Ort: LuxExpo, Luxemburg
Vorband: Omar Souleyman

Gorillaz - Luxemburg, 05.07.2026

Nachdem die Gorillaz für das Primavera Sound Festival als Headliner und letzte Band am Samstagabend angekündigt wurden, habe ich mich gefreut. na das könnte doch nett werden, eine laue Sommernacht am Mittelmeer und dazu schöne Gorillaz Animationen. So wie vor einigen Jahren, als die Gorillaz schon mal das Festival auf der großen Bühne beendeten; oder wie Jahre zuvor im Kölner Palladium. Die Gorillaz sind eine gute Band mit sehr guten Musik*Innen, die kann man sich nicht nur angucken, die sollte man sich sogar angucken. Als in den Wochen darauf auch ein Konzert für die LuxExpo Open Air Festivalreihe in Luxemburg angekündigt wurde, kaufte ich direkt ein Ticket. Denn falls es in Barcelona dann doch zu spät wird, das Wetter nicht gut ist oder ich zu müde bin oder was auch immer dazwischenkommen mag, besteht wenigstens noch die Option, die Band drei Wochen später in Luxemburg in einem etwas kleineren Rahmen zu sehen. Wobei der kleinere Rahmen immer noch ordentlich groß ist.

Das Open Air Gelände auf dem Kirchberg direkt neben den Messehallen und in unmittelbarer Umgebung aller EU-Institutionen umfasst sicherlich drei Fußballplätze. Im echten Leben ist es ein Messeparkplatz. Das macht das ganze sehr angenehm der Boden ist aus Asphalt oder Bitumen, so dass man auch bei regnerischen Wetter schlammfrei steht, die Toiletten sind in den Messehallen, auf Dixi-Klo und Co. kann man also verzichten und konzertechnisch ist das Gelände einfach perfekt. leicht abschüssig zur Bühne hin und es gibt keine störenden Dinge im Sichtfeld. Es ist halt ein Parkplatz. Betritt man das Gelände, läuft man erst an ein paar Essständen vorbei. Die sind nicht in übertriebener Anzahl aufgebaut, aber vollkommen ausreichend. (Ich empfehle die Pommes.) Ausreichend ist auch die Anzahl und Anordnung der Getränkestände. Auch mehrere tausend Leute haben genug Gelegenheiten, sich jederzeit stressfrei Getränke zu besorgen. Ich kannte das Gelände vom Vorjahr und war hundertprozentig guter Dinge, was Orga und Infrastruktur angeht. Um die Gorillaz in Ruhe und mit okayer Bühnensicht genießen zu können, zögerte ich überraschend wenig und kaufte ein Golden Circle Ticket fuer den vorderen Bereich. So viel teurer war das nicht und es versprach ein etwas entspanntes Konzerterlebnis. Und wie es dann so ist, natürlich habe ich die Gorillaz beim Primavera Sound Festival verpasst. Aber ich wusste ja, ich habe nochmal die Gelegenheit. Und vielleicht war das auch der Hauptgrund, warum ich mich nicht gezwungen habe, am Primavera Samstag nicht bis 2 Uhr auf dem Festivalgelände auszuharren.

Das Wetter ist gut. Es ist nicht zu warm, es ist nicht so kalt. Es weht ein laues Lüftchen über das Gelände, als ich mich in den Golden Circle Bereich begebe. Die eine Hälfte des Platzes vor der Bühne liegt bereits im Schatten. Entsprechend stelle ich mich auf diese Seite. Im Nachhinein ein Fehler, aber das Argument ‘warum soll ich in der Sonne stehen, wenn ich auch Schatten haben kann’ zog einfach zu stark. Eine Stunde vor Konzertbeginn ist es noch nicht so voll, dass man nicht mehr die Qual der Platzwahl hat. Also im Bereich des Golden Circle ist es noch nicht so voll. Klar, sind auch hier die ersten Reihen vor der Bühne schon belegt, aber das ist es dann auch. Anders sieht es hinter der Absperrung aus. Dort gibt es jetzt kaum noch eine Chance, in die ersten sieben oder acht Reihen vorzudringen. Und wenn doch, dann ist es dort etwas enger und die Komfortzone kleiner. Das ist der große Unterschied und das war auch einer meiner Beweggründe, warum ich die paar Euro mehr investiert hatte. Ich wollte nicht drei Stunden vor Konzertbeginn vor Ort sein, um einen guten Platz zu bekommen, der dann auch noch 50 Meter plus von der Bühne entfernt ist. Ich wollte gemütlich eine Stunde vor Konzertbeginn auf dem Gelände sein, nicht viel früher. Gemütlich und eine Stunde vorher, das gelang mir.
Ich komme mir etwas komisch und beobachtet vor, als ich im halbleeren Golden Circle Bereich warte. Ungefähr ein Bereich 50 Meter um die Bühne herum ist nur mit Exklusivrechten betretbar. Am Einlass bekam ich ein Bändchen, das ist jetzt meine Zugangsberechtigung. Um mich herum ist es noch leer. Wirft gleich einer von hinten einen Becher oder werde ich mit Schmähliedern besungen?

Mein Plan war es, nicht zu weit vorne am Bühnenrand zu stehen. Ich wollte schon die Videoeinspielungen – ein wichtiges Element bei Gorillaz Konzerten – vollständig sehen und nicht so nah wie möglich an der Bühne sein. Der Gesamteindruck ist mir wichtiger als die Bühnennähe. Daher wechsle ich nochmal meinen Platz, begebe mich vom linken Bühnenrand, da wo eine Leiter von der Bühne hinabführt, auf die andere Seite und platziere mich etwas mittiger und etwas weiter von der Bühne entfernt. Wirklich dumm, dass später Damon Albarn genau diese Treppe nimmt, um bei dem ein oder anderen Song („19/2000“) im Bühnengraben Selfies zu machen und Platten zu signieren. Doch wie bereits erwähnt, stehe ich jetzt im Schatten. Wer kann den auch ahnen, dass Damon Albarn mittlerweile zum Fankuschler mutiert ist.
Als ich durch die Straßen des Regierungsviertels am Kirchberg gehe, höre ich aus der Ferne Basswummern. Je näher ich zum Gelände komme, desto lauter wird es. Es ist kurz nach halb sieben und ein DJ legt bereits vor den ersten wartenden Zuschauern auf. DJ Aamar nennt sich der Kollege, der mit allseits bekannter Discomusik das LuxExpo Gelände unterhält. Stille ist manchmal auch ganz schön. In knapp drei Stunden werden die Gorillaz auf der Bühne stehen.

Zuvor ist noch der Auftritt des syrischen Musikers Omar Souleyman angesetzt. Gemeinsam mit einer DJane, die hinter ihm an zwei Macbooks die Sound zusammenbastelt, spielen sie 45 Minuten lang elektronische Dabke-Folklore. 10 bis 15 Minuten lang ist das interessant und fährt auch gut in die Beine, aber auf Strecke gesehen sind mir die arabischen Volksmusik Tunes doch ein bisschen eintönig. Ich google den Musiker und stelle fest, dass er kein Unbekannter ist. Omar Souleyman ist der erfolgreichste Hochzeitsmusiker seiner Heimat. Und in Belgien ist er groß! 2020 schaffte es sein Song „Layle” in die flämischen Charts.
Danach schließt sich eine 45 Minuten Umbaupause an. Dabei sind doch alle Gerätschaften schon aufgebaut, es muss nur das DJ-Pult abgebaut werden. Es gibt noch nicht mal Mikrofonständer, die entfernt werden müssen. Na gut, so bleibt immerhin genug Zeit, um in Ruhe den Teppich vor dem Piano und auf der ersten Ebenen zu saugen. Die Instrumente sind in unterschiedlichen Höhen aufgebaut, und ein Roadie kümmert sich nun liebevoll um die Sauberkeit des Bodenbelags. Selbst der Pianoschemmel wird zur Seite geschoben, um unter dem Piano gründlich saugen zu können. Der saugende Roadie ist das Highlight einer doch sehr zähen und ansonsten drögen Umbaupause.

Gorillaz - Luxemburg, 05.07.2026

Um 21 Uhr ist das Outdoorgelände voll. Und auch auf der Bühne tummeln sich ordentlich Menschen. 12 Musiker*Innen sind am heutigen Abend die Band Gorillaz. Ursprünglich ist es ja ‘nur’ ein Kunstprojekt, das 1998 von den beiden Musiker Damon Albarn und Jamie Hewlett erschaffen wurde. Sie schaffen eine virtuelle Abend, eine Zeichentrick-Supergroup. Erste Konzerte spielen sie hinter einem Vorhang, nicht die menschlichen Musiker, sondern die Musik soll im Vordergrund stehen. Vier Charaktere sind die Hauptband: Murdoc (aka Jamie Hewlett), 2-D (Damon Albarn) sowie Russell (Del Tha Funky Homosapien) und Noodle (Miho Hatori von der New Yorker Indieband Cibo Matto). Dazu kommen Gastmusiker. Auf dem aktuellen Album The Mountain sind es unendliche viele (u.a. Johnny Marr, Mark E. Smith, Gruff Rhys, die Sparks, der Sänger der Idles, Tony Allen, Paul Simonon, undsoweiter). Live sind die natürlich nicht alle mit dabei. Es gibt nur drei Gastauftritte: Kara Jackson singt bei „Orange County“, Mos Def rappt bei „Stylo“ und zusammen mit Omar Souleymane bei „Damascus“. Ansonsten bleibt die Band unter sich. Was mich beeindruckt: die Gorillaz haben drei Schlagzeuger und einen zusätzlichen Trommler und ich frage mich, warum. Egal. Was mir noch auffällt: Damon Albarn sieht irgendwie müde aus. Das hat aber keinen Einfluss auf seine Performance. Die ist top.
Musikalisch haben sich die Gorillaz enorm weiterentwickelt. Die ist zumindest mein erster Eindruck, nachdem ich ein paar der neuen Songs – die ich bis dahin alle noch nicht wirklich kenne – gehört habe. Dominierte früher – als vor 25 Jahren – eine Art Rabauken Hip-Hop mit netten Video, so sind die Sounds im Laufe der Zeit ruhiger, weltmusikalischer und offener gegenüber weiteren musikalischen Einflüssen geworden. Nette Videos gibt es allerdings nach wie vor. Erwachsener halt und nicht mehr so draufgängerisch jugendlich. Jamie Hewlett und Damon Albarn sind eben auch älter geworden. Und gerade Damon Albarn hat sich in den letzten Jahren sehr von seinem Britpop-Prinzen Image gelöst und viele musikalisch komplett andere Dinge gemacht.

Das Konzert ist gut, sogar sehr gut. Stimmung und Ambiente schließen sich dem an. Es ist ein enorm schöner, runder Abend und das Publikum dankt es mit viel Applaus. Apropos Publikum. Das Luxemburger Tageblatt schreibt:

 ‘Tatsächlich dürfte es schwerfallen, an diesem Abend eine Bevölkerungsgruppe auszumachen, die nicht vertreten ist. Kinder mit „Gorillaz“-Mützen, Seniorinnen im Sommerkleid, Punks, Skater*innen, Manga-Fans, Hippies. Gen Z, Millennials und Gen X stehen Schulter an Schulter.’

Und ich stimme zu. Auch mir fällt auf, dass das Publikum sehr inhomogen ist. Am Ende der 19 Songs umfassenden Setlist kommen dann noch die ganz großen, alten Hits. „Feel Good Inc“ und „Clint Eastwood“ runden das Konzert ab, das wie erwartet sehr bunt und abwechslungsreich war. Ich zumindest fühlte mich die 90 Minuten sehr gut unterhalten.

Setlist:
01: The Mountain
02: The happy Dictator
03: Tranz
04: Last living souls
05: 19-2000
06: Rhinestone eyes
07: El Mañana
08: On melancholy hill
09: Orange County
10: Casablanca
11: Delirium
12: Andromeda
13: Kids with guns
14: Stylo
15: Damascus
16: Dirty Harry
17: The shadowy light
18: Feel Good Inc.
19: Clint Eastwood

Kontextkonzerte:
Gorillaz – Köln, 20.06.2017 / Palladium

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