| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

The war on drugs – Berlin, 23.05.2014

Ort: Bi Nuu, Berlin
Vorband: Quilt

The war on drugs

The war on drugs aus Philadelphia gingen vollkommen an mir vorbei, bis ich vor einigen Wochen im Rahmen der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums Lost in the dream folgendes las:

Leiden, zumal das melancholische, ist ja selten mit dramatischen Gefühlsausbrüchen verbunden, sondern tobt zumeist im Inneren, zum Beispiel, kurioserweise, beim Betrachten einer schönen Landschaft, eines Sonnenuntergangs oder souverän ausschreitender, Glück und Zufriedenheit verströmender Passanten beim Parkspaziergang, die alles zu haben scheinen, was man selbst schmerzlich entbehrt. So sitzt man dann auf der noch winterfeuchten Bank, blinzelt in die ersten wärmenden Sonnenstrahlen – und simmert in seiner inneren Unruhe. (spiegel.de)

Macht das neugierig auf eine Platte? Mich ja, und nur drei Klicke später landete Lost in the dream in meinem Warenkorb. Einige meiner Bekannten mögen das Album sehr und halten es für eines der besten des Jahres. Auch das ist ein Grund, mir die Band anzusehen.
In Köln in der letzten Woche wollte ich nicht, das Konzert in Berlin war schon fix und da es in Barcelona auf dem Primavera eine weitere Option gäbe, The war on drugs zu sehen, ließ ich den Heimattermin sausen. Zuviel in zu kurzer Zeit von einer Band ist nicht gut.
Das Bi Nuu ist ausverkauft, schon seit Wochen. Auch ein Fakt, der für die Band spricht. Aufgrund der Vorankündigung (schlechte Sicht von hinten, ausverkaufter Laden) waren wir relativ zeitig am Bi Nuu. Der Konzertsaal unterhalb der U-Bahn Station Schlesisches Tor ist an und für sich sehr schnicke, große Bühne, guter Sound, rechteckiger breiter Konzertraum. Hinzu kommt eine wohldosiert laufende Klimaanlage und ein an diesem Abend nicht proppenvolles ausverkauft, das für ein angenehmes Ambiente sorgte. Unsere Befürchtungen vor zu viel stickiger Luft und unangenehm flitschigem Körperkontakt bewahrheiteten sich Gott sei Dank nicht. (mehr …)

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Kraftwerk – Wien, 16.05.2014

Ort: Burgtheater, Wien
Vorband:

Kraftwerk

Eine Konzertreise ins Wiener Burgtheater.
Die gute Gelegenheit, einmal einen der historisch bedeutungsvollsten Veranstaltungsorte Europas unter dem Aspekt von Popkultur besuchen zu können, wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. So war es keine Frage von Sekunden, die Idee dieses Konzertausfluges aufzugreifen und zu bestätigen. Natürlich fahren wir da hin, überhaupt keine Frage. Wann sonst hätte ich schon die Möglichkeit, das Burgtheater bei einer Popveranstaltung von innen zu betrachten. (Für Theaterkram oder anderes Schauspiel würde ich sicher nicht extra nach Wien reisen).
Und so kam es, dass ich erneut das Vergnügen bekam, die Band Kraftwerk im Rahmen ihrer 3D-Konzertreihe Der Katalog – 1 2 3 4 5 6 7 8 zu sehen, über den die österreichische Zeitung der Standard schreibt:

Das ergibt den Katalog. Ein anderes Wort für das Alte Testament der elektronischen Musik. „Boing! Boom! Tschak!“

Seit ein paar Jahren führen Kraftwerk ihren Katalog (Albumkonzerte plus Best-of Set) in ausgewählten Orten auf: dem Moma in New York, der Tate Modern in London, der Oper in Sydney, in Los Angeles oder in Düsseldorf.
Im Düsseldorfer Museum k20 hatte ich vor gut anderthalb Jahren das Autobahn-Konzert erlebt, ein sehr beeindruckendes Spektakel in seiner Kombination aus Video und Audio. Ich fand es so beeindruckend, dass es mein bestes Konzert des letzten Jahres wurde. Auch das, neben dem Argument des Spielortes, war ein Grund dafür, mir die ganze Chose nochmals ansehen zu wollen.
In Düsseldorf spielten sie an acht Abenden jeweils eine Albumshow. In Wien wurde das Ganze im Rahmen der Wiener Festwochen auf vier Tage zusammengedampft, was bedeutete, dass es zwei Konzerte pro Abend gab. Das wiederum bedeutete für uns, wenn wir schon mal anreisen, dass wir uns dann auch die beiden Konzerte am Abend angucken. Keine halben Sachen; und überhaupt, angebrochene Abende sind eh die schlimmsten. Also versuchten wir, für die Konzerte Nummer 3 (Trans Europa Express) und Nummer 4 (Die Mensch-Maschine) Tickets zu ergattern. Dass das nicht ganz so einfach sein würde zeigte sich schon bei den Düsseldorfer Konzerten, aber, in aufeinander eingespielter Teamarbeit ergatterten wir die ausgeguckten Tickets. (mehr …)

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Minor Alps – Köln, 03.05.2014

Ort: Luxor, Köln
Vorband: Herrek

Minor Alps

Minor Alps

Mal wieder: Von den Minor Alps kenne ich nur einen halben Song, alle Nada Surf Platten und das Lemonheads Album.
Was die Lemonheads und Nada Surf mit den Minor Alps zu tun haben, ist schnell erläutert: Hauptprotagonisten der Band sind Juliana Hatfield (unter anderem Teilzeitbassistin bei den Lemonheads) und Matthew Caws, Sänger und Kopf von Nada Surf. Zusammen bilden die beiden Minor Alps und haben im vergangene Jahr mit ‚Get there‘ ihr Debütalbum veröffentlicht. Das die Fakten.
Als ich mir die samstägliche Abendgestaltung überlegte, war ich lange unsicher, wie ich mich entscheiden solle. Zwei durchaus interessante Bands gastierten in der Stadt, Messer und eben die Minor Alps. Für die ebenfalls auftretenden Markus Wiebusch und Peter Gabriel interessierte ich mich im Vorhinein weniger, was aber, wie ich am Morgen in der Tageszeitung las, ein Fehler war. Peter Gabriel spielte das komplette ‚So‘ Album, das durchaus seine Stärken hat und auch ein schönes Liveerlebnis gewesen wäre.
Dass ich mich dann für die Band entschied, von der ich nur einen halben Song kannte und gegen die sehr guten Messer, deren Album ich derzeit rauf und runter höre, entbehrt sicher jeglicher Logik. Nun, manchmal entscheide ich komisch. Und ist Unberechenbarkeit nicht viel spannender?
Nein, ist sie nicht, aber da ich das Messer Album ja bereits kenne, sollte es an diesem Abend an der Zeit, die Minor Alps näher kennenzulernen. (Und nebenbei bemerkt war ich 1992 ein kleiner Juliana Hatfield Fan, als sie damals die süße Zweitstimme in „Great big No“ oder den Anheizerpart in „Bit part“ gab (I wanna bit part in your life, I just wanna bit part in your life)). (mehr …)

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Abby – Berlin, 30.04.2014

Ort: Volksbühne, Berlin
Vorband: David Lemaitre

Abby

Ich kenne die Band Abby schon seit ein paar Jahren.
Gesehen habe ich sie das erste Mal auf einem der frühen Maifeld Derbys, wo sie am Nachmittag gespielt haben. Weil mir die Mischung als Elektro und Gitarren gut gefiel, habe ich eine EP am Stand gekauft und in der Folge wirklich oft gehört. Zeitweilig dachte ich, dass es Abby vielleicht gar nicht mehr gibt, bis auf einmal 2013 eine CD herauskam. Die CD war ebenso ziemlich gut und die nächste Gelegenheit die Band zu sehen, bot sich auf dem gamescom Festival in Köln, wo Abby gratis auf der Hohenzollernringbühne gespielt haben. Ein sehr gutes Konzert, bei dem die zunächst wenigen Zuschauer sich schnell vervielfältigt haben und viel getanzt wurde. Als ich nun in Berlin hörte, dass Abby in der Volksbühne spielten, war ich neugierig. In einem Theater? Klar, das machen Bands, aber vor allem dann, wenn sie etwas etablierter sind. Mein Vorurteil jedenfalls. (mehr …)

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Ja, Panik – Düsseldorf, 28.04.2014

Ort: Zakk, Düsseldorf
Vorband: Chris Imler

Ja, Panik

An dieser Band habe ich mich live noch nicht satt gesehen. Ein schönes Fazit, dass ich gegen Mitternacht beim Verlassen des kleinen Saals des zakk in Düsseldorf ziehen konnte. Ja, Panik. Zum zweiten Mal in diesem Jahr. Zum zweiten Mal die Tour zum aktuellen Album ‚Libertatia‘. Das hatte noch keine Abnutzungserscheinungen. Im Gegenteil!
Das Konzert war sehr gut. Genauso spannend und hinreißend wie vor einigen Wochen im Kölner Gebäude 9.
Vieles hatte sich nicht geändert, die Songs waren größtenteils die gleichen, auch der Bühnenaufbau und die Setlist wichen nur in Kleinigkeiten voneinander ab. Logisch, ist es doch die gleiche Tour, nur der teil nach den Osterferien. Da macht man nicht viel anders.
Aber einer fehlte im Vergleich zum Februar. Gitarrist Jonas Poppe war in Düsseldorf nicht anwesend. So blieb es an Keyboarderin/Gitarristin Laura Landergott, das Kernteam Andreas Spechtl, Stefan Pabst und Sebastian Janata zu unterstützen.
Merkte ich das irgendwie? Zu Beginn ehrlich gesagt nicht, aber im Laufe des Konzertes kam mir der musikalische Vortrag einfacher strukturiert vor als beim Kölner Konzert. Die Songs klangen weniger aufgeblasen, Schlagzeug, Gitarre, Bass standen stärker im Fokus, das Keyboard war nicht so ausufernd. (mehr …)

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Die Heiterkeit – Köln, 14.04.2014

Ort: Schauspiel Köln
Nachband: Die goldenen Zitronen

Die Heiterkeit

Die goldenen Zitronen bleiben Punk! Doch auf der elften Platte werden die politischen Haudegen melodisch. Es wird laut. Es wird bunt. Es wird goldig. »Wer hier mit dabei ist, kann nicht nur dafür sein!

So lese ich es in der Vorankündigung zum Konzertabend der Goldenen Zitronen im Kölner Schauspiel. Aber eigentlich bin ich nur wegen der Vorband da: Die Heiterkeit. Diese famose und tolle band aus Hamburg, die mich mit ihrem Debütalbum ‚Herz aus Gold‘ förmlich stehen gelassen haben. Das war vor zwei Jahren, und die Stücke der Heiterkeit kamen im herbstlichen Grau genau zum richtigen Zeitpunkt. So düster, streng und cool zusammen war lange keine deutsche Band mehr. Die drei jungen Frauen Stella Sommer (Gesang, Gitarre), Rabea Erradi (E-Bass, Gesang) und Stefanie Hochmuth am Schlagzeug erinnerten mich in ihren weniger monotonen Songmomenten an die Lassie Singers, die ich sehr mag, in anderen Augenblicken an die 90er Jahre Hamburger Schule. ‚Herz aus Gold‘ war mir eine Zeitlang ein wichtiger Soundtrack, Lieder wie „Alles ist so neu und aufregend“, „Alle Menschen“ oder „Süß, wie man es sein kann“ hörte ich sehr regelmäßig und oft. Doch dann kam der Sommer und mit ihm verschwand vorerst mein Bedürfnis nach monotonem gleichgültig traurigem Gesang und die Heiterkeit musste anderen Bands weichen. Im Herbst letzten Jahres war dann auch nicht die richtige Zeit, ‚Herz aus Gold‘ nochmals so intensiv hervorzuholen, wie es im Jahr davor passierte.
Umso neugieriger nahm ich die Nachricht auf, dass zu Beginn dieses Jahres ein neues Album veröffentlicht wird. Leider hatte ich bis auf ein paar Videos noch nicht viel von ‚Monterey‘ gehört, als ich mich zum Besuch des Konzertes entschloss. Es ist eben so wie immer. (mehr …)

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Wild Beasts – Köln, 05.04.2014
Wild Beasts

Wild Beasts – Köln, 05.04.2014

Ort: Gebäude 9
Vorband: Money

Wild BeastsDie wichtigste Meldung des Tages kam nach Konzertende: Das ZDF stellt Wetten, dass…?! ein. Wäre es also doch besser gewesen, die viertletzte Sendung des Fernsehdinosauriers zu sehen als in einem überraschend vollen Gebäude 9 eine Band aus England mit Namen Wild Beasts?
Immerhin ist Wetten, dass…?! die Samstagsabendunterhaltungsinstitution schlechthin und mir ein treuer Wegbegleiter meiner Kindheit und Jugend.
Oder gilt es eher, die noch verbleibenden Konzerte im Gebäude 9 mitzunehmen und mit größtmöglicher Intensität aufzusaugen. Der Konzertsaal in Deutz soll nach jetzigem Stand der Dinge Ende des Jahres Wohnungsbauplänen der Stadt Köln zum Opfer fallen und dicht gemacht. Was nicht gut wäre, überhaupt nicht gut. Absolut überhaupt nicht gut! Als die Pläne der Stadt bekannt wurden, gab es ein großes Rumoren und viel Wirbel um diese Entscheidungssache. Eine Facebookgruppe/seite gründete sich, die mittlerweile mehrere tausend Unterstützer hat, Künstler, die bereits im Gebäude 9 auftraten, äußern sich auf YouTube zu diesem Katastrophenvorhaben der Stadt. Der Gegenwind ist mächtig, und das ist gut. Es gilt, diese Entscheidung nicht hinzunehmen und auf den enormen kulturellen Schaden, den eine Schließung des Gebäudes 9 mit sich bringt, aufmerksam zu machen. Überall und immer. „Man weiß immer erst, was man an jemandem hatte, wenn er nicht mehr da ist.“ Es wäre schön, wenn diese Binsenweisheit über das Gebäude 9 nicht gesprochen werden muss. (Alle weiteren Informationen hier). Eine Schließung würde die Stadt in Sachen musikalischer Relevanz (und damit auch allgemeiner in Sachen Kultur) weit zurückwerfen. (mehr …)

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Thurston Moore – Köln, 31.03.2014

Ort: King Georg
Vorband:

Thurston Moore Um halb neun stehe ich im King Georg zwischen Theke und Wand. Wer zu spät kommt, den bestraft dieser Klub mit einem ‘nichts von der Bühne sehen‘ Konzerterlebnis. Aber was schreibe ich, eine Bühne gibt es in diesem ehemaligen Schummeretablissement überhaupt nicht. Die Musiker stehen in der Mitte vor zwei runden Sitzecken, das Publikum steht drum herum. Was in der Theorie wunderbar klingt, also direkter Körperkontakt zum Musiker, ist in der Praxis ziemlich doof: weil man in letzter Konsequenz mehr hört als sieht, weil man irgendwie überall im Weg steht (Durchgang zum Klo, Durchgang nach hinten, Durchgang für die Thekenfrau).
Gerne würde ich das King Georg nicht so oft aufsuchen müssen, aber es ist auch so, dass dort nahezu wöchentlich hochkarätigste Bands und Musiker spielen. Also muss man da hin! Und so kam ich eben dieses Mal nicht umher, und nahm zähneknirschend die Unwägbarkeiten in Kauf. Ein bisschen abschwächen kann man sie nur, wenn man pünktlich zum Einlass vor Ort ist, um sich einen der ersten Reihenplätze zu sichern oder aber um nicht im Gangbereich weiter hinten zu landen.
Ich schaffte es an diesem Abend nicht ganz so pünktlich, und da ich auch noch einige Minuten in der Schlange vor der Tür vertrödelte, war es eben schon halb neun und der Laden schon dreiviertel voll, als ich, um die beiden Eingangsecken biegend, den Thekenbereich des King Georg betrat. Gut, damit war ein Teil des Abends quasi schon gelaufen. Da ich jedoch von diesem Konzert eher ein Ohren- als einen Augengenuss erwartete, war das geschenkt. Und Thurston Moore und Steve Shelley hatte ich nun schon ein paar Mal gesehen. Wie die aussehen und welche Instrumente die spielen, wusste ich. (mehr …)

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The Notwist – Köln, 25.03.2014
The Notwist

The Notwist – Köln, 25.03.2014

Ort: E-Werk, Köln
Vorband: Jel

The Notwist
Keine Frage, es war ein gutes bis herausragendes The Notwist Konzert. Drei Zugabenblöcke, 2 Stunden Spielzeit. Ich fürchte, ich habe die Weilheimer live noch nie so lange am Stück spielen sehen.
Trotzdem fühlte ich mich gegen 23 Uhr bei weitem nicht so geflasht und euphorisiert wie noch am Samstagabend nach einem, subjektiv und sicherlich auch objektiv betrachtet nicht besserem Konzert der Belgier dEUS.
Wie kommt das? Wieso ist meine Wahrnehmung so unterschiedlich, obwohl in beiden Fällen absolute Lieblingsbands mit absoluten Lieblingsliedern auf den Bühnen standen? Liegt es an mir oder an der Umgebung?
Nun, die klare Antwort auf die letzte Frage ist: es liegt an mir. Es ist so einer dieser Konzerttage, die ich am liebsten auf dem Sofa verbringe. Die Band verspricht zwar einen unterhaltsamen Abend, aber man selbst möchte lieber die Füße hochlegen und Fernsehen schauen oder Zeitschriften lesen, als noch die Wohnung zu verlassen. Die ganze Vorfreude ist auf einmal weg, aber man hat da dieses Ticket, und „Gravity“ ist live doch so toll.
Also machte ich mich auf den Weg, halb tranig, halb lethargisch. An solchen Abenden komme ich gerne genau pünktlich, nicht länger raus als nötig. Auch an diesem Abend war ich erst um kurz vor acht am E-Werk. Beim letzten Notwist Konzert an gleicher Stelle war es voll, dieses Mal ist es eher halb leer. Problemlos gelange ich – während auf der Bühne ein DJ Platten auflegt und darüber rappt – nach vorne. 2 Meter Komfortzone direkt an der Bühne, es ist wirklich sehr leer. Und das ist angenehm, weil es mir heute so entgegen kommt. (mehr …)

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PIAS Nites Festival, Brüssel 15.03.2014

Ort: Tours & Taxis, Brüssel
Bands: dEUS, Girls in Hawaii, Milky Chance, Champs, Melanie de Biasio, The Spectors

Girls in HawaiiMein eigentlicher und einziger Grund, das PIAS Nites Festival am Samstagabend zu besuchen, hieß dEUS. Dass sich darüber hinaus die Möglichkeit ergab, Girls in Hawaii ein zweites Mal innerhalb kürzester Zeit live zu sehen, war schön. Ebenso die Chance, mir ein Bild von den deutschen youtube-Schönheiten Milky Chance machen zu können und die viel spannenderen Bands Champs, The Spectors und Melanie de Biasio zu entdecken. Aber das waren zu Beginn des Ausflugs nur geplante Randerscheinungen, dass sich das ganze dann im Laufe des Abends zu einem runden Bild zusammensetzen sollte, war toll und kam für mich eher überraschend.
Ja, es war ein rundum schöner Abend in der alten Fabrikanlage Tours & Taxis, irgendwo im Brüsseler Norden. Der 1903 nach den Plänen des Architekten Van Humbeek im Herzen von Brüssel, am Ufer des Kanals in typisch industrieller Architektur erbaute Gebäudekomplex Tour & Taxis wird heute als Veranstaltungszentrum genutzt. Das einst als Warenumschlagsplatz genutzte Gebäudeensemble mit seiner charmanten Backstein-, Glas und Eisenarchitektur wird heute hauptsächlich für Messen, Ausstellungen und Events genutzt. (mehr …)

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dEUS – PIAS Nites Festival Brüssel, 15.03.2014

Ort: Tours & Taxis, Brüssel
Vorband:

dEUS
Heimspiele sind die besten Spiele, dachte ich, als ich mich gegen 2 Uhr nachts auf den zugegeben etwas unheimlichen Heimweg zu meinem Hotel im Brüsseler Norden machte. Ich hatte gerade zwei Stunden dEUS Konzert hinter mir und war noch völlig aufgekratzt. In Gedanken das grandiose Konzerte vor Augen, die Melodie von „For the Roses“ im Ohr, so ließ sich der kleine Fußmarsch entlang eines Kanals leicht und schrecklos bewältigen.
dEUS gehören zu meinen absoluten Lieblingsbands, seit sie Mitte der 90er Jahre mit ihrem Händchenhalten-Video erstmals bei MTV’s 120 Minutes auftauchten (oder hieß es 1994 bereits 420 Minutes bzw. Alternative Nation?). Die Belgier um die kongenialen Tom Barman und Stef Kamil waren der Beweis, dass intelligenter Rock Underground nicht nur von Sonic Youth oder anderen amerikanischen Bands stammen muss. Einen Festivalsommer waren dEUS der letzte heiße Scheiß, und das zu Recht. Ihr 1994er Debütalbum Worst Case Scenario war ein Noise Album par excellence. Während in Großbritannien die Wiedergeburt des Britpops anstand, Oasis veröffentlichten Defintely maybe, hatte der Kontinent mit dEUS seine eigenen Indielieblinge. Neben „Suds & Soda“ hatte das Debüt mit „Via“ und “Hotellounge“ gleich drei potentielle Indie-Evergreens und zeigte bereits früh, was diese Belgier drauf haben. Welche andere Indieband hatte seinerzeit schon eine Geige im Instrumentenschrank? Bei dEUS war sie elementar wichtig, als Ohrenschmeichler wie bei „Via“ kam sie zum Einsatz, aber auch, wenn es experimentell-laut und kratzig-schräg werden sollte. Unglaublich toll sind die Geigensequenzen in „Suds & Soda“, wenn Tom Barman und Stef Kamil darüber ihr „Friday,Friday“ brüllen. (mehr …)

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Franz Ferdinand – Köln, 12.03.2014
Franz Ferdinand

Franz Ferdinand – Köln, 12.03.2014

Ort: Palladium, Köln
Vorband: Citizens!

Franz Ferdinand
Franz Ferdinand sind durch. Also für mich. Da mag mir ihr neues Album Right words, Right thoughts, Right action noch so sehr ans Herz gelegt werden, ich fürchte, ich möchte es mir nicht bewusst anhören. Gehört habe ich es natürlich, im Hintergrund lief es ein-, vielleicht zweimal. Aber es hinterließ keinen Eindruck, es weckte null Neugierde auf mehr.
Überhaupt ist es eine merkwürdige Situation zwischen mir und den Bands der britischen Klasse von 2005. Maxïmo Park, Editors und Block Party sind mir schon länger nicht mehr wichtig und mit Franz Ferdinand – obwohl mit Abstand die Klassenbesten – scheint es ähnlich zu laufen. Diese Musikphase habe ich unbewusst zu den Akten gelegt, mit den Bands irgendwie abgeschlossen. Selbstverständlich mag ich noch den ein oder andere Song, Lieblinge verschwinden nicht, Bloc Partys „Waiting for the 7 a. m.“ finde ich immer noch großartig, aber in Summe ist die 2005er Generation nicht mehr spannend. Da verbindet mich schon mehr mit den Brit-Jahrgängen 93 bis 95. Pulp, Cast, Bluetones, Oasis und Blur.
Wie kommt das? Hat das was mit dem Alter zu tun und mit dem Eintrittszeitpunkt einer Band in ein Leben? Hängt man eher einer Band nach, die einem in jüngeren Jahren wichtig war als einer, die man erst im mittleren Alter entdeckt? Oder anders gefragt, wieso begeistern mich heute die Bluetones viel mehr als es Franz Ferdinand tun, obwohl ich beiden Bands ein gleich großen Enthusiasmus entgegen gebracht habe, als ich sie entdeckt habe. Das Argument, ich mag die einen mehr als die anderen, sticht also nicht. Also warum kommen mir Hits wie „Michael“ und „Matinee“ viel überspielter vor als „Slight return“ oder „Cut some rug“?
Ich finde bisher keine Antworten. (mehr …)

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Neneh Cherry – Köln, 07.03.2014

Ich arbeite mich gerade an den ersten beiden Staffeln der US Serie Treme ab. Staffel 1 liegt fast durchgeschaut auf dem Festplattenreceiver, Staffel 2 läuft aktuell täglich und wird fleißig aufgezeichnet, während die dritte Staffel wohl bald nachgeschoben wird. In der Drama-Serie Treme geht es um Musiker, Restaurantbesitzer und andere, die in dem Stadtteil Treme in New Orleans mit den Folgen des Wirbelsturms Katrina klar kommen müssen. Die Handlung beginnt im Herbst 2005, drei Monate nach dem Hurrikan Katrina und konzentriert sich auf die miteinander verbundenen Lebensgeschichten der lokalen Musiker und Stadtbewohner. Dass da viel Musik im Spiel ist, erklärt sich von selbst. Treme ist der älteste Bezirk von New Orleans und historisch bedeutender Ursprung der afroamerikanischen Musik und Kultur. Die post Katrina Nachwehen einer Stadt und der Versuch eines Neuaufbaus mit der Musik und der Tradition New Orleans sind die beiden Anker, die diese Serie zusammenhält und sehr sehenswert macht.

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of Montreal – Berlin, 01.03.2014

Ort: Lido, Berlin
Vorband: The Anna Thompsons

of Montreal
In der einzigen Zugabe des Abends spielen of Montreal als 15 Minuten Wahnsinnsorgie „The past is a grotesque animal“ und allerspätestens nach dem furiosen Infernofinale, das sich an die letzten Textzeilen „and none of our sectrets are physical now“ anschließt, bleiben keinerlei Fragen mehr offen. Einzig die Münder im ausverkauften Lido müssen wieder zugeklappt werden.
Wow, was für eine Show der Amis um die größte Diva des Indiebusiness, Kevin Barnes!
Gute anderthalb Stunden spielten uns of Montreal in ein Paralleluniversum, verzauberten uns mit Disco- und Funkklängen, verschoben uns mit lauten Gitarren und wilden Keyboards in eine andere Welt. Grandios, grandios.
Der Morgen in Berlin begann in den 80ern. Vor mir an einer Ampel irgendwo zwischen Kreuzberg und Neukölln steht Meg Ryan. Also nicht die aktuelle Meg Ryan, sondern die Meg Ryan aus Harry & Sally. Schulterlanges dauergewelltes Haar, metallgefasstes Brillengestell, im Schulterbereich angepolsteter Lodenmantel, bis zu den Knöcheln hochgekrempelte Jeanshose. Ich könnte sie für so viel Authentizität umarmen. Ob dieses Mädchen weiß, wie perfekt sie aussieht? Sicherlich. Dieses Berlin ist in diesen Tagen sehr achtziger. Ins Cafe zum Frühstück fahren sie auf klapprigen Rennrädern und Rundhalspullovern, rauchen Dunhill und zum Joggen kleidet man sich wie weiland Dustin Hofmann im Marathon Mann. Mode und ihre zyklischen Wiedergeburten, ein Kapitel für sich. Aber lustig sieht es allemal aus. (mehr …)

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Speedy Ortiz – Berlin, 28.02.2014
Speedy Ortiz

Speedy Ortiz – Berlin, 28.02.2014

Ort: Magnet Klub, Berlin
Vorband: Jealousy Mountain Duo

Speedy Ortiz
“American Horror” heißt ein Song auf der neuen Speedy Ortiz EP Real hair. Karneval Horror ist das, was sich alljährlich vor der Haustür ereignet. Traditioneller und historischer Straßenkarneval her oder hin, denn das, was sich alljährlich zu Weiberdonnerstag sehe, hat damit überhaupt nichts zu tun. Spätestens ab dem späten Nachmittag wird es dann nämlich fürchterlich anstrengend und uncharmant. Als Westfale gehe ich zum Lachen in den Keller (wie man hier so sagt) und das mag als Entschuldigung herhalten, aber lustig ist diese Art von Weiberdonnerstag nur bedingt.
Als ich am Donnerstagabend nach Hause gehe, hält vor mir am Straßenrand ein Fahrzeug. Die Beifahrertür geht auf und ein Clown kotzt halb auf die Straße halb an die Türinnenverkleidung. Das sieht lustig aus, passt also zum Clownskostüm, lässt mich jedoch ungefragt sprachlos zusehen. Später im Hausflur bekomme ich – wieder unfreiwillig – ein Gespräch aus der Nachbarwohnung mit: „Und anschließend besaufen wir uns morgen so richtig.“
Es ist also wieder soweit, und da kann mir jeder noch so viel über den traditionellen Karneval erzählen, seit 15 Jahren sehe ich den nur bedingt. Weder hier noch anderswo.
Am Freitagmorgen hält auf dem Bahnsteig gegenüber ein Zug aus der Schweiz, aus dem eine Gruppe Frösche und Musketiere klettert. Bierpulle in der Hand und laut „Kölle Alaaf“ brüllend entern sie den Bahnsteig. Tja Jungs, einen Tag zu spät für das ganz große Besäufnis.
Um 10 Uhr morgens findet das übrigens auch der Kölner nicht lustig, wie ich beruhigt feststelle. Diese Art von Karnevalstourismus ist schlimm und nah dran an Oktoberfestfahrten. Aber so ist das, ändern kann das niemand mehr. Und wer das nicht so toll findet, muss dem entfliehen.
Für mich stand schon längere Zeit fest, am Karnevalswochenende einen Ausflug nach Berlin zu unternehmen. Dreimal habe ich in den Jahren zuvor dem Karneval eine reelle Chance gegeben, dreimal hat er sie nicht genutzt. Und jetzt möchte ich nicht mehr, und der Berlintrip war sowas wie zwei fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen ist in Preußen der Jeck überschaubar, und zum anderen spielten an diesem Wochenende die must-see Band Speedy Ortiz. Es gab für mich keine Widerrede, Berlin und gut ist. (mehr …)

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