Anna Calvi – Köln, 05.10.2011

Ort: Luxor, Köln
Vorband: Frànçois & The Atlas Mountains

Anna calvi - Köln, 05.10.2011

Anna Calvi singt mit weit aufgerissenem Mund. Klar akzentuiert klingt ihre dunkle Stimme. Oh ja, singen kann die junge Frau aus England, und wenn die Welt gerecht wäre würde sie den nächsten James Bond versoundtracken und nicht ihre Inselkollegen Adele. (Was jetzt nicht heißen soll, dass sie es nicht verdient hätte, Anna Calvi hätte es nur mehr verdient.)
Gitarrespielen kann sie auch. Und wie! Zur großen Freude des jazzangehauchten Publikums. Das ist zahlreich erschienen, das Luxor meldet ausverkauft, und so sind wir an diesem Abend nicht umgeben vom typischen Indiepopkonzertpublikum, und vielleicht ist das ein Grund mit, warum dieser Abend ein nerviger und anstrengender Abend für mich war.
Auch dazu beigetragen haben bestimmt die abgehetzte Anfahrt (Zug verpasst, Lieblingsparkreihe besetzt), der vorangegangene Orthopädenbesuch, die Vorgruppe und viele Aufreger der Woche, die dazu führten, dass es letztlich ein für mich nicht überzeugendes Konzert wurde.
Jeodch der Reihe nach, und dann weiter zur Musik:
Als ich kurz vor neun im Luxor auflaufe, ist der Laden schon gut gefüllt. Das Konzert ist seit Wochen ausverkauft, wenig verwunderlich nach einem tollen Stadtgartenauftritt im Frühjahr (den ich wegen Antriebslosigkeit sausen ließ) und einem überragenden selbst betiteltem Debütalbum der Sängerin (das ich eine lange Zeit intensiv gehört habe).
Das lästige am Luxor ist, dass sich die Waschräume quasi direkt neben der Bühne befinden, und man sich durch den kompletten Konzertsaal kämpfen muss, um dort hinzu gelangen. Für Gäste, die das nicht wissen, erscheinen Waschraumgänger auf den ersten Blick als Vordrängler und Reinquetscher, und so wird ihnen gerne schon mal der Weg Richtung Bühne (und Waschraum) nur äußerst missmutig freigegeben. Sehr schnell wurde mir bewusst, dass an diesem Abend viele Besucher zum ersten Mal das Luxor betraten. Nun gut, geduldige Wortwechsel helfen weiter und irgendwann war das Ziel erreicht. Eigentlich eine belanglose Sache, wenn ich nicht diese Art von unsinnigen Gesprächen den ganzen Abend über immer mal wieder gehört und gesehen hätte.
Ach Leute, was ist denn dabei, wenn jemand seinen Platz verlässt, weil er durstig ist oder es zu warm oder was-auch-immer und ein paar Minuten später wieder zurück zu seinen Leuten möchte? Dann muss man doch nicht böse gucken. Aufgestanden, Platz vergangen, gilt nicht immer und hier überhaupt nicht.
Wie komme ich jetzt auf den Begriff „Komfortzone“? Dass sie bei ausverkauften Konzerten selten eingehalten werden kann, liegt in der Natur des Luxors, dass sie jedoch so schamlos übertölpelt wird wie an diesem Abend nicht unbedingt. Man stelle sich die Situation wie folgt vor: voller Laden, vierte Reihe, kurz vor der Sardinenbüchse. So weit alles im grünen Bereich. Wir haben es uns in der Enge eingerichtet. Oft erlebtes, oft ertragenes. Dann ein Geschiebe von rechts, und zwei weitere Menschen klebten vor unseren Bäuchen. „Ist doch okay, wir sind ja auch kleiner.“ Nein, es ist nicht okay, denn nicht nur Größe, sondern auch die Masse spielt eine Rolle.
An normalen Tagen stört mich das alles sehr wenig, aber gestern Abend waren es die falschen Momente. Will sagen, es war ein mehr als unglücklicher Start in ein Anna Calvi Konzert, auf das ich sehr gespannt war.
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