| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Giant Sand – Köln, 03.12.2018

Facebook erinnerte mich letzte Tage daran, dass ich ziemlich genau vor einem Jahr Howe Gelb mit seinen beiden Mitmusikern live gesehen habe. Als Howe Gelb Trio gaben sie im tollen Domicil in Dortmund ein Jazzkonzert, das mich sehr beeindruckte. Howe Gelb, diesen Kerl hatte ich bis dato gar nicht auf meiner Musiklandkarte. Trotzdem oder gerade deswegen überlegte ich sehr lange, ob ich das Giant Sand Albumkonzert zu Return to the valley of rain besuchen sollte oder nicht.

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Anna Burch – Köln, 10.09.2018

Das King Georg schließt bald seine Pforten. Also zumindest musikalisch. Die derzeitigen Betreiber hören zum Jahresende auf, las ich die Tage, wie es mit Konzerten im King Georg weitergeht, man hat noch keinen Plan. Ein paar Jahre lang war der ex-Nachtklub mit seiner Nicht-Bühne Hort wunderbarer feiner Musikkonzerte. Ein Liebhaberprogramm von Musikliebhabern, sorgsam und spannend zusammengestellt. Der Satz klingt so richtig wie kitschig. Immer wieder spielten hier neben jungen, neuen Bands auch altsemestrige Indiehelden, von denen man glaubte, sie gäbe es gar nicht mehr.

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Ought – Köln, 13.11.2014

Ort: King Georg, Köln
Vorband: Dazzle Ships

Ought

Es war noch Zeit, also konnte ich meinen Plan umsetzen, und dem King Georg einen zwar geplanten aber doch spontanen Besuch abzustatten. An diesem Abend sollte dort die kanadische Band Ought spielen.
Eine Band, deren Debütscheibe More than any other day ich in den letzten Wochen sehr oft hörte und höre. More than any other day ist aus komplett grandios, ich fürchte, einen schwachen Song gibt es auf diesem Album nicht.
Ought klingen wie Clap your hands say yeah zu ihrer besten Phase ohne die nervige Stimme des Sängers und wie Modest Mouse ohne deren Trantütenhaftigkeit. Ought sind da etwas knackiger, aber nicht zu knackig.

Auf Platte hatte ich die Band im weitesten Sinn dem Post Punk zugeordnet. Roh und scharf klingen die Gitarren, nölig der Gesang. Live aber ist das irgendwie anders. Im King Georg sind ihre Gitarren viel poppiger, die Musik klingt weniger nach Punk als vielmehr nach Pop. Oder wegen meiner nach Art Punk. Television fällt mir irgendwann ein. Keine Ahnung ob’s passt, aber es tut der Sache auch keinen Abbruch. David Byrne hatte ich bei Ought von Anfang an im Kopf, Tim Beelers Gesang erinnert in einigen Stücken („Habit“) stark an den Sänger der Talking heads. Live ist das weniger so, da taucht der Sprechgesang etwas ab und klingt weniger prägnant. Vielleicht lag es aber auch an der schwachen Aussteuerung. Zu Beginn fragte Tim Beeler mehrfach in die Runde, ob jeder seinen Gesang zu höre, um dann aber abschließend zu erklären, dass dieser gar nicht so wichtig sei. (mehr …)

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Ahuizotl – Köln, 24.10.2014

Ort: King Georg, Köln
Vorband: Lauter Bäumen

ahuizotl

Alle paar Monate überfällt mich die Wehmut nach 1990er Jahre Gitarrenindiemusik. Dann krame ich in den hinteren Ecken meines CD Regals und suche das, was dort schon länger steht und nicht mehr so oft Beachtung findet. Vor einigen Wochen erwischte es Sharon Stoned und all das, was sich im damaligen Umfeld der Ostwestfalen so rumtrieb: Hip Young Things, Speed Niggs, H.P. Zinker. Das Sharon Stoned Album Sample & Hold ist sicher eines der meist unterschätzten und eines meiner liebsten. Ich muss es dringend allen empfehlen, es ist wunderbar! Es fasst für mich all das auf einer Platte zusammen, was ich an Gitarrenmusik so mag und schätze.
Warum erzähl ich das?
Nun, ich war auf einem Konzert der Kölner Band Ahuizotl, die sich voll und ganz im Sound und in der Tradition des 1990er Gitarrenindies wälzt. Auf den ersten Blick mag das kurz irritieren, klingt Ahui-Dingens doch eher nach einer bayerischen Blas- und Tanzkapelle, nach Oktoberfest und Schützenfestumzug als nach anderem. Ahuizotl, nennt man so seine Indieband?
Nun, die vier Kölner haben es getan und orientierten sich bei der Namensgebung an einem aztekischen Vieh, hundsähnlich und in Gewässern lebend.

Ich sah Ahuizotl vor einigen Jahren im Vorprogramm der englischen Frauencombo Bleech. Normalerweise ist es ja so, dass die Vorband irgendwie da ist aber nicht immer meine tiefergehende und Beachtung findet. Das klingt nicht nur ungerecht und gemein, es ist auch. Im Laufe all meiner Konzertbesuche habe ich unbewusst folgendes Verhalten an mir beobachtet: Die ersten Songs einer Vorband höre ich intensiv zu, aber wenn sie es in dieser, eigentlich viel zu kurzen Zeit nicht schaffen, mein Interesse zu wecken, wird es für sie schwierig. Sehr schwierig. Dann werde ich schnell unaufmerksam und lasse mich ablenken. (mehr …)

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Thurston Moore – Köln, 31.03.2014

Ort: King Georg
Vorband:

Thurston Moore Um halb neun stehe ich im King Georg zwischen Theke und Wand. Wer zu spät kommt, den bestraft dieser Klub mit einem ‘nichts von der Bühne sehen‘ Konzerterlebnis. Aber was schreibe ich, eine Bühne gibt es in diesem ehemaligen Schummeretablissement überhaupt nicht. Die Musiker stehen in der Mitte vor zwei runden Sitzecken, das Publikum steht drum herum. Was in der Theorie wunderbar klingt, also direkter Körperkontakt zum Musiker, ist in der Praxis ziemlich doof: weil man in letzter Konsequenz mehr hört als sieht, weil man irgendwie überall im Weg steht (Durchgang zum Klo, Durchgang nach hinten, Durchgang für die Thekenfrau).
Gerne würde ich das King Georg nicht so oft aufsuchen müssen, aber es ist auch so, dass dort nahezu wöchentlich hochkarätigste Bands und Musiker spielen. Also muss man da hin! Und so kam ich eben dieses Mal nicht umher, und nahm zähneknirschend die Unwägbarkeiten in Kauf. Ein bisschen abschwächen kann man sie nur, wenn man pünktlich zum Einlass vor Ort ist, um sich einen der ersten Reihenplätze zu sichern oder aber um nicht im Gangbereich weiter hinten zu landen.
Ich schaffte es an diesem Abend nicht ganz so pünktlich, und da ich auch noch einige Minuten in der Schlange vor der Tür vertrödelte, war es eben schon halb neun und der Laden schon dreiviertel voll, als ich, um die beiden Eingangsecken biegend, den Thekenbereich des King Georg betrat. Gut, damit war ein Teil des Abends quasi schon gelaufen. Da ich jedoch von diesem Konzert eher ein Ohren- als einen Augengenuss erwartete, war das geschenkt. Und Thurston Moore und Steve Shelley hatte ich nun schon ein paar Mal gesehen. Wie die aussehen und welche Instrumente die spielen, wusste ich. (mehr …)

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Shonen Knife – 11.09.2013

Ort: King Georg, Köln
Vorband:

Shonen Knife

Am Ende blieb nur die in Kanji geschriebene Setlist.
Osaka Rock City. Das ist nicht nur ein Song der aktuellen Shonen Knife Albums „Pop tune“ sondern war irgendwie auch das Motto des gestrigen Abends im King Georg. Shonen Knife zelebrierten dort eine Stunde lang ihren landläufig bekannten PowerPop oder PunkPop, wie immer man es nennen möchte.
Die japanischen Shonen Knife sind eine große alte Rockinstitution. Seit 1981 existiert die Band um Naoko Yamano. Von der Urbesetzung ist die Gitarristen und Sängerin noch die einzige, die aktuell mit dabei ist. Bassistin Ritsuko Taneda und Schlagzeugerin Emi Morimoto komplettieren erst seit einigen Jahren das Trio. Bekannt wurde die Band Ende der 80er, Anfang der 90er, als sie, auch protegiert von Sonic Youth, mit ihrem Ramones-esken Gitarren irgendwie in die Zeit passte. In den USA und natürlich in Japan waren sie groß. Oder sie sind es immer noch, das weiß ich nicht.
Ich hatte mich seinerzeit eher wenig für die Japanerinnen begeistert, ebenso wenig wie ich mich für die Ramones grösser begeistern konnte. Abseits der bekannten Hits blieben mir die Ramones verschlossen, ihren PowerPunkRock fand ich zwar schön und nett, aber um intensiver in ihr Gesamtwerk einzudringen reichte es einfach nicht. Und es schien mir nicht notwendig, da ich in der Indiedisco alle naselang „Blitzkrieg Bob“, Pet sematary“ oder „Sheena is a punk roker“ hörte. Das war mir genug, auf zweieinhalb Minuten Songs und eine Minute Suppen stand ich seinerzeit nicht so. Die Ramones gehören zu Shonen Knife wie Miso Suppe zum Frühstücksbuffet in japanischen Hotels. Live haben sie immer ein Ramones Cover im Programm, im King Georg war es „Roch’n’Roll Highschool“. Ja, Shonen Knife sind große Ramones Fans. Vor 2 Jahren nahmen sie ein komplettes Ramones Cover Album auf und würdigen darauf ihre Helden in ausgiebiger Art und Weise. Nun denn, warum auch nicht. (mehr …)

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