{"id":9848,"date":"2018-05-21T15:41:36","date_gmt":"2018-05-21T13:41:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/?p=9848"},"modified":"2018-05-21T16:12:01","modified_gmt":"2018-05-21T14:12:01","slug":"ben-folds-hamburg-16-05-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/ben-folds-hamburg-16-05-2018\/","title":{"rendered":"Ben Folds &#8211; Hamburg, 16.05.2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ort:<\/strong> Elbphilharmonie, Hamburg<br \/>\n<strong>Vorband:<\/strong> Matt Holubowski<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-9850\" src=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1-1.jpg\" alt=\"Ben Folds\" width=\"2048\" height=\"1152\" srcset=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1-1.jpg 2048w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1-1-200x113.jpg 200w, https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/1-1-520x292.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/>Mit der linken Hand in der Hosentasche schlurft <strong>Ben Folds<\/strong> auf die B\u00fchne. Zu Recht v\u00f6llig unbeeindruckt von den R\u00e4umlichkeiten des gro\u00dfen Saales der Elbphilharmonie setzt er sich an den Fl\u00fcgel, nachdem er, sich einmal um 360 Grad drehend, in die Runde gewinkt hat.<br \/>\nDer Fl\u00fcgel ist das einzige Instrument auf der B\u00fchne, in der Mitte aufgebaut und &#8211; wie immer &#8211; von links nach rechts (aus Sicht des Publikums) ausgerichtet. Klavier oder Fl\u00fcgel stehen immer von links nach rechts, warum ist das eigentlich so? Hat das was mit der Erdrotation zu tun? Vielleicht finde ich eine wissenschaftliche Abhandlung \u00fcber den B\u00fchnenaufbau von Klavieren und Fl\u00fcgeln, doch bevor ich danach google und weiter abschweife, zur\u00fcck zum Konzertabend des amerikanischen Musikers.<\/p>\n<p><strong>Ben Folds<\/strong> ist unbeeindruckt, schlie\u00dflich hat er schon alle bekannten Philharmonien und Konzerth\u00e4user dieser Welt bespielt. Die Oper in Sydney, die Harpa auf Island, die Live Music Hall in K\u00f6ln. Da ist die in Deutschland zwar einzigartige, aber dar\u00fcber hinaus nicht sonderlich au\u00dfergew\u00f6hnliche Elbphilharmonie f\u00fcr ihn nur ein Konzerthaus von vielen. Viele Musiker k\u00f6nnen das bestimmt nicht behaupten.<br \/>\nEiner von ihnen ist <strong>Matt Holubowski<\/strong>, der vor dem <strong>Ben Folds<\/strong> Konzert einen halbst\u00fcndigen Auftritt in gew\u00f6hnlicher &#8211; und damit leider f\u00fcr mich wenig spannender &#8211; Singersongwriter Manier pr\u00e4sentierte. \u2018 I am not fancy enough for this room\u2018, bemerkte er in der Mitte seines 7 Songs langen Auftritts. Tja, das kann man so sehen, aber an diesem Abend waren viele nicht fancy genug f\u00fcr die Elbphilharmonie. So what, entscheidend ist nicht die Fancy-ness, sondern die musikalische Qualit\u00e4t. Und <strong>Matt Holubowski<\/strong> hat durchaus Qualit\u00e4t. Und das ist kein Widerspruch dazu, dass ich es eher langweilig fand.<\/p>\n<p><strong>Ben Folds<\/strong> ist auch nicht fancy (= schick, kunstvoll), aber er wei\u00df mit den R\u00e4umlichkeiten umzugehen. Ziemlich schnell hat er den Saal im Griff, und nimmt uns mit in den sing-a-long mit <strong>Ben Folds<\/strong> Abend.<br \/>\nLoss mer singe hei\u00dft eine Mitsingreihe in K\u00f6ln, bei der Menschen zusammen kommen, um gemeinsam Lieder zu singen. Sei es in der Lanxess Arena, in der Kulturkirche oder sonst wo. Der Spa\u00df am gemeinsamen Singen bestimmt diese Abende.<br \/>\nAuch <strong>Ben Folds<\/strong> Konzerte leben zum gro\u00dfen Teil von der Mitmachbereitschaft des Publikums: Mitsingen oder zumindest mitsummen ist ein wichtiger Bestandteil eines <strong>Ben Folds<\/strong> Konzertes. Wer das nicht wusste oder im Laufe der Jahre vergessen hatte, konnte sich sp\u00e4testens beim dritten Song \u201eBastard\u201c davon \u00fcberzeugen lassen oder sich diese Sache in seine Erinnerung zur\u00fcckrufen.<br \/>\nNachdem er minutenlang die unterschiedlichen Ahhs und Ohhs mit der Elbphilharmonie durchgegangen war und sich zufrieden \u00fcber die Klaviatur beugte war klar, dass wir an diesem Abend nicht das letzte Mal von <strong>Ben Folds<\/strong> dirigiert werden sollten.<\/p>\n<blockquote><p>This was just the rehearsel.<\/p><\/blockquote>\n<p>Von da an wusste jeder: Immer wenn <strong>Ben Folds<\/strong> den Oberk\u00f6rper reckt und mit halboffenem Mund in die Runde schaut, ist es an der Zeit, mitzumachen. Ahhh Ohhhhh.<br \/>\nErst z\u00e4rtlich, dann &#8211; auch aufgemuntert durch den Animateur <strong>Ben Folds<\/strong> \u2013 h\u00f6re ich immer lauter immer mehr ahh und ohhs aus dem Publikumsrund. Egal ob in der Elbphilharmonie oder vor Jahren in der Bochumer Zeche, wo ich <strong>Ben Folds<\/strong> das letzte Mal live sah. Manche Dinge \u00e4ndern sich nicht.<\/p>\n<p>Und wenn alle gut mitmachen, erhebt sich <strong>Ben Folds<\/strong> von seinem Hocker und dirigiert wie weiland <strong>Gotthilf Fischer<\/strong> die Massen. Ich habe den Eindruck, diese Momente gefallen ihm in seinen Konzerten am meisten. Es macht ihm Freude und vielleicht sogar ist es ihm sogar wichtig, auf diese Art und Weise die Leute in seinem Konzertabend mitzunehmen. \u00dcberdies ist es sehr lustig und ein gro\u00dfer Spa\u00df; auch einem Mitmachmuffel wie mir.<\/p>\n<p>Seit l\u00e4ngerer Zeit ist der Amerikaner mal wieder bei uns unterwegs, das Konzert in der Elbphilharmonie eines von zweien in Deutschland und somit in erreichbarer N\u00e4he. Es bestand nie Zweifel, der Konzertank\u00fcndigung in der Elbphilharmonie Folge zu leisten. <strong>Ben Folds<\/strong> und ein Klavier, wie toll muss das in diesem Konzertsaal funktionieren! Dachten auch andere, denn ruck zuck war der Abend ausverkauft. Nicht selbstverst\u00e4ndlich bei Ticketpreisen um die 70 Euro. Dass dann am Abend einige Pl\u00e4tze unbesetzt blieben war irgendwie unverst\u00e4ndlich.<br \/>\nTicketpreise hin oder her, nat\u00fcrlich war <strong>Ben Folds<\/strong> war jeden Cent wert. Zwei Stunden lang unterhielt er uns aufs Gro\u00dfartigste, spielte ein paar neuere Songs und sehr viele alte Gassenhauer. \u201eAnni waits\u201c und \u201eStill fighting it\u201c sind solche Hits, die zu Beginn schnell die Philharmonie begeisterten, sp\u00e4ter dann \u201eZak and Sara\u201c und \u201eLanded\u201c. Aber nicht nur Songs aus seinem Soloalben belegten die Setlist, <strong>Ben Folds Five<\/strong> Klassiker wie \u201eKate\u201c oder \u201ePhilosophy\u201c geh\u00f6ren ebenso ins Programm. F\u00fcr mich unerwartet spielte er an diesem Abend auch \u00e4ltere und weniger oft geh\u00f6rte Songs. Die Begr\u00fcndung lieferte der Musiker selbst:<\/p>\n<blockquote><p>I\u2019m not often here so I\u2019m playing songs I don\u2019t play very often.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eEvaported\u201c, \u201eUncle Walter\u201c oder \u201eErase me\u201c k\u00f6nnte ich da nennen, die sicher nicht nur ich l\u00e4nger nicht geh\u00f6rt habe.<br \/>\nNoch nicht geh\u00f6rt habe ich sein letztes Album <em>So there<\/em>. In der Elbphilharmonie lernte ich \u201eSo there\u201c und \u201ePhone in a pool\u201c von eben diesem Album kennen. Sie sind etwas ruhiger, weniger poppig und eing\u00e4ngig als die \u00e4lteren Solosachen, so mein erster Spontaneindruck.<br \/>\nDie norddeutsche Version von \u201eRock this bitch\u2026in Hamburg\u201c wird wohl kein zweites \u201eCologne\u201c, aber lustig und nett war sie trotzdem.<\/p>\n<p>Ich achte nicht sonderlich auf Songtexte, es ist mir oft zu m\u00fchselig, Booklets zu lesen oder im Internet nach den richtigen Texten zu suchen. Auch die Geschichten hinter einzelnen Songs recherchiere ich seltener. Bei <strong>Ben Folds<\/strong> ist, bzw. war das anders. Beim Joggen im Wald und mit <em>Rockin\u2018 the suburbs<\/em> im Ohr war oft Zeit und die Ruhe, sich auch auf die Texte zu konzentrieren. Ganz zwangsl\u00e4ufig passierte mir es, dass ich so nach mehrmaligen Durchl\u00e4ufen immer mehr verstand und die Bedeutung von \u201eFred Jones Part 2\u201c und anderen St\u00fccken erkannte. Und irgendwann machte es Klick und ich wurde ein Fan von <strong>Ben Folds<\/strong> Texten. Mir gefielen die Schilderungen von gut beobachteten Situationen \u00fcber einen letzten Arbeitstag (\u201eFred Jones Part 2\u201c) und die R\u00fccksichts- und Ma\u00dflosigkeit von Menschen (\u201eAll u can eat\u201c) oder die trefflichen Ortsbeschreibungen in \u201eJesusland\u201c oder \u201eRockin the suburbs\u201c. Da k\u00f6nnte man merken, dass <strong>Ben Folds<\/strong> auch ein ambitionierter Fotograf mit gutem Auge f\u00fcr Details und Absurdit\u00e4ten ist.<\/p>\n<p>Ein letztes Mal ert\u00f6nten Ahhs und Ohhs, das wunderbare &#8222;Not the same&#8220; beendete das zweist\u00fcndige Konzert. Stehende Ovationen holten <strong>Ben Folds<\/strong> nochmal zur\u00fcck. \u201eArmy\u201c. Eine logische Zugabe, lie\u00df nochmal alle D\u00e4mme brechen.<\/p>\n<p><strong>Setlist:<\/strong><br \/>\n01: Phone in a pool<br \/>\n02: Annie waits<br \/>\n03: Still fighting it<br \/>\n04: Uncle Walter<br \/>\n05: Bastard<br \/>\n06: All U can eat<br \/>\n07: Erase me<br \/>\n08: Fred Jones Part 2<br \/>\n09: So there<br \/>\n10: Evaporated<br \/>\n11: Landed<br \/>\n12: Jesusland<br \/>\n13: Steven&#8217;s last night in town<br \/>\n14: Rock this bitch<br \/>\n15: Brick<br \/>\n16: Gracie<br \/>\n17: Best imitation of myself<br \/>\n18: Philosophy<br \/>\n19: Zak and Sara<br \/>\n20: Kate<br \/>\n21: Rockin&#8216; the suburbs<br \/>\n22: Not the same<br \/>\nZugabe:<br \/>\n23. Army<\/p>\n<p><strong>Kontextkonzerte:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/ben-folds-in-koln\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ben Folds \u2013 K\u00f6ln, 06.02.2007 \/ Live Music Hall<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.pretty-paracetamol.de\/blog\/the-enemy-koln-30012008-20\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ben Folds \u2013 Bochum, 02.07.2008 \/ Zeche<\/a><\/p>\n<p><strong>Multimedia:<\/strong><\/p>\n<div class=\"oceanwp-oembed-wrap clr\">\n<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><script>(function(d, s, id) {  var js, fjs = d.getElementsByTagName(s)[0];  if (d.getElementById(id)) return;  js = d.createElement(s); js.id = id;  js.src = 'https:\/\/connect.facebook.net\/de_DE\/sdk.js#xfbml=1&version=v3.2';  fjs.parentNode.insertBefore(js, fjs);}(document, 'script', 'facebook-jssdk'));<\/script><\/p>\n<div class=\"fb-video\" data-href=\"https:\/\/www.facebook.com\/anna.radozda\/videos\/1927427707291790\/\" data-width=\"1200\">\n<blockquote cite=\"https:\/\/www.facebook.com\/anna.radozda\/videos\/1927427707291790\/\" class=\"fb-xfbml-parse-ignore\"><p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/anna.radozda\/videos\/1927427707291790\/\"><\/a><\/p>\n<p>Ben Folds Elbphilharmonie 16.05.2018<\/p>\n<p>Gepostet von <a href=\"#\" role=\"button\">Anna Radozda<\/a> am Donnerstag, 17. Mai 2018<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der linken Hand in der Hosentasche schlurft Ben Folds auf die B\u00fchne. Zu Recht v\u00f6llig unbeeindruckt von den R\u00e4umlichkeiten des gro\u00dfen Saales der Elbphilharmonie setzt er sich an den Fl\u00fcgel, nachdem er sich einmal um 360 Grad drehend in die Runde gewinkt hat. Der Fl\u00fcgel ist das einzige Instrument auf der B\u00fchne, in der Mitte aufgebaut und &#8211; wie immer &#8211; von links nach rechts (aus Sicht des Publikums) ausgerichtet. 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