| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Safaripark, Beekse Bergen
Bands: Portishead, Suuns, Everything Everything, Local Natives

Portishead

Ein dämlicher Name für ein Festival, auf der Rückfahrt irgendwo auf er A57 waren wir uns darüber einig. Was wurde denn großartig geheim gehalten?
Nun, vielleicht die Tatsache, dass die Festivalidee – Festivalgelände an einem Bungalowpark mit der Option, dort zu übernachten und mit einer Fähre (den Bungalowpark und das Festivalgelände trennte ein See) auf das Festivalgelände transportiert zu werden – in der praktischen Umsetzung noch etwas haperte. Fairerweise sei erwähnt, dass es die erste Ausgabe des Festivals war, die Macher haben sich noch Luft nach oben gelassen.
Wir waren nur Tagesgäste, zeitliche Beschränkungen ließen uns nicht die Möglichkeit, drei Tage in der Nähe von Tilburg zu verbringen. Aber 150 Autobahnkilometer sind keine Entfernung, die man an einem Sonntag nicht zurücklegen kann. Und diesen Sonntag wollten wir uns nur sehr ungern entgehen lassen. Portishead, Sigur Ros, Suuns, Everything Everything und eigentlich Modest Mouse, die aber leider absagen mussten und für die dann die nicht weniger uninteressanten Palma Violets einsprangen.

5 Bands in sechs Stunden, so der Plan. All killers, no fillers. Aus fünf wurden dann nur drei, was nicht nur dem immer wieder aufkommenden Platzregen geschuldet werden musste. Die Bühnenkonstellation stellte sich schnell als unglücklich heraus. Ein längliches Zelt beherbergte die zweitgrößte Bühne, die Hauptbühne war dazu so angeordnet, dass es kaum möglich war, als Laufkundschaft noch irgendetwas von der Bühne zu sehen. Ein Wall und die falsche Ausrichtung ließen dies nicht zu. Das bedeutet, dass man immer sehr zeitig vor Orts ein musste, um einen wirklich guten Platz zu bekommen. Und mit wirklich gut meine ich einen Platz, an dem man relativ ruhig das Konzert sehen kann. Das galt auch für das Zelt. Während des ersten starken Platzregens verschlug es uns direkt dorthin, es war gerade die Umbauphase vor dem Everything Everything Auftritt, und wir beschlossen, einfach die restliche Zeit mehr oder weniger hier zu bleiben. Denn schnell war klar, dass man Portishead nur in den vorderen Bereichen des Zeltes richtig genießen konnte und wenn man das tun wollte, man Sigur Ros getrost knicken konnte. Wie sollte man dort noch vor die Bühne kommen, wenn die Band punktgenau nach Beendigung des Portishead Sets anfängt zu spielen und sicherlich schon viele Menschen vor der Bühne warten würden. Keine Chance, was gleich die zweite schlechte Planung offenbart. Minutengenaues abpassen der Bands auf den einzelnen Bühnen macht sich im programmplan zwar gut, ist aber für Festivalbesucher, die die Bands sehen wollen, ein Ärgernis. Nicht auszudenken, wenn Modest Mouse gespielt hätten. Wir hätten dafür zwei Konzerte halb opfern müssen, da wir eher aus dem Zelt raus und erst später in das Zelt rein (sofern es noch möglich gewesen wäre) gekommen wären.
Und da es zwischendurch immer mal wieder heftigst schüttete, blieben wir als einfach im Zelt stehen. Wir hatten gute Plätze und mit Everything Everything, Suuns und Portishead einen herausragenden Abend vor uns. Im Nachhinein waren wir uns auch darüber einig: Alles richtig gemacht.

Everything Everything entdeckte ich in diesem Frühjahr mit ihrem zweiten Album „Arc“. Es ist für mich die Band mit den interessantesten Songtiteln: „NASA is on your side“ , großartig, aber auch „Querty fingers“ oder „Photoshop handsome“ klingen extraordinär und nach viel Computeraffinität. Aber nicht nur die Titel sind toll, auch die Songs dahinter klingen famos. Ich mag sie sehr, allerdings stören mich auch Falsettstimmen nicht. Jonathan Higgs hat eine Falsettstimme. Sie ist präsent, dominant und einfach da. Live klingt sie leider etwas nerviger als auf Platte, so meine Erkenntnis nach einer knappen halben Stunde. Aber auch hier störte sie mich überhaupt nicht. Einen Hang zu Computern haben Everything Everything sicherlich, ihre Sounds sind eine moderne Mischung aus Indiepop, Dance und Electro. Das ist nicht neu und nicht besonders, aber im Fall von Everything Everything so schön, dass ich ihr Album zuhause sehr regelmäßig höre. Als drittletzten Song spielten sie „Photoshop Handsome“, einen meiner Lieblingshits, und alles war gut.

Setlist Everything Everything:

01. Cough Cough
02. MY KZ, UR BF
03. Torso of the week
04. Schoolin‘
05. Suffragette Suffragette
06. Radiant
07. Photoshop handsome
08. Kemosabe
09. Don’t try

Suuns
Suuns sah ich erst vor einigen Wochen, bzw. ich hörte sie. Ihr Konzert im Studio 672 war gutbesucht und es fiel mir seinerzeit schwer, einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Nun sah ich also die Gesichter zu der Musik, die mich im Studio so umgehauen hat. „Music won‘t save you“, mit diesem epochialen Klassiker begannen Suuns auch auf der Zeltbühne. Die Kanadier spielten laut, aber handzahm. Die Songs des Album „Image du futur“ stehen im Mittelpunkt des Sets, um den Welthit „Edie‘s dream“ hangeln sich Suuns mit „Sunspot“ und „Bambi“ in Richtung des ganz großen Gitarrengewimmers. Abseits des Zeltes prasselt der nächste Schauer herunter, wir standen mollig warm vor der Bühne und genießen leicht wippend und aufgrund des Dielenbodens passiv mitschwingend die komisch rhythmischen Tanzsounds und Verzerrungen der Kanadier. Nach dem Ende des Sets schmerzt zwar der Rücken, aber etwas Leid muss eben manchmal sein.

Setlist Suuns:
01. Music won’t save you
02. Powers of ten
03. 2020
04. Arena
05. Edie’s dream
06. Sunspot
07. Bambi
08. Up past the nursery
09. Pie IX
10. Sweet nothing

Portishead sind eine der coolsten Bands des Planeten. Beth Gibbons eine der tollsten Sängerin. Wie konnte ich das nur vergessen. Als wir den Plan fassten, nach Tilburg zu fahren, hatte ich das Portishead Konzert gar nicht so recht auf der Vorfreude-Liste. Na gut, Portishead spielen da auch, nett, schön. Mehr waren meine Gedanken jedoch nicht. Erst auf der Fahrt zum Festival wurde ich daran erinnert, dass ich ihr Konzert im Palladium vor einigen Jahren sehr begeisternd fand. Das hatte ich völlig vergessen, genauso wie ihr drittes Album. An das kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, selbst das markante „Machine Gun“ war mir entfallen. Aber wozu gibt es Konzert und Konzertfahrten. Da kann man gemütlich zurückblicken, sich aufklären und updaten lassen. Und als wir in Beekse Berge ankamen, war sie denn auch da: die große Vorfreude auf diese einzigartige Band. Ja, schon alleine wegen des Portishead Konzertes hätte sich die Fahrt gelohnt, zu selten kann man diese Band live sehen und zu schön sind ihre Konzerte. Beth Gibbons sieht immer noch so aus wie vor 10 Jahren; dieses Jacke, die Haare. Es scheint, als hätte sich nichts geändert. Immer noch dreht sie sich nach jedem Song zu Portishead Mann Geoff Barrow um, wartete den Beginn des nächsten Songs ab, um sich dann wieder nach vorne ans Mikrofon zu begeben. Monotone Bühnenperformance zu wummernden und trappelnden Sounds. Portishead spielten altbekanntes, ein neues Album ist und war seit dem 2008er „Third“ nicht in Sicht. Alle kennen alles, und so wird es ein Konzert der großen „ach ja“ und „nein, das war ja auch noch, toll“.

Kontextkonzert:
Suuns -Köln, 06.05.2013
Portishead – Köln, 06.04.20008

Multimedia:
https://www.youtube.com/watch?v=SHUWOVBRtAw

https://www.youtube.com/watch?v=LdR7RVJAUFk

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."