| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

of Montreal – Berlin, 01.03.2014

Ort: Lido, Berlin
Vorband: The Anna Thompsons

of Montreal
In der einzigen Zugabe des Abends spielen of Montreal als 15 Minuten Wahnsinnsorgie „The past is a grotesque animal“ und allerspätestens nach dem furiosen Infernofinale, das sich an die letzten Textzeilen „and none of our sectrets are physical now“ anschließt, bleiben keinerlei Fragen mehr offen. Einzig die Münder im ausverkauften Lido müssen wieder zugeklappt werden.
Wow, was für eine Show der Amis um die größte Diva des Indiebusiness, Kevin Barnes!
Gute anderthalb Stunden spielten uns of Montreal in ein Paralleluniversum, verzauberten uns mit Disco- und Funkklängen, verschoben uns mit lauten Gitarren und wilden Keyboards in eine andere Welt. Grandios, grandios.
Der Morgen in Berlin begann in den 80ern. Vor mir an einer Ampel irgendwo zwischen Kreuzberg und Neukölln steht Meg Ryan. Also nicht die aktuelle Meg Ryan, sondern die Meg Ryan aus Harry & Sally. Schulterlanges dauergewelltes Haar, metallgefasstes Brillengestell, im Schulterbereich angepolsteter Lodenmantel, bis zu den Knöcheln hochgekrempelte Jeanshose. Ich könnte sie für so viel Authentizität umarmen. Ob dieses Mädchen weiß, wie perfekt sie aussieht? Sicherlich. Dieses Berlin ist in diesen Tagen sehr achtziger. Ins Cafe zum Frühstück fahren sie auf klapprigen Rennrädern und Rundhalspullovern, rauchen Dunhill und zum Joggen kleidet man sich wie weiland Dustin Hofmann im Marathon Mann. Mode und ihre zyklischen Wiedergeburten, ein Kapitel für sich. Aber lustig sieht es allemal aus. (mehr …)

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BootBooHook Festival – Hannover, 24.08.2012

Ort: Eine Wiese auf dem / am ehemaligen Expogelände neben IKEA
Bands: Locas in love, Like a stuntman, To Rococo Rot, Palais Schaumburg, Japandroids, Of Montreal, Tocotronic

Das gibt es tatsächlich noch! Ein mittelgroßes deutsches Indiefestival ohne die beiden musikalischen Vorzeigeathleten Get well soon und The Notwist. Nun gut, ich bin nicht der Dauerfestivalgast, für mich gibt es keine Festivalsaison, für mich gibt es zwei, drei Festivals pro Sommer, aber in den letzten Jahren hiess es tatsächlich, kein deutsches Festival ohne eine der beiden Bands. Egal ob das Juicy Beats vor einem und vor zwei Jahren, das Maifeld Derby, das diesjährige Lüften Festival oder das tolle, bald stattfindende New fall Festival, eine der beiden Bands kamen uns immer unter.
Beim diesjährigen BootBooHook in Hannover wird mit dieser Tradition gebrochen. Dass Get well soon letztes Jahr hier spielten und The Notwist im Jahr davor ist schön zu wissen. Wo diese beiden Bands spielen, kann kein schlechtes Open Air sein, so meine schon lange gezogene Schlussfolgerung. Dass das 2012er BBH aber locker ohne die beiden auskommen kann zeigt allein der Freitag: Locas in love, Like a stuntman, die Japandroids, of Montreal und Tocotronic. Für unsere Favoriten reicht so gerade eine Hand, und dann sind da ja noch Palais Schaumburg und To Rococo Rot. An den übrigen Tagen sieht das nicht anders aus. Das ist jedoch nicht sonderlich verwunderlich, wenn man liest, dass die Menschen von Tapete Records mit viel Fachverstand und Musikgespür über das BootBooHook Festival wachen.
Egal, der Freitag sollte den ersten Schwung an Bands bringen, wegen denen ich mich nach Hannover aufmachten. Japandroids, ja! Of Montreal, ja! Tocotronic, kann man mitnehmen. Am Samstag kamen dann noch Whitest Boy Alive und We have Band dazu, so dass aus einem Tagesausflug planerisch schnell ein 2-Tagesausflug gemacht wurde. Als ich mir dann die Ticketpreise und die Übernachtungsmöglichkeiten im Messeviertel der Landeshauptstadt ansah, war auch das nicht genug. Nein, e3s sollte das volle Programm sein und wenn es Erklärungsrechtfertigungen benötigte, dann diese: ein drei Tagesticket kostet genauso viel wie zwei Ein-Tagestickets. Und am Sonntag spielen ja noch Ja, Panik, eine der unbedingt sehenswerten Bands. Als sich dann herausstellte, dass die Luxusabsteige in knappen 800 Metern Festivalentfernung auch nicht das kostet, was sie kosten könnte oder gar musste, wurde aus einem Festival-Freitag ein komplettes Festivalwochenende. Wenn schon, denn schon. 3 Tage Hannover also.
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of Montreal – Köln, 19.04.2012

Ort: Werkstatt, Köln
Vorband: Yip Deceiver

Über of Montreal weiß ich nicht viel. Ich habe mir das neue Album zugelegt, weil ich die Single „Dour percentage“ sehr eingängig und interessant fand. Das war zu der Zeit, als ich Destroyer für mich entdeckte und mir die oberflächlich seichten Popmelodien mit ihrer heimlichen Verrücktheit, die beide Bands haben, sehr gefiel.
Dass of Montreal nicht aus Kanada sondern aus Athens kommt, war mir nicht klar. Macht aber nix, denn sowohl Kanada als auch Georgia sind schöne Orte, die ich gerne besuchen würde. Genau wie Winnipeg, einfach, um mal zu prüfen, ob diese Stadt wirklich hassenswert ist. Eine andere Geschichte…

Bitte was ist denn das Elephant 6 Kollektiv? Bei meiner Suche in Wikipedia fällt mir im ersten Satz diesen Ausdruck auf, den ich noch nicht gehört hatte. Weiter unter erklärt Wikipedia dann, of Montreal bedienen sich

„einen für viele der Elephant 6-Bands typischen Stil. Sie kombinieren musikalische Experimente mit den Grundzügen der Pop-Musik, wie eingängigen Melodien und mitzusingenden Refrains.“

Gut, das habe ich verstanden, ohne jedoch wirklich schlauer zu sein. Laut.de erklärt dann weiter:

„Zweifelsohne ist das in den neunziger Jahren gegründete Musikerkollektiv Elephant 6, dem auch Bands wie The Apples In Stereo oder Neutral Milk Hotel angehören, eine wichtige Koordinate für Of Montreal. Dem Labelsound, irgendwo zwischen knarzigem Indierock und ausuferndem Psychedelic Pop, fühlt sich auch Kevin Barnes in Grundzügen verpflichtet, der aber gleichzeitig wenig Berührungsängste hat, den Hybrid Of Montreal ständig weiterzuentwickeln.“

Aha, E6 war ein loser Band- bzw. Musikerzusammenschluss, das eifrig Kassettentapes austauschte und zusammen Musik machte. In den 90ern entstand dann daraus ein Plattenlabel. Eine gute Sache, das Hobby oder die Leidenschaft beruflich zu nutzen. Einen ersten Überblick über das Elephant-6 Imperium gibt ihre Homepage bzw. ein Besuch des ATP Festivals curated by Jeff Milk oder des Primavera, wo neben Jeff Milk’s Neutral Milk Hotel auch die E6 Band „The Olivia Tremor Control“ auftreten werden.
Doch zurück zu of Montreal: Seit 1997 hat die Band 11 Alben veröffentlicht, und mehrfach ihren Stil gewechselt. Am Anfang standen Lo-Fi Indie und Twee-pop, mittlerweile ist es eher 60s Rock und eine Mischung aus sämtlichen Musikstilen der letzten 30 Jahre. Das klingt anstrengend, und meine heimliche Befürchtung auf dem Weg nach Köln war denn auch die, dass es – wenn es blöd läuft – ein ebensolcher Abend werden könne. Beruhigenderweise lief es aber nicht blöd.
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