagabend vorbeigekommen sind. Und wenn ich das richtig beobachte, ist hier nicht nur Laufkundschaft am Start. Tatsächlich scheint die eine oder der andere bestens mit den The Besnard Lakes Songs vertraut. Ich dagegen würde mich aus genannten Gründen doch eher als Laufkundschaft bezeichnen. In den letzten 11 Jahren sind die Kanadier doch sehr an mir vorbeigegangen. Ich denke, ich muss das mal ändern.

Als ich den Club in der Rotonde betrete, laufen auf der rückseitigen Bühnenwand Visuals. Alte Kameraaufnahmen aus den 1970er Jahren, leicht unscharf und scheinbar wahllos aneinandergeschnitten. Auf der Bühne steht ein Typ und erzeugt mit seinem Keyboard/Computer allerlei sphärische Klänge, die nach und nach übereinandergelegt werden. Ab und zu schnallt er sich die Gitarre um, loopt 1000 Dinge und packt all das noch zu den Keyboardwellen. Lunar Boy from Salem, so der Bühnenname des jungen Mannes, trägt ein Spacemen 3 T-Shirt, das thematisch sehr gut zu seiner Musik passt. Und umgekehrt. Der gute Jason Pierce hätte damals in den 1990er Jahren nicht besser diese Wall of Sounds zusammenzimmern können. 

15 Minuten schaue und höre ich mir das sehr gerne an. Dann warte ich noch ein bisschen, bis The Besnard Lakes auf die Bühne kommen. Sie starten um halb neun mit ihrem Intro Track Stück „Like the Ocean, Like the Innocent Pt. 1: The Ocean“, der nahtlos in „Like the Ocean, Like the Innocent Pt. 2: The Innocent“ übergeht. Damit ist der Konzertstart schon einmal wunderbar shoegazigig und gitarrig. Auf der Bühne sind neben Olga Goreas und Jace Lasek auch Kevin Laing am Schlagzeug und Gabriel Lambert an der Gitarre. Sheenah Ko scheint das an den Keyboards aber nicht zu sein. Ich habe vorher ein paar Bandfotos gesehen, die junge Frau, die jetzt vor mir auf der Bühne steht, schaut anders aus. Im Verlauf des Abends wird die Personallage nicht aufgeklärt; wohl aber der Grund, warum Olga Goreas eine Fußschiene trägt und den ganzen Abend im Sitzen verbringt. Im Dezember habe sie sich den Fuß gebrochen, als sie auf spiegelglatter und vereister Straße nach einem Gig ausgerutscht sei, so Jace Lasek. Die nun anstehende Europatour wollten sie aber deswegen nicht absagen, der Plastikschuh schien da das geringste Übel.

The Besnard Lakes gründeten sich bereits vor über 20 Jahren. Die Band ist also kein Newcomer mehr, acht Alben haben sie seit 2003 veröffentlicht. Musikalisch liegen sie zwischen Stoner Rock und Dreampop. Im letzten Jahr erschien ihr bisher letztes Album The Besnard Lakes are the Ghost Nation, das ganz gut ihren Stil widerspiegelt. Das Konzert legt songtechnisch den Fokus auf dieses Album. „Calling Ghostly Nations“ und „Carried it all around“, die meiner Meinung schönsten Songs des Albums, spielen sie auch. Sie kommen im ersten Drittel des Konzerts und spinnen nach dem Doppel-Opener den Dreampop Faden weiter. Das restliche Set schwebt dann so dahin. Angenehm unspektakulär reihen The Besnard Lakes einen Song an den nächsten. Auch die zwei technischen Problemchen mit dem Drumkit bringen sie nicht aus der Spur. Dann erzählt Jace Lasek eben noch eine kleine Geschichte.
Oft, wie zum Beispiel bei „Chemin de la Baie“ erinnern die Harmonien dabei an My bloody valentine oder wie bei „Give us our dominion“ an Beach House. Ihr Sound ist sehr oft sehr dicht. Und wenn dann noch der Duettgesang von Olga Goreas und Jace Lasek hinzukommt, passt kein Blatt Papier mehr zwischen die einzelnen Klangschichten. Das klingt toll und wirkt auf mich sehr beruhigend. Ich finde diese Songs auch schöner als das mehr nach Stoner Rock klingende „Tungsten 4: The Refugee“.

Nach knappen 90 Minuten verlasse ich zufrieden die Rotonde. Mir machte das Konzert großen Spaß. Es war ein schöner Start ins Wochenende. Und wie steht es auf ihrer Bandcamp Seite: The Besnard Lakes are yr Bezzies Mates. Yep. Aber warum die Band nach 20 Jahren keinen größeren Bekanntheitslevel hat, verstehe ich nach diesem Konzert überhaupt nicht.

Setlist:
01: Like the Ocean, Like the Innocent Pt. 1: The Ocean
02: Like the Ocean, Like the Innocent Pt. 2: The Innocent
03: Devastation
04: Calling Ghostly Nations
05: Carried it all around
06: Blackstrap
07: Raindrops
08: Albatross
09: People of the sticks
10: In Hollywood
11: Chemin de la Baie
12: Give us our dominion
13: She’s an icicle
14: Tungsten 4: The Refugee
15: And you lied to me
Zugabe:
16: Silver shadows

Kontextkonzerte:
The Besnard Lakes – Le Guess Who? Utrecht, 21.11.2015

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