| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Hier könnte ein Bericht über das Evan Dando Konzert im Kölner Underground stehen.
Nun ist es ein Royal Bangs Konzertbericht geworden, und das hat einen Grund. „Shit xmas“ heißt er und ist auf der aktuellen Musikexpress CD. Als ich diesen Song nachmittags hörte, warf das meine Abendplanung über den Haufen.
Als Support von Port O’Brien sollten Royal Bangs im Gebäude 9 spielen und für mich war die Sache klar. Diese Band will ich unbedingt sehen.
Somit kein Evan Dando, dessen beste Tage eh weit in der Vergangenheit liegen, sondern eine hochgelobte Newcomerband. Wobei, so neu sind Royal Bangs nicht, zwei Alben haben sie bereits veröffentlicht. Ihr Debüt gaben sie 2008 mit „We breed champions“. Das kürzlich veröffentlichte „Let it Beep“ brachte allenthalben positive Kritiken. Lesefutter zu dem Album, dass es in vielen Blogs in die Jahres Top10 schaffen wird, gibt es hier und hier.
40 Minuten, 9 Songs; das sind die Eckdaten eines sehenswerten Auftritts. Als Bulette im Sandwichbrötchen zwischen den First Aid Kits, ein sympathisches Schwedenduo mit vorhersehbaren Folkklängen an Keyboard und Gitarre, und den Kaliforniern Port O’Brien, vier gefühlten Seebären mit einem sehr rockigen und wilden Set, brachten Royal Bangs viele dazu, ihre Jacken auszuziehen. Die erste leichte Winterkälte, die aus der dunklen Nacht in die Halle kroch, hatte gegen die tanzbaren Indierock meets Elektro Klänge wenig Chancen. Ja, es wurde uns warm im dünn isolierten Gebäude 9. Warm ums Herz und warm durch Bewegung.
Wer nicht mitwippen musste, hat aktuelle Indiemusik nicht verstanden. Gehörte der letzte Herbst RaRaRiot, das Frühjahr den Pains of being pure und der Sommer Pompeii und Health, so sind die Royal Bangs und die Japandroids das diesjährige herbstliche Indie- Maß der Dinge.
Gitarre, Bass, Keyboard und die obligatorische zweite Trommel gehören neben dem Schlagzeug zur Grundausstattung. Sänger Ryan Schaefer, der in ein viel zu hoch aufgestecktes Mikrofon singt und nebenbei die beiden Keyboards bedient, Bassist Henry Gibson, Schlagzeuger Chris Rusk und die beiden Gitarristen Brandon Biondo und Sam Stratton sind Royal Bangs.
Fünf Jungs, das erste Mal in Köln, das erste Mal in Europa überhaupt.
Royal Bangs erinnern mich mit ihren Songs an Arcade Fire oder TV on the Radio. Besser gesagt an TV on the Radio für die Tanzfläche, denn Royal Bang haben mehr Pop, mehr Tanzhymnen und weniger Rockabgehacktheit und Kopfklänge als die New Yorker. Das klang live sehr gut und war ein, nein das definitive Kaufargument für beide CDs am Verkaufsstand. Denn mehr als besagtes Musikheftbeilagenschnipsel kannte ich vor dem Konzert nicht.
Das die Kennlernphase innerhalb eines Songs abgeschlossen war, lag an den immer eingängigen, immer rumpeligen und sich im klassischen Indiefeld bewegenden Melodien. Keyboards ja, wo immer sie nötig sind, dabei aber nie zu aufdringlich oder zu elektrifizierend. Live klingt das ganze sowieso rockiger und geradliniger als auf den Alben, wie ich mir heute erhört habe. Und wer Songs Namen gibt wie „Japanese cars“, Hyundai from Korea“ oder „Little Switzerland“ kann nur sympathisch sein. Im Fall von Royal Bangs trifft dies denn auch zu.
„Post- nothing“ heißt das aktuelle Album der Japandroids, post- nothing sind auch Royal Bangs. Oder um ex-Metalla Moderator Markus Kavka zu zitieren: „Die coolsten Hunde seit es Hunde gibt.“

Port O’Brien waren überraschend rockig. Ich hatte Befürchtungen, dass nach dem letzten sehr reduzierten und folkigen Album „Threadbare“ das Konzert in ebenso ruhiger Atmosphäre ablaufen wird. Doch weit gefehlt. Van Pierszalowski brachte seine Band mit, und Cello, Mandoline und Akustikgitarre blieben zuhause. Folkrock ohne Kompromisse, Kurt Cobain Shuffle und fliegende Haare inbegriffen. So hatte ich Port O’Brien auch aus dem letzten Jahr in Erinnerung, als sie im Gloria zusammen mit Get well soon auftraten. Sehr gut!
Somit blieben die schwedischen Schwestern Klara & Johanna Söderberg aka First Aid Kit die einzigen ruhigen Elemente an diesem tollen Gebäude 9 Konzertabend.
Wer sich noch mehr für die beiden Brötchenhälften des Abends interessiert, wird hier fündig, und die Intro schreibt über das alkoholisierte Evan Dando Konzert hier.

Multimedia:
Fotos Royal Bangs: frank@flickr
Fotos Port O’Brien: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Get well soon – Köln, 07.12.2008

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."