Ort: Hallenstadion, Zürich
Vorband: Glasvegas

Oasis in Zürich

„Uppsala“, mit Betonung auf dem ersten a, sagt der Schaffner kurz bevor wir den Karlsruher Hauptbahnhof erreichen. Der Zug machte einen leichten Kurvenschlenker, der den Bahnbediensteten aus dem Gleichgewicht brachte.
Die ersten Boten unseres Ziellandes begegnen uns recht früh auf der Reise. Es sind noch gute dreieinhalb Stunden bis nach Zürich, wo an diesem Abend in der größten schweizerischen Hallenarena die größte Band des Universums einen Konzertauftritt geben wird. Es ist das zweite Konzert der aktuellen Tour, das ich innerhalb kurzer Zeit sehe. Überraschungen erwarte ich daher keine. Die Setlist wird die Setlist sein und die Bühnenshow die Bühnenshow.Warum was ändern?

Das Hallenstadion Zürich ist die größte multifunktionale Arena in der Schweiz. In der Arena werden hauptsächlich Sportveranstaltungen, Konzerte und Events durchgeführt. Aktuell bestehen 19 verschiedene, durch die Feuerpolizei bewilligte Veranstaltungslayouts. Je nach Veranstaltungslayout variieren die Abmessung der bespielten Fläche, die Sektorenaufteilung, die Zuschauerkapazität und viele weitere Rahmenbedingungen. (Die Einsamkeit des Wartenden erzeugt seltsames, unnützes Wissen). 14 000 Menschen passen an diesem Abend in den Mehrzweckbau im Nordosten der Stadt. Die sind im Laufe des Abends auch alle erschienen, obwohl es anfangs gar nicht danach aussieht. Noch um kurz vor acht Uhr sindgroße Freiflächen auf den Sitzrängen zu erkennen, und im Innenraum ist es kein Problem, ohne Drängelei in die vorderen Regionen vorzudringen. Toll, dass ich schon um kurz nach 18 Uhr vor Ort bin, das hätte ich mir definitiv schenken können. Na ja, so konnte ich zwei Stunden lang Löcher in die Luft starren bzw. den mitgebrachten Touristik-Reiseführer aus dem Infocenter am Hauptbahnhof durchblättern. Im Mittelteil gab es doch tatsächlich eine Auflistung ‚In welchem Uhrenladen können sie welche Uhrenmarke kaufen.‘ Inklusive Übersichtsstadtkarte mit markierten Uhrengeschäften.

Hallenstadion Zürich

Um halb acht schallt plötzlich eine Lautsprecherstimme durch die Halle. Leider kann ich nicht jedes Schwyzerdeutsche Wort verstehen, aber im Groben ging es darum, uns im Hallenstadion herzlich Willkommen zu heißen und den anschließenden Werbeblock anzukündigen. Es verstummen die Musikeinspielungen vom Band (wie schon in Düsseldorf allerfeinste Beatmusik aus den 60ern, 70ern und den letzten vierzig Jahren) und Tommy die Ketchupflasche hüpft über die seitlich installierten Hallenleinwände. Dann noch ’ne Autowerbung und diverser anderer Kram (da ich es nicht behalten habe, hat hier die Werbung nicht ihr Ziel erreicht). Nach fünf Minuten ist der Spuk vorbei, und es trällern die vertrauten Klänge vom Band.
Glasvegas eröffnen pünktlich. Ich freue mich, dieses Mal eine gute Vorgruppe erleben zu dürfen. Die Jesus and Mary Chain Reinkarnation hinterläßt mächtig Eindruck. Im Vorfeld habe ich von schlechten Glasvegas– Liveerfahrungen gehört, konnte das aber nicht wirklich glauben.
Die Glasgower bestätigten das mit einem druckvollen und energischen Set. Die Schlagzeugerin drischt auf’s Schlagzeug als gibt es kein Zurück mehr und sieht dabei etwas grobschlächtig aus. Da geb’ ich den Kritikern recht. Live sind Glasvegas eben mehr Glasgow als Las Vegas. Die Musik wird gearbeitet, nicht celebriert. Da berstet der Hals des Sängers James Allan wie der Kehlkopf in der Balzzeit, und Gitarrist Rab Allan tropft der Schweiß nach wenigen Minuten aus allen Poren.
Glasvegas starten mit „Geraldine“ und beenden ihr gut halbstündiges Set mit „Daddy’s gone“. Das macht die Sache rund, die beiden bekannteren Songs den Rahmen für das kurze Set bilden zu lassen. Das Licht ist kalkweiß, die vier in schwarz gekleidet. Die stroboskopartigen Lichtblitze und die spartanische Ausleuchtung passen zu den blechernen Industriegitarren. Glasvegas haben ihren Charme zwischen Hochofen und Vorstadt, zwischen Arbeitermelancholie und kalten Universitätsräumen. Eine derzeitig einzigartige Kombination. Musikalisch ist das alles nicht neu, aber punktgenau im Zeitgeist angesiedelt und daher – zumindest in England – sehr erfolgreich. Mal abwarten, wie lange dieser Zeitgeist poltert.
Spoiler: Im Mai kommen Glasvegas ins Gebäude 9. Die Show ist mittlerweile ausverkauft.

Glasvegas

Kennst du ein Oasis Konzert, kennst du alle. Erst recht, wenn es sich um die gleiche Tour handelt. Die Gallaghers sind faul, ändern normalerweise nicht einmal ihre Setlist. Liam, so hab ich mal gelesen, will nicht mehr Liedtexte als nötig lernen, daher ist ihr Liverepertoire eher begrenzt.
In Zürich ist das nicht anders. Bis auf „Waiting for the rapture“, das komplett fehlte, war es die Düsseldorfer Setlist.
Liam, er trägt die gleiche dunkle Jacke und Sonnenbrille, ist  gestentechnisch wieder voll auf der Höhe und nur interessiert daran, ob auch Engländer im Publikum seien. Mehr Kommunikation ist nicht. Noel schraubt sich gerade mal ein kurzes ‚Hallo‘ raus. Aber bei Oasis ist die Erwartungshaltung diesbezüglich Konversation eher bei null anzusiedeln. Sie sind also im Soll. In allen Belangen. Showtechnisch und musikalisch. Wer etwas anderes erwartet, kennt die Band nicht. Es war ein 100%iges Oasiskonzert.
Zürich gibt, genau wie Düsseldorf und wahrscheinlich alle anderen Oasiskonzerte in 2009 bisher, eindrucksvoll die Bestätigung, dass die Band so angesagt ist wie lange nicht mehr. Beide mal ausverkauftes bzw. fast ausverkauftes Haus, gute Stimmung und eine sehr spielfreudige Band.
Ich habe zwei wundervolle Konzerte gesehen, die qualitativ sehr hoch anzusetzen sind. Das ist mir bei Oasis nicht immer geglückt. (Ich erinnere mich da an einen Stuttgarter Auftritt, puhh). Doch mit dem letzten Album scheinen sie nochmal die Kurve gekriegt zu haben.
Wer mal eben 14000 Leute in eine Halle zwingt, kann nur groß sein. Da mag man zu den Gallaghern stehen wie man will.

Setlist Glasvegas:
01.Geraldine
02. Lonesome swan
03. It’s my own cheating heart that…
04. Flowers and football tops
05. Ice Cream Van
06. Go square go
07. Daddy’s gone

Setlist Oasis:
01. Fuckin‘ in the bushes
02. Rock’n’Roll Star
03. Lyla
04. The shock of a lightning
05. Cigarettes and Alcohol
06. The meaning of soul
07. To be where there’s life
08. The Masterplan
09. Songbird
10. Slide away
11. Morning glory
12. Ain’t got nothing
13. The importance of being idle
14. I’m outta time
15. Wonderwall
16. Supersonic
Zugabe:
17. Don’t look back in anger
18. Falling down
19. Chamagne Supernova
20. I am a Walrus (Beatles Cover)

Kontextkonzerte:
Oasis – Düsseldorf, 04.02.2009 / Philipshalle