| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

I like Trains – Brüssel, 16.02.2014

Ort: Botanique, Brüssel
Vorband: Her name is Calla

I like Trains

Wir haben da so ein Traditionsding. Wenn es die Zeit erlaubt, und die erlaubte es bisher immer, kehren wir vor einem Konzertbesuch in der Brüsseler Botanique in einen in der Nebenstraße gelegenen türkischen Imbiss ein. Snack Le Botanique  heißt der Laden und er macht, wie so viele Gebäude und somit auch Imbissstuben in der belgischen Hauptstadt, einen leicht abgeramschten Eindruck. Aber das ist nur äußerlich, denn seitdem wir hier vor Jahren zum ersten Mal einkehrten, wurden wir nie enttäuscht.
Und so kommen wir immer wieder und schaffen zwischen Autofahrt und Konzert mit Pommes, Dürüm und Döner eine magenfüllende Grundlage für den Abend. Das letzte Mal war ich vor gut einem Jahr hier. Seitdem hat sich einiges geändert. Alles neu, könnte ich meinen und es scheint, als ob der Imbiss gentrifiziert worden wäre. An der hinteren Wand hängt eine New York Fototapete (allerdings eine ohne Blick auf Manhattan, sondern den East River entlang), das Mobiliar wurde ausgetauscht und an der Theke werde ich nun gefragt, welche Soßen und Salate ich zu meinem Dürüm/Döner haben möchte. Und es gibt Menüs zum Komplettpreis. Gott sei Dank hat sich die Qualität nicht verändert, der Laden ist nach wie vor top und weiterhin ein Imbissstubentip in der Nähe der Botanique.
Den Magen voller bester belgischer Pommes betraten wir Gegen halb acht die Botanique, wir waren entspannt im Zeitplan (bei Autofahrten nach Brüssel geht dieser nicht immer auf, daher ist das erwähnenswert) und wir konnten den Bands beim Merchaufbau vor der Rotonde zuschauen. Das I like Trains Konzert sollte im mittleren der drei Botanique Konzertsäle stattfinden. Ein kleinerer liegt im Keller, der grössere Saal weiter hinten in dem Gebäude, das vormals die Orangerie des königlichen botanischen Gartens war. (mehr …)

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I like trains – Köln, 29.10.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Der Rest

I like trains kenne ich. Ein bisschen. Vor knapp zwei Jahren besuchte ich ihr Konzert an gleicher Stelle und war sehr angetan. Das war 2010 und ihr Album „He who saw the deep“ war just erschienen. Ich hörte es sehr oft und Songs wie „Progress is a snake“ oder „Broken bones“ brannten sich in mein Gedächtnis. Damals fand ich das alles passend, die Musik, die Jahreszeit, das Wetter. Also mollige gitarrenlastige Melancholie, Winter, nasse Kälte.
Zwei Jahre später sind die Eingangsparameter nahezu identisch. I like trains haben derweil ein drittes Album veröffentlicht und letzte Woche erinnerte ich mich an die Band und ihr wohliges Konzert. Mit Paul Cezanne beschloss ich seinerzeit den Abend, sein Satz “I think, everything is lost.” kam mir damals sehr passend als eine ein-Satz Zusammenfassung vor.
„Everything is lost.“ Das passt irgendwie immer. Aber „es ist erst das Ende, wenn es gut ist“ auch. Und da New York nach jetzigem Stand der Dinge nicht untergehen wird (allerdings der tolle Atlantic City Boardwalk teilweise verschwunden ist), ist nichts verloren. Weder hier noch drüben, und erst recht nicht gestern Abend im Gebäude 9.
I like trains. Es war ein gutes Konzert, überraschenderweise kannte ich viele der gespielten Songs. Das bedeutet, zum Leidwesen meines Konzertfreundes, der die dunkle Seite der Band sehr zu schätzen weiß, dass die Nordengländer viele Songs ihres vermeintlich schwächsten zweiten Albums gespielt haben. So waren ein Drittel der Setlist von „We saw the deep“, zugespitzt in der einzigen Zugabe des Abends, „Sea of regrets“, dieses wundervoll getragene poppige Etwas.
Wie schon knapp zwei Jahre zuvor hatte ich auf dem Nachhauseweg das gute Gefühl, in I like trains eine Band gefunden zu haben, zu deren Konzerten man gefahrenlos gehen kann. Mögen ihre bisherigen Alben auch musikalisch indifferent und sehr unterschiedlich sein, live schafft es die Band, einen roten Faden zu spinnen, der die unterschiedlichen Ausrichtungen sehr gut in der Reihe hält und Brüche oder komische Momente überhaupt nicht erst aufkommen lässt.
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I like trains – Köln, 19.01.2011

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband:Delay trees

I like trains - Köln, 19.01.2011 (Foto: stsch)

Mittwoch vor 172 Jahren wurde Paul Cezanne geboren. Paul Cezanne war einer der einflussreichsten Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts und stilprägender Wegbereiter nachfolgender Malergenerationen des Postimperialismus und der Moderne.
Warum erwähne ich dies? Nun, am Morgen erinnerte mich Google an diesen Umstand und so blätterte ich mich im digitalen durch sein Gesamtwerk. Dabei fiel mir auf, dass zu den Bildern seiner „dunklen Periode“ (es wäre übertrieben zu behaupten, ich hätte auch schon vor vier Tagen gewusst, dass Paul Cezanne eine dunkle Phase hatte) ideal die I like trains Songs passen, die zufällig im Hintergrund liefen.
So ganz zufällig lief das aktuelle I like trains Album natürlich nicht, sollte doch am Abend ihr Konzert anstehen und ich wollte mich vorab noch mal ein wenig einhören.
Dicker Farbauftrag, kontrastreiche, dunkle Töne und getragene Gitarren, an dieser Kombination zu tagschlafender Zeit gab es nichts auszusetzen, dieses Zufallskonstrukt war ein harmonisches Ganzes.
I like trains sind die Sorte Bands, die ich „aus dem vorbeigehen“ kenne. Hier und da habe ich mal was gehört, aber ernsthaft mit ihnen beschäftigt habe ich mich nie.
Ihre letzte CD „He who saw the deep“ kaufte ich alternativlos, aber auch, weil mir irgendwann auf einer Autofahrt erzählt wurde, I like trains gehören zu den guten Bands.
Und zu diesen gehören sie zweifellos. Ihr 2010er Album ist toll. Die Songs erinnern zwar stark an 20 andere Bands und an die Editors, aber es gibt schlimmere Querverweise.
„He who saw the deep ist ja ihr Sommeralbum“. Es war während der Umbaupause im Gebäude 9, als ich diese Worte höre. Verstehen konnte ich sie nicht. Noch nicht. 90 Minuten später war mir klar, was gemeint war.

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