| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Melt! 2008

Es waren ganz schön viele, und alle waren ihr Geld wert. Welches das beste war, ich weiss es nicht, aber es gab einige, die mir sicherlich länger im Gedächtnis bleiben werden als andere, allen voran die Konzerte des Melt! Wochenendes. Nüchtern betrachtet, eine Katastrophe, all das Menschenchaos am Einlaß, der Regen, …. Im Nachhinein aber vielleicht doch wunderbare und typische Festivalmomente!
Einer dieser Augenblicke war der Auftritt von Zoot Woman.

Der erste Gewitterschauer des Festivals klingt ab, es regnet nur noch mittelstark, doch Kate Nash lässt uns vor der Hauptbühne wortwörtlich im Regen stehen. Wir beschließen, uns aufzuwärmen und was zu essen. Der einzig trockene Ort ist in diesem Moment das Zeltdach der Zweitbühne (GeminiStage ist der Fachbegriff). Wurst in der linken, Getränk in der rechten Hand, und das Zeltdach vor Augen. Als wir an der GeminiStage ankommen, betreten Zoot Woman die Bühne. Ich habe nur wage Vorstellungen von ihrer Musik, kenne eigentlich nur bewusst ein Lied. Nach 10 Sekunden bebt das Zelt. Der Holzboden gibt jede Schwingung direkt zurück und so wird man – ob gewollt oder nicht – zum mithüpfen gezwungen. Nach drei Songs weiß ich, dass ich viel mehr von Zoot Woman kenne als ich dachte. „Living in a magazine“, „It’s automatic“ und „We won’t break“ zum Beispiel. Nach einer knappen Stunde ist ihr Auftritt vorbei. Draußen regnet es nicht mehr.
Das Überraschungskonzert des Jahres.
Am Samstag gingen die Wettereskapaden munter weiter, diesmal mit und bei The Notwist.
Nach 10 Minuten sind wir trotz Gore-Tex Softshell Jacken bis auf die Knochen nass. Da stehen wir nun, bedröppelt und hilflos und müssen einsehen, dass es besser ist, den Platz vor der Bühne mit einem Platz unter einem Bierstandvordach zu tauschen. Doch das bringt in diesen Augenblicken auch nichts mehr ein. Der Regen kommt nicht von oben, sondern peitscht seitlich auf die Welt. Die Foto-Kamera ist zerstört, ihre Aussenhülle hat der Feuchtigkeit nicht trotzen können. Wir wissen nicht, was wir machen sollen. Nach unendlich langer Zeit hört der Regen auf. Wir wandern umher, werden aber nicht mehr so recht warm. The Notwist spielen noch irgendwann ihr Set. Wir sehen die Band aus der Ferne und beschließen, das Festivalgelände zu verlassen.

Eine Lieblingsband habe ich dieses Jahr sehen dürfen, Portishead in Köln. Ich habe lange auf das Konzert warten müssen. Lichtshow, Sound, Konzertgefühl, alles war tipp topp im Frühjahr. Gänsehaut und literweise kühle Rückenschauer ab der ersten Sekunde. Mehr muss ich nicht sagen. Vielleicht war dies das beste Konzert in 2008.

Und dann waren da noch die schönen Konzertausflüge, in die Sixth and I Synagogue zum Beispiel, wo die Eels einen wunderbaren Auftritt hinlegten, oder ins Brüsseler vk zu den Charlatans, oder Liam Finn und Laura Veirs in Toronto.

Oder Paul Weller in Washington. Der besondere Moment des Augenblicks. Die Band gibt eines ihrer letzten Konzerte der Amerikatour. Alle freuen sich auf Hause und feiern zum Abschluss eine grossartige Sause. Fussballstadionatmosphäre auf der Bühne, staunende Augen davor. Als gefühlte fünfte Zugabe „All you need is love“…. Ach ja, der Schlagzeuger ist der Hammer und der begeisterndste Musiker an diesem Abend!!!

Sowas sollte man öfters machen, Kurzurlaube mit Konzertbesuchen koppeln. Mal sehen, ob es in 2009 Interessensüberschneidungen geben wird.
Aber auch daheim beschleicht mich ein ums andere Mal das schöne, aber doch unbeschreibliche Gefühl des Konzertkribbelns. Kurze Augenblicke der totalen Zufriedenheit. Cat Power schaffte das, und Mogwai, die Stars und Elbow sowieso. Leider nicht so ganz hingehauen hat dies bei Kettcar oder Amy MacDonald.
Was nicht heißen soll, dass es schlechte Konzerte waren, obwohl, Kettcar waren schon sehr nah dran, …

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."