Ort: Luxor, Köln
Vorband:

Emily Haines (Metric)

Ich hörte die Single „Help I’m alive“ im Radio auf dem Weg nach Köln. Im typischen Breeders– Beat dröhnte der Refrain

„My heart is beating like a hammer, beating like a hammer…“.

Das klang vielversprechend. Metric heiße die Band, sagt Ingo Schmoll. Metric, ah okay, kenne ich gar nicht. Also, Name abgespeichert und tags drauf die CD geordert.
Als der Postbote das Päckchen brachte, ich es auspackte und die CD in das Abspielgerät legte, suchte ich das Lied aus dem Radio vergebens. Ich fand aber den Opener „Grow up“, das dem Radiosong sehr nahe kam, wenn nicht gar schöner war. Es klang zwar nicht nach den Breeders, aber dafür hörte ich die Stars heraus. Eine ebenso gute Referenz.

Und was war passiert? Nun, ich hatte nicht das aktuelle Album Fantasies gekauft, sondern das 2007 offiziell erschienene Grow up and blow away. Das Album, das 2001 produziert wurde, kam seinerzeit wegen Streitkram mit der Plattenfirma nie offiziell auf den Markt und wurde erst vor zwei Jahren veröffentlicht.
Ich muss also nachlegen, denn zum einen macht Grow up and blow away Appetit auf mehr, und zum anderen hatte ich ja immer noch nicht das Album zum Radiosong. Folglich lud ich kurze Zeit später Fantasies von der Metric Seite, und während der gleichen Onlinesitzung kaufte ich die Konzertkarte fürs Luxor.
Metric kommen aus Kanada, genauer gesagt aus Toronto. Noch genauer gesagt: Emily Haines und James Shaw stammen aus Toronto, Joshua Winstead und Schlagzeuger Joules Scott-Key, die aus dem ursprünglichen 2-Personen Projekt eine Band machten, kommen aus Kalifornien.
Also Kanada. Indierockland Nummer eins unserer Tage. Über die Visions- Reportage zum Thema war ich enttäuscht, erfasst sie doch bei weitem nicht alles, was das Land an tollen Bands zu bieten hat.
Also Köln, Konzertstadt Nummer eins. Über das Luxor kann man viel Negatives sagen, muss man aber nicht. Und wenn man früh genug vor Ort ist, sich also stehplatztechnisch noch gemütlich vor der Bühne postieren kann, ist es okay. Nur ein bisschen laut, wenn man zu sehr nach links oder rechts in Richtung Boxentürmchen abgedriftet wird.
Heute bin ich früh, und das ist gut. Denn zum einen liefern Metric ein fulminantes Set ab und zum anderen füllt sich das Luxor gegen neun doch beachtlich, so dass der spätere Zug wieder die falsche Wahl gewesen wäre.
Am Nachmittag hatte ich gelesen, dass Metric eine der besseren Livebands seien. Stimmt. Definitiv.
Emily Haines ist die Frontfrau des Jahres bis jetzt. In grauverwaschenen Jeans, weißem Top und weißen Knöchelstiefeln vereinnahmt sie sofort jeden und alle. 100% Rockstar-Energie.
Der Maßstab wird gleich zu Konzertbeginn mit „Twilight galaxy“ und dem Radiosong „Help I’m alive“ hoch angesetzt. Besser kann man ein Konzert nicht eröffnen. Das Luxor war da und es darf auch bei den nächsten Songs nicht lange Luft holen.
Vier Keyboards sorgen dafür, dass der Metric Sound live sehr tastenlastig umgesetzt wird. Zeitweise spielen Frontfrau Emily Haines und Jimmy Shaw gleichzeitig an drei Keyboards. Damit ist der Keyboard-Anteil eindeutig größer als auf Platte, was ich aber nicht als schlimm empfinde.
Unterstützt durch das dezente Schlagzeugspiel baut sich ein sehr tanzbarer und hüpfkompatibler Sound auf, ohne dabei elektroclashig rüberzukommen. Typischer kanadischer Indierock. Immer melodiös, tanzbar und nie zu brutal traurig oder fröhlich. In einem Wort: sehr wohltuend.
Höhepunkt des Abends ist „Dead Disco“ mit ganz, ganz vielen bababa’s und einem sehr zarten und schönen Mittelteil. Zwei Zugaben bilden den würdigen Abschluss. „Monster Hospital“, vielleicht bekannt aus Grey´s Anatomy und CSI: Miami sowie das semiakustische „Live it out“.
Metric sind in Kanada und den USA zu recht mittelgroß und bei uns zu unrecht relativ klein. Ihrer Fanbasis können sie sich aber sicher sein. Das Luxor ist ohne großartige Konzertvorankündigungen nahezu ausverkauft. Hier greift das Phänomen, das auch die Stars (zufällig auch aus Kanada) oder Tegan & Sara (ach, ebenso aus Kanada) kennen: kaum Radiozeit oder Medienpräsenz, aber volle Konzerte in Gloria- Größenordnungen. Besser so als andersrum.

Metrics Hitpotential ist unbestritten und live untermauern sie den guten Eindruck, den – zumindest – zwei ihrer Alben bei mir hinterlassen haben. Neben den Stars werden, ach was sind, Metric meine zweitliebste Kanadaband. So war es ein sehr lohnenswerter Abend, der das knapp 90 minütige Ohrenflimmern mehr als rechtfertigte. Vorne rechts ist schon ein blöder Platz im Luxor.

Kontextkonzerte: