Ort: Muziekgieterij, Maastricht
Vorband: Katie J Pearson

CMAT - Maastricht, 19.03.2026

CMAT ist das Kürzel für Ciara Mary-Alice Thompson. So heißt die irische Sängerin mit Vollnamen. Ciara Mary-Alice Thompson macht seit einigen Jahren Musik und veröffentlicht seit 2022 unter dem Namen CMAT. Drei Alben sind seither erschienen, das letzte im Frühjahr 2025. Ich kenne keins. Wie ich genau auf dieses Konzert gestoßen bin, kann ich gar nicht mehr sagen. Aber irgendwann sah ich mich in der Ticketswap Warteschleife für ein Resale Ticket. Ihr Konzert in der Muziekgieterij war Wochen vorher ausverkauft, was mich sehr überraschte und gleichzeitig noch neugieriger machte. Irritiert war ich über die wenigen Songs, die bei setlist.fm zu ihren bisherigen Konzerten der It’s the Euro-Country Tour gelistet waren. 13, 14, 12 Songs waren die Angaben, die mich aufhorchen ließen. Dann gibt es ja ein schnelles Ende, es soll mir recht sein. Tags zuvor Geese und morgen wartet auf mich das KiWi Festival in der Philharmonie. Ein kurzer Abend wäre nicht verkehrt. Wurde es dann aber nicht. Zahlen lügen doch.

Auf dem Weg nach Maastricht stelle ich fest, dass der Weg in die Muziekgieterij nicht viel länger dauert als der Weg zum Palladium in Köln. Okay, vielleicht 15 Minuten mehr Autofahren, aber das ist ja nix. ‘Das hier ist so viel besser als das Palladium’, höre ich im Foyer der Muziekgieterij jemanden sagen. ‘Stimmt’, denke ich, ‘und Gott sei Dank nicht viel weiter entfernt, wenn ich die heutige Fahrzeit mit der von gestern vergleiche.’ Aber grundsätzlich sind viele Locations besser als das Palladium. Bei der Muziekgieterij stimmt das definitiv, und ich kenne auch kaum ein Konzertvenue, das so schön, so übersichtlich und eine so angenehme Atmosphäre bietet wie der Laden am Stadtrand von Maastricht. Hätte ich die Wahl, ein Konzert in Köln oder in Maastricht zu besuchen, ich würde immer Maastricht wählen. Ich bin noch etwas kaputt vom Vortag, daher komme ich nicht sehr früh los. Ist aber egal, denn zwar ist die Muziekgieterij genauso wie das Palladium tags zuvor auch ausverkauft, aber in den Niederlanden sind 20 Minuten vor Konzertbeginn die ersten Reihen noch nicht zugestellt. 1100 Menschen passen immerhin in den großen Saal, der Balkone über 2 Etagen aufweist. Komisch, das ist mir noch nie aufgefallen; bisher dachte ich immer, es gäbe nur eine Galerie. Sachen gibt’s.

Vorne links ist noch Platz. Ich sortiere mich ein und entdecke im Publikum bekannte Gesichter. Auch Maastricht hat seine üblichen Verdächtigen, die ich mehr oder weniger regelmäßig bei Konzerten hier sehe.
Pünktlich um 20 Uhr betritt die Singersongwriterin Katie J Pearson die Bühne. Mir war vorher nicht ganz klar, ob es eine Vorband geben wird und wenn ja, wer es sein könnte. Die Sängerin, die dann die Bühne betritt kannte ich auf den ersten Blick nicht. Sie stellte sich mit Katie vor, dass es sich um Katie J Pearson handelt, lerne ich erst im Laufe ihres Programms. Das beinhaltet typische do-it-yourself Singersongwriter Songs, sehr reduziert dargeboten und manchmal sehr schön. Katie J Pearson überzeugt mich nicht vollständig, nach sehr tollem Beginn mit zwei, drei wunderbaren Songs, wird es fuer mich dann etwas eintönig. Während ihres halbstündigen Sets bemerke ich auch eine stärkere Unruhe im Publikum, scheinbar stehe ich nicht allein mit meinem Eindruck.

Umbaupause. Die Band CMAT hat einen sehr gewissenhaften Getränkebeauftragten. Akribisch schaut ein Mann immer wieder auf sein Handy, bevor er verschiedene Flaschen – ich vermute mit verschiedenem Inhalt – aus seinem Getränketräger holt und sie auf der Bühne verteilt. Es braucht sicherlich fünf Minuten, bis er die Flaschen aus seinem Körbchen verteilt hat.
In Maastricht wird aus CMAT schnell CMAAS, wie ein Schild im Publikum zeigt. Der erste Jubelhöhepunkt lässt nicht lange auf sich warten. Ich schätze mal, es dauert 5 Sekunden, bis er losbricht. Während die Band (in Summe 5 Musiker*innen) auf der Bühne die ersten Takte von „Janis Joplining“ anstimmt, taucht Ciara Mary-Alice Thompson auf der Galerie auf und singt den Song umringt vom Publikum. 5 Sekunden Überraschungsstarre nehmen sich die Umstehenden, bis sie gemerkt haben, wer gerade neben ihnen steht. Das nenne ich mal einen Konzertstart! Dass der Entertainment-Faktor während des Konzerts bei Ciara Mary-Alice Thompson definitiv nicht zu kurz kommt merke ich daran, dass nach einer halben Stunde gerade mal vier Songs gespielt wurden. ‘Wenn es in diesem Tempo weitergeht’, denke ich, ‘dauert es knapp 2 Stunden’. So ganz falsch liege ich mit meiner Prognose nicht, denn ja, es ging in diesem Tempo weiter und ja, das Konzert dauerte länger, als es die 13 Songs lange Setlist vermuten lassen würde. Um kurz vor 23 Uhr verlasse ich die Muziekgieterij.

Bis dahin verging die Zeit tatsächlich schnell. Ich hatte mich auch nach meinem Ticketswap Kartenkauf wenig auf den Abend vorbereitet. Zwei, drei Songs hörte ich, aber intensiver fiel meine Beschäftigung mit CMAT nicht aus. Ich verließ mich ein bisschen auf die Aussagen, die mir zugetragen wurden: Und dennoch bin ich etwas überrascht. So viel Tamtam hätte ich nicht erwartet. Ich guckte schon nicht schlecht, als ich beim Betreten des Saals die kleine Showtreppe und das Bühnenlogo erblickte. Jetzt gucke ich noch stärker nicht schlecht. Mir gefällt es, wenn Leute sich nicht super ernst nehmen und locker über sich lachen können. Ciara Mary-Alice Thompson hat – zumindest auf der Bühne – diese Eigenschaften und zeigt hiervon eine Menge. Sie geht keinem schlagfertigen Wortwechsel aus dem Weg, blamiert sich etwas beim spontan von zwei Mädels aus der ersten Reihe angefragten Bild, das sie doch noch schnell vor dem nächsten Song fuer sie zeichnen könnte, räkelt sich auf der dreistufigen Showtreppe und endet beim letzten Song erneut im Publikum. All das ist enorm unterhaltsam und zeugt von wenig Starallüren. Schade nur, dass sie, wie so viele irische Künstler*innen, eine differenzierte Meinung und Sicht auf den Gaza-Konflikt hat. Das nimmt bei mir gegen Ende des Konzerts ein bisschen die Stimmung raus. Dass CMAT neben all dem Show Tohuwabohu auch ein paar veritable Hits hat, möchte ich nicht unerwähnt lassen: „Stay for Something“, „Running/Planning“, „I don’t really care for you“ oder „Tree six foive“ sind tolle Popsongs.

Setlist:
01: Janis Joplining
02: The Jamie Oliver Petrol Station
03: I don’t really care for you
04: When a good man cries
05: Tree six foive
06: Have fun!
07: Take a sexy picture of me
08: Iceberg
09: Where are your kids tonight?
10:Running/Planning
Zugabe:
11: Euro-Country
12: I wanna be a cowboy, Baby!
13: Stay for Something

Kontextkonzerte:

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